Textilreiniger, Wäscher und Färber Saubere Sache: Tagung der österreichischen Bundesinnung 2026

Rund 90 Textilpflege-Profis strömten nach Wien zum Bundesinnungstagung unter dem Motto „Saubere ­Sache“. Die Verbindung von Tradition und Innovation, die Wien auszeichnet – die Mischung aus kaiserlichem Flair und pulsierendem Zeitgeist –, spiegelte sich im Programm wider: Bewährtes Handwerk traf auf künstliche ­Intelligenz in der Textilpflege. Ein besonderer Moment war die Auszeichnung von Franz Lang mit dem „RWin“.

Auf der Bühne: Moderator Wolfgang Reichl (v. li.), BIM Andrea Kuttner und Franz Lang.
Auf der Bühne: Moderator Wolfgang Reichl (v. li.), BIM Andrea Kuttner und Franz Lang. - © Bundesinnung/R+WTextilservice/Peter Schmid

Schon am Vorabend der offiziellen Tagung startete das Programm der Tagung der Bundesinnung der österreichischen Textilreiniger, Wäscher und Färber. Ein Oldtimerbus chauffierte die Teilnehmer vom Tagungshotel Flemings (Neubaugürtel) zum Sightseeing über die prachtvolle Wiener Ringstraße. Das persönliche Netzwerken und der fachliche Austausch mündeten bei einem traditionsreichen Heurigen in der berühmten 10er Marie in Ottakring. Unterstützt wurde dieser Einstimmungsabend von Burnus Professional, Kannegiesser und CHT Austria.

Begrüßung durch BIM Andrea Kuttner

Am nächsten Tag hieß Andrea Kuttner, Bundesinnungsmeisterin der Textilreiniger, Wäscher und Färber Österreichs, die Teilnehmenden herzlich willkommen. Das Motto „Saubere Sache“ erscheine so selbstverständlich und sei doch herausfordernder, als es zunächst den Anschein habe, erklärte sie. So unterliege Mode rasch wechselnden Trends und lande vor einer professionellen Reinigung oft im Altkleidersack oder der eigenen Waschmaschine. „Wir müssen unsere Kunden insbesondere auf die erforderliche professionelle Pflege ihrer Berufsbekleidung oder Abendgarderobe hinweisen, um das Erscheinungsbild und die Haltbarkeit dieser wertvollen Kleidungsstücke zu erhalten.“

Zugleich steigen laut Kuttner die Anforderungen an die Branche, da moderne, hochwertige Textilien oft aus einem Mix an Materialien bestehe, der bei Detachur und Reinigungsverfahren besondere Sorgfalt erfordere.

„Unsere Branche steht vor epochalen Veränderungen und diese Tagung liefert Antworten“, sagte Franz Lang. Der Berufszweigvorsitzende begrüßte die Teilnehmer im Namen der Landesinnung Wien der Mode und Bekleidungstechnik, Berufszweig Textilreiniger: Dieser Tag stehe ganz im Zeichen der Innovation, der Qualität und vor allem der Praxisrelevanz. „So beleuchten wir die Potenziale der Künstlichen Intelligenz und erörtern Wege der Energieeinsparung im Betrieb.“ Ein besonderer Fokus liege dabei auf der Automatisierung und Prozessoptimierung.

Lang bedankte sie sich an dieser Stelle bei Martina Kornfeld, der Landesinnungsgeschäftsführerin, für die Organisation der Bundestagung der Textilreiniger und Wäscher Österreich in Wien.

Durch den dichten Veranstaltungstag führte ORF-Mode- und -Trendscout Wolfgang Reichl die rund 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Herausforderungen der KI

„Glauben Sie ja nicht, was Sie sehen!“ Mit diesem Appell richtete sich Prof. Deepak Dhungana (IMC Hochschule für Angewandte Wissenschaften Krems) an sein Publikum. Sein Vortrag über „Möglichkeiten und Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz“ zeigte auf unterhaltsame Weise, was heute mit KI machbar ist: ein Interview mit dem Schauspieler Morgan Freeman, das er nie gegeben hat, ein humanoider Roboter, der Tischtennis auf Weltniveau spiel, und ein Anruf, bei dem vermeintlich die Enkeltochter spricht, deren Stimme aber KI-generiert ist. Es genügen Ton-Sekunden oder ein Originalbild, um realitätsnahe Bilder oder Videos zu generieren und einen digitalen Avatar zu erstellen. Webseiten und Apps (oft kostenlos) finden sich zahlreich im Netz.

