Das Gastgewerbe ist einem stilvollen Äußeren verpflichtet. Daher nehmen leasingfähige Hemden, Blusen und waschbare Businessbekleidung einen immer wichtigeren Stellenwert ein. Doch die Herstellung verlangt viel Erfahrung, passgenaue Fertigungsprozesse und die richtigen Zutaten.
Viel Know-how gefordert
Es gibt kaum eine Berufsgruppe, die wie das Gastgewerbe unter der ständigen Beobachtung der Kunden steht. Vor allem an der Rezeption und im Servicebereich findet das Tun des Personals unter den Blicken des Gastes statt. Daher ist ein perfektes Erscheinungsbild der Mitarbeiter in Gastronomie und Hotellerie Pflicht. Dementsprechend wird auch der Berufsbekleidung ein hoher Stellenwert eingeräumt. Sie ist die sichtbare Visitenkarte eines Gastbetriebs. Außerdem garantiert sie in der Hotellerie und der gehobenen Gastronomie, dass sich Personal und Gäste mit ihrem Erscheinungsbild auf gleichem Niveau begegnen. Auch deswegen nimmt die Businessbekleidung im Gastgewerbe einen immer wichtigeren Platz ein. Mitarbeiter in der Markenhotellerie oder sternedekorierten und anspruchsvollen Restaurants tragen Anzüge und Kostüme, Hemden, Blusen und passende Accessoires. Doch da die Kleidung in der Branche täglich gebraucht wird und stets sauber sein muss, reicht ein Anzug von der Stange nicht aus. Er hält den hohen Anforderungen bei häufigem Waschen nicht stand. Das gilt auch für Hemden und Blusen, die mitunter täglich gewechselt werden müssen. Leasingfähige Bekleidung ist für das Gastgewebe daher eine passende Lösung, wenn Langlebigkeit, jahrelange Verfügbarkeit und ein aufeinander abgestimmtes Damen- und Herrensortiment gefragt sind. Die Herstellung industriewäschetauglicher Hemden, Blusen und Businessbekleidung verlangt eine Menge Erfahrungen und Know-how. „Bei der Fertigung von Hemden und Blusen ist vor allem auf die richtige Gewebeauswahl zu beachten. Denn die Träger der Bekleidung erwarten von einem Businesshemd oder -bluse die gleichen Eigenschaften wie bei einem privat getragenen Oberteil“, erklärt Claus Schmidt, Geschäftsführer des Kleinostheimer Konfektionsbetriebs Gottfried Schmidt. „Und da Hemden und Blusen meist direkt auf der Haut getragen werden, müssen auch noch Passform und Tragekomfort stimmen.“ Deshalb erfreuen sich derzeit vor allem Stretchqualitäten großer Beliebtheit. Die Hemden- und Blusenfabrik Petermann aus Großostheim etwa fertigt getestete, industriewäschetaugliche Hemden und Blusen mit elastischen Eigenschaften. Hinzu kommen Oberteile aus reiner bügelfreier Baumwolle, Baumwoll-Polyester-Mischgeweben (50/50) sowie geruchshemmende Stoffe aus 50 Prozent Baumwolle und 50 Prozent Trevira Bioactive (Polyester) in Uni und als Buntgewebe.
Auch C.G. Workwear aus Bad Aibling hat auf die neue, von der Modebranche beeinflusste Strömung reagiert und führt in seiner aktuellen Kollektion 2008/2009 viele Oberteile aus elastischen Mischgeweben. Die unifarbigen Hemden und Blusen enthalten fünf Prozent der leasingtauglichen Elasthanfaser Dow XLA, 48 Prozent Baumwolle und 47 Prozent Polyester. Eurodress aus Lauterbach hingegen setzt bei seinen Oberteilen auf Mischgewebe. Das Unternehmen verarbeitet leichte Stoffqualitäten zwischen 115 und 155 g/m² und einer Fasermischung aus 50/50 oder 40/60 Polyester/Baumwolle. Die Farbpalette reicht von Weiß über Bleu, Rose und Schwarz und umfasst außerdem Minimalkaros und Römerstreifen. Gute Erfahrungen mit Mischgeweben für Hemden und Blusen hat auch Kentaur aus dem dänischen Fredericia gemacht. Die Stoffe aus einem Mischungsverhältnis von 35/65 oder 50/50 Prozent Baumwolle und Polyester ergeben eine gute Reißfestigkeit, die eine lange Lebensdauer versprechen. Außerdem liegt der Wäschekrumpf bei maximal drei Prozent. Auf Wunsch verarbeitet der Konfektionär auch reine Baumwolle, weist jedoch auf eine verminderte Lebensdauer im Vergleich zu den Mischungen mit Polyester hin.
