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Zu Besuch bei Matzelsberger in Ulm Viele digitale Ideen für Wäscherei und Reinigung

Die Digitalisierung braucht Lösungen und Matzelsberger will sie bieten. Der Ulmer IT-Spezialist sieht verschiedene Wege zu mehr Umsatz und einer zukunftsfähigen Ausrichtung von Textilreinigungen und mittelständischen Wäschereien – von Apps bis zu RFID. R+WTextilservice hat das Unternehmen besucht.

Das Thema ist komplex. Eine mannshohe Mindmap mit hunderten von Verzweigungen hängt an der Wand. CRM, Kasse, Server, Detachur, Sortierstation, Kunden-App, Schranksystem, RFID – das sind nur einige Stichworte, die darauf zu lesen sind. „Da sind wir gerade dran“, sagt Alexander Matzelsberger und zeigt auf eine Verästelung mit der Beschriftung „Kasse“. Der 38-jährige Informatiker ist Inhaber und Geschäftsführer der Matzelsberger GmbH & Co. KG, einem im Raum Ulm etablierten IT-Unternehmen mit mehreren Standbeinen, insbesondere im CRM und in der IT-Sicherheit. Der stellvertretende Geschäftsführer Martin Lieschke ist Spezialist für Verträge und Datenschutz – er berät u.a. in Sachen ­DSGVO. Zu den mehr als 200 Kunden von Matzelsberger zählen auch Wäschereien und Textilreinigungen. Ein Bereich, in dem das Unternehmen in Zukunft verstärkt Softwareprodukte entwickeln will. Das kommt nicht von ungefähr. Die Eltern von Alexander Matzelsberger führen die Textilreinigung Kinseh’r in Ulm mit drei Läden und fast 30 Mitarbeitern. Den gut laufenden Betrieb wollen Alexander Matzelsberger und seine zukünftige Frau, Vanessa Jänig, in absehbarer Zeit übernehmen. Momentan aber konzentriert sich der Jung­unternehmer auf sein wachsendes IT-Unternehmen, das sich innerhalb kurzer Zeit personell verdoppelt hat. Zehn Mitarbeiter beschäftigt Matzelsberger, jeder mit eigenen Spezialgebieten. Auch ein Auszubildender gehört dazu.

Kassensystem in Entwicklung

In Entwicklung ist bei Matzelsberger aktuell ein Kassensystem für Textilreinigungen. Dabei sollen die Daten zentral erfasst werden, damit alles auf einen Blick zu sehen ist, auch bei mehreren Filialen. Geplant ist eine zentralisierte Bedienung, d.h. der Unternehmer kann z.B. Preislisten zentral steuern. Dank webbasierter Lösungen geht das zeit- und ortsunabhängig via Internet. Die Anzeige der Kassensoftware am Touchscreen ist minimalistisch und übersichtlich. Alle Abläufe sind rechtssicher, verspricht Matzelsberger, auch im Hinblick auf das neue Kassengesetz und Manipulationssicherheit. Tagesabschlüsse etc. sollen sich über das System bewerkstelligen und jederzeit einsehen lassen.

Nach der Kasse geht Matzelsberger das Thema Sortierbänder an. Hier steht eine Idee in den Startlöchern, die eine einfache Garderobenstange mit einem LED-Band verbindet. Mittels verschiedener Farbanzeigen soll der Mitarbeiter sofort sehen, wo die entsprechende Ware hängt. Das System soll vor allem weniger störanfällig sein als bisherige Lösungen.

Keine Standardprodukte

Standardprodukte gibt es bei Matzelsberger nicht. Jeder Betrieb hat eigene Anforderungen und braucht sein eigenes System. Diese Individualisierung ist mit Microsoft Dynamics möglich, so Alexander Matzelsberger – darauf beruht sein System. Dynamics biete nicht nur Flexibilität, sondern auch den Vorteil, dass Updates automatisch von Microsoft kommen. Aus Dynamics können die Daten z.B. in Excel exportiert und dort Statistiken etc. erstellt werden. Die IT-Lösung von Matzelsberger sei transparent und offen gestaltet – der Kunde könne alles einsehen und auch selbst damit arbeiten. „Er braucht uns nicht für jeden einzelnen Schritt und ist damit nicht abhängig“, sagt der Unternehmer und ergänzt: „Natürlich kosten individuelle Lösungen auch entsprechend. Die Amortisation ist aber in vielen Fällen in absehbarer Zeit gegeben.“ Er rechnet das für Kunden gerne transparent vor. Und: Wer die Digitalisierung in Angriff nimmt, wird von Bund und Ländern über verschiedene Förderprogramme bezuschusst. Matzelsberger selbst ist vom Bund akkreditiert.

