Überall dort, wo mehrere Menschen zusammenarbeiten, treffen täglich auch unterschiedliche Persönlichkeiten, Überzeugungen und Meinungen aufeinander. Deshalb kann es passieren, dass sich Auszubildender und Chef nicht immer einig sind. Einige Tipps helfen dabei, richtig mit Streit umzugehen.

Probleme mit dem Chef
Wenn du am Morgen in die Arbeit kommst und dein Ausbilder dich nicht einmal ansieht oder sogar unfreundlich zu dir ist, kann das mehrere Ursachen haben. Vielleicht hast du am Tag davor einen Fehler gemacht oder warst bei der Arbeit nicht sorgfältig genug. Es könnte aber auch sein, dass der Ärger deines Chefs gar nichts mit dir zu tun hat - bspw. wenn er private Probleme hat oder mit den Gedanken woanders ist -, du die schlechte Laune aber trotzdem abbekommst. Dann hilft meist ein klärendes Gespräch und schon könnt ihr wieder freundlich zueinander sein.
Doch was, wenn du in deinem Ausbildungsbetrieb immer wieder die schlechte Laune deines Chefs ertragen musst und vielleicht sogar häufig angeschrien wirst? Oder wenn dein Ausbilder dich nicht richtig betreut, dir Arbeit aufhalst, die nicht in deinen Ausbildungsplan passt, oder dich sogar mobbt? Dann ist das ein schwerwiegendes Problem. Doch auch hier gilt, dass ein Gespräch meistens die beste Lösung ist - aber nur, wenn du dich an die richtige Strategie hältst. Die folgenden fünf Tipps helfen dir dabei:
1. Klarheit schaffen
Bei Problemen im Betrieb ist es eigentlich immer sinnvoll, zuerst einmal mit Freunden und Familie zu sprechen. Vielleicht haben sie zusätzliche Ideen, warum dein Chef schlechte Laune haben könnte. Es kann aber auch sein, dass du beim Erzählen merkst, dass es sich nur um ein Missverständnis handelt und du selbst überreagiert hast. Oder du erkennst deinen eigenen Fehler, für den du dich einfach entschuldigen kannst, um den Streit zu beenden.
2. Informationen einholen
Wenn es sich aber um ein richtiges Problem handelt, musst du mit deinem Chef sprechen und dich dafür gut vorbereiten. Informiere dich im Vorfeld darüber, welche Rechte und Pflichten du als Auszubildender eigentlich hast. Dabei helfen dir die Arbeitsgesetze (siehe Kasten). Außerdem solltest du überlegen, was du erreichen möchtest. Überhäuft dich dein Chef beispielsweise mit Arbeit wie Botengängen oder Putzdiensten, die gar nicht zu deinen Ausbildungstätigkeiten gehören? Dann mache dir klar, welche Aufgaben du laut Ausbildungsvertrag eigentlich lernen solltest. Oder bist du unzufrieden mit einem ruppigen und unfreundlichen Umgangston? Dann denke darüber nach, wie du lieber behandelt werden möchtest.
3. Hilfe suchen
Egal, um welche Probleme es sich handelt - es gibt immer jemanden, der dir helfen kann. Du darfst dich z.B. an einen Lehrer in der Berufsschule wenden; vielleicht gibt es sogar einen Beratungslehrer oder einen Sozialarbeiter in deiner Einrichtung. Außerdem besitzen größere Unternehmen meist einen Betriebsrat, dem du deine Situation schildern und den du um Hilfe bitten kannst. Möglicherweise sind ähnliche Probleme schon öfter aufgetreten. Darüber hinaus gibt es auch bei der für deine Ausbildung zuständigen Stelle (welche das ist - z.B. Handwerks- oder Industriekammer -, erfährst du auf der Rückseite deines Ausbildungsvertrags) einen Ansprechpartner. Sie alle können dir Tipps und weitere Informationen geben.
4. Gespräch suchen
Nun kannst du dich gut vorbereitet an deinen Chef wenden und ihn um eine Aussprache bitten. Wichtig ist dabei, dass du dich an die Umgangs- und Gesprächsregeln hältst. Formuliere deine Sätze sachlich und vermeide unbedingt Beschimpfungen oder vulgäre Ausdrücke. Außerdem ist es hilfreich, Ich-Formulierungen zu benutzen. Sage also nicht: „Sie geben mir immer Aufgaben, die nicht in meinen Aufgabenbereich fallen.“ Sondern: „Ich habe den Eindruck, sehr häufig Aufgaben ausführen zu müssen, die nicht zu meinem Ausbildungsvertrag passen.“ Auf diese Weise vermeidest du einen direkten Vorwurf, stellst aber das Problem eindeutig dar.
Wenn es um Lösungsstrategien geht, ist es auch gut, Fragen zu formulieren. Zum Beispiel: „Wäre es nicht sinnvoll, sich morgens gegenseitig freundlich zu grüßen?“ Das ist besser, als höfliche Umgangsformen mit einem unhöflichen „Ich will, dass Sie mich morgens grüßen!“ einzufordern. Wenn dein Chef und du euch auf Lösungsmöglichkeiten einigen könnt, dann halte diese am besten schriftlich fest. So kannst du deinen Ausbilder an die Vereinbarung erinnern, wenn er sich nicht daran hält.
5. Rechtsbeistand holen
Solltest du trotz der Vorbereitung in deinem Gespräch mit dem Vorgesetzten keinen Erfolg haben, kannst du dir auch rechtlichen Beistand holen. Gerade wenn es sich um unangemessene Aufgaben oder Arbeitszeiten handelt oder du gemobbt wirst, kann ein Schlichtungsverfahren helfen. Bei der zuständigen Stelle kannst du den entsprechenden Antrag bekommen und einreichen. In dem Verfahren wird dann gemeinsam mit einem Schlichter nach einer Lösung gesucht. Sollte auch das nicht zu einem Ergebnis führen, bleibt dir als letzte Möglichkeit eine Klage beim Arbeitsgericht. Dafür solltest du dir allerdings bei deiner zuständigen Stelle Hilfe holen.jm