Wäscherei Heim wird 75 Wäschereigeschichte geschrieben

Die Wäscherei-Mietwäsche W. Heim oHG hatte eingeladen, um einen besonderen Anlass zu würdigen. Dass nach exakt 75 Jahren und einem Tag drei Generationen in der Geschäftsführung dieses Ereignis gemeinsam feiern würden, hätte Gründer Wilhelm Heim vermutlich überrascht, ganz sicher aber gefreut.

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    Felix Heim präsentiert die Festschrift der Mitarbeiter und die Firmenchronik. Fotos: Sabeth Stickforth
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    Familie Heim und die Laudatoren (v.li.): Karl-Rainer Dauer, Kathrin Heim, Friedrich Eberhard, Hans-Albert Heim, Jürgen Witte und Ursula Heim.
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    Wilhelm und Ursula Heim vor der Dreikantfeile, dem ersten Transportfahrzeug der Firma Heim. Foto: Privatarchiv

Wäschereigeschichte geschrieben

Der 15. November 2013 ist ein bewegender Tag in der Geschichte der Familie Heim. Dazu gehören im Sinne der Firmentradition sämtliche Mitarbeiter. Sven Döring, Prokurist der Wäscherei-Mietwäsche W. Heim oHG, eröffnet den Festakt. Humor und Emotionen sind in Berlin zu Hause. Präsident Obama habe sich mit dem Wahlkampfslogan „Ja, wir können es.“ offensichtlich an die Philosophie des Berliner Dienstleisters angelehnt, scherzt Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Berlin in seiner Grußrede. Ganz im Ernst: 75 Jahre Kundenzufriedenheit seien ganz und gar nicht selbstverständlich. DTV-Präsident Friedrich Eberhard, Karl-Dauer, Vorsitzender der Gütegemeinschaft sachgemäße Wäschepflege, und Sven Heinzmann, Vertriebsleiter diemietwaesche.de, schließen sich als Gastredner an.


Sichtlich gerührt ist Gastgeber Hans-Albert Heim als Dirk Rausch, Leiter der Kundenbetreuung, ihm stellvertretend für alle Mitarbeiter eine „Festschrift zum fünfundsiebzigjährigen Bestehen der Wäscherei Heim“ überreicht: ein 64 Seiten starkes Werk mit Zitaten, Bildern und Anekdoten als Dankeschön an die Familie Heim. Ein solches Zeichen der Wertschätzung sei die größte Auszeichnung, die ein Unternehmen überhaupt bekommen könne. Spätestens jetzt erleben die Gäste, was die „Chefin“ Ursula Heim mit dem Familiensinn meint, der ihr so am Herzen liegt. „Alle haben mit angepackt und zugesehen, dass das Schiff auf Kurs bleibt und nicht kentert“, erzählt sie in einer ebenfalls frisch gedruckten Firmenchronik zum Jubiläum. Darin erlaubt die Firma Heim einen Blick in das Familienalbum und in Berliner Wäschereigeschichte aus dem eigenen Erleben.


Die Familie und Firmenleitung Heim hat die Menschen mitgenommen, in den Gründerjahren den Kriegswirren getrotzt und später den politischen und wirtschaftlichen Widrigkeiten durch Mauerbau und Mauerfall. Immer wieder ging es um menschliche Schicksale und darum, auf jeden Fall weiterzumachen. „Für mich war das selbstverständlich. Es hätte ja gar nicht anders gehen können“, sagt Ursula Heim in einem kurzen Gespräch, für das sie sich gern ein paar Minuten nimmt. Dann muss sie aber weiter. Es gibt noch so viele Gäste, die ihr persönlich gratulieren wollen. Ursula Heim findet Zeit für jeden. „Sie ist immer da, um mit Rat und Tat beiseitezustehen“, heißt es in der Festschrift, die übrigens wie alles im Hause Heim ein Beispiel hervorragender Teamarbeit ist.