RFID mit hoher Leserate

Das Matzelsberger-Team kann auch Erfahrungen im Wäschereibereich vorweisen. Drei Pilotprojekte in Wäschereien sind im Gange, über eines berichtete R+WTextilservice in der Ausgabe 4/2017. Hier setzt der IT-Spezialist auf „Radio Frequency Identification“ (RFID). Matzelsberger rät zu UHF-Technik – wegen der höheren Reichweite, der besseren Erfassungsquote und der robusten Chips. Der Hersteller sei nicht ausschlaggebend. Klar ist für Matzelsberger: „Egal welche Technik zum Einsatz kommt, eine 100-prozentige Erfassung ist mit RFID nicht möglich. Wir haben viel getestet, um trotzdem hohe Leseraten zu ermöglichen. Dabei haben wir festgestellt, dass die Rate z.B. auch von der Stoffart abhängig ist.“ Der IT-Spezialist hat eine Lösung entwickelt, die alle Teile automatisch aussortiert, die einen defekten oder keinen Chip haben. Dazu laufen die vereinzelten Wäscheteile über einen Fotosensor, gleichzeitig wird der Chip ausgelesen. Sollte der Fotosensor zwar ein Teil, die Antenne aber keinen Chip erkannt haben, wird das Textil ausgeworfen. „Das Ganze dauert etwa vier bis fünf Millisekunden pro Teil. Das System haben wir patentieren lassen“, sagt Matzelsberger.

Bei den RFID-Antennen arbeitet man mit Scemtec zusammen. Das Unternehmen aus Gummersbach unterstützt die Ulmer auch in Sachen Entwicklung. Es werde bei jedem Kunden genau überlegt, wo die Antennen zu positionieren sind, um eine optimale Erfassung zu gewährleisten. Eine weitere Kooperation hat Matzelsberger mit dem süddeutschen Unternehmen Econ Solutions im Bereich Energieüberwachung. Ein Messgerät dieses Anbieters wird in die Hardware integriert. Strom, Gas, Wasser, Druckluft sowie Dampf werden erfasst und gemessen, die Daten werden ins System gespielt.

Integrierbar sind ins Matzelsberger-System auch eine Personalleistungskontrolle, weitere Daten der Maschinen, Abwasserwerte usw. Über PC oder mobilem Endgerät kann sich ein Wäschereichef alles übersichtlich anzeigen lassen.

App für Wäschereifahrer

Bereits seit rund einem Jahr im Einsatz ist eine App für Wäschereifahrer. Mittels Tablet und mobilem Drucker können sie Artikelart und -anzahl eingeben, direkt einen Bon mit der Übersicht drucken und dem Kunden zur Unterschrift aushändigen. So sollen sich Diskussionen über Wäscheschwund vermeiden lassen. Außerdem werden alle eingegebenen Daten in der Software synchronisiert und können zentral verwaltet werden, verspricht Matzelsberger. In Entwicklung befindet sich auch ein Handlesegerät mit App, mit dem RFID- und Barcodes ausgelesen werden können. Was hält Matzelsberger von RFID für Textilreinigungen? Eine gute Idee, sagt der Experte. So könne man sich z.B. beim Scannen/Auszeichnen Zeit sparen.

Matzelsberger bedient auch andere Branchen – von Anwälten und Ärzten über Werbegrafiker und Industrieunternehmen, vom Ein-Mann-Unternehmen bis zu Firmen mit 500 Mitarbeitern. Seine Erfahrung: RFID kommt langsam auch in Deutschland. Beispielsweise hat er ein bereits laufendes Konzept für eine Verzinkerei entwickelt. Egal welcher Kunde oder welche Branche: Sicherheit und Zuverlässigkeit sind bei IT-Lösungen wichtig. Matzelsberger speichert alles in Ulm – die Server stehen im Keller direkt unter dem Büro. Bei der Hardware hält Matzelsberger Ersatz vor, um Systemausfälle zu verhindern. Kundenbetreuung bedeutet für Matzelsberger Service rund um die Uhr, telefonischer Support ist laut Unternehmen an sieben Tagen die Woche 24 Stunden erreichbar.

Service ist aus Alexander Matzelsbergers Sicht auch der Schlüssel für den Textilreinigungsmarkt: „Wir müssen die jüngeren Generationen abholen!“ Das gehe vor allem über Konzepte, die unabhängig von Öffnungszeiten sind. Beispielsweise Schränke oder andere Ausgabesysteme, die da platziert sind, wo der Kunde sich sowieso aufhält – sei es an der Tankstelle, im Supermarkt oder im Studentenwohnheim. Mit dem richtigen Konzept, so ist er überzeugt, kann man mit der Dienstleistung Textilreinigung Geld verdienen. Und die richtigen IT-Lösungen helfen dabei.

www.matzelsberger.com

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