Am 21. und 22. Juni 2013 trafen sich internationale Teilnehmer zum Textilpflegesymposium auf Einladung von CHT/BEZEMA in der Schweiz. In Fachvorträgen wurden aktuelle Produktlösungen vorgestellt und wichtige Themen wie Textil- und Händehygiene aufgegriffen.
Tagung mit Schweizer Bergblick
Inmitten der Schweizer Bergidylle im St. Galler Rheintal befindet sich der Firmensitz der BEZEMA AG. Die schöne Umgebung bildete den passenden Rahmen für das von CHT/BEZEMA veranstaltete Textilpflegesymposium Mitte Juni 2013. Aus dem verglasten Konferenzraum und von der Terrasse hat man einen tollen Blick auf das umliegende Panorama - beste Aussichten für die internationalen Teilnehmer der Veranstaltung.
Detlef Fischer, CEO der BEZEMA AG, begrüßte die Gäste herzlich und stellte das Unternehmen und sein Portfolio vor (siehe Kasten „Zum Unternehmen“). Fischer machte in einer unterhaltsamen Präsentation klar: „Unsere wichtigste Rohstoffquelle sind unsere Mitarbeiter.“ Prince Charles Stevens, Leiter des Geschäftsfelds Textilpflege bei CHT, schloss sich dem an und dankte seinem Team. Er startete das Symposium mit dem ersten Referat.
- Vortrag 1: Was differenziert CHT vom Wettbewerb? Auf diese Frage hatte Stevens viele Antworten parat. Neben den innovativen Produkten hob er dabei die Gesamtkompetenz der Unternehmensgruppe entlang der textilen Kette hervor. „Unser Know-how bei Farbstoffen für Textilien hilft uns auch bei der Entwicklung von Produkten für den Textilpflegebereich - denn wir wissen, wie welcher Farbstoff beim Waschen reagiert.“
CHT sei außerdem der einzige Anbieter eines 80-°C-Waschverfahrens. Ebenfalls hervorheben will sich das Unternehmen u.a. durch das Prozesssicherungsmanagement, bei dem gemeinsam mit dem Kunden regelmäßig Probleme durchgegangen und Lösungen gefunden werden.
- Vortrag 2: Mathias Österle, Leiter technischer Service im Bereich Textilpflege bei BEZEMA, referierte über Vor- und Nachteile beim Waschen mit 40, 60 und 80 °C. „Die Frage nach der richtigen Waschtemperatur kann ich nur indirekt beantworten“, machte der Referent klar - denn letztendlich müsse jeder Betrieb selbst entscheiden, welches Verfahren mit welcher Temperatur am besten geeignet ist. CHT biete alle Möglichkeiten. Was die energetische Seite anbelangt, so ist für diese laut Österle die Waschtemperatur sekundär. In Tests wurde herausgefunden, dass im Vergleich der Energieverbrauch pro Kilogramm Wäsche bei 40, 60 oder 80 °C keine großen Unterschiede aufweist. Voraussetzungen: Wärmerückgewinnungsanlagen und eine ordentliche Isolierung der Maschinen. Über das Smart-Protection-Verfahren bei 80 °C, das Österle im Detail beschrieb, berichtete RWTextilservice bereits ausführlich z.B. in der Ausgabe 1/2012.
- Vortrag 3: Ender Yigitdöl, Leiter technischer Service Textilpflege bei CHT, stellte einzelne Produktinnovationen vor.
Beisoft RGD ist ein Weichspüler, der durch eine Duftkomponente weiterentwickelt wurde. Der Duft soll thermostabil und damit auch nach dem Trocknen noch wahrnehmbar sein. Beiblanc RBV ist ein optischer Aufheller für Weißwäsche. Das Produkt enthält einen blau-violetten Farbstoff, der dem Textil einen hohen Weißgrad verleihen soll. Beiappret Liquid ist eine flüssige Wäschestärke zur Steifausrüstung. Durch Verwendung von Stärkepartikeln feiner Körnung sollen sämtliche Hohlräume in der Warenstruktur aufgefüllt werden. Beiclean Uni ist ein hochkonzentriertes Alleinwaschmittel. Die Produktkombination aus anionischen und nichtionogenen Tensiden, Komplexbildnern, optischen Aufhellern und Duftstoffen soll für optimale Waschergebnisse sorgen. Beisoft HWS ist ein hydrophiler Silikoncompound-Weichmacher. Gute Hautverträglichkeit und Umweltfreundlichkeit sollen das Produkt auszeichnen. Beiphob FR ist ein Produkt zur Ausrüstung von beispielsweise persönlicher Schutzausrüstung. Durch eine verkürzte Kohlenstoffkette sollen keine negativen Nebenprodukte bei der Herstellung des Rohstoffs für Beiphob FR entstehen. Beiclean HD 4080 ist ein Tensid, das laut CHT im niedrigen und hohen Temperaturbereich gleichermaßen eingesetzt werden kann. Es ist frei von Alkali sowie optischen Aufhellern. Das Produkt soll im Temperaturbereich von 40 bis 80 °C gleichbleibend gute Waschergebnisse zeigen, wie CHT in Praxistests erprobt hat.
