Information | Aus aller Welt Waschen auf Brasilianisch

Deutsche Hygieneanforderungen und brasilianische Wäschereienpassen nicht zusammen: Rolf Anton hat daher eine der seltenen Waschmaschinen mit Flottenheizung angeschafft. Foto: Rolf Anton - © Rolf Anton

Waschen auf Brasilianisch

In dieser Rubrik stellen wir künftig Kurioses und Wissenswertes aus alles Welt vor. In dieser Ausgabe berichtet uns Rolf Anton:

„Saubere, frisch duftende Wäsche ist purer Luxus. Das hat mich Brasilien gelehrt. Von Kindheit an von Clementine auf die porentiefe Reinheit strahlend-weißer Wäsche konditioniert, lernte ich in meiner neuen Heimat andere Hygienemaßstäbe kennen.

In Brasilien gibt es generell keine Warmwasserversorgung. Aus der Leitung sprudelt es kalt und - je nach Region - nur teilentsalzt. Die Hersteller von Waschmaschinen und die örtlichen Wäschereien haben sich auf die herrschenden Umstände perfekt eingestellt: Sie verzichten einfach auf warmes Wasser. Das wäre nicht so schlimm, wenn wenigstens die Chemie stimmen würde! Aber leider fehlt hier auch der wohlmeinende Rat des „Weißen Riesen“. Diese schmerzliche Erfahrung musste ich machen, als ich meine Wäsche in einen hiesigen Waschsalon gegeben habe. Sie kam aus den Maschinen amerikanischer Bauart fast schmutziger heraus, als sie hineingegeben worden waren. Aus diesem Grund stand mein Entschluss fest: Ich wollte die Pflege meiner Wäsche in bessere Hände legen - nämlich in meine eigenen. Dazu suchte ich in der nächstgelegenen Großstadt, Salvador do Bahia, einen Elektogroßmarkt auf, wo ich zielstrebig die Abteilung für Waschmaschinen und die zwölf ausgestellten Maschinentypen ansteuerte. Als Profi europäischer Prägung fiel mir sofort der einzige Frontlader mit vielfältigen Waschprogrammen und Edelstahloptik ins Auge. Doch der Verkaufspreis ließ mich stocken. Also untersuchte ich die restlichen Maschinen - allesamt Toplader mit offener Trommel. Schnell stand fest, dass sie alle über ähnliche Leistungsmerkmale verfügten: Sie konnten Wasser einlaufen lassen, die Wäschetrommel in mindestens einer Richtung drehen, Wasser wieder ablaufen lassen und den ganzen Vorgang noch einmal wiederholen, um das Waschmittel auszuspülen.

Die Preisunterschiede der verschiedenen Maschinen lagen in Details wie Reduzierung der Wasserstandshöhe oder Verdopplung des Spülvorgangs, sowie bedienerfreundliche Drehknöpfen verborgen. Das war’s. Nichts mit speziellen Waschprogrammen oder Wassertemperaturanwahl. Ade Kochwäsche! Auch ein hinzu geeilter Fachverkäufer konnte meine Seelennot nicht lindern. Er sah mich hilflos an, als ich um 30-°C-, 40-°C-, 60 °C- und 95-°C-Waschgänge bat, und zuckte ob dieser ungewöhnlichen Anforderung nur mit den Schultern. Ich wollte schon aufgeben und mir eine der Kaltwassermaschinen zulegen, als mein Blick auf ein Modell mit dem klangvollen Namen Jasmin fiel. Jasmin verfügte über einen kaum sichtbaren Wahlschalter für „morna“, also warm. Und tatsächlich bekam der Verkäufer nach längerer Suche heraus, dass damit tatsächlich die Wassertemperatur gemeint war. Von dieser guten Nachricht beflügelt, nahm ich Jasmin ohne zu zögern mit. Seither profitiere ich von dem Vorzug einer beheizten Waschflotte - und meine Hemden sind fast ganz sauber.“

Rolf Anton/Sabine Anton-Katzenbach