Betriebspraxis -

Trendbericht Hotelwäsche Was Kunden wollen

In der Hotellerie stellen Kunden an die Hersteller von Tisch- und Bettwäsche Anforderungen, wie die Langlebigkeit der Textilien. Auch Wünsche der Endkunden, z.B. nach Komfort, müssen bedient werden. RWTextilservice hat mit drei Unternehmen über Ansprüche unter anderem in der Leasingfähigkeit und über Trends bei der Tisch- und Bettwäsche für die Hotellerie und Gastronomie gesprochen.

Für die Hersteller von Objekttextilien ist es eine Herausforderung, dem Kunden aus der Hotellerie pflegeleichte und langlebige Produkte anzubieten, die gleichzeitig auch den Anforderungen des Endverbrauchers an Komfort und Design genügen. Gerade auch in Bezug auf die Leasingfähigkeit muss die Wäsche einigen Ansprüchen gerecht werden. So wünscht der Kunde beispielsweise, dass die geleasten Textilien mit demselben Muster und in derselben Farbe möglichst lange nachbestellt werden können.

Was genau erwarten Kunden aus der Hotellerie also von Herstellern von Tisch- und Bettwäsche und wo geht der Trend hin? Im Design vielleicht doch zum Leopardenmuster? RWTextilservice hat von drei Anbietern von Flachwäsche, Beirholm, Bertsch und Dibella, Antworten erhalten. Diese geben bei der Musterung Entwarnung: Keine wilden Tiere in Sicht.

Helle Farben, unaufgeregte Muster

Bei der Bettwäsche sind nach Angaben der drei Anbieter helle und matte Farben im Trend. „Farblich herrschen weiße und gelbe Töne vor, aber als wichtige Farben im Interieur sehen wir auch matte Nuancen wie Silver Birch, Hay Green, Shadow Grey und Smoked Pearl, die Ruhe und Eleganz ausstrahlen“, erklärt Peter Beirholm, Geschäftsführer von Beirholms Væverier A/S. Ähnlich verhält es sich bei der Tischwäsche. „Nach wie vor ist die meist gefragte Farbe in deutscher Gastronomie Weiß“, berichtet Robert Bertsch junior, Geschäftsführer der Bertsch Hotelwäsche GmbH. „Punkte wie keine Farbunterschiede beim Nachkauf oder problemlose Waschbehandlung bei 95 °C stehen hier für die Kunden im Vordergrund.“ Auch Lemon, Silber und Schoko würden im Trend liegen. „Bei Bett- und Tischwäsche dominiert ganz überwiegend – zu 80 Prozent – Weiß. Daneben stehen auch helle Pastelltöne wie Gold, Champagner, Elfenbein hoch im Kurs“, sagt Ralf Hellmann, Geschäftsführer von Dibella.

Bei den Mustern für Bettwäsche sieht Peter Beirholm drei Trends: Kleine, feine, durchgängige Muster, die den Eindruck moderner Eleganz oder eines rustikalen Looks erzeugen; klassische, weiße Streifen, die verschiedene Bindungsmuster aufweisen; und markante, moderne, asymmetrische Designs, die einen Wow-Effekt auslösen. „Bei der Tischwäsche sehen wir einen kräftigen Trend zu rustikalen Designs mit feinen, minimalistischen, durchgängigen Mustern, die sich leicht in klassische, traditionelle und moderne Einrichtungen einfügen“, erklärt Beirholm. Hoch im Kurs stünden hierbei auch Gemische aus weißen und farbigen Garnen. Bei Bertsch erkennt man laut Robert Bertsch junior eine leicht erhöhte Anfrage bei floralen Strukturen. „Im Design sind weiter Streifen (2/4) sowie Muster jeglicher Art gefragt. Insgesamt nimmt die Nachfrage nach größerer Vielfalt und Auswahl deutlich zu. Jacquardmuster sind hingegen rückläufig“, führt Hellmann aus. Ein Grund für diesen Trend könnte darin liegen, dass es laut Robert Bertsch junior vor allem bei bunten bzw. verspielten Dessins das Problem des Nachkaufs gibt: „Diese sind meist nur Saisonware und bei vielen Anbietern nach spätestens zwei Jahren nicht mehr lieferbar.“

Bei der Bettwäsche geht der Trend hin zu Größe. „Im Bettbereich beobachten wir einen zunehmenden Trend zu Überbreiten von 200 bis 280 cm bzw. Überlängen von 220 cm. Dies ist den größer werdenden Hotelkunden einerseits und dem in Summe wachsenden Komfortbedürfnis der Gäste andererseits geschuldet“, weiß Hellmann. Auch Robert Bertsch junior berichtet von diesem Trend im Bettwäschebereich. Und: „Bei den Kopfkissen werden kleine Zusatzkissen in Spezialgrößen wie 40/60 cm immer mehr zum Trend.“ Bei der Tischwäsche hingegen können weder ein Größentrend noch wechselnde Größen festgestellt werden.