„Handtücher klappen“ kann keiner so gut wie sie

Ursula Heim ist die gute Seele. Die 94-jährige Unternehmerin ist nach wir vor mittendrin. Noch heute sitzt sie jeden Morgen pünktlich an ihrem Schreibtisch. Den Rundgang durch den Betrieb hat sie längst absolviert; jetzt kommen die anfallenden Büroarbeiten. Und „Handtücher klappen“, so nennen es die Berliner, könne niemand so gut wie sie. Die Mitarbeiter haben ihre Hochachtung zu Papier gebracht, ohne den Mann zu vergessen, der 1938 den Grundstein für das Unternehmen legte, das heute insgesamt rund 150 Mitarbeiter beschäftigt: 90 in Berlin und 52 in der 1991 gegründeten Heim-Textilreinigung GmbH in Bad Liebenwerda. Im Jahr 2013 versorgte die Firma Heim rund 2.500 Kunden in den neuen Bundesländern, Berlin, Schleswig-Holstein und Teilen Niedersachsens mit insgesamt 195.000 Bekleidungsteilen.


Mit der Gründung von „Wäscheverleih Heim“ am 14. November 1938 leistete Wilhelm Heim Pionierarbeit im Mietwäschegeschäft. Ob es Zufall oder Plan war, lasse sich so genau nicht mehr sagen, kommentiert seine Familie. Fakt ist und so berichtet die Chronik: Durch glücklichen Zufall bekommt Wilhelm Heim 1935 eine Stelle als Aushilfsfahrer bei der Firma Donath in Köpenick. Erfahrungen in einer Wäscherei hat er bereits zuvor gemacht. Nun ist es ein Kollege, dessen Ehrgeiz ihn beflügelt, sich mit einem Wäscheverleih selbständig zu machen. Da dieser allerdings keinen Erfolg erzielt, kauft Wilhelm Heim ihm das Geschäft ab, um es besser zu machen.


Die Logistik ist für den jungen Dienstleister eine tägliche Kraftanstrengung und bietet noch Jahrzehnte lang Stoff für Familienanekdoten. Kinder und Enkelkinder erzählen immer wieder gern, wie Wilhelm Heim mit dem Fahrrad auf allen möglichen und unmöglichen Wegen zu seinen Kunden kommt. Selbst, wenn es als Anschrift lediglich den Hinweis gibt: „Einfahrt Ort, drittes Haus hinterm Kornfeld.“ Und so liest sich die Geschichte der Gründerzeit ebenso unterhaltsam wie spannend. „Wirklich romantisch war es jedoch nicht“, erinnert sich Ursula Heim, die ihren Mann von Anfang an unterstützt. Das junge Ehepaar Heim übt sich gemeinsam im Verzicht und beweist Durchhaltevermögen. Ursula und Wilhelm Heim leben im Parterre einer typischen Altberliner Wohnung im Wedding. Gemeinsam eröffnen sie hier das erste Ladengeschäft. 1941 wird Wilhelm Heim zum zweiten Mal von der Wehrmacht eingezogen. Ursula Heim führt das Geschäft weiter und versorgt ihren Sohn Hans-Albert, der 1944 zur Welt kommt. Erst 1944 flieht sie mit dem Kind zu Verwandten nach Schlesien. Ein Jahr später kommt sie zurück nach Berlin und stellt sich den Widrigkeiten im Nachkriegsdeutschland. Der vor den Besatzern gut versteckte Wäschebestand sichert die Geschäftsgrundlage und macht die Wiedereröffnung des Betriebs in der Togostraße möglich. Die Auslieferung der Wäsche ist auch nach dem Krieg die größte Herausforderung. Als Wilhelm Heim im September 1945 heimkehrt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als erneut mit dem Fahrrad auszuliefern, bis der vermeintlich gestohlene Firmenwagen unerwartet wieder auftaucht.


