EFITJahrestagung in Bönnigheim „Von Qualität getragen“

Am 8. Juni 2013 trafen sich die Mitglieder, Förderer und Unterstützer der Europäischen Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege (EFIT) zur Jahrestagung in Bönnigheim. Unter dem Motto „Von Qualität getragen“ wurde konstruktiv zu Themen von Hygiene bis Pflegekennzeichnung diskutiert.

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    Die Teilnehmer der diesjährigen Jahrestagung der EFIT in Bönnigheim erfuhren Praktisches und Inspirierendes. Fotos: Schönhaar
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    EFIT-Vorsitzender Friedrich Eberhard (li.) mit Referent Johnson Eliezer-Jensen, der Pfarrer und Modeunternehmer ist.
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    Die Referenten der Tagung mit EFIT-Geschäftsführer Dr. Volker Schmid (v.li.): Dr. Alexander Rohde, Ulrike Luckmann, Birgit Jussen und Dr. Jörg Schlatterer.

„Von Qualität getragen“

Strahlender Sonnenschein begrüßte die Teilnehmer der EFIT-Jahrestagung auf Schloss Hohenstein. Friedrich Eberhard, erster Vorsitzender, ließ es sich nicht nehmen, trotz angeschlagener Stimme alle Anwesenden willkommen zu heißen und einen kurzen Abriss über aktuelle Themen der Textilreinigungsbranche und der EFIT zu geben. Er betonte, dass die Textilreiniger stolz auf die hohe Branchenkompetenz sein können und wie wichtig ein Kollegentreff wie die Jahrestagung sei. Als Verbandsmitglied habe man die Wahl: „Wie beim Fußball kann man als Zuschauer dabei sein - was auch toll ist - oder eben auf dem Spielfeld.“

Die EFIT beweist sich eindeutig als aktiver Feldspieler, wie der Tätigkeitsbericht von Geschäftsführer Dr. Volker Schmid zeigte. Obwohl die EFIT-Mitglieder insgesamt weniger werden (Stand vom 31.12.2012: 276 Mitglieder), konnte man auch einige dazugewinnen. Eine gute Finanzlage machte die Bildung von Rücklagen möglich und damit die Umsetzung wichtiger Projekte. Aktuelle Projekte sind z.B. die Anzeigenoffensive, die neue Website (www.efit-textilpflege.de) und das Lösungsmittelprojekt.

Neu geordnete Seminaraktivitäten

Die Seminaraktivitäten der EFIT werden laut Schmid neu geordnet und zu einem langfristigen Konzept entwickelt. Es soll zum einen individuelle Schulungsmöglichkeiten an Ort und Stelle in den Betrieben geben und zum anderen ein Programm an ein oder zwei zentralen Seminarstandorten, das die EFIT mindestens ein Jahr im Voraus bekannt geben will. Zu allen Schulungen soll man sich außerdem online anmelden können.

Als Generallinie aller EFIT-Aktivitäten sieht Schmid ganz klar die Qualität, durch die sich die Mitgliedsbetriebe auch in der Öffentlichkeit und bei Partnern aus der Bekleidungsindustrie noch stärker hervorheben wollen.

Um „Qualität“ ging es auch im Vortrag von Pfarrer und Modeunternehmer Johnson Eliezer-Jensen. Der Schweizer indischer Abstammung machte dabei klar, dass es im Leben und auch bei erfolgreicher Unternehmensführung nicht nur um Vernunft, Technologie und Wissen geht. Der „vernünftige“, aufgeklärte Mensch sieht sich zweidimensional, bestehend aus Körper und Geist. „Doch ist das wirklich alles?“, gab Eliezer-Jensen zu bedenken. Er berichtete von Traugesprächen, die er als Pfarrer geführt hat. Auf die Frage, warum die Paare den Bund der Ehe eingehen wollten, antworteten alle ähnlich - und zwar weder mit der Begründung „Wir fühlen uns so sehr körperlich zueinander hingezogen“ noch mit der Aussage „da fliegen geistig die Funken“. „Da ist eine Seelenverwandtschaft“, antworteten die meisten laut Eliezer-Jensen. Und bei der „Seele“ schwinge Transzendenz mit, sie ist weder Körper noch Geist.

