Textilpflege von Trachtenkleidung Wie bleiben Dirndl und Lederhosen lange schön?

Mit dem Start des Oktoberfests am 20. September 2025 rücken Dirndl und Lederhose wieder in den Mittelpunkt. Für Textilreiniger beginnt damit die Hochsaison: Denn Bier, Bratensoße oder Lippenstift hinterlassen oft hartnäckige Spuren. Doch wie lassen sich die edlen Trachtenstücke fachgerecht behandeln? Ist Nass- oder chemisch Reinigen die beste Wahl? Wir zeigen, worauf es ankommt.

Traditionelle bayerische Tracht bei einem Trachtenumzug.
© stock.adobe.com/fottoo

Sie stehen für gelebtes Brauchtum, regionale Verbundenheit und meisterhafte Handwerkskunst: Dirndl und Lederhosen. Wer sie trägt, will nicht nur dazugehören, sondern auch gut aussehen. Die Materialvielfalt reicht von feiner Seide über Samt bis Loden. Zarte Rüschen, aufwändige Borten, handgearbeitete Stickereien und kunstvolle Verschlüsse veredeln jedes Stück. Doch genau diese feinen Details verlangen von Textilreinigern Fingerspitzengefühl und Präzision. Denn bei der frisch gezapften Maß Bier, beim ausgelassenen Tanz oder dem deftigen Festmahl gesellt sich zur Feierlaune schnell ein kleines Malheur auf Stoff oder Leder.

Tatjana Gimpert, Textilreinigermeisterin und Inhaberin der Textilreinigung Reinixe in Wolfratshausen, weiß wie man empfindliche Dirndl fachgerecht behandelt. Martin Rauner, Geschäftsführer des Leder- und Textilpflege-Kompetenzzentrums REWAKON, bringt seine Expertise rund um die professionelle Reinigung von Lederhosen ein. Beide erläutern relevante Reinigungsverfahren und Herausforderungen bei der Pflege traditioneller Trachten.

Getränkeflecken, die häufigste Gefahr

Bringt eine Kundin ihr Dirndl in die Reinigung, stellt sich rasch die entscheidende Frage: Nass oder chemisch reinigen? Nach Volksfest und Co. sind vor allem Getränkeflecken die häufigsten „Mitbringsel“, sagt Tatjana Gimpert. Für solche Fälle setzt sie bevorzugt auf die Nassreinigung, da sie sich in der Praxis als besonders wirkungsvoll erweist. Bei empfindlichem Material erfordert sie jedoch präzises Fachwissen und langjährige Erfahrung. Je nach Art des verschütteten Getränks behandelt Gimpert den Fleck gezielt vor: Eine Anbürstlösung schafft die Basis. Bei hartnäckigen Rückständen wie Cola oder Rotwein hilft zusätzlich Tanninlöser – dieser darf kurz einwirken, um seine Wirkung zu entfalten.

Damit bei der Fleckenbehandlung keine Schäden an der Färbung wie helle Stellen entstehen, empfiehlt sie vorher eine Saumprobe vorzunehmen, um die Farbechtheit zu bestimmen.

Von vermeintlich hilfreichen Hausmitteln wie Salz oder Essigwasser rät die Expertin entschieden ab: „Beides kann empfindliche Stoffe ausbleichen oder gar die Faser angreifen und schädigen.“ Gerade Leinen und Seide verlieren schnell an Farbkraft, wenn sie mit aggressiven Mitteln behandelt werden.

Was tun bei Bratensoße, Senf und Make-Up?

Bei Fettflecken führt der Weg zunächst in die chemische Reinigung. Das darin enthaltene Lösemittel löst die Fettrückstände zuverlässig aus dem Gewebe. Sind zusätzlich eingetrocknetes Eiweiß oder dunkle Farbpartikel – etwa von kräftiger Bratensoße – im Fleck enthalten, behandelt die Textilreinigerin diese gezielt nach. Im Anschluss entscheidet das Material über den nächsten Schritt: Waschbare Textilien reinigt sie nass. Bei nicht waschbaren Kleidungsstücken führt sie eine abschließende Nachdetachur durch.