„Glauben Sie ja nicht, was Sie sehen“, ­appelliert Prof. Deepak Dhungana in ­seinem Vortrag zu KI und Deepfakes.
„Glauben Sie ja nicht, was Sie sehen“, ­appelliert Prof. Deepak Dhungana in ­seinem Vortrag zu KI und Deepfakes. - © Bundesinnung/R+WTextilservice/Peter Schmid

Oft erkennen nur noch Profis Deepfakes. Darunter versteht die EU: „Einen durch KI erzeugten oder manipulierten Bild-, Ton- oder Videoinhalt, der wirklichen Personen, Gegenständen, Orten, Einrichtungen oder Ereignissen ähnelt und einer Person fälschlicherweise als echt erscheinen würde.“ Diese Deep­fakes lassen sich heute mit generativen KI-­Modellen erstellen und werden mit Audio-, Bild- oder Videodateien trainiert. Die Systeme lernen Muster eines Gesichtes, einer Bewegung oder einer Stimme und können daraus neues Material ­basteln.

KI: Anfänge in den 1950er Jahren

Dabei ist KI gar nicht neu, erklärte Prof. Dhungana. Sie tauchte erstmals in den 50er Jahren auf und hat sich bis heute als analytische KI ungezählte Einsatzfelder erobert, sei es in der Datenanalyse in der Google-Suche oder bei der Tumorerkennung in der Radiologie. Die analytische KI (oft als Machine Learning bezeichnet) ist im Grunde eine Art Statistik, gefüttert und angelernt mit unzähligen Daten. Sind diese Daten alt und fehlerhaft, werde auch das KI-Ergebnis entsprechend beeinflusst.

Selbst im Textilservice gibt es KI. Etwa die Möglichkeit, Art und Beschaffenheit von Flecken (Tinte, Öl …) zu erkennen. Die Textilreinigung Trieb aus Stuttgart, so eine Wortmeldung aus dem Auditorium, arbeite beispielsweise mit eigenen Bildern an einem speziellen Tool für die Branche. Die Arbeitsmethodik von KI basiere dabei auf Millionen von Parametern; pro Bild und Wort müssten Milliarden von Berechnungen zusammengreifen. Dies münde, so Prof. ­Dhungana, in einem erheblichen Energieverbrauch. So seien KI-Anwendungen heute für
7 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs verantwortlich.

Aus der Praxis: KI im Textilservice

Im Fokus: Vortrag von clean›it und Metalprogetti

„Sind unsere Betriebe bereit für KI?“

„Die Zukunft beginnt nicht erst 2035, sondern jetzt.“ Das betonte Dipl.-Ing. Matthias Koller (clean›it) bei seinem Vortrag auf der Bundesinnungstagung 2026 in Wien. Personalkosten explodieren, Fachkräfte fehlen und Kundenerwartungen steigen (24/7-Verfügbarkeit, Echtzeit-Tracking und sofortige Kommunikation). Die gute Nachricht: Die digitale Basis von der Annahme bis zur Auslieferung sei bereits gelegt.

Matthias Koller­von clean›it (li.) wagte in ­seinem ­Vortrag eine ­Prognose zur Transformation durch Robotik.
Matthias Koller­
von clean›it (li.) wagte in ­seinem ­Vortrag eine ­Prognose zur Transformation durch Robotik. - © Bundesinnung/R+WTextilservice/Peter Schmid

Eine lückenlose Verfolgung jedes Teils durch QR-Codes und RFID-Technologie über den gesamten Prozess ist schon möglich. Ebenso die naht­lose An­bindung von Förderbändern, automatischen Verpackungsmaschinen und Kassenterminals. Im Bereich Logistik sind automatische Tourenplanung, ­Lieferlogistik und Management von Miet­wäsche-­Beständen keine Seltenheit. „Diese digitale Infrastruktur ist das notwendige Fundament für die Integration von KI und Robotik“, sagte Koller.

