Bettenservice für Allergiker Nische mit zunehmendem Bedarf

Welcher Unternehmer sucht nicht nach Nischen, um seine Kapazitäten besser auslasten zu können? Eine solche Nische kann die Pflege von allergikergerechter Bettwäsche sein. Das Dorint Novotel „Charlottenhof“, Halle/Saale, wäscht diese selbst – die Wäsche kann jedoch auch industriell gepflegt werden.

Hausdame Birgit Schatz pflegt die Bettwäsche für Allergiker in der Wäscherei des Hotels. - © Wylegalla

Nische mit zunehmendem Bedarf

24 bis 32 Millionen Deutsche sind allergisch vorbelastet. Zwölf Millionen leiden an allergischem Schnupfen und bei ungefähr vier Millionen Menschen hat sich der Schnupfen zu einem allergischen Asthma bronchiale weiterentwickelt. Tendenz zunehmend.

Damit Allergiker unbeschwert schlafen können, brauchen sie atmungsaktive Bettwäsche, die sie gleichzeitig gegen Keime und Flüssigkeiten abschirmt. Insbesondere die Exkremente von Hausstaubmilben machen vielen Allergikern das Leben schwer. Ein feuchtwarmes Milieu bietet den lästigen Insekten ideale Lebensbedingungen.

Deshalb hat die Industrie auf die Bedürfnisse von Allergikern ausgerichtete Matratzenspannbezüge, Kissen und Steppdecken entwickelt, die mit herkömmlicher Bettwäsche bezogen werden können. Die Pflege dieser speziellen Produkte kann gerade für kleinere Wäschereien eine interessante Nische sein, die zur besseren Auslastung der Kapazitäten beiträgt. Zumal der technische und personelle Aufwand denkbar gering ist.

Warum sollte also der Unternehmer nicht einmal die nächstgelegene Ortsgruppe des Deutschen Allergie- und Asthmabunds e. V. (DAAB) ansprechen und den Mitgliedern einen Service für die Pflege allergikergerechter Bettwäsche anbieten? Denkbar ist aber auch die Zusammenarbeit mit Spezialkliniken und Pflegeheimen als ergänzendes Angebot zur Pflege der Flachwäsche. Im Dorint Novotel „Charlottenhof“ in Halle/Saale z.B. wird die allergikergerechte Bettwäsche in der hauseigenen Wäscherei gepflegt. „Im Jahresdurchschnitt gehen bei uns etwa 150 Anfragen nach Allergikerzimmern ein. Die Nachfrage nimmt stetig zu“, berichtet Hausdame Birgit Schatz. Deshalb gibt es in dem 327-Betten-Haus mit Vier-Sterne-Komfort sowohl ein Einzel- als auch ein Doppelzimmer, bei deren Ausstattung auf Materialien, die allergische Reaktionen auslösen können, konsequent verzichtet wurde.

Nicht nur in diesen Zimmern bewähren sich seit 2001 Matratzenspannbezüge sowie Kopfkissen und Steppdecken von Meera Tex aus robustem und allergenfestem Material. Es gibt sogar nicht von Allergien betroffene Gäste, die wegen des hohen Schlafkomforts ausdrücklich Allergikerbettwäsche als Alternative zu Federfüllungen wünschen. Zu den in Kooperation mit der Bayer AG entwickelten Dreamwave-Betthygieneprodukten gehören knitter- und rutschfeste Matratzenspannbezüge, die an der körperzugewandten Seite mit Polyurethan beschichtet sind. Diese Beschichtung verhindert, dass Keime, Hautpartikel, Haare und Körperflüssigkeiten in die Matratze, die Kissen und die Bettdecke gelangen können.

Die beidseitig mit Polyurethan beschichteten und mit Polyesterfaserbällchen gefüllten Kopfkissen sind mit Seitenstreifen aus Perkal versehen. Auf diese Weise kann bei der Nutzung Luft entweichen und der Gast hat nicht das Gefühl, sein Haupt auf einen Ballon zu betten.

Bei den mit Polyestervlies gefüllten Steppdecken besteht hingegen nur die körperzugewandte Seite aus Hygienematerial. Die Rückseite wird aus milbenabweisender Naturbaumwolle hergestellt. Bei einer Körpertemperatur von 36°C beträgt die Wasserdampfdurchlässigkeit mindestens 2–3 in 24 Stunden. Ein weiterer Vorteil ist, dass die allergikergerechten Teile weder Falten bilden noch rascheln.

Die Pflege ist denkbar einfach. Birgit Schatz: „Wir packen die Teile in einen Wäschesack, waschen sie dann im Schongang bei 60°C und trocknen sie an der Luft.“ Als Waschmittel bewährt sich Taxat flüssig in der empfohlenen Dosierung. Seit diesem Jahr sei auch kochfeste Bettwäsche für Allergiker auf dem Markt, berichtet Dipl.-Wirtsch.-Ing. Textil Peter Hamann, Geschäftsführer der Meera Tex in Meerane/Sachsen. Tests im Sächsischen Textil-Institut e. V. Chemnitz hätten ergeben, dass Dreamwave-Produkte auch nach über 200 Pflegezyklen die Anforderungen an allergikergerechte Bettwäsche noch hundertprozentig erfüllen.

„Wir beliefern überwiegend Hotels in ganz Deutschland und in zahlreichen anderen europäischen Ländern“, so der Geschäftsführer. Gerade bei der Anwendung in größeren Mengen – z.B. in medizinischen Einrichtungen – seien die Produkte aufgrund ihrer hohen Belastbarkeit, aber auch für das Wäscheleasing interessant.

Reinhard Wylegalla