Der Ratschlag, Butter auf Fettflecken zu geben, weil Gleiches Gleiches löst, ist ein trügerischer Irrglaube, sagt Gimpert. „Dieser Grundsatz lässt sich keineswegs pauschal anwenden. Schon gar nicht für Fettflecken.“ Gallseife kann in diesem Fall helfen. Von anderen Haushaltstipps rät sie ab: „Das Fett verteilt sich weiter und dringt noch tiefer ins Gewebe ein.“ Der Fleck mag heller erscheinen – aber wird dadurch meistens nur größer und verschwindet nicht. Zudem erschwert es den Reinigungsexperten, den Fleck vollständig zu beseitigen.

Nahaufnahme eines blauen Dirndl mit seinen Zierhaken und Schüren.
© stock.adobe.com/Annabell Gsödl

Bei Grasflecken setzt sie auf eine Kombination aus Tannin- und Farblöser sowie mechanische Bearbeitung, etwa durch Bürsten oder Spatel. Zahnpasta, wie oft empfohlen, sei absolut ungeeignet: Sie enthält häufig Aufheller, die empfindliches Gewebe dauerhaft aufhellen und schädigen können.

Ähnlich heikel sind Make-up- oder Lippenstift-Flecken – auch hier ist neben Fett- und Farblöser mechanische Unterstützung notwendig, um die Farbpigmente aus dem Stoff zu lösen.

Wenn Samt ins Schwitzen kommt

Besonders das beliebte Samtdirndl stellt Textilreiniger vor die Frage: chemisch reinigen oder nass? „Meistens reinige ich Samtdirndl chemisch“, sagt Gimpert. „Aber wenn ich sehe, dass es stark verschwitzt ist, geht das Dirndl in die Nassreinigung.“ Denn während Lösemittel Fett und Schmutz entfernen, bleiben Schweißrückstände – und damit auch unangenehme Gerüche – zurück. „Die Salze des Schweißes lösen sich nur durch Wasser“, erklärt sie. Um unschöne Schweißränder selbst bei empfindlichen Materialien zu beseitigen, kann der Textilreiniger das Kleidungsstück mit Wasser besprühen und anschließend mit Reinigungsverstärker abdecken, bevor es in die chemische Reinigung geht.

Für besonders hartnäckige Gerüche gibt es in der professionellen Reinigung spezielle Geruchsentferner. Doch auch diese haben ihre Grenzen: „Je länger ein Kleidungsstück verschwitzt im Schrank hängt, desto schwieriger wird es, den Geruch zu entfernen“, warnt die Reinigungsexpertin. Besonders heikel wird es bei Trachtenjankern, deren dichte Wollstruktur Gerüche oft tief aufnimmt.

Kompromisslose Hygiene

In Einzelfällen verlässt sich Tatjana Gimpert auf ihre Erfahrung und nicht auf die Pflegekennzeichen. Etwa bei starker Verunreinigung – zum Beispiel durch Erbrochenes: „Das wird bei mir grundsätzlich nass gereinigt“, sagt sie entschieden. „Da diskutiere ich nicht. Sonst bekommst du den Geruch nicht raus.“ Für sie ist das die einzig hygienisch vertretbare Lösung – selbst wenn auf dem Etikett ein „P im Kreis“ (nur chemisch reinigen) steht.

Doch Nassreinigung will gelernt sein. „Man muss wissen, was man tut und den Materialcharakter genau prüfen – besonders beim Trocknen“, betont sie. „Da kann man sehr viel kaputt machen. Mehr als bei der Nassreinigung selbst.“ Falsche Trocknung kann beispielsweise zu Einlaufen, Verziehen oder Glanzstellen führen.

Schürze und Spitzenbluse – eine Klasse für sich

Während das Dirndl relativ robust verarbeitet sein kann, verlangt die Schürze höchste Vorsicht. Seiden-, Viskose- oder Polyesterschürzen neigen in der Nassreinigung zu sichtbaren Knicklinien, sogenannten „Waschfalten“, die auch beim Bügeln nicht mehr verschwinden. Aus diesem Grund setzt Gimpert bei empfindlichen Schürzen immer auf die chemische Reinigung.

