Im Herzen von Nordrhein-Westfalen, im sauerländischen Meschede direkt am Hennesee, traf sich im März der Textilreinigerverband NRW zu seiner diesjährigen Verbandstagung. Neben Fachvorträgen zu aktuellen Themen, einer begleitenden Ausstellermesse stand auch ein Besuch der Warsteiner Brauerei auf dem Programm.

Beginnend mit der Obermeistertagung startete am Freitagnachmittag das Tagungswochenende. Am Abend stießen die weiteren Teilnehmer hinzu. Von den rund 67 Mitgliedsbetrieben aus Handwerk, Gewerbe und Industrie waren Teilnehmer aus sieben Betrieben vertreten. Darüber hinaus elf der insgesamt 20 Fördermitglieder und vier weitere Teilnehmer. Durch diese gemischte Teilnehmergruppe bot sich viel Potenzial für Fachgespräche zwischen Betrieben, Zulieferern und Partnern. Auch eine begleitende Ausstellung lud zum Austausch ein. Neben dem Hauptsponsor Hans-Joachim Schneider präsentierten sich REWAKON, Kreussler, Christeyns, Zollner, Deister Electronic und Versteegen Assekuranz.
Neue Pflegesymbole und Digitaler Produktpass

Birgit Jussen eröffnete als Sachverständige und Vertreterin der Europäischen Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege (EFIT) das Fachprogramm mit einem Überblick über die Änderungen bei den Pflegekennzeichen und den Digitalen Produktpass. Seit April 2024 gibt es neue Kennzeichnungen. Dazu zählen ein Symbol für Handwäsche im schonenden Prozess sowie ein neues Bügelsymbol mit einem Punkt und der durchgekreuzten Dampfwolke. Letzteres steht für „nicht heiß bügeln ohne Dampf“. Jussen wies darauf hin, dass die Höchsttemperaturen der Bügeleisensohle grundsätzlich bei allen Symbolen für das Bügeln mit Haushaltsbügeleisen um 10 °C angehoben wurden Auch bei der Trockenreinigung gibt es Änderungen: Das „F“ im Kreis steht nicht mehr ausschließlich für Kohlenwasserstofflösemittel, sondern umfasst auch Silikon (Decamethylpentacyclosiloxan). Beim „P im Kreis“ wurde das Lösemittel Dibutoxymethan (K4) ergänzt.
Mit dem Digitalen Produktpass plant die EU ein verpflichtendes digitales Informationssystem. „Viele Aspekte befinden sich noch im Entwicklungs- und Abstimmungsprozess. Entsprechend sind zahlreiche Aussagen noch als vorläufige Einschätzungen zu verstehen“, erklärte Jussen. Fest steht: Die Einführung soll schrittweise erfolgen, zunächst mit Fokus auf die ressourcenintensiven Branchen, zu denen auch die Textil- und Bekleidungsindustrie zählt. Jussen verwies auf steigende Ressourcenverbräuche entlang der Wertschöpfungskette. Seit 2000 habe sich die Menge der weltweit verkauften Kleidungsstücke verdoppelt. Man war sich beim Verbandstag einig, dass hier dringend etwas zu tun ist.
Wichtige rechtliche Neuerungen
Im Anschluss informierte der DTV-Justiziar Rainer Huke über aktuelle rechtliche Entwicklungen. Eines der wichtigen Themen war die geplante Aktivrente. Sie soll die Weiterbeschäftigung über das Rentenalter hinaus erleichtern und es Rentnern ermöglichen, bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei dazu zu verdienen.
Auch der Umgang mit Google-Bewertungen war Thema. Wichtig war die Frage, ob sich Bewertungen löschen lassen. erläuterte, dass dies bei Rechtsverstößen – etwa bei Beleidigung, falscher Tatsachenbehauptung oder übler Nachrede durchaus möglich sei (siehe hierzu auch Seite 16 in dieser Ausgabe).
Weitere Themen waren die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohnes, Empfehlungen der TATEX zur Ausbildungsvergütung, Änderungen für grenzüberschreitende Fahrten, Tariftreue bei öffentlichen Aufträgen ab 50.000 Euro, Entgelttransparenz sowie arbeitsrechtliche Fragen rund um Probezeitkündigungen und AU-Bescheinigung.


