Die Knappheit von qualifizierten und motivierten Mitarbeitern und Bewerbern, gepaart mit den Auswirkungen des demographischen Wandels und des Fachkräftemangels, zwingt immer mehr Unternehmen dazu, bei der Führung und Anwerbung von Mitarbeitern „kreativ“ zu werden.

Management by Verblüffung
Mittlerweile verspüren auch die Branchen und Unternehmen, die in der Vergangenheit mühelos an „gutes“ Personal kamen, die Auswirkungen des demographischen Wandels und des damit einhergehenden Fachkräftemangels. Das fängt bei der Anwerbung von geeigneten Auszubildenden an und hört bei der Bindung auch von nicht sonderlich hoch qualifizierten Helfertätigkeiten noch nicht auf. Doch wie lassen sich mit wenig Aufwand ein hoher Nutzen und eine hohe Motivation erzielen?
Die Antwort auf diese Frage findet sich nicht in Büchern, Werbemittelkatalogen o.Ä., sondern in der inneren Einstellung und einer kreativen Vorgehensweise einer Führungskraft. Führungskräfte sollten in dem, was sie tun, grundsätzlich berechenbar sein. In einer Beziehung sollten sie jedoch bewusst davon abweichen: wenn sie Menschen (im privaten und beruflichen Umfeld) im positiven Sinne verblüffen. Das bedeutet, wenn sie etwas tun, womit der andere absolut nicht rechnet bzw. gerechnet hat.
Individuelle Kleinigkeiten sind Trumpf: Liest Ihr Mitarbeiter gerne? Dann schenken Sie ihm doch ein interessantes Buch, eine Fachzeitschrift oder einen Buchgutschein. Es gibt nur wenige Menschen, die nicht gerne etwas naschen. Eine Praline mit einem „Post-it“, auf dem ein großes „Danke!“ steht, zaubert mehr als ein Lächeln auf die Lippen des Empfängers. Blumen können auch außerhalb des Geburtstags verschenkt werden - es muss kein riesiger Strauß sein. Karten für den neuen Kinofilm, ein Eis im Sommer, ein Gutschein für ein Abendessen mit dem Partner, … Die Liste der Möglichkeiten lässt sich schier endlos fortsetzen. Meistens geht es um Kleinigkeiten von geringem materiellen Wert. Das „Tun“, die Geste bzw. der ideelle Wert sind weit wichtiger. Es gilt, den Anlass zu erkennen und sich die Zeit dafür zu nehmen.
Verblüffendes Verhalten: Auf dem Weg zu einer Besprechung gehen Sie an der zentralen Poststelle vorbei? Vielleicht können Sie Ihrer Sekretärin einen Weg abnehmen und die Briefe dort selbst abgeben? Für Sie bedeutet das keinen wesentlichen Mehraufwand - aber Ihre Sekretärin wird über das „Mitdenken“ und die kleine Erleichterung verblüfft sein.
Stärkung des „Wir-Gefühls“: Mit einem Abend im Biergarten, einem Besuch auf dem Weihnachtsmarkt, einem Erlebnisabend auf der Kartbahn, einem Besuch in einer Kneipe nach einem Erfolgserlebnis, einer Runde Minigolf, einem Kegelabend, einem gemeinsamen Eisstockschießen, dem Besuch eines Klettergartens lässt sich vorzüglich das „Wir-Gefühl“ stärken und Führungskraft und Mitarbeiter erleben sich auch einmal „privat“.
Verblüffen von Besuchern: Was empfindet ein wichtiger Besucher, wenn er am Kundenparkplatz ein Schild mit seinem Namen vorfindet? Dieser Eindruck bleibt lange haften.
Positiv „anders“ sein: (Potenzielle) Kunden sind auch nur Menschen und reagieren ebenfalls emotional auf verblüffende Überraschungen. Und genau hier kann man sich den entscheidenden Vorsprung zum Wettbewerb verschaffen. Das fängt schon beim individuell gestalteten Angebot an - dem man eine besondere „Garnierung“ mitgeben kann. Ein aufmerksamer Blick in das Büro des Kunden reicht meistens schon aus, um Hinweise auf sein Hobby oder seine Interessen zu bekommen. Oder: Wie lange erinnert sich ein Interessent an ein Angebot, das ihm per Fahrradkurier überbracht wurde?
Die Botschaft ist wichtig: Das Signal bzw. die Botschaft, die von einer verblüffenden „Tat“ ausgeht, ist: „Ich habe an Sie gedacht und mir etwas Besonderes für einen tollen Menschen einfallen lassen!“ Verblüffen fällt dann leicht, wenn man seine Mitmenschen gut kennt und auch etwas aus ihrem Privatbereich und über ihre Hobbys, Vorlieben und Interessen (aber auch Abneigungen) weiß. Bei dem einen ist es ein kleines Präsent, bei dem anderen ein Lob, bei dem nächsten ist es vielleicht die Ausstattung des Arbeitsplatzes (ein neuer Bürostuhl, ein schnellerer Computer, ein besserer Bildschirm, eine neue Schreibtischunterlage usw.).
Sachwerte bis 44 Euro: Arbeitgeber haben die Möglichkeit, ihren Mitarbeitern monatlich unbürokratisch und ohne jedes Risiko ein steuer- und sozialversicherungsfreies Extra in Höhe von 44 Euro zukommen zu lassen. Der Bundesfinanzhof (BFH) entschied in drei Urteilen, unter welchen Voraussetzungen Tank- und Geschenkgutscheine ein steuerbegünstigter Sachbezug sind:
Fall 1: Mitarbeiter erhielten anlässlich ihres Geburtstages von ihrem Arbeitgeber Geschenkgutscheine über 20 Euro, die sie bei einer Buchhandelskette einlösen konnten (Urteil vom 11.11.2010, Az. VI R 21/09).
Fall 2: Mitarbeiter durften mit vom Arbeitgeber ausgestellten und in einem bestimmten Monat einzulösenden Treibstoffgutscheinen bei einer Tankstelle ihrer Wahl 30 l Kraftstoff tanken. Die Mitarbeiter bezahlten aus eigener Tasche und erhielten später gegen Vorlage von Gutschein und Quittung die Kosten vom Arbeitgeber erstattet (Urteil vom 11.11.2010, Az. VI R 40/10).
Fall 3: Gegen Vorlage einer elektronischen Tankkarte des Arbeitgebers durften Mitarbeiter bei einer bestimmten Tankstelle monatlich tanken. Auf der Karte waren die Literzahl eines bestimmten Kraftstoffs sowie der Höchstbetrag von 44 Euro gespeichert. Der Betrag wurde vom Konto des Arbeitgebers abgebucht (Urteil vom 11.11.2010, Az. VI R 27/09).
Der Weg ist das Ziel
Wer seine Mitarbeiter gezielt verblüffen möchte, muss sich bereits im Vorfeld einige Gedanken machen, sich mit ihrem Verhalten auseinandersetzen und sie genau beobachten.
-Wer hat sich bei welcher Aktion sehr engagiert, hervorgetan oder Besonderes geleistet?
-Was könnte der Mitarbeiter am Arbeitsplatz gebrauchen, was ihm gefällt und gleichzeitig nützlich ist?
-Welche „Verblüffung“ passt zu welcher Gelegenheit? (Kein „Gießkannenprinzip“!)
Und dann: Beginnen Sie rasch mit der kreativen Umsetzung! Ihre Mitarbeiter werden es Ihnen durch Wertschätzung, Engagement und Loyalität danken.Wolfgang Zechmeister