In Reinigungen und Wäschereien kostet das Sortieren von Textilien Zeit und Nerven. Die Verwendung eines automatisierten Speicher- und Transportsystems für die Textilverwaltung senkt Betriebskosten und hinterlässt beim Kunden einen guten Eindruck.
Ordnung auf den ersten Klick
Ein Kunde betritt den Laden und erkundigt sich nach dem Stand seines Auftrags. Der Mitarbeiter befragt kurz seinen Computer und verschwindet mit einem „bin gleich wieder da“ im Lagerraum. Aus dem „gleich“ werden mehrere Minuten und im schlimmsten Fall wartet der Empfänger vergeblich auf seine Textilien. Die Standardantwort, „ihre Teile sind im Moment nicht zu finden, aber bei uns geht nichts verloren“, kann den Imageschaden dann nur noch begrenzt eindämmen.
„Viele Textilreiniger kennen solche Situationen und nehmen diesen Zustand mehr oder weniger resignierend hin“, sagt Oswald Nieberle, Geschäftsführer der Firma Noex, die logistische Komplettlösungen für Textilreinigungen und Wäschereien anbietet. „Dabei wirkt sich schon eine Fehlerquote von nur einem Prozent fatal aus. Bei 100 Kunden am Tag sind das schon fünf Unzufriedene pro Woche. Hinzu kommt noch die Arbeitszeit für die Suche nach verlorenen oder verwechselten Teilen“, veranschaulicht er das Problem.
Die Lösung solcher Schwierigkeiten verspricht ein vollautomatisches Logistiksystem. Dabei steuert der Nutzer fast den gesamten Dienstleistungsprozess mit einer speziellen Software per Computer. Das umfassende Konzept beginnt bei der Warenannahme. Der Kunde gibt seine Textilien ab, die dann einzeln im computerbasierten Kassensystem erfasst und mit Zusatzinformationen versehen werden. „Der Fantasie sind hier fast keine Grenzen gesetzt. Von speziellen Pflegehinweisen über Auslieferungsvorlieben des Kunden, eventuell entdeckten Mängeln bis hin zur Angabe des zuständigen Mitarbeiters oder des Bearbeitungsstatus kann die Software viele Daten verarbeiten und später auch gezielt zuordnen“, hebt Nieberle die Vorteile seines Produkts hervor.
Die gespeicherten Informationen werden dann mit Hilfe eines Thermotransferdruckers auf den Barcode wasch- und finishfester Kennzeichnungstickets übertragen. Dieses Ticket wird anschließend auf dem Reinigungsgut angebracht und dient im weiteren Verlauf als Identifikationsmittel. „Möchte ein Kunde später beispielsweise wissen, ob er seine Ware abholen kann, genügen ein paar Eingaben am PC, um eine Auskunft über den aktuellen Stand des Auftrags zu erhalten. Besonders praktisch ist das Ganze, wenn der Auftrag mehrere Teile umfasst. Wir bieten auch ein Modul an, per SMS oder E-Mail über abholbereite Ware zu informieren.“ Die notwendigen Scanner zum Ein- und Auslesen der Daten können an mehreren Arbeitsplätzen im Betrieb aufgebaut werden.
Nach dem Reinigen und Finishen greift die nächste Stufe des Logistiksystems. Die automatisierte Sortiermaschine übernimmt das Zuordnen personenbezogener Textilien. Dazu wird das zuvor angebrachte Kennzeichnungsticket mit einem Scanner in den Sortierspeicher eingelesen und die Ware anschließend in ein nummeriertes Fach der Maschine gehängt. Dann ordnet die installierte Software zugehörige Kundendaten dem entsprechenden Fach zu. Werden weitere Teile des gleichen Auftrages gescannt, fährt die Sortieranlage selbstständig zu dem richtigen Fach. „So bleiben die verschiedenen Teile des Kunden immer beisammen und ein eventueller Verlust lässt sich sofort feststellen“, unterstreicht Oswald Nieberle enthusiastisch. Als weiteren Komfort bietet das Sortiermagazin die Möglichkeit, abholbereite Ware per Knopfdruck im Kassensystem direkt an die Ausgabe zu transportieren und über einen Entnahmearm ohne großen Zeitverlust an den Kunden auszuhändigen. „Das macht auf viele Abholer einen professionellen Eindruck. Die sind dann oft von der Technik beeindruckt und wollen alles ganz genau wissen“, berichtet Nieberle von seinen Erfahrungen.
