Ein halbes Jahrhundert: So lange vertritt der Deutsche Textilreinigungs-Verband (DTV) schon die Interessen der Branche. Das Jubiläum wird gebührend beim Jahreskongress 2025 in Berlin gefeiert. Wir werfen einen Blick auf Menschen, Projekte und die Geschichte des Verbands.

Wie kam es zur Gründung des Deutschen Textilreinigungs-Verbands, kurz DTV? Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildeten sich mit dem Zentralverband der Dampfwäschereien Deutschlands (1901) und dem Verband deutscher Färbereien und chemischer Waschanstalten (1902) erste Interessenvertretungen der Branche.
Die Geschichte des DTV selbst beginnt im Jahr 1975 als der Deutsche Wäscherei-Verband (DWV) und der Bundesfachverband Chemischreinigung-Färberei (BFV) zum Deutschen Textilreinigungsverband fusionierten.
Interessenvertretung für die Textilpflegebranche
Die damaligen Gründe für eine gemeinsame Interessenvertretung sind bis heute aktuell und im Angesicht der neuesten gesellschaftspolitischen Herausforderungen und Krisen notwendiger denn je: In einer verhältnismäßig kleinen Branche gilt es, Kräfte und Strukturen zu bündeln, um kosteneffizient ein effektive und schlagkräftige Wirtschafts- und Berufspolitik zu betreiben.
Nachhaltigkeit und Umweltschutz, sich verändernde Marktstrukturen, Fachkräftegewinnung in Zeiten des demografischen Wandels, Tarif- und Steuerpolitik, Digitalisierung und Automatisierung – die Verbandsthemen sind heute wie damals zahlreich.
Wer saß im ersten DTV-Präsidium?
Das erste DTV-Präsidium wurde am 25. September 1975 im Rahmen des Internationalen Textilreinigerkongresses in Wiesbaden auf der ersten Delegiertenversammlung des DTV gewählt. Die Mitglieder waren:
- Präsident: Ernst Neipp
- Vizepräsident: Wolfgang Fertsch-Röver
- Schatzmeister: Klaus Dörr
- Beisitzer/innen: Helga Schulte, Hermann Eggert, Erich Freihold, Gerhard Kapischke, Hans Rösler
- Hauptgeschäftsführer: Dr. Ralf Senf
Damit entstand die zentrale Interessenvertretung der deutschen Textilpflegebranche.
Seitdem wächst der Verband kontinuierlich weiter und hat sich zu einer starken politischen Stimme der Branche auf nationaler und internationaler Ebene entwickelt. Seit seiner Gründung bringen sich zahlreiche engagierte Textilreiniger/innen ehrenamtlich in den Gremien des DTV für die Weiterentwicklung ihres Berufsstandes ein. Sie sind bis heute ausschlaggebend für die erfolgreiche Verbandsarbeit.
Verbandsstrukturen bilden sich heraus
Neben den heute noch bestehenden Ausschüssen und Fachgruppen verfügte der DTV in seinen Anfangsjahren über zusätzliche Arbeitsgremien wie „Betriebswirtschaft, Steuerpolitik und Volkswirtschaft“, „Geschäftsbeziehungen mit dem Endverbraucher“ oder „Textilreinigung im Objektkundengeschäft“.
Auch wenn diese Gremien heute nicht mehr bestehen, ist die Vielfalt der Themen im Verband nicht geringer geworden. In den vergangenen Jahren wurden neue Fachgruppen etabliert – darunter „Digitalisierung“, „Corporate Social Responsibilty“, „Workwear und Persönliche Schutzausrüstung“ sowie „DTV med“.
Die Informationsstelle für Unternehmensführung wurde bereits wenige Monate nach der Gründung des Verbandes eingerichtet und mit Helmut Strohm besetzt, der zuvor beim Bundesfachverband Chemischreinigung-Färberei tätig war. Seit 1977 wird die Stelle offiziell durch das Bundeswirtschaftsministerium gefördert. Sie steht Betriebsinhaberinnen und -inhabern als zentrale Anlaufstelle für betriebswirtschaftliche, technische und umweltrelevante Fragestellungen zur Verfügung. Seit 2023 verfügt der DTV sogar über zwei Informationsstellen – eine für technische Fragen und eine weitere für betriebswirtschaftliche Fragestellungen.
Meisterkurse und ein neues Handwerk
1978 wurde der erste Meistervorbereitungskurs unter der Regie des DTV durchgeführt. Mit dem Meisterkurs von 1982 konnte erstmalig einen Meistertitel zum neuen Berufsbild des Textilreinigers erworben werden. Die bis dahin getrennten Ausbildungsberufe Färber und Chemischreiniger sowie Wäscher und Plätter wurden zu diesem Zeitpunkt zusammengeführt.