Beim Material sieht Bertsch junior Unterschiede zwischen Tisch- und Bettwäsche: „Im Bereich der Bettwäsche fällt die erste Wahl meistens auf Produkte aus 100 Prozent Baumwolle, da diese stets hautneutral sind und die beste Atmungsaktivität bieten. Hotelwäsche aus 100 Prozent Polyester findet sich vorrangig im Tischwäsche­bereich.“ Polyester sei strapazierfähiger und haltbarer als Baum­wolle. Doch die Optik leide nach einigen Waschzyklen, daher empfiehlt der Geschäftsführer von Bertsch stets Wäsche mit Baumwollanteil. Für den Hotelier sei insbesondere eine strapazierfähige Variante wichtig, die auch bei 95 °C waschbar ist. Auch Dibella und Beirholm setzen auf ein Gemisch aus Baumwolle und Polyester.

Leasingfähigkeit gewünscht

Sowohl kleine, mittlere als auch große Hotels und Hotelketten legen großen Wert auf die Abwicklung des Textilmanagements über Unternehmen des Textilservices, berichtet Hellmann. „Gemäß der Philosophie unseres Hauses beliefern wird nahezu ausschließlich – zu 95 Prozent – den Textilservice mit unseren Artikeln.“ Daher genieße die Leasingfähigkeit der Produkte höchste Priorität. Hierfür verwende Dibella ausschließlich Ringgarne.

Peter Beirholm ist sich sicher, dass für Leasingwäschereien eine einheitliche Textilgrundqualität entscheidend für die sogenannte „operational excellence“ ist, also für die Optimierung der Prozesse im Unternehmen. „Um sicherzustellen, dass die Textilien markt-
fit sind und damit den Anforderungen des Marktes an Individualität und Flexibilität entsprechen, werden verschiedene Musterkombinationen und Farben für die gewählten Grundqualitäten entwickelt.“ Der Einkäufer müsse aber auch Einblicke in die Voraussetzung einer rentablen Produktion in der Wäscherei haben. Beirholm betont: „Wenn die Einkäufer – z.B. wegen des direkten Kaufpreises – Textilprodukte kaufen, die nicht eigens für die industrielle Wäsche entwickelt wurden, so löst das hohe Kosten in der Wäschereiproduktion aus. Kauft der Einkäufer Produkte, die keinen echten Marktappeal haben, so ist die Wäscherei ebenfalls schlechtgestellt.“

Das Unternehmen Bertsch verzeichnet laut dessen Geschäftsführer in den letzten Jahren eher einen Zuwachs von Kaufwäsche. Dabei falle die Leasingfähigkeit der einzelnen Artikel nicht so schwer ins Gewicht. Vorteil der Mietwäsche sei aber zum einen, dass keine hohe Erstinvestition erforderlich sei; und zum anderen defekte Teile ausgetauscht werden würden. Nachteilig sei beispielsweise, dass die Kosteninvestition dauerhaft höher sei, da die Mietwäscherei die Wäsche vorfinanzieren müsse und diese Kosten dann auf den Kunden umgelegt würden.

Der Blick in die Zukunft

Laut Peter Beirholm spielen für das Bestehen am Markt in Zukunft weiche Auswahlkriterien wie Ethik, Umwelt und nachhaltige Produktion der Textilien eine immer größere Rolle. Daher biete Beirholm z.B. eine neue Kollektion auf Grundlage von BeirTex-Garnen mit Better-Cotton-Initiative-Baumwolle an. Diese Garne würden zudem mehr Komfort bieten, niedrige Verfahrenskosten verursachen und für eine hohe Lebensdauer der Textilien sorgen.

Bei Dibella hat die Nachfrage zu nachweisbar nachhaltigen Produkten enorm zugenommen. „Vor allem nach Textilien, die gleichermaßen nach Fairtrade und GOTS zertifiziert sind. Biobaumwolle steht hoch im Kurs, ebenso recyceltes Polyester (PES)“, berichtet Ralf Hellmann. Deshalb habe Dibella bereits Servietten mit Atlaskante auf Bio- bzw. Fairtrade-Produkte umgestellt.

Bei Bertsch verzeichnet man vermehrt einen wachsenden Anspruch des Kunden für Qualität. „Diese Qualitätsansprüche sind gestiegen und es wird nicht, wie noch vor einigen Jahren üblich, nur auf den Preis geachtet. Auch der Anspruch der Kunden in Bezug auf professionelle Zusammenarbeit ist gestiegen“, berichtet Robert Bertsch junior.

Qualität erfreut sich auch bei Dibella einer wachsenden Nachfrage. Neben dem Komfort müssen die Textilien auch hoch beanspruchbar sein. Daher gehöre das Motto „Longlife Textiles“ seit Jahren zur Zielsetzung der Produktpolitik und ist Teil des Dibella-Logos. Auch kürzere Lieferzeiten würden immer mehr gefordert werden. „Hinzu kommt ein Trend zur Individualisierung, das Produktgeschäft wird aus unserer Sicht zunehmen“, schätzt Ralf Hellmann. Die Ausstattung der Wäsche mit RFID-Chips stehe im Fokus; der Barcode habe ausgedient.

Die Einschätzungen der Anbieter zeigen, dass für Wäschereien die Wirtschaftlichkeit wichtig bleibt. Doch wie sich der Trend bei Farben und Mustern entwickelt, bleibt abzuwarten. Bedeutet das also, dass sich Leoparden-Print-Fans Hoffnung machen können? Das ist eher unwahrscheinlich.

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