- Vortrag 4: Harald Weisener, Senior Manager Betriebsghygiene bei Hartmann, präsentierte Produkte rund um die Hygiene in der Wäscherei. „90 Prozent aller Keime werden über die Hände übertragen“, machte der Referent klar. Hartmann bietet ein komplettes Händehygienesystem, das aufeinander abgestimmt ist. Dazu gehören neben Händedesinfektionsmittel auch Produkte zum Hautschutz, zur Hautpflege sowie Schutzhandschuhe. Weisener erläuterte: „Generell sollte man das Händewaschen reduzieren, denn Desinfizieren ist schonender.“ So sei das Waschen stark entfettend, im Desinfektionsmittel für die Hände aber beispielsweise eine Rückfettung enthalten. Aber auch für die Flächendesinfektion gibt es entsprechende Produkte von Hartmann. Denn selbst auf „nicht belebten“ Flächen können Keime und Erreger überleben - Noroviren beispielsweise bis zu sieben Tage, andere Keime bis zu 30 Monate.
Die Produkte von Hartmann gibt es z.B. bei der Zöllner GmbH. Jennifer Stevens von Zöllner stellte außerdem einige Spezialprodukte für Wäschereien vor. Der Lumitester ist ein handliches Gerät zur Messung des Hygienestatus. Er soll den Vor-Ort-Sofort-Nachweis von Mikroorganismen, Bakterien etc. ermöglichen und funktioniert mittels einer patentierten ATP- und AMP-Messung. Die Technologie basiert auf der Messung der ATP-Biolumineszenz mit Hilfe einer Enzymreaktion, die in der Natur entdeckt wurde: als Ursache für das Leuchten der Glühwürmchen. Die Lichtintensität wird dabei als relative Lichteinheiten (RLU = Relative Light Units) angegeben. Je weniger RLU, desto besser die Hygiene. Die Handhabung ist einfach: Mit einem angefeuchteten Wattetupfer nimmt man eine Wischprobe und steckt den Tupfer in das Teströhrchen. Nach kurzem Schütteln erscheint das Ergebnis. Die Messdauer beträgt nur zehn Sekunden. Bis zu 2.000 Einzelwerte soll das Gerät speichern können, die dann mittels USB-Kabel in eine Excel-Tabelle am PC übertragen werden können. Diese Dokumentationsmöglichkeit soll Wäschereien und deren Kunden eine erhöhte Hygienesicherheit bieten. Im Lebensmittelbereich ist die Methode laut Stevens bereits anerkannt. Die Hygieneexpertin präsentierte außerdem die Möglichkeiten der UV-C-Technik zur Entkeimung. Dies funktioniert anhand von Strahlung in keimtötender Wellenlänge. So kann die UV-C-Technik z.B. zur Luftentkeimung verwendet werden; dabei sind laut Stevens keine chemischen Mittel nötig. Auch eine Integration in Förderbänder, an Containerschleusen oder zur Entkeimung im Spül-/Recyclingwasser soll möglich sein.
- Vortrag 5: Dr. Manuel Heintz vom wfk - Cleaning Technology Institute in Krefeld referierte zu verschiedenen Hygienegütesiegeln. Dabei verglich er beispielsweise das RABC-System mit dem Gütezeichen RAL GZ 992. Er stellte außerdem das wfk-Siegel für Textilhygiene vor (siehe Kasten „Hygienemanagement“). Dies hat als Grundlage das RABC-System. Die Beurteilung der Textilaufbereitung erfolgt anhand bestimmter Kriterien, die in jährlichen Betriebsbegehungen geprüft werden. Parameter sind u.a. bauliche Gegebenheiten, organisatorische Rahmenbedingungen, etablierte Managementsysteme, Hygiene oder Verfahrenstechnik. Bei der Verfahrensprüfung werden z.B. die Keimreduktion und die Temperatur überprüft. Zusätzlich sind Eigenkontrollen zur Qualitätssicherung erforderlich. Optional gibt es zusätzlich zum Hygienesiegel auch ein Siegel für Textilschonung vom wfk.
- Vortrag 6: Andreas Langer von Kannegiesser präsentierte die neue Waschstraße „PowerTrans Plus“. Die „PowerTrans“ ist seit dem Jahr 2000 auf dem Markt und bekam mit einer Überarbeitung den Zusatz „Plus“. Optimiert wurde dabei z.B. die Wurfmechanik, die das Verschlingen und Verdrehen der Wäsche vermeiden soll. Das Verfahren „heben, werfen, stauchen“ sei zudem textilschonend. Durch gerade Trommelwände und einen idealen Transferwinkel soll ein sicherer Wäschetransport in die nächste Kammer auch ohne freie Flotte gewährleistet sein. Überladesicherheit und maximale Trommelnutzung sind laut Langer weitere Vorteile der Waschstraße. Optional gibt es sie jetzt auch mit Reinigungsdüsen an speziellen Stellen für mehr Hygiene in der Maschine.
