„Uns schreckt kein Fleck!“
Zwei Kollegen hatten den Auftrag wegen des hohen Risikos abgelehnt. Auch Manfred Koller mochte der Kundin nicht versprechen, dass er Wunder wirken kann. „Wir werden aber zumindest versuchen, die Kugelschreiberflecken aus dem feinen Schweinsvelourleder Ihrer Dolce&Gabbana-Jacke zu entfernen“, berichtet der gewerbemäßige Geschäftsführer der Kleiderreinigung Klaus GesmbH & Co KG im niederösterreichischen Wolkersdorf. Natürlich hatte der Textilreinigermeister schon eine Idee für die schonende Behandlung des wertvollen Leders. „Ich habe der Dame aber nichts versprochen“, unterstreicht Manfred Koller. Mit der Strategie, den Kunden stets die Wahrheit zu sagen und sie auch über mögliche Risiken aufzuklären, fährt er seit vielen Jahren gut.
Die Geschichte des traditionsreichen Familienbetriebs begann 1968. Aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung hatten Josef und Maria Anna Klaus im Viehhandel keine Perspektive mehr gesehen. „Ein guter Bekannter meiner Schwiegereltern richtete Textilreinigungen ein und verkaufte sie an innovative Interessenten“, erinnert sich Manfred Koller. Für Josef Klaus sen., seit eh und je neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen, eine Chance.
Er überlegte nicht lange und kaufte so einen Betrieb im 22. Wiener Gemeindebezirk – eingerichtet als „Mietwaschküche“ mit Münzwaschautomaten. Um die Angebotspalette zu erweitern, ließ er auch eine Textilreinigungsmaschine aufstellen und sich von den Mitarbeitern in deren Bedienung einweisen. Manfred Koller: „Damals war das Chemischputzer-Handwerk in Österreich noch ein freies Gewerbe.“
Josef Klaus hatte eine glückliche Hand. Deshalb dauerte es nicht lange, bis er mit seiner Ehefrau auch in Wolkersdorf, dem heutigen Stammhaus, einen solchen Betrieb aufbaute. Leider verstarb der Firmengründer ein Jahr nach der Eröffnung. Seine Witwe führte die Geschäfte weiter. „Jahre mit Höhen und Tiefen, zumal ja auch drei Kinder versorgt werden mussten“, erzählt Manfred Koller. Nachdem Tochter Barbara an der Handelsakademie maturiert hatte, stieg sie in den elterlichen Betrieb ein. Schon kurz darauf wurde in einem Einkaufszentrum in der Wiener Großfeldsiedlung die dritte Filiale mit zwei Reinigungsmaschinen und einer Finishingabteilung eröffnet. Manfred Koller kam 1981 in den Betrieb. Ursprünglich hatte er Veterinär werden wollen, später studierte er ein paar Semester Juristerei. Doch erst in der Textilreinigung entdeckte der Student seine wahre Berufung. „Ich hatte zuvor in der Autoindustrie gejobbt. Dort erwarb ich auch kaufmännisches Wissen und lernte, mit Kunden umzugehen“, erinnert sich der Textilreinigermeister. Kurz nachdem Manfred Koller und Barbara Klaus geheiratet hatten, exmatrikulierte er sich, um mit seiner Ehefrau gemeinsam den Betrieb zu führen. Um im neuen Metier wirklich sattelfest zu sein, nahm er an einem Lehrgang für die Lehrabschlussprüfung zum „Chemischputzer“ teil.
„Ich war ‚Geselle ohne Lehrzeit‘. Allerdings hatte ich auch großes Glück, von dem ich heute noch zehre.“ Mit dem Lehrgang hatten alte Meister ihn und die anderen Teilnehmer nämlich im „Crashverfahren“ in die hohe Schule der Textilreinigung eingeweiht. „Uns wurden alte Rezepturen vermittelt, deren Kenntnis heute noch Manches mal hilfreich ist“, so Manfred Koller. 1983 erfolgte die Umstrukturierung der Einzelfirma in eine GesmbH & Co KG. Seitdem ist Barbara Koller Inhaberin, deren Bruder Josef Klaus jun. Geschäftsführer und Manfred Koller gewerbemäßiger Geschäftsführer. Das Unternehmen wird in seiner Struktur bis zum heutigen Tag als Familienbetrieb geführt.
In den folgenden Jahren wurde in alle drei Filialen viel Geld investiert, um sie mit innovativer Technik an die mittlerweile strengeren Umweltschutzauflagen anzupassen. „Anfang der 90er Jahre war in Österreich eine Gewerberechtsnovelle verabschiedet mit der das Textilreinigergewerbe wieder zum Meistergewerbe erhoben worden ist. Es dauerte aber einige Zeit, bis sie mit Leben erfüllt werden konnte“, erzählt Manfred Koller. Erst 1994 war es endlich soweit: Am 15. April legten er und einige Berufskollegen erstmals nach den neuen Kriterien die Prüfung zum Meister im Textilreinigerhandwerk ab.