Der Meisterbrief sichert die Existenz

Den entscheidenden Schritt zur Existenzsicherung macht Wilhelm Heim, indem er 1948 die Meisterausbildung im Wäscherei- und Plätterhandwerk absolviert. Jetzt kann die Firma Heim eigenen Nachwuchs ausbilden. Ursula und Wilhelm Heim sind fest entschlossen, ihr Unternehmen mit bis dahin sechs Mitarbeitern auszubauen. 1952 erwerben sie eine Wäscherei in der Genthiner Straße; ein ausgeklügelter Finanzierungsplan ermöglicht die Investition in Technik. 18 Angestellte und Lehrlinge bewältigen zu der Zeit ein Wäschevolumen von rund 900 kg täglich. Im Jahr 1958 erfolgt der Komplettumzug an den heutigen Firmenstandort nach aufwändiger Grundstücksanierung und Umbau. Damit ist ein Meilenstein für den Erfolg im Mietwäschegeschäft gesetzt. Wäsche wird ab Anfang der 60er Jahre nicht mehr verliehen, sondern „vermietet“.


Mit der Umfirmierung in die Wäscherei-Mietwäsche W. Heim oHG im Jahr 1967 wird Hans-Albert Gesellschafter. 1965 entscheiden sein Vater und er gemeinsam, sich mit dem Schwerpunkt Berufsbekleidung zukunftsorientiert zu positionieren. Nur fünf Jahre lang können sie gemeinsam daran arbeiten. Wilhelm Heims Tod im Jahr 1972 ist ein schwerer Schicksalsschlag. Seitdem führen Ursula und Hans-Albert Heim das Unternehmen. Felix Heim ist seit 1999 im Unternehmen tätig und seit 2010 Assistent der Geschäftsleitung. Besonders dankbar ist Hans-Albert Heim auch seiner Frau. Mit ihrer Unterstützung konnte er sich neben seiner Unternehmertätigkeit zahlreichen Ehrenämtern widmen. Kathrin Heim ist aktiv in der Leitung der Firma Heim Waschraumservice Stickerei.


Erfolgreich in der Gegenwart, visionär in die Zukunft

Heute agiert die Firma Heim mit einem DEKRA-zertifizierten Mietwäschekonzept und im Verbund mit Kollegenbetrieben bundesweit. Hans-Albert Heim ist seit 2007 Mitgesellschafter der Unternehmensgruppen mietwaesche West GmbH & Co. KG und diemietwaesche.de, seit 2013 dieGesundheitsWäsche GmbH & Co. KG. Die Marke Heim garantiert Qualitätssicherheit gemäß der RAL-Gütezeichen für Objekt- und Haushaltswäsche, Krankenhauswäsche und Bewohnerwäsche aus Pflegeheimen. Gearbeitet wird in Berlin-Reinickendorf auch am Jubiläumstag. Die Besucher werden in kleinen Gruppen geführt und können sich ein Bild vom Stand der Technik machen, der kontinuierlich optimiert wird. Durch die Umstellung auf die Energieversorgung mit Gas im April 2012 wurde eine Kostenersparnis von 21 Prozent erreicht. Weitere Projekte im Jahr 2012 waren die Erneuerung der Wäschereisoftware durch Advantex, die Modernisierung des Fuhrparks sowie Investitionen in innovative Fintec-Falttechnik und leistungsstarke Lavatec-Dampftrockner. „Solche Veränderungen“, so Felix Heim, „finden bei uns seltsamerweise immer kurz vor Weihnachten statt.“ Diese Tradition werde im Dezember 2013 mit der Erweiterung der Sortieranlage für Berufsbekleidung fortgeführt. Der 32-jährige Textilreinigermeister und Diplom-Kaufmann ist für die Zukunft im Mietwäschegeschäft bestens qualifiziert und sagt: „Wir sind ein Handwerksbetrieb mit langer Geschichte. Durch meinen Vater habe ich gelernt, dass es eine große soziale Verantwortung bedeutet, ein Unternehmen zu leiten.“ Gabriele Rejschek-Wehmeyer