Der Markt für Service-Robotik wachse mit 35 Prozent jährlich schneller als die meisten andere Industriesektoren. Die interne Logistik sei die erste Aufgabe, die humanoide Roboter übernehmen. Dies erfordere „nur“ Navigation, das Tragen von Lasten und einfache Pick-and-­Place-Operationen, die Roboter bereits heute in Lagern demonstrieren. Koller prog­nostiziert: „Bis 2030 werden humanoide Roboter günstiger sein als ein Kleinwagen“, schätzte er. „Die Herstellungskosten sind seit 2023 bereits um 40 Prozent ge­sunken.“

Schnittstellen für KI-Agenten und Roboter

Für sein Unternehmen clean›it hat er einen klaren Zeitplan: So sollen bis 2027 Schnittstellen für KI-Agenten und Roboter bereitgestellt werden. Ebenso erste Pilotprojekte für den internen Wäschetransport. Zudem sollen 24/7-­­­Wäschestationen entstehen. Die weltweite Entwicklung von KI könnte seiner Meinung nach noch rasanter voranschreiten: In den Jahren 2028 bis 2030 könnten humanoide Roboter Falt- und Mangelarbeiten übernehmen und die Termin- und Reklamations­annahme vollständig automatisiert ablaufen. Zwischen 2031 und 2035 könnten komplexe Handbügel-Aufgaben durch feinfühlige Greifer gemeistert werden. Dazu könnten erste Filialen (Smart-Stores) komplett ohne menschliches Personal vor Ort operieren. Ebenso könnten direkte Interaktionen mit den Haushaltsrobotern der Kunden Wirklichkeit werden.

„All diese Dinge sind keine Science-­Fiction, sondern wirtschaftliche Realität“, so Koller. „Die Frage heute lautet nicht: Wann kommen die Roboter? Sie lautet: Sind unsere Betriebe bereit dafür? Wir brauchen heute die Grundlage für die nächste Generation der Textilpflege.“ Für den Start in die Automatisierung empfiehlt er konkrete Schritte:

  1. Datenbasis schaffen: KI benötigt strukturierte Daten. Digitalisierte Prozesse legen eine saubere Datengrundlage für zukünftige KI-Modelle.
  2. Repetitive Prozesse identifizieren: Als Pilotprojekt eignen sich Prozesse, die sich wiederholen (z. B. interne Logistik oder Sortierung).
  3. Umbauten „Robot-Ready“ planen: Breite Gänge ohne Stufen, flächendeckendes High-Speed-WLAN und Stromanschlüsse für Ladestationen.
Automation verringert Wartezeit

Kunden von heute wollen nicht nur ­schnell bedient werden, sie fordern „Zero-Wartezeit“, sagte Silvia Moretti von Metalprogetti. Wartezeiten, so erklärte sie in ihrem Vortrag, lassen sich vermeiden, und zwar mit Systemen, die verschiedene Prozesse optimieren – von der automatischen Kleiderausgabe über Kleiderbänder in Textilreinigungen bis zur Automation des Kommissionierungs-Systems im Lager.

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt ein Beispiel aus den USA mit einem automatischen Annahme- und Ausgabepunkt. Zugang erhalten Kunden per Karte, QR-Code oder App. Schmutzwäsche­ legen sie in einen Sack mit entsprechender Identifikation und die Daten werden an das Produktionszentrum übermittelt. Die gereinigten Teile können Kunden nach Benachrichtigung rund um die Uhr abholen: hängende Kleidung aus automatischen Lagersystemen, gefaltete Kleidung aus Lockers.

