Das Texcare Forum widmete sich an seinem letzten Tag den wichtigen Zukunfstrends, die auf den textilen Mietservice zukommen werden. Über einige Auswirkungen auf den Sektor der Berufsbekleidung wurde im Forum diskutiert. Wir möchten für Sie diese Diskussion nun fortsetzen.
Tiefgreifende Veränderungen
Viele Veränderungen werden sich nach Einschätzungen der Experten des Texcare Forums in den Bereichen Gastgewerbe, Gesundheitswesen, Dienstleistungssektor und Schutzbekleidung ergeben. Jeder dieser Bereiche unterliegt eigenen Gesetzmäßigkeiten, die sich zum Teil sehr unterschiedlich auf die Berufsbekleidung auswirken – und damit auch auf deren Pflege und den Mietservice.
Die Hotellerie muss sich dem weiter wachsenden Wellness-Bedarf und dem Trend zu Healthcare-Hotels anpassen, sich außerdem auf mehr Geschäftsreisende und asiatische Besucher einstellen. Außerdem kommen neue Übernachtungskonzepte auf, zu denen Rob Kimmann von Blycolin etwa Citizen M., Yotel, Qbic oder Boutique-Hotels zählt. In der gehobenen Gastronomie wiederum setzt sich das Dinieren in hochwertigem, textilem Ambiente durch. Für das äußere Erscheinungsbild der Mitarbeiter in Hotellerie und Gastronomie haben diese Entwicklungen ebenfalls Konsequenzen.
Robert Long von der European Textile Services Association (E.T.S.A.) schätzt, dass von der Berufsbekleidung für das Gastgewerbe mehr Komfort, Leistung, Mode und Design verlangt wird. Das spiegelt auch die Erfahrungen der in diesem Bereich tätigen Konfektionäre wider. Der hohe Anspruch der Gastronomen an die Optik des Outfits hat vor allem die Businessbekleidung auf den Plan gerufen, wie Greiff Mode in Bamberg beobachtet. Hemd und Bluse, Kostüme und Anzüge, mit und ohne Weste werden vornehmlich im direkten Kundenkontakt getragen: im Service, an der Rezeption oder der Hotelbar.
Auch C.G. Workwear mit Sitz in Bad Aibling stellt fest, dass der sportliche Auftritt dem eleganten Erscheinungsbild immer mehr weicht. So suchen nach Angaben des Unternehmens immer mehr Hoteliers für ihren Wellnessbereich nach einer Alternative zu Poloshirt und Hose. Der Konfektionär hat daher eine Wellnesskollektion aufgelegt, die sich am Stil asiatischer Uniformen orientiert. Das Sortiment besteht aus Tunikas mit seitlicher Knöpfung oder modischem Reißverschluss, Hemden und Blusen aus Geweben in Fischgrätoptik und mit Stehkragen sowie Kleidern mit Zweiwege-Reißverschluss in den Farben Weiß, Khaki und Anthrazit.
Vor allem bei kleinen, inhabergeführten Häusern spielt die Anpassung der Berufsbekleidung an die Corporate Identity des Betriebs eine zunehmend wichtige Rolle. Die Bekleidungswerke Hoon aus Nordhorn haben eine spezielle Baukastenlösung für schnelle, standardnahe Garderobenlösungen entwickelt. Bei einer Abnahme von 160 Teilen kann der Kunde aus einer Vielzahl von Bekleidungsteilen und Formen sowie einer große Auswahl an Stoffen wählen. Innerhalb von sechs Wochen produziert der Anbieter dann die Garderobe, die aus Standardschnitten entwickelt wird. Damit bietet das Unternehmen eine Alternative zur kompletten Neuerstellung einer Garderobe, wie sie auch von allen anderen führenden Berufsbekleidungsherstellern angeboten wird.