Zwei Jahre später folgte dann auch eine neue Meisterverordnung für das Textilreinigerhandwerk und die Umstellung auf ein neues gemeinsames Handwerk der Textilpflegebranche vollendet. Die Entwicklung des Berufsbildes ist jedoch keinesfalls abgeschlossen.
Um den veränderten Anforderungen der Branche und dem Fachkräftemangel zu begegnen, bietet der DTV heute unter anderem eine Einstiegsqualifizierung an. Zudem gibt es seit 2025 in Kooperation mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg den dualen Bachelorstudiengang „BWL – Marketing Management“ mit dem Wahlfach „Integriertes Management und Marketing im Textilservice“. Das Studienmodell verbindet akademische Exzellenz mit praktischen Erfahrungen im Betrieb. Studierende wechseln in einem dreimonatigen Rhythmus zwischen Hochschule und Betrieb.
Die deutsche Wiedervereinigung
Ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des DTV war der politische Umsturz in der DDR und den Öffnungen der Grenze. Schnell ergaben sich nicht nur erste Kontakte zwischen Textilreinigern in der DDR und dem DTV. Am 9. April 1990 fand in Berlin die Gründungsversammlung des DTV der DDR statt, zu der auch Vertreter des DTV eingeladen waren.
Der gemeinsame Wunsch nach einem gesamtdeutschen Berufsverband wurde wenige Monate später erfüllt: Am 22. September 1990 vereinigten sich beide Verbände auf dem Verbandstag in Brandenburg – noch vor der offiziellen deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober. Damit war der DTV einer der ersten Verbände, die den Schritt der Vereinigung aktiv vollzogen.
Nachhaltige Verbandsarbeit beim DTV
Der DTV hat sich mit zahlreichen Initiativen schon frühzeitig den Themen Umweltschutz sowie Energie- und Rohstoffeinsparung gewidmet und Nachhaltigkeit aktiv vorangetrieben. Bereits Anfang der 1990er Jahre hatten Betriebe die Möglichkeit, sich im Sinne von Transparenz und nachhaltigem Wirtschaften freiwillig einem Umweltgutachten zu unterziehen.
Ein weiterer Schritt war die Brancheninitiative „Trommeln für die Energiewende“. Darüber hinaus engagiert sich der DTV seit 2015 im Rahmen des UN Global Compact für Nachhaltigkeit und hat sich verpflichtet, zehn universell anerkannte Prinzipien in den Bereichen Menschenrechte, Umweltschutz, Korruptionsbekämpfung und Arbeitsnormen einzuhalten. Und ist seit 2020 Mitglied der „Charta der Vielfalt“, einer Unternehmensinitiative zur Förderung von Vielfalt und Chancengleichheit in Unternehmen.
Im Jahr 2017 initiierte der DTV die branchenweite Initiative „Nachhaltiger Textilservice“ und veröffentlichte die „Grundsätze des Textilservice“ als freiwillige Selbstverpflichtung in Form eines Verhaltenskodex.
50 Jahre DTV: Die Geschäftsführer
- 1975 – 1994: Dr. Ralf Senf
- 1995 – 2005: Helmut Strohm
- 2005 – 2012: Dr. Volker Schmid
- seit 2013: Andreas Schumacher
Start der Verbandszertifizierung
Die 2008 gestartete Verbandszertifizierung mit Modulen zu Qualitätsmanagement, Arbeitssicherheit, Umwelt- und Hygienemanagement stellt einen weiteren Baustein bei den Nachhaltigkeitsbestrebungen der Branche dar. Aus den anfänglich 14 Pilotbetrieben mit insgesamt rund 500 Beschäftigten sind mittlerweile rund 50 Betriebe und mehr als 4.000 Beschäftigten geworden.
Forschungsprojekte für die Branche
2015 wurde ein Ökobench-Tool entwickelt, mit dem Textilpflegeunternehmen auf anonymisierte Weise ihre Wasser-, Waschmittel- und Energieverbräuche untereinander vergleichen können. Das gleiche Ziel verfolgt das 2018 eingeführte Energiesparhandbuch speziell für Textilreinigungen. Beide Projekte wurden mit Fördermitteln der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) umgesetzt.
Ebenfalls mit Förderung der DBU entwickelt der DTV seit 2024 gemeinsam mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut und der INTRASYS Unternehmensberatung GmbH den Nachhaltigkeitsbaukasten TEXSUS. Dieser enthält praxisorientierte Instrumente und Leitfäden zur Erfassung und Dokumentation von Nachhaltigkeitskennziffern.