Doch nicht nur die Gewebe, sondern auch die Accessoires spielen bei der Fertigung leasingtauglicher Hemden und Blusen eine wesentliche Rolle. Kentaur weist beispielsweise darauf hin, dass bei den Knöpfen nur durchgefärbtes Nylonmaterial verwendet werden darf. Polyesterknöpfe würden beim Finishen zerspringen. Auch die Einlagenstoffe für Kragen, Manschetten und Knopfleisten erfordern besondere Aufmerksamkeit. Denn die zur Verstärkung mit dem Oberstoff verklebten Einlagen sind mitunter tückisch. So können sie bei häufigerem Durchlaufen des Finishers zu einer Vergilbung führen. Zudem besteht die Gefahr von Blasenbildung, wodurch der Kragen eine Hoch-Tief-Struktur erhält. Oder sie lösen sich vollständig ab, wodurch Manschette und Co. ihre Form verlieren. Zusätzliche Sorgfalt verlangt die Konfektion selbst. So dürfen die Oberteile keine verformten Kragen, zerknitterte Kragenleisten oder Nahtkräuselungen aufweisen. Solche Probleme lassen sich mit geeigneten Nähverfahren vermeiden. Auch die Pflegeverfahren gehören zur Gesamtbetrachtung leasingfähiger Hemden und Blusen. Beim Hemdenhersteller Olymp aus Bietigheim hat man die Erfahrung gemacht, dass die einzelnen Leasingwäschereien sehr unterschiedliche Industriewaschprozesse einsetzen. Um die Haltbarkeit von Hemden und Blusen im industriellen Pflegeprozess deutlich zu erhöhen, sollten Textilpflegedienstleister verschiedene Einflussfaktoren beachten. So gilt Waschmitteln und Chemikalien besonderes Augenmerk. Sie müssen auf die Bekleidungsteile und die Waschmaschine abgestimmt sein. Außerdem müssen die vom Hersteller angegebenen maximalen Wasch- und Trockentemperaturen unbedingt eingehalten werden. Eine Nichtbeachtung kann zur Zerstörung der Bekleidung führen. Ferner gilt es, die mechanische Beanspruchung der Gewebe durch eine optimale Prozessführung zu minimieren. Dabei sollte auf die Beladung der Waschtrommel oder das Pressen des Kuchens geachtet werden. Schließlich muss auch der Finishprozess an die leichtgewichtigen und delikaten Oberteile angepasst werden. Gottfried Schmidt etwa empfiehlt bei Hemden und Blusen eine deutliche Restfeuchte, die die Ware vor dem Übertrocknen im Finisher schützt.
Noch schwieriger als Fertigung industriell waschbarer Hemden gestaltet sich die Entwicklung waschbarer Anzüge und Kostüme. Denn bei der Businessbekleidung gelten nicht nur dieselben Anforderungen an die Zutaten – darunter auch der Futterstoff – und die Verarbeitung, sondern es wird zudem der richtige Oberstoff benötigt. Um den Erwartungen des Trägers entsprechen zu können, muss das Textil einen möglichst hohen Wollanteil enthalten. Eine synthetische Faserkomponente – in der Regel Polyester – wiederum verbessert die Waschbarkeit, sorgt für eine gute Knittererholung und optimiert das Pflegeverhalten. Doch obwohl die Stoffe seit Aufkommen der Businessbekleidung im Mietservice ständig weiterentwickelt wurden, sind derzeit noch keine leasingtauglichen Anzüge auf dem Markt. Die Bekleidung lässt sich ausschließlich im Nassreinigungsverfahren pflegen. Allerdings ist bei dem stetig wachsenden Bedarf an Businessberufsbekleidung wohl schon bald mit einer industriell waschbaren Variante zu rechnen.