Ein weiterer Fall mit eigenen Regeln ist die klassische Spitzenbluse. „Für Endverbraucher gilt: waschbare Spitze bitte immer in ein Wäschenetz geben“, rät sie. So lassen sich Schäden durch Knöpfe, Haken oder andere Verschlüsse beim Waschen vermeiden. Viel heikler als das Waschen selbst ist jedoch das anschließende Bügeln: „Nicht zu heiß!“, warnt sie. „Spitze kann je nach Material leicht anschmelzen.“

Und was ist mit der Lederhose?

Nahaufnahme einer typisch bayerischen Trachten-Lederhose.
© stock.adobe.com/Annabell Gsödl

Auch bei Lederhosen kann eine Nassreinigung sinnvoll sein, erklärt Martin Rauner von REWAKON. Mit speziellen Vorbehandlungsmitteln und fachlicher Erfahrung entfernt sein Team selbst hartnäckige Flecken. Nach dem sorgfältigen Trocknen, Bürsten und farblichen Wiederauffrischen ist die Hose wieder einsatzbereit. Aber Vorsicht: Kein Leder ist wie das andere. Besonders sämisch gegerbtes Leder – weich und anschmiegsam – verlangt höchste Sorgfalt. Ähnlich wie bei Fensterleder wird dieses Material durch Feuchtigkeit schnell hart und brüchig. Besonders dann, wenn es stark durchnässt wurde. Urin oder große Mengen Bier können die Lederstruktur dauerhaft schädigen.

Fettflecken – etwa vom Brathähnchen oder durch Handschweiß – lassen das Leder speckig wirken. In solchen Fällen ist eine chemische Reinigung mit Lösemittel die erste Wahl, erklärt Lederexperte Rauner. Doch auch hier gilt: Leder ist ein lebendiges Naturprodukt. Während der Reinigung verliert es an Eigenfett und muss deshalb im Anschluss rückgefettet werden. Nur so bleibt es geschmeidig und behält sein Volumen. Das gilt sowohl für nass als auch chemisch gereinigte Lederhosen.

Rückfettung und Farbkorrektur

Trotz aller Vorsicht kann es durch die Entfettung beim Reinigungsprozess zu Farbveränderungen kommen. „In einer professionellen Lederspezialreinigung lassen sich diese Unterschiede meist ausgleichen – etwa durch gezieltes Nachfärben mit Airbrush-Technik“, sagt Rauner. So wird die ursprüngliche Farbwirkung annähernd wiederhergestellt.

Ist die Lederhose neu und nur ein einzelner Fleck stört den Gesamteindruck, muss nicht gleich das ganze Kleidungsstück gereinigt werden. In vielen Fällen lässt sich der Fleck gezielt und punktuell behandeln. So bleibt der neuwertige Look erhalten.

Wenn die Lederhose abfärbt

Besonders ärgerlich: Wenn die Lederhose abfärbt – sei es auf Hemden, Shirts oder das Innenfutter. Bei Rauleder liegt die Ursache meist in feinen Staubpartikeln, die beim Schleifen des Leders entstehen und sich leicht lösen. Fettleder oder sogenanntes Pull-Up-Leder neigen durch den Einsatz von gefärbtem Wachs noch stärker zum Abfärben – vor allem bei Feuchtigkeit oder Wärme. Je nachdem wie stark das Leder abgefärbt hat, ist die Verfärbung fast unauslöschlich. „Wir können mit Farblösern etwas aufhellen, aber eine vollständige Rücknahme ist meist nicht möglich“, erklärt Gimpert, die das Problem mit Abfärbungen auf Hemden nur zu gut kennt.

Eine professionelle Lederreinigung kann überschüssige Farbpigmente aus der Raulederhose ausspülen und den Farbabrieb damit verringern. Bei neuen Glattlederhosen kann eine zusätzliche Versiegelung helfen, das Material farbstabiler zu machen.

