Wertorientierte Mitarbeiterführung Werte - das A & O in der Führung

Der Begriff „Führung“ wird meistens assoziiert mit Hierarchie, Macht und Befugnissen. Führungskräfte brauchen deshalb Werte, durch die ihr Handeln geleitet wird. Das ist für viele zuweilen eine Herausforderung - gerade in einer Welt, die sich immer schneller und oft nur um Wachstum und Profit dreht.

Eine Führungskraft muss die Balance finden und mit vielen Aufgaben gleichzeitig jonglieren können. Feste Werte helfen dabei.Foto: Rob hyrons - Fotolia.com - © Rob hyrons - Fotolia.com

Werte - das A & O in der Führung

Ohne Werte geht es nicht, denn sie sorgen im täglichen Miteinander für Regeln, Gebote und Verbote. Werte fördern darüber hinaus das Grundverständnis für eine „humane“ Zusammenarbeit und ein gutes Betriebsklima. Sie haben und nehmen direkten Einfluss auf die Einstellung, das Verhalten sowie die Motivation und fördern die Beziehung zueinander. Es gilt: Wo ein loyal gelebtes, echtes Miteinander herrscht, hat aktives Mobbing keinen Platz!

- „Differenziertes Handeln“: Werteorientierte Mitarbeiterführung hat viel mit der Gabe zu tun, differenziert handeln zu können. Das heißt, Menschen nicht über einen Kamm zu scheren, einer spezifischen Situation gerecht zu werden und ganzheitlich mit Herz, Bauch und Verstand vorzugehen. Dies ist allerdings nur möglich, wenn man sich selbst kennt und sich seiner Werte bewusst und treu ist.

Wer ein Unternehmen oder eine Abteilung leitet, steht täglich vor dem Balanceakt, das Zusammenspiel aller Mitarbeiter zu koordinieren und erfolgreich zu leiten. Dieses Gleichgewicht kann nur halten, wer sich nicht in Einzelheiten verstrickt, den Dialog mit seinen Mitarbeitern und Kollegen führt und diesen Vertrauen entgegenbringt. Dafür bedarf es einer wachen Wahrnehmungsgabe: Welche Fähigkeit besitzt der Mitarbeiter? Was macht seinen Charakter aus? Wie kann er den besten Beitrag zum Gesamtergebnis liefern? Wertorientierte Führungspersönlichkeiten entdecken in jedem Menschen besondere Talente und Qualitäten und können sich ergänzende Talente in einem Team erfolgreich zusammenführen und Konflikte produktiv managen.

- „Gleichgepolte finden“: Schon im Bewerbungsgespräch stellen sich Werte oft als das Tüpfelchen auf dem „i“ heraus und geben den Beteiligten wichtige Signale, was von ihnen erwartet wird bzw. was sie in der Zusammenarbeit erwarten dürfen. Deshalb heißt es schon im ersten Gespräch, die „richtigen“ Fragen zu stellen und Augen und Ohren offenzuhalten.

- „Zu Fehlern stehen“: Führen heißt auch, sich offen und ehrlich mit dem Gegenüber auseinanderzusetzen. Die Führungskraft sollte im Gespräch konkret werden, sich festlegen können sowie greifbar - und damit auch angreifbar - werden. Denn zu handeln bedeutet immer auch, die Gefahr einzugehen, Fehler zu machen. Wer nie etwas falschmacht, der geht auch keine neuen Herausforderungen ein. Die Führungskraft sollte sich deshalb immer wieder die Frage stellen, wie sie mit Fehlern umzugehen hat - sowohl mit den eigenen als auch mit den Fehlern der anderen.

- „Verantwortung übernehmen“: Die Bereitschaft, aktiv Verantwortung zu übernehmen, ist eine wesentliche Wertehaltung einer Führungskraft. Das gilt nicht nur in Zeiten, in denen Erfolge gefeiert werden, sondern vor allem dann, wenn Fehlentscheidungen getroffen wurden und dafür die Konsequenzen zu tragen sind. Wer versucht, Fehler zu vertuschen, zu beschönigen oder einem anderen unterzuschieben, hat nicht verstanden, dass Missgeschicke auch eine Lernchance bedeuten. Das Eingestehen eines Fehlers zeigt nicht die Schwäche einer Führungskraft, sondern deren Authentizität, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit - und dadurch wird sie zum prägenden Vorbild für ihre Mitarbeiter.

- „Harmonie nicht um jeden Preis“: Wer es jedem recht machen will, ist nicht „Everybody’s Darling“, sondern früher oder später „Everybody’s Depp“. Solche Führungskräfte sind ohne Konturen und wenig berechenbar für ihr Umfeld. Ihnen fehlt es an Verlässlichkeit und Geradlinigkeit. Doch gerade diese Aspekte suchen die Mitarbeiter. Offene oder verdeckte Konflikte und Disharmonie sind Indikatoren, dass etwas im Team nicht stimmt und dringend eine Veränderung nötig ist. Deshalb lässt eine gute Führungskraft Konflikte nicht nur zu, sondern fördert diese sogar gezielt und konstruktiv. Auf diese Weise kann nämlich eine produktive Bewegung in Gang gesetzt werden, mit der sich die Abteilung bzw. das gesamte Unternehmen in positivem Sinne entwickelt.

- „Rückgrat statt Unterwürfigkeit“: Wer nicht zeigen möchte, dass er nicht zu seinen Werten und seinen Entscheidungen steht und unangenehme Entscheidungen auf andere schiebt, entmachtet sich als Führungskraft vor den Augen der Mitarbeiter. Diese brauchen aber einen Vorgesetzten, den sie sehen, hören, erleben und mit dem sie sich im besten Fall identifizieren können. Eine Führungskraft, die nach oben buckelt und nach unten tritt, gerät früher oder später mit sich und anderen in Konflikt, weil die Ehrlichkeit fehlt.

- „Vertrauen haben“: Gute Führung gibt dem einzelnen Mitarbeiter die Möglichkeit, sich mit Engagement und Motivation und allen seinen Fähigkeiten einzubringen. Wer dieses Grundvertrauen in seine Mitarbeiter hat, beflügelt sie zu (Höchst-)Leistungen. Misstrauische Führungskräfte legen das Engagement und die Loyalität ihrer Mitarbeiter irgendwann lahm. Und aus dieser Lähmung finden die Mitarbeiter meist nur zurück, wenn eine neue Führungskraft kommt, die die Erwartungen der Mitarbeiter erfüllt und ihnen Offenheit und Wertschätzung entgegenbringt. Die Weisheit „Das Vertrauen eines Mitarbeiters zu gewinnen, dauert Jahre - es zu zerstören, nur wenige Sekunden!“ hat mehr denn je ihre Gültigkeit. Auf diese Weise geht Zeit des Unternehmens verloren und das nützt nur einem: Dem Konkurrenten, der sich dadurch einen wertvollen Vorsprung erarbeiten kann.

Wolfgang Zechmeister