Vorreiter bei der Entwicklung waschbarer Anzüge ist die Firma Greiff Mode aus Bamberg, die bereits in den 90er Jahren das erste patentierte Modell präsentierte. Inzwischen führt das Unternehmen zwei unterschiedliche waschbare Businessqualitäten im Programm. Sie sind hinsichtlich der eingesetzten Materialien und Schnitte auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Berufsgruppen abgestimmt. Die Basic-Linie wurde für Berufe entwickelt, in denen trotz vielen Sitzens ein perfektes Äußeres verlangt wird. Die verarbeiteten Stoffe sind laut Anbieter äußerst belastbar, pillingarm und strapazierfähig. Dank einer schmutzabweisenden Ausrüstung sind sie außerdem gegen übliche Verfleckungen geschützt. Für repräsentative Aufgaben hat das Unternehmen die so genannte Premium-Kollektion aufgelegt. Die aus Jackett, Weste, Hose oder Rock bestehenden Dreiteiler sind aus elastischen Stoffen mit bi-Stretch-Charakter gefertigt und in klassischen Unis und im Nadelstreifendesign erhältlich. Diese sorgen nach Unternehmensangaben für eine optimale Passform und verhindern ungewünschte Knitterfalten. Eine neuartige schmutzabweisende Ausrüstung garantiert außerdem in jeder Situation einen rundum gepflegten Auftritt. Auch Eurodress hat sich bereits früh mit der Fertigung leasingtauglicher Businessbekleidung beschäftigt. Dabei musste, so das Unternehmen, insbesondere der Verarbeitung des Hosen- und Rockbunds besondere Beachtung geschenkt werden. Und auch die eingesetzten waschbeständigen Verstärkungsvliese benötigen besondere Konfektionsverfahren. Dadurch jedoch kann die für die Nassreinigung geeignete Kollektion in Marine, Schwarz, Anthrazit, Braun und Silber mit 170 °C durch den Finisher laufen.
Seit dem Jahr 2004 ist auch Teamdress Stein aus Hamburg in den Bereich der waschbaren Businessbekleidung eingestiegen. Die umfangreiche Kollektion bietet vor allem den weiblichen Mitarbeiterinnen im Gastgewerbe eine große Auswahl. Zur Kollektion Teamstyle zählen ein Blaser und ein kurzer Spencer sowie eine kurze und eine lange Weste. Bei den Bundröcken werden eine kurze, eine mittlere und eine lange Version angeboten. Hinzu kommt ein bundloser Hüftrock. Die Hosen sind in einer geradegeschnittenen Form mit Bundfalte und als Hüfthose verfügbar. Stilgleich, aber für die männliche Belegschaft, werden ein Sakko, eine Weste und zwei Hosenformen (Bundfalte und die geradegeschnittene Form, auch als Flat Front bezeichnet) hergestellt. Die bei 30 °C waschbare Bekleidung besteht aus einem Gewebe mit 55 Prozent Polyester, 43 Prozent Wolle und zwei Prozent Elasthan. Zum Schutz gegen Flecken ist der Stoff zusätzlich mit einem auf Keramik basierenden schmutzabweisenden Finish versehen. Das Innenfutter aus reiner Polyester-Bi-Stretch-Qualität macht die jede Bewegung mit. Die Farbpalette der nach Unternehmensangaben sehr beliebten Businesskollektion umfasst Marine und Anthrazit in Uni und mit Nadelstreifen sowie Schwarz als Einfärber.
Dipl.-Ing. Sabine Anton-Katzenbach