Auch für Wäschereien hat das Logistikunternehmen interessante Lösungen im Angebot. Für deren speziellen Bedürfnisse kann die beschriebene Sortieranlage mit einem automatisierten Speichermagazin kombiniert werden, das sich z.B. für die Verwaltung von großen Mengen an Berufs-, Krankenhaus- oder Heimbekleidung eignet. Solche Speicher- und Transportsysteme des Herstellers unterstützen aktuell die Berufskleiderverwaltung des Münchener Flughafens und der Fluglinie Emirates.
Auf die Frage, für welche Betriebe sich eine vollautomatische Textilverwaltung lohnt, antwortet Nieberle ohne langes Überlegen: „Eigentlich für jeden. Die Vorteile liegen ja klar auf der Hand: Man benötigt weniger Zeit für die Suche nach vermissten Stücken, spart Personalkosten für aufwändiges Sortieren und Verwalten, kann gleichzeitig die Fehlerquote reduzieren, die Arbeitsfläche im Laden effektiver nutzen und die eigene Dienstleistung besser auf den Kunden zuschneiden. Ob sich das dann im Einzelfall lohnt, muss jeder Unternehmer selbst kalkulieren. Aber grundsätzlich sind die beschriebenen Punkte ja überall ein Thema.“ Zudem liege bei vielen Betrieben gerade in der Logistik ein enormes Einsparungspotenzial brach: „Oft geben Unternehmer in Wäschereien oder Reinigungen viel Geld für die Erneuerung ihres bereits modernen Maschinenparks aus, um in der Zukunft ein paar Prozent Einsparungen zu erreichen. Die Logistik ist dagegen meist technisch veraltet und bietet eindeutig größere Kostenvorteile. Da stimmt einfach das Verhältnis nicht.“
Wer noch einen Schritt weitergehen möchte, kann die Speicher- und Transportsysteme von Noex für den Betrieb eines 24-Stunden-Services nutzen. Dafür fertigt das Logistikunternehmen Automaten zur Warenannahme und -ausgabe, die dann in die bestehende Lösung eingebunden werden. Der Kunde hat über eine Kundenkarte, seinen Kassenbon oder die Quittung rund um die Uhr Zugang und kann den Stand seines Auftrages am Display des Automaten abfragen. „Das steigert die Bindung des Kunden an den eigenen Betrieb und bietet einen spürbaren Komfort. Man kann dadurch eine regelrechte Wohlfühllandschaft für den Kunden schaffen“, gibt Oswald Nieberle zu bedenken. Eine weitere Möglichkeit in dieser Richtung biete die permanente Kennzeichnung von Textilien, etwa mit RFID-Chips. Was für Textilreinigungen eine attraktive Zukunftslösung werden könnte, gehört für viele Wäschereien bereits zum Arbeitsalltag. „Dann kann man seine Teile mit geringem Zeitaufwand abgeben und wieder mitnehmen. Außerdem liegt die Gefahr eines Verlustes oder einer Vertauschung fast bei null. Das ist vor allem für Großwäschereien in Heimen oder Krankenhäusern ein enormer Vorteil. Auf längere Sicht kommt keiner an dieser Technik vorbei.“
Die Logistiklösungen von Noex können nach individuellen Vorstellungen gestaltet und den räumlichen Gegebenheiten vor Ort angepasst werden. „Wer seine alte Textilverwaltung nicht komplett abschaffen und erstmal einen Testlauf starten will, kann unsere Basismodule nutzen. Bei Gefallen ist dann eine schrittweise Erweiterung möglich.“
Aktuell stellen sich die Mitarbeiter von Noex wieder einer neuen Herausforderung. Ein Kunde möchte seine Logistik von der Sortierung bis zur verpackten Wäscheausgabe voll automatisieren. Dafür werden Speichermagazin, Sortiermaschine und Verpackungsautomat kombiniert. „Auf die Anfrage des Kunden habe ich geantwortet: Haben wir zwar noch nicht gemacht, aber dann entwickeln wir’s eben einfach“!Matthias Heiler