Leder ist nicht gleich Leder

Die Qualität des Leders hängt nicht nur vom Tier selbst ab, sondern auch von Gerbverfahren, Verarbeitung, Lagerung und Alter des Materials. Unterschiedliche Schichtstärken und Empfindlichkeiten machen die Reinigung komplex – ein Job, der weit über das Know-how eines gewöhnlichen Textilreinigers hinausgeht. Eine professionelle Lederspezialreinigung nach RAL 68 b ist daher aufgrund der Erfahrung und vorhandenen maschinellen Einrichtung bei Lederhosen immer zu empfehlen.

Verbraucher können ihre Lederhose dennoch in fast jeder Textilreinigung abgeben. Diese arbeiten in der Regel mit professionellen Lederreinigungen zusammen. „Da es Lederspezialreinigungen nicht in jeder Stadt gibt, ist durch Transportwege und Liefertouren mit einer Bearbeitungs- und Lieferzeit von etwa zwei Wochen zu rechnen“, weist Rauner hin. Also weisen Sie ihre Kunden hin, die Lederhose rechtzeitig vorbeibringen und genügend Zeit vor dem nächsten Volksfest einzuplanen.

Wie bleiben Dirndl und Lederhose schön. Mann und Frau tragen traditionelle Tracht.
© stock.adobe.com/Dennis

Verbrauchertipp:

Was tun bei Flecken?

Der wichtigste Ratschlag der Reinigungsexperten: „Weniger ist mehr, lieber gar nichts tun“. Viele Verbraucher versuchen mit Küchenrolle, Wasser oder gar dem Föhn den Fleck zu „retten“. Doch genau das verschlimmert den Schaden meist. „Reiben, Wasser oder Hitzeeinwirkung kann Flecken tiefer ins Gewebe treiben und im schlimmsten Fall sogar fixieren“, erklärt Gimpert. Besonders tückisch: Wer einmal über einen Fleck bügelt, versiegelt ihn mit Hitze dauerhaft im Stoff. Besser: Sanftes Tupfen mit einem trockenen Tuch.

Ist das Dirndl im Pflegeetikett beispielsweise als waschbar bei 30 °C ausgezeichnet, spricht nichts dagegen es im Schonprogramm selbst zu waschen. Der erste Blick sollte jedoch immer dem Wäschekennzeichen gelten, raten sie den Verbrauchern. Danach trocknet das gute Stück am besten auf einem Bügel hängend an der Luft. Die Leine oder der Wäscheständer können Knicke und unschöne Druck-und Glanzstellen hinterlassen.

Hartnäckige Verschmutzungen, wie Fett, Bratensoße oder Senf gehören in professionelle Hände. Und das am besten so schnell wie möglich. Denn je länger ein Fleck einwirken kann, desto tiefer dringt er ein – und desto schwieriger wird es ihn rückstandslos zu entfernen.

Die richtige Lagerung

Wer seine Tracht liebt, lagert sie entsprechend sorgfältig. Für Dirndl und Lederhose empfiehlt sich ein gepolsterter Bügel und ein atmungsaktiver Kleidersack, der vor Staub und Licht schützt. Hierzu bietet z.B. REWAKON eine spezielle Lösung mit den gebrauchsmustergeschützen "mypolybag"-Kleidercapes. Lederhosen sollten niemals gefaltet oder in überfüllte Kleiderschränke gequetscht werden. „Feuchte Kellerräume und Plastikbeutel sind Gift für Leder“, warnt Martin Rauner. „Das Material muss atmen, sonst schimmelt es“. Ein Lavendelsäckchen im Schrank wirkt nicht nur als natürlicher Mottenschutz, sondern hinterlässt auch einen angenehmen Duft, der den nächsten Auftritt in der Tracht noch ein wenig stilvoller macht. Mit dem richtigen Umgang bei Flecken und einer durchdachten Lagerung strahlt die Tracht noch lange wie am ersten Tag.