Einblicke in die Trends des kommenden Sommers, präsentiert als Fashionshow der Mode Wien.
Einblicke in die Trends des kommenden Sommers, präsentiert als Fashionshow der Mode Wien. - © Bundesinnung/R+WTextilservice/Peter Schmid

Fashionshow der Mode Wien

Nach der Mittagspause präsentierten vier Models unter Musik und Applaus die von Wiener Betrieben eigens angefertigten Kleidungsstücke. Die Stücke zeigten die Trends des kommenden Sommers: ein Weißton als Modefarbe des Jahres, florales Printdesign, monochrome Farben mit klarer Schnittführung sowie Color-Blocking. „Die Materialität der Stoffe ist dabei sicher auch für Textilreiniger interessant“, sagte LIM Patrizia Markus. „Für die richtige Pflege und Reinigung der Textilien sorgen eben nur die Fachleute.“

Gütezeichen und Hygienepass

Textilreinigermeisterin Gabriela Steiner (Kleiderreinigung Steiner, Gmünd) erläuterte in ihrem Vortrag die Vorteile der Gütezeichengemeinschaft für Wäscherei und Textilreinigung Österreichs. Das Gütezeichen bürge für die Qualität der Textilaufbereitung und spiegele das in den Betrieben wider. Der Hygienepass ermögliche selbst kleinen Einrichtungen, hygienisch einwandfreie Aufbereitung nachzuweisen. Und das bei unterschiedlichen Kundenanforderungen (Lebensmittel, Hotel, Pflegeeinrichtung). Gütezeichenbetriebe erhalten zudem Unterstützung, etwa bei Betriebsüberprüfungen oder bei der Ausbildung. Zudem können sie an Seminaren teilnehmen.

Dr. Arno Sorger, Geschäftsführer der W.H.U. GmbH Bischofshofen, berichtete aus seinem Labor für Wasser, Hygiene und Umwelt und skizzierte neue Leit­linien zur hygienischen Aufbereitung von Textilien. KI und Hygiene vertragen sich nach seinen Aussagen noch nicht, denn „bei der Hygiene gibt es keine Wahrscheinlichkeiten und ein Toter ist immer einer zu viel.“

Ein Hygienepass hingegen könne für Textilreiniger ein objektiver Nachweis sein, dass er seinen Kunden nach strengen Checklist-Anforderungen und Kriterien ein hygienisch aufbereitetes „Sorglos“-Produkt biete. Zudem ermögliche er Kunden, Leistungen und Angebote verschiedener Textilreinigungsbetriebe zu vergleichen. Durch diese Vergleichbarkeit könnten Betriebe ihre Leistungen besser von Mitbewerbern abgrenzen und so ihre Kundenbindung sowie ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern.

Dr. Arno Sorger (v. li.) und Gabriela Steiner erhielten Dank für den gelungenen Vortrag von Franz Lang und Martina Kornfeld, Landesinnungsgeschäftsführerin.
Dr. Arno Sorger (v. li.) und Gabriela Steiner erhielten Dank für den gelungenen Vortrag von Franz Lang und Martina Kornfeld, Landesinnungsgeschäftsführerin. - © Bundesinnung/R+WTextilservice/Peter Schmid

Selbstverständlich erfordere dies einen höheren Aufwand mit Dokumentationspflichten und eingeschränkter Flexibilität durch das Einhalten erforderlicher Regeln. Dies könne in der Konsequenz auch zu einer Marktverdrängung von nicht teilnehmenden Dienstleistern führen. Im positiven Sinn werde allerdings ein Infektionsrisiko reduziert und die Kundenakzeptanz verbessert.

>> Mehr zum Thema lesen Sie hier: "Hygienepass kann Türen für Textilreiniger öffnen"

Profitabel mit dem Flugzeug

„Das Geschäft ist wie ein Flugzeug“, verglich Dipl.-Ök. Asetila Köstinger (Wien). Sie führt eine Wäscherei und einen Online-Shop (saubermaus.at), nach dem Prinzip „Wir verkaufen nur, was wir selbst täglich testen“. In ihrem Vortrag erläuterte sie ein Handlungsprinzip, welches sie AEROPLANE nennt:

A: Steht für Aims (Ziele) des Kapitäns, der Unternehmensführung
E: Elevate (Flügel), für die Produkte und Dienstleistungen
R: Revenue (rechtes Triebwerk): Marketing und Vertrieb
O: Operations: Operationen und Prozesse
P: People (linkes Triebwerk): Mitarbeiter und Fähigkeiten
L: Liquidität (Treibstofftanks): Cashflow
A: Automation (Radar): Digitalisierung und Technologie
N: Navigation (Leitwerk): Nachhaltigkeit
E: Externe: Experten und Berater

Asetila Köstinger (li.) erläuterte das ­Prinzip AEROPLANE, Elia ­Ziviani sprach über den ­Verkauf ökologischer Produkte.
Asetila Köstinger (li.) erläuterte das ­Prinzip AEROPLANE, Elia ­Ziviani sprach über den ­Verkauf ökologischer Produkte. - © Bundesinnung/R+WTextilservice/Peter Schmid

Mit diesem Prinzip könne man, so Köstinger, zwar nicht die ganze Branche, aber jeder könne seinen eigenen Betrieb retten. „Und jeder von uns kann anfangen, nachhaltiger zu arbeiten.“

Nassreinigung und Ökologie

Über die professionelle Nassreinigung und den Verkauf ökologischer Produkte referierte Elia Ziviani aus dem Hause Rampi Srl, einem italienischen Hersteller chemischer Produkte, der seit 1949 am Markt ist. Zum Einstieg fasste Ziviani die EG-­Verordnung 648/2004 zusammen: Diese sei ein „europäisches Gesetz, das Vorschriften festlegt, um den freien Verkehr von Reinigungsmitteln und Tensiden für Reinigungsmittel im Binnenmarkt zu erreichen und gleichzeitig ein hohes Schutzniveau für die Umwelt und die menschliche Gesundheit zu gewährleisten“.

Das bedeutet schlicht, dass alle von Reinigungsmittelherstellern verwendeten Tenside (synthetisch oder pflanzlich) biologisch abbaubar sein müssen, andernfalls darf das Produkt nicht in Verkehr gebracht werden. Synthetische Tenside sind dabei aus nicht erneuerbaren Quellen (Erdöl), pflanzliche Tenside aus erneuerbaren (Pflanzen).

Was kann eigentlich gewaschen werden? Ziviani: „Ein sehr hoher Prozentsatz an Kleidungsstücken. Über 97 Prozent. Wir sagen nicht 100 Prozent, da es durch ständige Weiterentwicklungen immer neue Textilien gibt.“ Ausgenommen seien natürlich sehr spezielle Kleidungsstücke, die eine Sonderbehandlung er­fordern (Kimonos/Pelzmäntel), viele handgefertigte Stücke sowie Textilien mit speziellen Farbpigmenten.

80 Prozent der Flecken sind wasserlöslich und daher für die Nassreinigung geeignet, bei 20 Prozent sind Lösungsmittel gefragt. Speziell bei chemischen Produkten gebe es heute Entwicklungen, die eine hohe Löslichkeit von Schmutz erfordern und auch eine Farbmigration verhindern. Gefordert werde eine Behandlung, die weniger Falten hinterlässt und das Bügeln erleichtert. Das Kleidungsstück sollte mehr Fluffigkeit aufweisen und ein Einschrumpfen sollte verhindert werden. Gefragt seien umweltneutrale Produkte mit biologischer Abbaubarkeit und einfachem Transport.

Im Fokus: Vortrag von VEIT

Energie einsparen: „Wie bei einem kalt-warmen Buffet“

Energiesparen in der Textilpflege geht ganz einfach, sagte Joseph Reuter: „Das sind oft Möglichkeiten wie bei einem kalt-warmen Buffet.“ Der Sales Director im Bereich Textile Care bei der Veit GmbH riet den Teilnehmenden der Tagung der Bundesinnung 2026: „Nehmen Sie doch die Idee runter, die zu Ihnen passt.“

Skizzierte effiziente Einsparmöglichkeiten bei schon kleinen Dingen: Joseph Reuter, Sales Director Textile Care bei Veit.
Skizzierte effiziente Einsparmöglichkeiten bei schon kleinen Dingen: Joseph Reuter, Sales Director Textile Care bei Veit. - © Bundesinnung/R+WTextilservice/Peter Schmid

