Falttechnik in der Wäscherei Morich, Bad Lauterberg Sprung ins kalte Wasser lohnt sich

Vor allem für Frottee-Bademäntel aus der Wellnessabteilung eines Hotels hat Sascha Morich, Chef der Wäscherei Morich in Bad Lauterberg im Südharz, in seinem Betrieb eine neue Faltmaschine installiert. Die Technik, für die er sich entschied, war 2006 die erste ihrer Art in Deutschland. Der Vorteil der Maschine:Sie verfügt über zwei getrennte Aufgabestationen.

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    Über eine Gurteschar wird die Flachwäsche eingegeben. Das Steuerungspaneel rechts zeigt Daten wie Faltbild und Auslaufstation.
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    Über drei einzeln ansteuerbare Auslaufbänder verlässt die Flachwäsche bereits sortiert den Faltautomaten.
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    Je nach Betrieb werden die pneumatisch betätigten Tableaus angesteuert. Sie verbinden die Faltstation mit den Auslaufbändern.
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    Sascha Morich demonstriert, wie die Formteile aufgelegt und ausgerichtet werden können.

Sprung ins kalte Wasser lohnt sich

Am Städtchen Bad Lauterberg, das den südwestlichen Eingang in den Harz im Ausgang des Odertals aus dem Mittelgebirge bewacht, hat sich der Wandel von der produzierenden zur überwiegend dienstleistenden Gesellschaft schon sehr früh vollzogen. Sehr viel früher, als das beispielsweise im Ruhrgebiet der Fall ist, wo nach wie vor schwerwiegende soziale Probleme den Übergang begleiten. Bereits im 15. Jahrhundert wurde bei der heutigen Ortschaft Bad Lauterberg mit dem bergmännischen Abbau von Kupfererz begonnen. Stillgelegt wurde der Bergbau 1824 und der wunderschön gelegene Ort entwickelte sich allmählich zu einem Kneipp-Kurort mit Heilverfahren für Herz-, Gefäß-, Magen- und Darmerkrankungen. Therapeutische Erfolge werden auch bei Diabetes und orthopädischen Anwendungen erzielt.

Bald 30 Jahre betreibt die Familie Morich eine Wäscherei in Bad Lauterberg. Damals, 1979, hatte Kurt Morich den bereits bestehenden Betrieb erworben. Morich, seines Zeichens Monteur für Seilbahnen, baute das Unternehmen sukzessive aus, zunächst in der „Französischen Einheit“, wie ein seinerzeit in Bad Lauterberg agierender, von der französischen Armee betriebener NATO-Horchposten hieß. Denn – man erinnert sich noch – die ehemalige Zonengrenze zur ebenfalls ehemaligen DDR verlief in unmittelbarer Nachbarschaft.

1982 endete die französische Gastfreundschaft, die Wäscherei Morich zog um nach Barbis, einem Ortsteil von Bad Lauterberg. Die Aufbauarbeit wurde am neuen Standort zielbewusst fortgesetzt: Sascha Morich, Sohn von Kurt Morich und seit 1. Januar 2006 Chef des Unternehmens, berichtet, dass man bis heute 25 An- und Umbauaktionen durchgeführt habe. Selbstverständlich ist auch Vater Kurt Morich noch aktiv in der Wäscherei. Er steht beratend zur Verfügung und springt immer dann ein, wenn es nötig erscheint.

Der heutige Stand des Wäschereibetriebs kann sich sehen lassen: Die Wäschemenge, die täglich bewältigt wird, beläuft sich, so Sascha Morich, auf 8–10 t, die Herbst- und Wintermonate seien immer stärker, da Bad Lauterberg just in dieser Zeit Hauptsaison habe. Die Zahl der Beschäftigten liegt einschließlich der Aushilfen bei 52, davon sind 34 Mitarbeiter fest angestellt. Drei Sprinter-Lkw sind für die Transportaufgaben zuständig, der täglich bediente Logistikumkreis beträgt etwa 75 km und versorgt Orte wie Bad Harzburg, Braunlage oder Herzberg.

Zum allergrößten Teil ist es Hotelwäsche, die im Betrieb bearbeitet wird. „Etwa 90 Prozent kommen aus diesem Bereich, die restlichen zehn Prozent steuern Altenheime bei“, erläutert
Christopher Morich, Bruder von Sascha und Chef der Verwaltung der Bad Lauterberger Wäscherei. „Da wir eine komplette Textildienstleistung anbieten, nehmen wir Teile für die Textilreinigung natürlich auch entgegen, geben sie aber zur Bearbeitung an einen Kollegenbetrieb.

