Niedrige Decken, altes Gemäuer und der Mühlbach direkt vor der Tür: Die Textilreinigung und Färberei Max Dumm liegt mitten in Bad Aibling und gehört zu den ältesten Handwerksbetrieben in Bayern. Seit der Gründung 1636 befindet sich das Unternehmen in Familienbesitz. Um zu sehen, was sich seither so getan hat, war R+WTextilservice vor Ort.

Bis 1950 war das hier eine Färberei“, erklärt Hubert Wolf, Textilreinigermeister und Inhaber der Textilreinigung und Färberei Max Dumm im oberbayerischen Bad Aibling. Erst nach und nach sei ein Reinigungsbetrieb entstanden.
Gefärbt wird heute nur noch selten, stattdessen bietet Wolf für Privatkunden das komplette Spektrum einer Textilreinigung an – von der Oberbekleidung über Matratzenschonbezüge bis hin zur Polster. Er und sein Team bearbeiten rund 250.000 Teile im Jahr bearbeitet, 132.000 davon sind Hemden. Bei der Reinigung legt Wolf nicht nur Wert auf Effizienz und Warenschonung, sondern auch auf Umweltschutz.
Wir waren die Ersten, die für Nassreinigungen mit dem Blauen Engel ausgezeichnet wurden.
Hubert Wolf, Inhaber der Textilreinigung und Färberei
Max Dumm in Bad Aibling
Umweltfreundliche Textilpflege
„Die Umwelt steht für mich an erster Stelle“, erzählt der 50-Jährige. In den vergangenen Jahren etablierte er deshalb eine besonders schonende Textilpflege: Abfälle wie beispielsweise Kontaktwasser werden umweltschonend entsorgt, die Kompressoren und Reinigungsmaschinen sind neu und den Brenner hat Wolf auf einen Blaubrenner umgestellt, der nicht rußt.
Für seine umweltschonende Nassreinigung erhielt das Unternehmen 2003 das Umweltsiegel Blauer Engel: „Wir waren damals die erste Textilreinigung in Deutschland mit dieser Auszeichnung.“ Heutzutage sind alle Waschschleudermaschinen des Betriebs kombiniert – sie eignen sich also für herkömmliche Waschverfahren genauso wie für Nassreinigungen. Die Programme für die Nassreinigungen hat Wolf selbst geschrieben: „Dadurch kann ich auch Teile waschen, bei denen das Waschzeichen durchgestrichen ist.“
Textilreinigung Max Dumm: Lösungsmittel und moderne Technik
Auch bei regulären Reinigungen versucht der öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige, den Prozess möglichst umweltschonend zu gestalten. Nach der Anschaffung einer neuen Reinigungsmaschine von Multimac im Juni 2017 wechselte er deshalb von Per zum alternativen Lösungsmittel „Intense“ des Herstellers Seitz. Seitz zufolge handelt es sich bei „Intense“ um ein umweltneutrales Lösungsmittel, das keine krebserregenden Substanzen enthält. Vor allem für die Fleckentfernung sei es besonders geeignet. Das kann Wolf bestätigen: „Es hat eine Reinigungskraft, die an Per fast herankommt.“ Den größten Vorteil von „Intense“ sieht Wolf aber im Geruch: „Das Lösungsmittel riecht überhaupt nicht chemisch, es ist komplett geruchslos.“
Nach der Reinigung kümmern sich Mitarbeiterinnen um das Finishen der Ware. „Der Finisher ist sehr modern. Wenn man monatlich zwischen 11.000 und 13.000 Hemden bearbeitet, braucht man so eine Maschine aber auch“, erklärt Wolf die Anschaffung einer Hemdenmaschine des amerikanischen Unternehmens Unipress.



Marketingmix zur Kundenbindung
Wolf legt Wert darauf, den Wünschen seiner Kunden gerecht zu werden, deshalb initiierte er eine Kundenbefragung. Das Ergebnis: „Sauberkeit und Pünktlichkeit sind besonders wichtig. Der Umweltgedanke landete leider auf dem vorletzten Platz.“ Um neue Kunden anzulocken, setzt er auf gezieltes Marketing.
Vor allem im Hinblick auf drei Konkurrenzbetriebe in der Umgebung sei das auch dringend notwendig. Die anderen Betriebe würden immer wieder die Preise drücken, dagegen müsse er sich wehren. Die Lösung sind auf das Unternehmen Max Dumm zugeschnittene Werbeplakate mit speziellen, zeitlich begrenzten Angeboten.
Um die Kunden zu halten, führte Wolf außerdem ein Rabattheft ein: „Das ist der Renner.“ Jeder Besuch in der Reinigung wird im Rabattheft des Kunden vermerkt. Ist das Rabattheft voll, erhält der Kunde fünf Prozent bar ausbezahlt. Momentan seien 40.000 Rabatthefte in Umlauf, viele Kunden würden dadurch zur Stammkundschaft.
Der Textilreinigung Max Dumm fehlen Fachkräfte – Azubis auch
Wolf ist Unternehmer mit Leib und Seele, insgesamt beschäftigt der Oberbayer 35 Mitarbeiter. Ein paar davon sind langjährige Mitarbeiter in der Reinigung, der Großteil ist in vier Filialen in der Umgebung angestellt. Die Filialen in Bad Aibling sowie in den nahe gelegenen Orten Kolbermor, Raubling und Rosenheim betreibt Wolf als Postagenturen mit integrierten Annahmestellen.
„Diese Kombination aus Post, Postbank und Annahmestelle lohnt sich“, sagt Wolf. Einerseits erhalte er eine Vergütung von der Deutschen Post, andererseits würde sich dadurch die Kundenfrequenz steigern: „Die Menschen bringen schnell mal ihre Wäsche mit, wenn sie zur Post müssen.“ Bei der Personalbindung in den Annahmestellen tut sich Wolf allerdings schwer, nicht zuletzt aufgrund der Vollbeschäftigung im Landkreis Bad Aibling: „Wir haben nur 2,5 Prozent Arbeitslosigkeit. Alle suchen hier.“
Auch in der Textilreingung ist der Fachkräftemangel spürbar. Seit fünf Jahren ist Wolf auf der Suche nach einem Azubi: „Wer will den Beruf schon lernen?“ Kooperationen mit Berufsbildungswerken und dem Arbeitsamt waren bisher erfolglos, der Unternehmer beschäftigt jetzt drei Mitarbeiterinnen aus der Förderschule. „Das funktioniert sehr gut, alle drei arbeiten in der Bügelei“, erklärt er. „Für eine Ausbildung sind sie aber leider zu schwach.“ Wolf wünscht sich deshalb Abstufungen durch die Handwerkskammer, sodass es möglich wird, auch Förderschüler bis zu einem gewissen Grad auszubilden. Sorgen um die Nachfolge macht sich Wolf wegen des Fachkräftemangels nicht: „Irgendwann ist alles vorbei. Vielleicht sind fast 400 Jahre auch einfach genug.“