Reuter präzisiert: Betrachte man eine typische Energieverteilung, so liege die Dampferzeugung/Wärme bei rund 60 bis 70 Prozent des Energieverbrauchs. Dazu kämen die Beleuchtung und der Energiebedarf für Maschinen und Anlagen mit ca. 30 Prozent. „Und es sind durchaus kleine Veränderungen, die große Einsparungen bewirken können.“

Wer Energie einsparen möchte, könne, so der Referent, mit einer vollständigen Isolierung der Dampfleitungen beginnen. Bei manchen Betrieben gebe es oft noch unisolierte „letzte Meter“ der Dampf- und Kondensatleitung. In Zahlen gesprochen verlieren Betriebe Reuter zufolge rund 1.040 Euro / Jahr bei einer nicht vollständig isolierten 50-m-Dampfleitung, bei 250 Arbeitstagen mit 10 Arbeitsstunden. Isolieren ermögliche Einsparungen von bis zu 90 Prozent.

Hinzu komme: Das Entweichen von Wärme und Energie beeinträchtige das Raumklima negativ, von der Verbrennungsgefahr für die Kundendiensttechniker ganz zu schweigen. „Und je besser die Leitung isoliert ist, desto besser kommen Temperatur und Dampfdruck an der Verwendungsstelle auch an. Mit positivem Einfluss auch auf die Bügelqualität.“

Auch der Einsatz moderner LED-­Beleuchtung könne eine Energieein­sparung von bis zu 65 Prozent ermöglichen, resultierend aus einer längeren Lebensdauer des Leuchtmittels, weniger Wartungsaufwand. Der positive Neben­effekt: Räume erhalten eine bessere Lichtqualität. Unterschiedliche LED-Lichttöne liefern dabei heute das entsprechende „Wohlfühllicht“. Bei 40 Lampen an 250 Tagen und 10 Arbeitsstunden errechnet der Referent eine Einsparung von 1.000 Euro / Jahr.

Veit stellt Produkte auf den Prüfstand

Ein weiteres Thema sei der Einsatz von elektrisch beheizten Bügeltisch­flächen oder Andruckleisten beim Fi­nisher. „Reine Energiefresser“, findet Reuter. „Bei zwei Bügeltischen und einem Hemdenfinisher reden wir von 7.500 kWh/Jahr, die gespart werden könnten, oder eben 1.500 Euro.“

Veit stellt seine Produkte laut Reuter selbst auf den Prüfstand: So wurde der Hemdenfinisher vor zwei Jahren von Strömungstechnikern der TU München untersucht. Das Ergebnis: Der von einem runden Ventilator erzeugte Luftstrom durchströmte nur 55 Prozent der viereckigen Heizregisterfläche. Die Konstruktion wurde daraufhin geändert. Das bewirkte eine Energieeinsparung von 3.000 Euro/Jahr. Auch bei vorhandenen Geräten können Betriebe nachjustieren: Eine Isolierung eines Speisewasserbe­hälters, die Veit auch als Nachrüstung anbiete, könne laut Reuter bis zu 300 Euro / Jahr ausmachen.

„Schon kleine und einfache Maßnahmen können den Verbrauch deutlich senken“, unterstrich Reuter. Seiner Erfahrung nach summieren sich die Einsparungen in Betrieben auf bis zu 9.000 Euro pro Jahr. „Also einfach mal machen und wenn es die eine Lampe ist, die man austauscht.“

Schadensfälle diskutiert

Über Schadensfälle in der Textilreinigung und deren Versicherungsmöglichkeiten diskutierten Maria Bischoff (EFIT), Ing. Michael Knausz (Sachverständiger) sowie Lucas Berndl und Robert Schwenk (beide Vorsorgeberater der Wiener Städtischen Versicherung) unter der Anleitung von Franz Lang. Eine Botschaft aus dem Podium lautete: Eine Haftpflichtversicherung sei ein gutes Mittel („ein Deckungsbaustein“), um den Rechtsschutzversicherungen reklamierender Kunden etwas entgegenzusetzen.

