Nachhaltige Textilinnovation TITK präsentiert Poloshirt mit dreifach recycelter Cellulosefaser

Das Thüringische Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung (TITK) präsentierte auf der Weltausstellung in Japan ein Poloshirt aus Lyohemp. Einer Lyocellfaser aus Hanfzellstoff, die bereits drei Recyclingprozesse durchlaufen hat. Die Innovation könnte das Textilrecycling revolutionieren.

Die innovative Recyclingfaser ist beim Poloshirt als Piqué verarbeitet worden.
Verarbeitet ist die innovative Recyclingfaser in dem Poloshirt als Piqué, einem reliefartigem Muster. - © TITK / Steffen Beikirch

Auf der Weltausstellung 2025 in Osaka, Japan präsentierte das Thüringische Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung Rudolstadt e.V. (TITK) ein Poloshirt aus dreifach recycelter Cellulosefaser. Bei der Faser handelt es sich um eine hauseigenen Innovation namens Lyohemp – einer Lyocellfaser aus Hanfzellstoff.

Der geschäftsführende Direktor des TITK, Benjamin Redlingshöfer, trug das Poloshirt persönlich auf der Expo in Osaka. Dabei zeigte er sichtlich stolz den Aufdruck „300 % Recycling“. Der zeigen soll, dass das Shirt aus einer Faser besteht, die zum ersten Mal drei Aufbereitungsprozesse nacheinander überstanden hat. Und zwar so gut, dass sie problemlos zu einem modischen Poloshirt bester Tragequalität verarbeitet werden konnte. „Mit unserer 300 %-Recycling-Faser zeigen wir, dass geschlossene textile Recyclingkreisläufe dank unserer Technologie realisierbar sind“, sagt Redlingshöfer.

Vom Downcycling zur echten Kreislaufwirtschaft

Sofern Textilien überhaupt recycelt werden, findet dabei oft ein so genanntes Downcycling statt. Das heißt, aus den ursprünglich hochwertigen Textilfasern werden im Rahmen des stofflichen Recyclings qualitativ weniger anspruchsvolle textile Produkte hergestellt. Das TITK möchte mit seinem Faser-zu-Faser-Recycling erreichen, dass aus hochwertigen Textilfasern Recyclingfasern entstehen, die ein genauso hohes Qualitätsniveau und genauso gute Nutzungseigenschaften haben. Bisher werden jedoch selbst bei Recyclingkreisläufen oft nur 20 bis 40 % Rezyklate verwendet, der Rest besteht aus neuen („Virgin grade“) Fasern.

„Das TITK konnte nun eindrucksvoll demonstrieren, dass ein hundertprozentiges Recycling von Cellulosefasern möglich ist“, sagt Redlingshöfer. „Und dass dieser Prozess sogar dreimal in Folge genutzt werden kann, ohne dabei Abstriche bei Eigenschaften wie weichem Griff, leichtem Glanz oder einer gleichmäßigen Anfärbbarkeit machen zu müssen.“

Lyohemp Zukunft der Textilindustrie

Das Ergebnis sei ein vollwertiges, nachhaltiges Produkt, das nun den Standard für zukünftige Recyclingprozesse in der Bekleidungsindustrie setze. Damit lasse sich der Verbrauch neuer Virgin-grade-Fasern in Zukunft drastisch reduzieren. Gelungen sei diese Innovation dank einer weiteren Anpassung des am Institut etablierten, sehr robusten Lyocellprozesses – konkret in Bezug auf die Zellstoffgewinnung und -vorbehandlung, so Redlingshöfer. „Dieser Recyclingkreislauf lässt sich prinzipiell auch auf Baumwollfasern als Ausgangsrohstoff anwenden.“ Das TITK lädt Industriepartner ein, gemeinsam an der Weiterentwicklung und Implementierung dieser Technologien zu arbeiten.

Unter der Flagge des am Rudolstädter Institut gegründeten und derzeit im Aufbau befindlichen Demonstration and Innovation Center for Textile Circular Economy (DICE) werden schon jetzt Entwicklungen zum ganzheitlichen Recycling von Textilien vorangetrieben. Dabei übertragen die Forscher des TITK Erkenntnisse aus dem Projekt des Lyohemp-Recyclings nun auf sogenannte Polycotton-Textilien, wobei zusätzlich eine Trennung der beiden Stoffströme aus synthetischen und cellulosischen Fasern erfolgt, um diese dann wieder in einer Materialqualität zum Faserspinnen zu vereinen (Faser-zu-Faser- bzw. Fiber-to-Fiber Recycling).