Seit eh und je bietet die Kleiderreinigung Klaus der Kundschaft das volle Programm an. Manfred Koller: „Wir nahmen Wäsche für die Firma Neuburg in Wien an. Teppiche und Leder gaben wir an die Firma Stepanek in Guntramsdorf weiter.“ Seit 1995 wird aber die Lederreinigung selbst durchgeführt. Eigentlich aus einer Notsituation heraus: „Durch den Bau einer Umgehungsstraße schwand der Verkehr durch Wolkersdorf spürbar. Deshalb suchten wir nach einem neuen, stärker frequentierten Lokal am Stadtrand von Wien“, berichtet der Textilreinigermeister. Dort waren die Mieten aber so teuer, dass er lieber in das eigene Grundstück investierte: „Wir bauten eine etwa 300 m2 große Halle mit modernster Technik. Darunter auch Anlagen für die Lederreinigung“, so der Unternehmer. Als 1997 der Wiener Pelzreiniger Rudolf Bittner starb, dachte Manfred Koller zunächst an eine Übernahme des alteingesessenen Spezialbetriebs. Die bessere Lösung war aber, zwei ehemalige Mitarbeiter des renommierten Meisters nach Wolkersdorf zu holen und dort fortan auch die Reinigung edler Rauchwaren durchzuführen. Darüber hinaus wurden neue Standorte erschlossen. Heute ist das Unternehmen in Wien und Umgebung mit insgesamt fünf Filialen präsent. In Stockerau wurde neben der Kleiderreinigung ein Hemdenservice errichtet. Josef Klaus betreibt am Standort Prager Straße in Wien 21 eine Wäscherei. Sämtliche Filialen kooperieren mit dem Hermespaketversandservice.
Warb das Unternehmen früher mit dem Slogan „Sauber macht sympathisch“, so ließ sich der älteste Sohn Matthias vor etwa einem Jahr zusammen mit einem Freund ein neues Design einfallen: Auf Foldern und natürlich auch auf der Homepage verkünden jetzt drei Dalmatiner vor einer Waschmaschinentrommel „Uns schreckt kein Fleck“. Auch brachte ein neuer Markenname sämtliche Leistungen des Unternehmens auf den Punkt: „Telepe“ steht für TExtil-, LEder-, PElzreinigung.
„Bei uns wirbt nicht eine attraktive Dame oder ein Topmanager für saubere Kleidung, sondern wir lassen Tiere sprechen“, so Manfred Koller. Das Hundetrio habe bisher noch jeden Betrachter zum Schmunzeln gebracht. Und die Firmenphilosophie hält, was die Vierbeiner versprechen: „Niemand verlässt unsere Geschäfte ohne Lösungsvorschlag. Wenn wir mit unserem Latein wirklich mal am Ende sein sollten, vermitteln wir unsere Kunden an andere Profis weiter. Beispielsweise an einen Hutmacher“, versichert der Textilreinigermeister.
Immer wieder hält er Ausschau nach neuen Standbeinen. So übernimmt die Kleiderreinigung Klaus seit einem knappen Jahr auch die professionelle Reinigung von Ledermöbeln. Kürschner und Inhaber von Boutiquen wissen, dass sie Pelze, sensibles Leder oder wertvolle Textilien dem Wolkersdorfer Betrieb zum fachmännischen Reinigen anvertrauen können. Darüber hinaus übernimmt das Unternehmen die Reinigung von Berufsbekleidung für Industriebetriebe und Textilien von Privatkunden. „Der Haus-zu-Haus-Service ist eine Selbstverständlichkeit. Immer mehr Anfragen und Aufträge erhalten wir über das Internet“ so Manfred Koller. Der Unternehmer, der wie schon sein Schwiegervater stets für neue Technologien aufgeschlossen ist, hielt Anfang der 90er Jahre auch die „Feuertaufe“ für das damals neu entwickelte Nassreinigungsverfahren: „Nach einem Jahrhunderthochwasser in Wolkersdorf wurden wir mit der Reinigung schlammverschmutzter Kleidung beauftragt. Dies wäre mit dem konventionellen Verfahren gar nicht möglich gewesen“, erinnert sich der Unternehmer. Kein Wunder, dass das Österreichische Textilforschungsinstitut neue Entwicklungen gern in der Kleiderreinigung Klaus testen lässt. Als vor drei Jahren an der Berufsschule Schrems eine Lehrerin in den Mutterschaftsurlaub ging, wurde Manfred Koller wegen akuten Lehrermangels beauftragt, dem Berufsnachwuchs das große Einmaleins der Textilreinigung zu vermitteln. Die Lehrerin kehrte nicht in den Schuldienst zurück und der Unternehmer hält seitdem jedes Jahr zehn Wochen lang Blockunterricht. Er weiß, dass er sich auf Ehefrau Barbara und Schwager Josef sowie 20 Angestellte und zwei Lehrlinge 100-prozentig verlassen kann.
Mittlerweile ist auch der Fortbestand des Unternehmens in der dritten Generation gesichert: „Unser mittlerer Sohn Michael ist gelernter Elektrotechniker. Doch vor einem halben Jahr beschloss er, in unserem Betrieb mitzuarbeiten“, freut sich Manfred Koller. Am 31. August dieses Jahres fuhr er mit seiner Ehefrau in den wohlverdienten Urlaub. Schon am folgenden Tag saß Michael Koller am Chefschreibtisch. „Ein Sprung ins kalte Wasser, den er mit Bravour gemeistert hat.“Reinhard Wylegalla