Der Referent sagte: „Wir leben nicht ewig. Und darum ist entscheidend, herauszufinden, was man macht mit der Lebenszeit, die man hat.“ Für ein qualitativ gutes Leben benötige man neben Wissen und Moral vor allem Weisheit, also die Fähigkeit, zu verstehen, wie sich die Dinge der Welt wirklich verhalten. „Denn das ist in keinem Buch nachzulesen“, meinte Eliezer-Jensen.

Sehr wohl nachzulesen, aber dennoch diskussionsbedürftig, ist das Thema von Dr. Alexander Rohde von BÜFA. Er referierte zur Hygiene bei der Reinigung mit organischen Lösungsmitteln. Anhand „urbaner Legenden“ aus der Textilreinigung zeigte Rohde die aktuellen Gegebenheiten auf, die er mit eigenen Tests oder Testergebnissen von Forschungsinstituten belegte. Wie sieht es beispielsweise mit der Behauptung aus, die Keimreduktion durch den Kontakt der Ware mit dem Lösungsmittel sei ausreichend? Wie Untersuchungen des wfk - Cleaning Technology Institute zeigen, gibt es bei bloßem Kontakt keine Keimreduktion. Verwendet man zusätzlich Reinigungsverstärker, gebe es erst ab einer unrealistisch hohen Konzentration gewisse Effekte.

Kreuzkontamination im Reinigungsprozess

Zum Thema Kreuzkontamination während des Reinigungsprozesses führte Rohde selbst Tests mit sterilen Tüchern und der Reinigung in Per durch. Das Ergebnis: Es ist nicht auszuschließen, dass eine Übertragung von Keimen oder Erregern durch den Reinigungsprozess von einem Textil auf andere stattfindet.

Ebenfalls eine „urbane Legende“ ist laut Rohde, dass es nicht möglich ist, die keimreduzierende Wirkung des Lösungsmittels zu bestimmen. Bisher war die Annahme, dass es keine geeigneten Biomonitore zur Überprüfung dieser keimreduzierenden Wirkung gibt. Hierzu stellte der Referent eine mögliche Lösung vor. Der „Descontroller“ von Meducomp soll auch im Lösungsmittel funktionieren (mehr zum Produkt siehe RWTextilservice Ausgabe 3/2013 im Artikel „So wird Reinheit geprüft“). Der Keimindikator besteht aus mehreren Baumwollläppchen, die mit Keimen unterschiedlicher Konzentration versehen und von einer speziellen Membran umschlossen sind. Die Membran ist durchlässig für desinfizierende Bestandteile und Hitze. Rohde hat in Zusammenarbeit mit Meducomp bereits erfolgreich Versuche im Lösungsmittel durchgeführt. Auch die Forscher des wfk in Krefeld arbeiten zusammen mit BÜFA an einem einfachen, selbst durchführbaren Test, der mittels Enzymen auf Baumwollläppchen funktionieren soll. Bisher gibt es hier allerdings keine Praxisergebnisse.

Rohde betonte abschließend: „Man muss sich der Hygieneproblematik bewusst sein, aber bei Ware von privaten Endverbrauchern haben wir in der Regel eine sehr geringe Keimbelastung, die nicht bedenklich ist.“ Vorsicht geboten ist bei potenziell stärker belasteten Textilien, sprich mit Ausscheidungen von Mensch oder Tier bzw. mit Blut verunreinigten Textilien. Diese sollten nicht im organischen Lösungsmittel gereinigt werden oder ausschließlich mit einem geprüften Verfahren.

Auch die EFIT ist am Hygienethema dran. Seit rund einem Jahr bietet der Verband das „FasionCare-Hygienekonzept“. Dies soll nun mit den neuen Erkenntnissen überarbeitet und an das RABC-System (Risk Analysis and Biocontamination Control) angelehnt werden.