Trockenwäsche im Hotelleriebereich, also alles, was beispielsweise aus Frottee besteht, nimmt immer mehr zu. Das ist zum einen eine Begleiterscheinung des Kurbetriebs in Bad Lauterberg. Hinzu kommt eine seit mehreren Jahren zu beobachtende Hinwendung zahlreicher Hoteliers zum Wellnessgedanken. Ein Hotel mit Wellnessabteilung liefert vergleichsweise große Mengen an Trockenwäsche, überwiegend Bademäntel aus Frottee.

Dieser Sachverhalt wirkt sich auch auf die Wäscherei aus, die mit immer höheren Anteilen an Trockenwäsche konfrontiert wird. Bei Morich z.B. spitzte sich die Situation am Ende des Bearbeitungsstranges, beim Falten, derart zu, dass eine Neuinvestition in rationalisierende Technik unumgänglich wurde. Denn der vorhandene Trockenwäsche-Faltautomat konnte den Wäscheanfall längst nicht mehr bewältigen. Die Morichs begaben sich auf die Suche.

Fündig wurde die Wäscherfamilie – zunächst indirekt – auf der Frankfurter Texcare 2004. Damals kamen sie in Kontakt mit dem südfranzösischen Hersteller von Eingabe- und Faltmaschinen Jean Michel, Grésy sur Aix. Dieser Anbieter ist seit mehreren Jahren Mitglied der spanischen Girbaugruppe, die mit der französischen Technik ihr Programm im Bereich Flachwäsche- und Trockenwäsche-Finish komplettiert.

Ende 2006 war es so weit: Der Trockenwäsche-Faltautomat „Saturne Mega“ wurde angeliefert. Der Vorteil dieser größten Anlage der Baureihe besteht darin, dass sie über zwei getrennte Aufgabestationen verfügt; und zwar werden auf einem Einlauftisch mit Gurten Handtücher und sonstige Flachteile eingegeben, während am entgegengesetzten Ende der Maschine ein automatischer Einzug für Formteile wie Jacken, Kittel, Hosen agiert. Eine kräftige Absaugung fixiert das Formteil zunächst, damit es für den nachfolgenden Faltprozess korrekt ausgerichtet werden kann. Denn auch beim Falten von Trockenwäsche bestätigt sich die alte Weisheit, dass eine saubere Eingabe die Voraussetzung für die Qualität der Faltung ist.

Die Maschine verfügt über Längs- und Querfaltung für Flachteile. Die Formteilefaltung kann entsprechend den Vorgaben des Kunden in weitem Umfang angepasst und modifiziert werden. Die automatische Größenerkennung der Faltmaschine beschleunigt den Arbeitsprozess erheblich. Einen weiteren Beitrag zur Rationalisierung liefert die nach Artikelart und -größe getrennt steuerbare Abstapeleinrichtung, die maximal vier autonom arbeitende Stapelbahnen bedienen kann. Die Steuerung der gesamten Faltanlage erfolgt höchst komfortabel über Mikroprozessor und einen Touch-screen-Bildschirm. Selbstverständlich enthält das Paneel Tasten zum Aussteuern beschädigter und nicht perfekt gewaschener Wäschestücke aus dem Bearbeitungsablauf.

Sascha Morich ist zufrieden mit der Faltmaschine: „Die Technik hat sich als zuverlässig erwiesen“, berichtet er, „die Maschine ist robust gefertigt und hat bis jetzt alles bestens erfüllt, was wir uns beim Kauf gewünscht hatten.“ Besonderes Lob zollt er der Qualität der Faltung: „Die Steuerung beinhaltet ein hohes Potenzial an Faltoptionen, so dass praktisch allen Kundenwünsche und Anforderungen entsprochen werden kann. Und das Faltbild ist gleichbleibend absolut sauber und klar“.

Natürlich ist sich der junge Wäscher aus dem Harz darüber klar, dass für ihn das Deutschlanddebüt der „Saturne Mega“, das ausgerechnet in seinem Betrieb stattfand, nicht ohne Risiko war. Denn hierzulande gibt es nun einmal keine Betriebserfahrungen mit diesem Produkt des südfranzösischen Herstellers. Allenfalls seien einige Trockenwäsche-Faltmaschinen des Typs „Saturne Tri“ zu nennen, die bereits vor längerer Zeit in süddeutschen Wäschereien installiert wurden. Morich jedenfalls ist „ins kalte Wasser gesprungen“ und hat sich glücklicherweise keine „Lungenentzündung“ geholt. kpl