Fachkräfte gewinnen und qualifizieren
Als dritter Referent stellte Daniel Dalkowski, stellvertretender Geschäftsführer des DTV, zunächst das Seminarprogramm der DTV-Akademie vor. Anschließend berichtete er über Projekte zur Fachkräftegewinnung und -qualifizierung. Beispielsweise stellte er ein modulares Konzept zur Ausbildung von Gesellen vor. Sechs Module sollen dabei auf die Gesellenprüfung vorbereiten, ohne dass der Besuch einer Berufsschule erforderlich ist. Der Fokus dieses Programms liegt auf Personen, die älter als 25 Jahre sind und nicht mehr für eine betriebliche Ausbildung in Frage kommen.
Zudem berichtete Dalkowski über ein gemeinsames Projekt mit der Gesellschaft internationaler Zusammenarbeit (GIZ). 2025 konnten durch das Kooperationsprojekt sieben jordanische Auszubildende gewonnen werden. Sie durchliefen vorbereitende Programme in Sprache, Fachwissen und Kultur. Ebenso gibt es eine Fachkräfteallianz mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit dem Plan, durch Austausch und Stärkung eine gezielte Zuwanderung von Fachkräften aus Drittstaaten zu ermöglichen. Als weitere Möglichkeit der Fachkräftegewinnung und -qualifizierung stellte Dalkowski den dualen Studiengang Betriebswirtschaftslehre und Marketing in Kooperation mit der DHBW Mannheim vor, bei dem das Wahlfach „Integriertes Management und Marketing im Textilservice“ die Studierenden fit für die Branche macht.
Auch die Lernplattform E-WASHBOARD wurde weiterentwickelt. Sie umfasst inzwischen 19 Kurse zur Einstiegsqualifikation und ist in mehreren Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch, Tschechisch und Rumänisch) verfügbar. Weitere Inhalte wie Sachkunde, Nassreinigung, Hygiene und Normung sind geplant.
DTV-Akademie
21.05.2026 – online:
KI-Schulung
15./17.09.2026 – online:
Gesundheitsmanage-ment und BEM
05.11.2026 – online:
Vertragsgestaltung und Sonderzahlungen
Mehr unter: www.dtv-deutschland.org/aktuellesakademie.html
Zur Klimaneutralität
Den Abschluss bildete eine Paneldiskussion zur Energie- und Klimatransformation. Die Darstellungen von Prof. Dr. Hans-Günter Hloch (wfk – Cleaning Technology Institute), Henning Loeck (Kannegiesser) und Sven Bressert (Multimatic) machten deutlich: Die Transformation ist bereits in vollem Gange – auch wenn politische Entscheidungen noch ausstehen. Diskutiert wurde über den geplanten zentralen Umbau des deutschen Energiesystems hin zur Klimaneutralität durch die sogenannte Strom- und Wärmewende. Wie ist der Ausstieg aus fossilen Energieträgern in der Textilpflegebranche möglich? Welche Effizienzmaßnahmen können ergriffen werden? Für die Experten ist es wichtig, dass der Energieverbrauch im Textilpflegeunternehmen zunächst überhaupt bekannt ist. Dies ist erfahrungsgemäß nicht überall der Fall. Die Experten betonten außerdem die Bedeutung technischer Maßnahmen: etwa eine fachgerechte Isolierung von Dampfleitungen und eine energieoptimierte Programmierung von Waschschleudermaschinen. Auch der genaue Energiebedarf beim Mangeln müsse bekannt sein, um energieoptimiert arbeiten zu können. Entscheidend sei das Zusammenspiel von Strom- und Wärmewende sowie Effizienzsteigerungen – was jedoch in der praktischen Umsetzung aufgrund von bürokratischen Hürden, fehlender Manpower und unterschiedlichen Prioritäten nicht ganz einfach ist, war man sich einig.
An das Vortragsprogramm schloss sich die Mitgliederversammlung an, in der Michael Piene als Vorsitzender des Landesinnungsverbandes und Alexander Wagenleitner als sein Stellvertreter gewählt wurde. Der Landesinnungsverband ist der Zusammenschluss der Innungen in NRW. Zentrale Themen auf Landesebene waren im vergangenen Jahr u. a. Cybersicherheit sowie Zuschüsse für Fahrt- und Übernachtungskosten bei Blockbeschulung außerhalb von Nordrhein-Westfalen.


Einblick in die Warsteiner Brauerei
Nach kurzer Verschnaufpause ging es für die Teilnehmer am Abend in die Warsteiner Welt. Dort erhielten sie Einblicke in die Geschichte des Unternehmens, das seit 1753 im Besitz der Familie Cramer ist. Mehr als 200 Exponate zeigen die Entwicklung der Marke. Eine Rundfahrt über das Betriebsgelände vermittelte zudem einen Eindruck von den Produktionsabläufen.
Der NRW-Verbandstag 2027 findet vom 19. bis 21. März statt. „Tagungsort“ wird wieder ein Flusskreuzfahrtschiff sein – diesmal mit Ziel in der belgischen Hafenstadt Gent.