Geburtsstunde der Chemischreinigung 1826: Wie ein Versehen die Textilpflegebranche prägte

1826 kippte der französische Schneider Jean-Baptiste Jolly-Bellin ver­sehentlich eine Spirituslampe um. Benzol tränkte das Tischtuch – und entfernte Flecken: die ­Geburtsstunde der ­Chemischreinigung. Das schreiben R. Albrecht und H. Würth 1960 im Fachbuch "Der Chemisch­reiniger und Detacheur in der Praxis".

Eine versehentlich umgekippte Spirituslampe revolutionierte die professionelle Textilpflegebranche nachhaltig.
Eine versehentlich umgekippte Spirituslampe revolutionierte die professionelle Textilpflegebranche nachhaltig. - © Adam – stock.adobe.com

Der Siegeszug der chemischen Reinigung begann allerdings erst später. 1854 – knapp drei Jahrzehnte später – griff in Deutschland ein damals etablierter Betrieb diese neue Art der ­Kleider­reinigung auf: die Wäscherei Wilhelm Spindler. Der 1832 in ­Berlin ­gegründete Betrieb zog 1873 nach Köpenick und firmierte dort als ­"Anstalt zur chemischen Reinigung, Wäscherei und Färberei".

100 Jahre nach Entdeckung

Bis zum Ersten Weltkrieg nutzen Betriebe in Deutschland und Österreich-­Ungarn hauptsächlich Benzin. Ausgelöst durch schwere Benzinbrände und dem Mangel an Benzin zu Kriegszeiten schwenkten viele Betriebe ab etwa 1926 um auf Tri(chlorethylen) und Per(chlorethylen).

1960: Siegeszug vorausgesagt

"Welche Lösungsmittel sich zum Chemischreinigen am besten ­eigenen, ist sehr schwer zu beantworten", heißt es im Fachbuch für den Arbeitsplatz. "Aber all das kann den Siegeszug der chemischen Reinigung nicht aufhalten. (…) Im Privat­leben kann der moderne Mensch ohne Chemischreinigung nicht auskommen!"