Unter Druck, zu teuer, kaum konkurrenzfähig – viele Inhouse-Wäschereien gelten als Auslaufmodell. Doch in Freiburg beweist eine Klinikwäscherei das Gegenteil: Sie spart jährlich 200.000 Euro Kosten, verdoppelte die Lebensdauer der Textilien und reduzierte die CO2-Emissionen. Dafür wurde sie mit dem RWin 2026 ausgezeichnet.

Es ist ein besonderer Mittwochvormittag. Zwischen Wäschewägen und Maschinen projiziert ein Beamer leise summend „Wäscherei des Jahres 2026“ an die Wand. Mit dem RWin zeichnet R+WTextilservice Betriebe aus, die neue Maßstäbe setzen. 2026 fiel die Wahl auf eine Inhouse-Wäscherei – ein Modell, das vielerorts längst abgeschrieben ist. Doch der Wäscheservice am Universitätsklinikum Freiburg zeigt: Die Eigenwäscherei lebt. Und sie kann mehr, als viele ihr zutrauen.
Nach und nach füllt sich der Raum: Mehrere Klinikgeschäftsbereichsleiter sind bereits da, Geschäftspartner kommen dazu, einige Wäschereimitarbeiter lassen ihre Arbeit liegen. Für alle ist es ein besonderer Moment. In dem Gebäude aus den 1930er Jahren hängten Nonnen früher die Wäsche unter dem Dach zum Trocknen auf. Dass ausgerechnet dieser Ort als eine der innovativsten Wäschereien im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet wird, hätte kaum jemand erwartet.
RWin 2026 – Warum diese Wäscherei?
Die Jury hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Am Ende überzeugte dieses Konzept. Nicht durch große Worte, sondern durch messbare Ergebnisse. Der Kern des Projekts: Der Wäscheservice am Universitätsklinikum Freiburg senkte den Dampfdruck von 10 auf 4 bar. Sämtliche Trocknungsmaschinen – Mangeln und Trockner – werden seither mit dem reduzierten Dampfüberdruck beheizt. Die Trocknungs- und Mangeltemperatur sank dabei von rund 170 bis 180 °C auf 152 °C. Was sich technisch nüchtern liest, hat große Wirkung: Die
Wäscherei spart dadurch jährlich 712 Tonnen CO2 ein. Das entspricht den jährlichen Emissionen von rund 236 Einfamilienhäusern. Die Betriebskosten sanken um rund 200.000 Euro pro Jahr, der Energieverbrauch um 20 Prozent. Und das bei gleichbleibendem, teilweise sogar gesteigertem Output.
„Die Auszeichnung gehört dem ganzen Team. Veränderung passiert nicht auf dem Papier, sondern nur, wenn sie gelebt wird“, machte Joachim Tschocke, Geschäftsbereichsleiter Dienstleistungen am Klinikum, zur Eröffnung der RWin-Preisverleihung klar. Er bedankte sich bei der Jury des Branchenawards für die Anerkennung und betonte: „Wir freuen uns ganz besonders, denn als Klinikwäscherei ist das alles andere als selbstverständlich. Wir können mit Großwäschereien in der Regel nicht mithalten.“