Doch nach Ansicht von Long steht das Kleidungsangebot im Gegensatz zu einer Entwicklung, die durch den Rückgang der europäischen Produktionsbetriebe ausgelöst wird. Ein stetiges Wachstum von Allzweckberufsbekleidung wird die Folge von immer weniger in Europa angesiedelter Konfektionsbetriebe sein. Doch diese Entwicklung steht im Kontrast zu dem Bedürfnis von Restaurants und Hotels, sich durch ein individuelles Erscheinungsbild vom Wettbewerb abzuheben. Auf der anderen Seite aber käme diese Entwicklung dem Kostenbewusstsein der Branche entgegen, wie Axel Krones von Krones Jobwear bemerkt. Denn Allzweckbekleidung hat einen preislichen Vorteil gegenüber den modisch aktuellen Angeboten. Dem Wunsch nach Individualisierung können die Anbieter seines Erachtens dann durch Stickereien oder Druckembleme entsprechen. Genau diesen Schritt geht das Versandhaus Erwin Müller aus Buttenwiesen. Durch Direkteinstickungen und die Kombination der Kleidung mit verschiedenen Accessoires wird das CI eines Hotels oder Restaurants auf der Garderobe des Personals fortgeschrieben.
Die Allzweckbekleidung bietet noch einen weiteren Vorteil. Die Zulieferer müssen in der Lage sein, Kollektionen zuverlässig und in gleichbleibender Qualität auch über längere Zeiträume liefern zu können, wie die Hamburger Teamdress Stein aus Erfahrung weiß. Eine übersichtliche, ab Lager verfügbare Kollektion ermöglicht es dem Konfektionär nach eigenen Angaben, auch hohe Liefergeschwindigkeiten zu garantieren und schwankende Abrufmengen aus dem Gastgewerbe abzudecken.
Wenn die funktionelle Allzweckbekleidung Wirklichkeit werden sollte, wird es für die stetig wachsende Dienstleistungsbranche in Zukunft schwer, den von E.T.S.A. beschriebenen Wunsch nach Image Wear bei einer schwindenden Zahl von Berufsbekleidungs-Konfektionäre wahr werden zu lassen. Und das wird auch für Fluglinien gelten, die mehr Plätze in der First- und Business-Class einrichten. Sie werden bestimmt nicht auf eine Garderobe im Corporate Design verzichten wollen.
Einen weiteren Zukunftstrend sieht E.T.S.A. im steigenden Interesse an Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Long sieht hier neue Möglichkeiten für den textilen Mietservice, denn dessen Expertise im Bereich der umwelt- und ressourcenschonenden Wäschepflege kann zukünftig als wichtiges Verkaufinstrument gegenüber der Haushaltswäsche genutzt werden. Zusätzlich unterstützt wird dieses Argument durch neue fleckabweisende Ausrüstungen und Waschprozesse, die bei niedrigeren Waschtemperaturen und einem weiter sinkenden Wasserverbrauch für Sauberkeit sorgen. Aber auch für Hersteller von Berufsbekleidung bietet ein steigendes Umweltbewusstsein ein neues Betätigungsfeld.
So hat der in Kehl ansässige Spezialist für Kochbekleidung, Bragard, eine Kochjacke aus 100 Prozent Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau (kba) im Programm. Da weder Pestizide noch Insektizide oder Entlaubungsmittel für die Naturfaser verwendet werden, sind die Kosten für kba-Baumwolle jedoch höher als für die herkömmlich angebaute und geerntete Naturfaser. Da der Preis aber im Geschäftsleben aussschlaggebend ist, sind derzeit nur Visionäre bereit, den Mehrpreis zu zahlen.
Das könnte sich bald ändern, denn inzwischen firmieren sich in Europa Hotels, die sich einem ganzheitlichen Umweltgedanken verschrieben haben – auch in der Bekleidung für das Personal. So soll die Garderobe nur aus ökologischen Rohstoffen gefertigt sein. Neben der Verwendung von Naturfasern aus biologischem Anbau umfasst das auch die Färbung mit Naturfarbstoffen. Auch die Pflege dieser Bekleidung wird unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit erfolgen müssen. Auf Wäschereien, die solche Konzepte begleiten wollen, werden zukünftig neue Aufgaben zukommen. Geringe Wasser- und Energieverbräuche werden als Argumente nicht mehr ausreichen. Beispielsweise wird die Umweltverträglichkeit der Waschmittel für den Kunden eine Rolle spielen.
