Hannes Kolleger, Ausschussmitglied der Kärntener Textilreiniger „Wir müssen uns der Herausforderung stellen!“

Hannes Kolleger hat sein Unternehmen auf den Prüfstand gestellt und versucht, durch gezielte Prozessoptimierungen gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise anzusteuern. - © Hannes Kolleger

„Wir müssen uns der Herausforderung stellen!“

Nicht nur in Kärnten rechnet die Wäscherei- und Textilreinigerbranche gegenwärtig mit vielen Unbekannten. Hannes Kolleger aus Villach hat sein Unternehmen auf den Prüfstand gestellt und versucht, durch gezielte Prozessoptimierungen gegenzusteuern.
„Voriges Jahr sind die Energiepreise explodiert. Im Oktober kündigte sich dann eine Finanz- und Wirtschaftskrise an“, berichtet der Textilingenieur. Er war 20 Jahre Landesinnungsmeister von Kärnten und ist nach Abgabe des Vorsitzes 2005 heute noch Ausschussmitglied der Kärntener Textilreiniger. „Unserer Landesinnung gehören etwa 50 Unternehmer an. Unlängst wurde ein großer Mitbewerber verkauft. Auch werden immer wieder kleinere Betriebe geschlossen. Teils weil ein Nachfolger fehlt. Einige Kollegen geben aber auch mangels Rentabilität auf“, gibt Hannes Kollegger einen Überblick über die aktuelle Situation im Süden Österreichs.

Der Textilingenieur selbst führt seit 37 Jahren in Villach eine Unternehmensgruppe, die 1805 als Wäscherei gegründet worden und bis heute in Familienbesitz geblieben ist. Dazu gehören die Textilreinigung Masser, eine Schneiderei sowie die Wäscherei Masser. 33 Mitarbeiter und ein Azubi stehen in Lohn und Brot. „Unsere Textilreinigung traf die Energiepreiserhöhung weniger hart. Wegen des vergleichsweise geringen Energiebedarfs konnten wir sie halbwegs verkraften“, so der Unternehmer. Seit Eintreten der Krise müsse er aber in diesem Segment einen Auftragsschwund hinnehmen.

Die Schneiderei sei hingegen ausgesprochen stabil: „Wir führen nicht nur Reparaturen und Änderungen durch, sondern unsere Schneidermeisterin im Damenfach wird auch zuweilen mit der Anfertigung feiner Maßgarderobe beauftragt“, erläutert Hannes Kollegger. Ein Schwerpunkt in der Wäscherei ist die Pflege von Haushaltswäsche. Gerade in diesem Bereich sei aber ein spürbarer Rückgang der Nachfrage zu beobachten, so der Unternehmer. Darüber hinaus werden gastronomische Betriebe sowie kleinere Hotels und Pensionen bewaschen. Auch in dieser Branche ist ein Umsatzschwund zu verzeichnen. „Es gelingt uns aber, durch gezielte Akquise im gewerblichen Bereich der rückläufigen Entwicklung entgegenzusteuern“, sagt der Textilingenieur.

Der Hemdenservice ist bislang noch eine berechenbare Größe. Hannes Kollegger: „In der Vergangenheit haben wir in diesem Bereich die Produktion so weit rationalisiert, dass wir sehr günstige Preise anbieten können.“ Deshalb sei dieses Angebot insbesondere bei älteren Kunden und Singles noch sehr beliebt. Der Unternehmer sieht allerdings schwarz, ob er sich auch künftig darauf verlassen kann: „Gegenwärtig wachsen die geburtenschwachen Jahrgänge heran. Die meisten jungen Leute sind es aber gar nicht mehr gewohnt, ihre Garderobe dem Textilreiniger anzuvertrauen.“

Die Konsequenz: „Im Herbst möchten wir abermals in innovative Technik investieren, um den Produktionsprozess weiter zu optimieren und künftig noch mehr Kosten einzusparen.“ Der Unternehmer ist optimistisch, dass er trotz der allgemeinen Zurückhaltung der Kreditinstitute seine Hausbank vom betriebswirtschaftlichen Nutzen seines Plans überzeugen kann. „Falls unsere Bank nicht mitspielt, muss ich einen anderen Weg suchen“, ist er fest entschlossen. Nur ein Beispiel, dass sich die Branche im Bundesland Kärnten der Herausforderung stellen muss. Denn die Krise ist nur zu meistern, wenn die Unternehmer ihre Betriebe auf den Prüfstand stellen und Überlebensstrategien entwickeln. „Unsere Landesinnung bietet immer wieder Seminare zu diesem Thema an, um die Mitglieder zum Durchhalten zu motivieren“, unterstreicht Hannes Kolleger. Gern würde er gemeinsam mit den Berufskollegen eine Imagekampagne entwickeln, von der seiner Meinung nach alle profitieren würden. „In Kärnten erfahre ich aber diesbezüglich leider mehr Zurückhaltung als Zustimmung“, bedauert er.Reinhard Wylegalla