Rund um Textil- und Pflegekennzeichnung

Als „Hohensteiner“ hatte Referent Dr. Jörg Schlatterer ein echtes Heimspiel bei der EFIT-Jahrestagung. Er erläuterte die Grundlagen der Textilkennzeichnung. Diese ist gesetzlich vorgeschrieben; die Richtlinien sind in der Textilkennzeichnungsverordnung auf europäischer Ebene definiert. Generell muss der Endverbraucher beim Kauf textiler Produkte infomiert werden, aus welchen Rohstoffen das Teil besteht. Ausnahmen von der Regel gibt es zahlreiche. So unterliegen beispielsweise folgende Textilprodukte nicht der Kennzeichnungspflicht: Teewärmer, Nadelkissen, Taschen und Rucksäcke, Hüllen für Mobiltelefone, Pferdedecken oder Krawatten für Kinder.

Auch bei Textilien mit verschiedenartigen Teilen (z.B. Jacke mit Futter, Außenstoff) gibt es bestimmte Regelungen: So muss nicht in der Textilkennzeichnung angegeben werden, was unter 30 Prozent des Gesamterzeugnisses ausmacht. Der Referent zeigte abschließend einige der häufigen Fälle von falscher Kennzeichnung und wie es richtig gehen würde.

Freiwillige Pflegekennzeichnung

Birgit Jussen, Mitarbeiterin der EFIT, hatte ähnliche Fälle zum Thema „Pflegekennzeichnung“ mitgebracht. Im Gegensatz zur Textilkennzeichnung ist die die Angabe von Pflegekennzeichen in Deutschland freiwillig. Trotzdem kann man bei der Pflegekennzeichnung viel falsch machen. So gibt es beispielsweise nur fünf Grundsymbole (waschen, bleichen, trocknen, bügeln und professionell reinigen), die immer in dieser Reihenfolge stehen müssen. Zudem sind die Symbole markenrechtlich geschützt. Die Rechte liegen bei der Ginetex, als Grundlage dient die Norm DIN EN ISO3758:2012.

Vielfach werden nicht normgerechte Symbole genutzt. Für alternative Lösungsmittel (außer Per und KWL) gibt es aktuell keine Kennzeichnung. Nicht zuletzt deshalb ist das aktuelle Lösungsmittelprojekt der EFIT initiiert worden (RWTextilservice berichtet regelmäßig über den Fortschritt des Projekts).

Als Abschluss zeigte Ulrike Luckmann von Luckmann PR in ihrem Vortrag, warum sich Textilreiniger mit funktioneller Sportbekleidung beschäftigen sollten. „Für Verbraucher ist es ein tolles Zusatzangebot, wenn Sie speziell die Aufbereitung von Sportmode anbieten“, sagte Luckmann, die Modedesign studiert hat und seit 20 Jahren als Journalistin schwerpunktmäßig über Sport- und Funktionstextilien schreibt.

Doch wer dies in seinem Portfolio hat, sollte sich auch damit auskennen. Richtige Reinigung und Pflege sind entscheidend für die anhaltende Funktionalität der Bekleidung - und die ist gerade im Sport enorm wichtig. Egal ob eine Membranjacke, eine Daunenweste oder ein Funktionsjersey: Falsch gewaschen, gereinigt oder imprägniert können die Textilien ihre Aufgabe nicht mehr übernehmen. Sie sollen den Körper unterstützen, vor Witterung schützen, dabei Tragekomfort und Bewegungsfreiheit bieten und natürlich gut aussehen.

Innovative Textiltechnologien

Eine der wichtigsten Funktionen von Sportbekleidung ist laut Luckmann die Unterstützung des Temperaturmanagements. Da der Körper zur Wärmeregulierung schwitzt, muss dieser Wasserdampf von der Haut weg nach außen gelangen. „Baumwolle ist hier ungeeignet, weil sie viel Wasser aufsaugen kann“, erläuterte die Expertin. Verschiedene andere Fasern, Gewebe und Membranen eignen sich besser. Und es werden auch immer wieder innovative Technologien im Sportmodebereich entwickelt, die mehr können als Feuchtigkeit transportieren: ob antibakterielle Ausrüstung, schmutz- und wasserabweisende Textilien, recycelte Fasern oder thermoregulierende Phase-Change-Materialien. Textilreiniger sollten sich hierzu regelmäßig informieren, um Bescheid zu wissen, wenn Kunden entsprechende Ware in den Laden bringen. Wer mehr über Sport- und Funktionstextilien wissen möchte, kann sich im Onlinelexikon informieren, das Luckmann entwickelt hat (www.touchbuch.com). Elena Schönhaar