- Vortrag 7: Szabolcs Sólyom von IRGtech aus Ungarn stellte ein Handlesegerät für RFID-Chips vor. Der „IRG Mobile Reader“ wurde u.a. für die Anwendung in Wäschereien entwickelt. Das Besondere ist laut Sólyom die große Reichweite von Leser und Chips. Die speziellen, passiven RFID-Chips sollen von mehreren Metern Entfernung gelesen werden können. Die Chips sind außerdem hitzeresistent und können in flexible Tags integriert werden.
Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit den Referenten wurden Fragen aus dem Plenum aufgegriffen und diskutiert. So ging es z.B. darum, ob das Hinzufügen von Wäscheduft sinnvoll und wirklich ein Wettbewerbsvorteil ist. Gerade Wäschereien mit Altenheimen als Kunden befürworten eine Duftkomponente und ein entsprechendes Produkt. Es wurde aber auch darauf hingewiesen, dass Düfte sehr subjektiv wahrgenommen werden.
Nach der Podiumsdiskussion endete der Vortragsteil des ersten Tages. Am Abend lud CHT/BEZEMA zum geselligen Festabend in die Berglihalle.
Thema Hautverträglichkeit
Der Samstag startete mit weiteren Vorträgen.
- Vortrag 8: Michael Daur, Vertriebsleiter Geschäftsbereich Textilpflege bei CHT, ging näher auf die Produkte der „Derma Line“ ein. Der Hintergrund: „Aufbauend auf die CHT/BEZEMA-Smart-Waschverfahren haben wir uns mit dem immer wiederkehrenden Problem der Hautirritationen beschäftigt“, erläuterte Daur. Denn: „Obwohl in Studien nachgewiesen wurde, dass die Waschmittel nicht die Ursache für Hautirritationen sind, wird der Fokus fast immer darauf gelegt.“ Ursachen wie Reibung, Klima oder Konfektion werden von den Kunden der Wäschereien selten akzeptiert. Produkte bzw. Waschverfahren, die im Speziellen auf diese Thematik geprüft und ausgewählt wurden, erhöhen das Vertrauen in die gewaschenen Textilien. Deshalb hat CHT die „Derma Line“ mit ausgesuchten Waschhilfsmitteln entwickelt, deren Hautverträglichkeit getestet wurde. Die Hautverträglichkeit wird durch ein spezielles Prüfverfahren bestätigt und erhält das Label „Hautsache körperverträglich“ des ITV Denkendorf (siehe Vortrag 9). Die Produkte der „Derma Line“ sind „Beiclean NFG“ (nichtionogenes Waschmittel), „Beiplex BCA“(biologisch abbaubarer Dispergator), „Beipen MAS“ (natürliche Seife), „Beisoft BT-N“ (Weichspüler als „non irritant“ eingestuft) und „Beipur ANP“ (Alkali auf natürlicher Basis (NaOH)).
- Vortrag 9: Prof. Dr. Michael Doser vom ITV Denkendorf beschäftigte sich in seinem Referat ebenfalls mit Hautverträglichkeit. Er ist u.a. Mitglied des Vorstands der Fördergemeinschaft körperverträgliche Textilien. Diese Gemeinschaft von Partnern aus der Textil- und Bekleidungsindustrie, die sich für die Herstellung und Kennzeichnung körperverträglicher Textilien engagieren, bietet auch Körperverträglichkeitstests und Schadstoffprüfungen an. Mehr Informationen gibt es unter www.koerpervertraegliche-textilien.de.
- Vortrag 10: Drazen Skrtic, Außendienstmitarbeiter im Geschäftsbereich Textilpflege bei CHT, klärte über Neutralisierung und Ausrüstung auf. Er machte klar: „Die Neutralisation ist ein wichtiger Prozessschritt, denn sie übt einen direkten Einfluss auf Prozesseigenschaften, Gebrauchseigenschaften und Trageeigenschaften aus.“ Das Anforderungsprofil für ein Neutralisierungsprodukt ist entsprechend umfangreich: Es soll die Laufeigenschaften auf der Mangel positiv beeinflussen, das Vergilbungsrisiko minimieren, Weißgradverluste vermeiden, das Risiko für Hautreizungen minimieren, Verfahrenssicherheit gewährleisten und ökologisch sein. Das CHT-Produkt „Beiacid WSG“ hat nach Angaben von Skrtic all diese Eigenschaften. Zur Ausrüstung der Wäsche stellte der Referent „Beisoft RGH“ vor: Neben einem weichen Warengriff verspricht das Produkt verkürzte Trocknungszeiten und damit reduzierte Energiekosten beim Trocknen. Eine verbesserte Knittererholung und gute hydrophile Eigenschaften sollen das Handling der ausgerüsteten Ware optimieren. Auch hier spielt die Hautverträglichkeit eine Rolle: Durch die Geschmeidigkeit der Ware entsteht weniger Reibung und damit weniger Hautreizungen.
Nach den Vorträgen standen ein gemeinsames Mittagessen, ein Ausflug in die Umgebung sowie ein gemütliches Abendessen auf dem Programm. So kam auch der Austausch unter Kollegen und Fachspezialisten nicht zu kurz. Elena Schönhaar