Nicht einfach runterdrehen – alles hinterfragen
Doch wie ließ sich die Reduzierung des Dampfdrucks realisieren? „Es ging nicht einfach darum, alle möglichen Dinge abzuschalten, um Energie zu sparen“, erklärte Wäschereileiter Samuel Bigot. Entscheidend war der ganzheitliche Ansatz des externen Beraters Wilhelm Bringewatt, der auf Empfehlung der Hohenstein Academy hinzugezogen wurde. Bigot bedankte sich für dessen Engagement, das weit über den Vertrag hinausging.
Bringewatt, der mehr als drei Jahrzehnte für den Wäschereitechnik-Hersteller Kannegiesser tätig war – davon 20 Jahre als Leiter der Konstruktion und Entwicklung –, betrachtete nicht nur einzelne Maschinen, sondern sämtliche Abläufe vor, während und nach dem eigentlichen Bearbeitungsprozess. Wo lässt sich Zeit gewinnen? Wo geht sie verloren? Wo steht eine Maschine falsch? Und wo wird Wäsche unnötig bewegt? Daraus leitete er Maßnahmen ab, um Abläufe zu straffen, Wege zu verkürzen und Handgriffe zu reduzieren.
„Schneller ist nicht immer besser“
Viele Wäschereien ließen ihre Mangeln möglichst schnell laufen – im Glauben, so den Output zu steigern, erklärte Bringewatt. Tatsächlich ist oft das Gegenteil der Fall. Denn ab einem bestimmten Tempo können die Mitarbeitenden die Wäschestücke nicht schneller einlegen. Die Abstände zwischen den Teilen wachsen. Die Leistung sinkt. Gleichzeitig steigt die Belastung für das Personal. In Freiburg hat man deshalb umgestellt. Die Mangel läuft etwas langsamer, erreicht durch geringere Abstände zwischen den Teilen aber den gleichen Output. Auch die Maschine profitiert von der langsameren Laufzeit und den geringeren Teileabständen. Der Verschleiß sinkt. „Schnell ist nicht immer besser“, fasste Bigot zusammen.
Warum ausgerechnet 4 bar – und nicht 3 oder 5? Weil hier das Zusammenspiel aus Druck, Geschwindigkeit und Ergebnis optimal sei, erklärt Bringewatt. Zudem kann die Wäscherei bei 4 bar die letzte Dampfdruckstufe der klinikeigenen Turbine nutzen. Ein technischer Vorteil, der den Standort als ganzjährige Wärmesenke für das Klinikum besonders wertvoll macht, wie R+WTextilservice bereits in der Ausgabe 05/2025 berichtete.
Technik und Umsetzung im Detail
Die Absenkung des Dampfdrucks ist nur ein Teil der Geschichte. Welche Stellschrauben tatsächlich verändert wurden – von der Anlagensteuerung bis zur Organisation der Abläufe – sowie alle Hintergründe zur Wäscherei des Uniklinikum Freiburgs.
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Doppelte Lebensdauer, halbierte Kosten
Was der geringere Dampfdruck konkret bewirkt, zeigt sich besonders bei den Textilien. Die niedrigen Temperaturen haben die Lebensdauer der Textilien verdoppelt. Laut Wäschereileiter Bigot müssen nun jährlich statt 35 Tonnen nur noch 17,5 Tonnen Wäsche ersetzt werden. Das entspricht einer Einsparung von 36 Prozent des bisherigen Textileinkaufswerts. Auch Reißkraft, Farbbeständigkeit und Weißgrad der Textilien hätten sich verbessert, weil die Fasern nicht mehr durch Überhitzung geschädigt würden. „Zurzeit haben wir dadurch ein volles Textillager und sparen uns die regelmäßig notwendigen Wäscheausschreibungen“, ergänzte er.

Brandschutz: Ein unterschätzter Nebeneffekt
Die niedrigeren Temperaturen wirken sich auch auf die Sicherheit aus. Viele Wäschereien neigen dazu, ihre Textilien zu übertrocknen. Die Annahme, dass Mangeln mit 170 bis 180 °C laufen müssten, um vernünftige Ergebnisse zu erzielen, sei schlicht falsch. Tatsächlich gehören überhitzte Wäschestapel zu den häufigsten Brandursachen. Bleiben Fettrückstände im Textil, kann es bei hohen Temperaturen zur Selbstentzündung kommen, erklärte Bringewatt.
Bigot kennt das Risiko. 2014 brannte die reine Seite der Wäscherei vollständig ab. Fast ein Jahr lang arbeiteten die Mitarbeitenden daraufhin nachts bei einem Partnerbetrieb. 2021 kam es erneut zu einem Vorfall durch einen Kabelbrand. „Wenn es so weit kommt, hat man maximal sechs Minuten“, sagte Bigot. „So schnell ist keine Feuerwehr da.“ Durch die niedrigen Temperaturen und die geringeren Laufkilometer der Mangelbänder sei die Brandgefahr nun deutlich reduziert.
Der Erfolg des Projekts wäre ohne das Team nicht möglich gewesen. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben den Prozess nicht nur mitgetragen, sondern aktiv mitgestaltet“, erzählte Bigot. Für ihn ist motiviertes Personal entscheidend.
Nachhaltig und wirtschaftlich zugleich
In Freiburg gehen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit Hand in Hand: weniger CO2 und geringere Kosten. Das ist keineswegs selbstverständlich. Häufig bedeutet mehr Nachhaltigkeit auch höhere Kosten. Für diesen Ansatz wurde das Klinikum bereits mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Gesundheitsversorgung ausgezeichnet.
Gleichzeitig wächst der Druck. Investitionen in die Wäscherei seien keine Selbstverständlichkeit. Immer mehr Kliniken geben ihre Wäscherei auf und vergeben die Leistungen extern. Auch in Freiburg stehe das Universitätsklinikum unter erheblichem Kostendruck. Umso wichtiger sei die Anerkennung von außen. Die Auszeichnungen hätten ein Umdenken angestoßen. So verhandeln Wäscherei und Klinikum derzeit über weitere Investitionen, etwa in ein Wärmerückgewinnungssystem und eine Pickmaschine. Damit könnten sie Kleidungsstücke künftig maschinell vereinzeln und auf Fremdkörper kontrollieren – bislang geschieht das noch von Hand.
Für die Freiburger stellt sich nun die Frage: Wie geht es weiter? Bleibt Dampf die zentrale Energiequelle – oder führt der Weg künftig zu Strom, Wärmepumpen oder anderen Technologien? Wir werden die Entwicklungen weiterhin begleiten.