50 Jahre DTV: Die Präsidenten
- 1975 – 1983: Ernst Neipp
- 1983 – 1992: Hans Rösler
- 1992 – 1993: Arno Richtzenhain (als Vizepräsident)
- 1993 – 2002: Hans-Albert Heim
- 2002 – 2007: Friedrich Habermeyer
- 2008 – 2021: Friedrich Eberhard
- seit 2022: Beate Schäfer
In Netzwerken denken und arbeiten
Der DTV pflegt seit seiner Gründung einen intensiven Austausch mit Partnern der Textilpflegebranche, Forschungsinstituten, Verbraucher- und Zuliefererorganisationen sowie europäischen Dachverbänden und konnte dies über die Jahre ausbauen. Ziel ist die wirksame Vertretung der Brancheninteressen gegenüber Politik und Öffentlichkeit sowie die Abstimmung zu fachlichen Themen.
Eine enge Zusammenarbeit besteht mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und dem Gesamtverband textil+mode, die dem DTV frühzeitige Einblicke in politische Entwicklungen auf nationaler und europäischer Ebene ermöglichen.
Zudem ist der DTV aktiv in die bundesweite Handwerkskampagne des ZDH eingebunden und beteiligt sich intensiv am Austausch zu aktuellen Themen rund um Aus- und Weiterbildung.
Auf internationaler Ebene unterwegs
Auch auf europäischer und internationaler Ebene pflegt der DTV einen kontinuierlichen Dialog mit anderen Textilpflegeverbänden. Dies geschieht zum einen bilateral und zum anderen über den europäischen Dachverband European Textile Services Association (ETSA).

Als größter nationaler Branchenverband in Europa und – nach dem US-amerikanischen TRSA – weltweit zweitgrößter Verband der Textildienstleistungsbranche, sieht sich der DTV in einer besonderen Verantwortung. Dieser wird er auch in Zukunft gerecht werden und seine Rolle in der internationalen Gemeinschaft weiterhin aktiv und erfolgreich gestalten.
Darüber hinaus engagiert sich der Verband in der Normungsarbeit: Der DTV ist seit 2015 Mitglied der von der EU-Kommission benannten Organisation Small Business Standards (SBS), die die Interessen kleiner und mittlerer Unternehmen in Normungsfragen vertritt.
Für die Zukunft gewappnet
Der Deutsche Textilreinigungs-Verband hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als verlässlicher und innovativer Partner der Branche etabliert – und ist gerüstet für die Zukunft. Mit klarem Bekenntnis zu Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Fachkräftesicherung und internationaler Vernetzung stellt der DTV die Weichen für eine moderne und widerstandsfähige Textilpflegebranche.
Durch kontinuierliche Weiterentwicklung der Ausbildungsangebote, die enge Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Politik sowie eine starke Interessenvertretung auf europäischer Ebene will der Verband auch künftig Impulse setzen, Orientierung bieten und die Branche aktiv mitgestalten.
Mehr zum Verband und seiner vielfältigen Arbeit unter www.dtv-deutschland.org
Die Textilpflegebranche im Laufe der Zeit
1820er Jahre: Erste Experimente mit chemischer Reinigung (Terpentinöl-Unfall → Geburtsstunde der chemischen Reinigung).
1880er Jahre: Beginn der gewerblichen Wäscherei in Deutschland
1901: Gründung des Zentralverbands der Dampfwäschereien Deutschlands in Hamburg
1902: Gründung des Verbands deutscher Färbereien und chemischer Waschanstalten in Düsseldorf.
1930er Jahre: Ausbildungsberuf "Wäscher und Plätter" wird geschaffen
1975: Gründung des Deutschen Textilreinigungs-Verbandes (DTV) aus der Fusionierung vom Deutschen Wäscherei-Verband (DWV) und dem Bundesfachverband Chemischreinigung-Färberei
1981: Zusammenführung der Berufe „Färber und Chemischreiniger“ sowie „Wäscher und Plätter“ zum Textilreiniger
1990: Zeit der Wiedervereinigung:
- 9. April: Gründung des DTV der DDR in Berlin
- September: Fusion DTV West und DTV DDR beim Verbandstag in Brandenburg.
- 3. Oktober: Offizielle Wiedervereinigung Deutschlands.
2005: Start der aktuellen Branchenkampagne. Seit 2021 als MyTextilService-Kampagne fortgeführt, eine B2C Kampagne mit Online- und Printmaterial.
2008: Start der Verbandszertifizierung

2009: Überarbeitung des DTV-Logos
2018: Eröffnung einer permanenten Repräsentanz in Berlin
2019: Zusammenschluss Wirtex und DTV
2021: Launch der E-Learning-Plattform E-Washboard
2025:
- Erstmalige Beteiligung Deutschlands an der Internationalen Wäscherei- und Textilreinigungswoche
- Einführung eines dualen Bachelorstudiengangs „BWL – Marketing Management“ mit dem Wahlfach „Integriertes Management und Marketing im Textilservice“ in Kooperation mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.