Auf dem Podium diskutierten zum Thema „Schadensfälle“ (v. l.i): Ing. Michael Knausz (Sachverständiger), Maria Bischoff (EFIT), Franz Lang, Lucas Berndl und Robert Schwenk (Vorsorgeberater der Wiener Städtischen Versicherung).
Auf dem Podium diskutierten zum Thema „Schadensfälle“ (v. l.i): Ing. Michael Knausz (Sachverständiger), Maria Bischoff (EFIT), Franz Lang, Lucas Berndl und Robert Schwenk (Vorsorgeberater der Wiener Städtischen Versicherung). - © Bundesinnung/R+WTextilservice/Peter Schmid

Entscheidend bleibe jedoch die Inaugenscheinnahme am Ladentisch, denn dort beginne in der Regel ein Schadensfall. Ein Gespräch mit den Kunden im Vorfeld, das Hinweisen auf erkennbare Gefahren bei problematischen Textilien, notfalls das Einholen der Kundenunterschrift auf Kundenrisikoformularen (Schaden-Klagloserklärung) nach entsprechender Beratung – all dies sind Dinge, die bei Reklamationsfällen eine Absicherung bieten können.

Ein großes Problem, das in der Diskussion genannt wurde: Farbveränderungen. Unabhängig von Pflegekennzeichen bleibe die Art der Behandlung immer der professionellen Textilreinigung überlassen („Als Fachmann müssen Sie mehr wissen als das Pflegekennzeichen.“). Oft sei dabei die Kundenerwartung gegensätzlich zu den tatsächlich erreichbaren Ergebnissen. „Hat man das erkennen müssen?“, lautet vor Gericht häufig die Frage an den Sachverständigen. In den meisten Fällen habe sich gezeigt, dass den Textilreiniger keine Schuld treffe.

Bei einer automatisierten Warenannahme entstehe ein gewisses Spannungsfeld: Einerseits sollen die Kunden bestmöglich zufriedengestellt werden, andererseits fehlt die direkte Kommunikation. Das Podium empfahl den Einsatz von Fotos und entsprechender Dokumentation. Und riet: Komme es zu einer Reklamation, sollte dies immer Chefsache sein.

Ausgezeichnet mit dem RWin 2026: Franz Lang

Zum Abschluss des Bundestreffens zeichnete das Fachmagazin R+WTextilservice Franz Lang mit dem „RWin-Sonderpreis“ aus. Die internationale Jury würdigt damit sein Engagement: Lang hat die Ausbildung in der österreichischen Textilreinigungsbranche über viele Jahre maßgeblich geprägt. In diesem Jahr übergibt er sein Unternehmen und wird in den Ruhestand treten.

Das Jurymitglied Andrea Kuttner (BIM) und der ehemalige Chefredakteur von R+WTextilservice, Peter Schmid, überreichten die Urkunde und den Pokal. Gabriela Steiner (eine ehemalige Schülerin von Lang) schilderte in einem bebilderten Vortrag Leben und Wirken des sichtlich gerührten Preisträgers. „Danke, lieber Franz, für das Wissen, das du weitergibst. Danke für die Geduld, die du mit unseren Lehrlingen hast. Danke für deine Hilfsbereitschaft und dein Engagement in der ­Branche.“

Ein glücklicher „RWin“-Gewinner im Kreise seiner Familie (v.li.): Franz Lang jun., Franz Lang, Enkel Konstantin Sumerauer, Ehefrau Petra Lang, Tochter Elisabeth Sumerauer und Schwiegersohn Herbert Sumerauer.
Ein glücklicher „RWin“-Gewinner im Kreise seiner Familie (v.li.): Franz Lang jun., Franz Lang, Enkel Konstantin Sumerauer, Ehefrau Petra Lang, Tochter
Elisabeth Sumerauer und Schwiegersohn Herbert Sumerauer. - © Bundesinnung/R+WTextilservice/Peter Schmid

Einen ausführlichen Beitrag über den RWin-Preisträger lesen Sie in einer der nächsten Ausgaben R+WTextilservice.