Die neue Beschaffungspolitik im Gesundheitswesen bringt tiefgreifende Veränderungen mit sich. Während sich das Thema Ökologie sehr langsam im Gastgewerbe zu etablieren scheint, spielt es im Gesundheitswesen eine untergeordnete Rolle. Es sind eher die großen Veränderung im Beschaffungswesen der Kliniken, die Michael Schumacher vom intex-Verband auf den Mietservice und seine Zulieferbetriebe zurollen sieht. Anstelle einer „chaotischen“ Bestellabwicklung durch einzelne Häuser werden immer mehr professionell aufgestellte Einkaufsabteilungen oder -verbunde die Beschaffung übernehmen, um Einsparpotenziale zu nutzen. Die Folge ist eine zunehmende Standardisierung der Kollektionen, denn diese bietet die Vorteile günstiger Herstellpreise, einer hohen Bevorratung, einer langen Nachlieferbarkeit und kurzer Lieferzeiten. Außerdem lassen sie automatisierte Beschaffungsabläufe zu, die nach Schumachers Beobachtung eine direkte Folge der zunehmenden Einkaufsmacht im Gesundheitswesen ist.
Zukünftig müssen diese Vorgänge schnell, reibungslos und durch geeignete Datenverarbeitungssysteme gestützt ablaufen. Daher werden sich die Zulieferer von Pflegeeinrichtungen immer stärker mit ihren Kunden vernetzen müssen, um eine angemessene Versorgungsqualität gewährleisten und steigern sowie die Kosten für Berufsbekleidung und deren Pflege senken und Zeitvorteile realisieren zu können.
Da der intex-Verband für die Zukunft einen Wandel vom angebots- zum nachfrageorientierten Einkauf in Kliniken und Heimen sieht, werden immer mehr Einkaufsabteilungen ihre Lieferanten im Rahmen von Partnerratings bewerten, um sie als verbindliche Wertschöpfungspartner aufzubauen. Und das wiederum soll nach Ansicht von intex auch zu einer Abnahme des rein preisorientierten Einkaufs im Gesundheitswesen führen. Bis es soweit ist, werden wahrscheinlich etliche Anbieter auf der Strecke bleiben, es sei denn, sie machen es wie ihre Kunden und schließen sich mit anderen Gleichgesinnten zusammen. Auf diese Weise können Investitionen auf mehrere Schultern verteilt werden.
Laut E.T.S.A. steigt im Gesundheitswesen die Sorge vor postoperativen Infektionen, weshalb die Hygieneanforderungen in diesem Bereich zunehmen werden. Die gewerbliche Wäschepflege kann hier gegenüber der häuslichen Textilpflege auf jeden Fall Terrain gewinnen, denn nur ein Profi weiß, wie er ungewünschten Keimen zu Leibe rücken kann. Doch auch für die Zulieferer von Berufsbekleidung eröffnet das steigende Hygienebewusstsein neue Chancen. So hat die Hemdenfabrik Petermann aus Großostheim bereits vor zwei Jahren leasingfähige Poloshirts mit einer antimikrobiellen Faserkomponente auf den Markt gebracht. Die auf der Wirkung von Silberionen basierende Polyesterfaser verhindert das Wachstum von Mikroorganismen sowie eine Keimausbreitung.
Ähnliches gilt für Berufsbekleidung mit einer bakterioziden Ausrüstung. Die professionelle Pflege unter Einhaltung des RABC-Standards stellt eine weitere Alternative dar, die Auslieferung einer hygienisch einwandfreien Bekleidung zu gewährleisten. Allerdings schützt sie nicht gegen Keime, die während des Gebrauchs auf die Bekleidung eingetragen werden.
Der Einsatz von antimikrobiellen Stoffen im Bereich der Berufsbekleidung muss daher genau abgewogen werden. Dabei werden zukünftig auch die Auswirkungen der Textilien im Hinblick auf den Umwelt- und Nachhaltigkeitstrend neu zu überdenken sein. Denn die neuen Entwicklungen für das Textilleasing dulden keinen Stillstand.
Dipl.-Ing. Sabine Anton-Katzenbach