EFIT-Bügelseminar Der Trick mit der Bügelsohle

Knapp 15 Teilnehmer trafen sich im Februar 2013 in Landsberg am Lech bei Veit, um beim EFIT-Bügelseminar ihr Wissen zu vertiefen. Sie lernten, welche Parameter beim Bügeln von Bedeutung sind und wie man mit deren Hilfe ein optimales Bügelergebnis erzielt.

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    Selbst derartige Bügelabdrücke auf empfindlichen Materialien lassen sich mit geeigneter Technik wieder entfernen.
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    Auch Tipps zum hängend Bügeln hatte Referent Ulf Gehlhaus für die Seminarteilnehmer.
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    Birgit Jussen inspizierte mit Referent Ulf Gehlhaus den Aufbau des Bezugssystems. Fotos: Schönhaar

Der Trick mit der Bügelsohle

Was hat Bügeln mit Jonglieren zu tun? Referent Ulf Gehlhaus zeigte es den Teilnehmern des EFIT-Bügelseminars in Landsberg am Lech. Erste Lektion: Auf das Handling der Ware und die entsprechenden Bügelmethoden kommt es an. Und:Nur vom Zusehen ist das Erlernen des Handwerks ungleich schwerer. Dementsprechend wechselten sich beim Seminar Theorie und Praxis ab.

Birgit Jussen, Dipl.-Ing. Bekleidungstechnik und freie Mitarbeiterin der EFIT, begrüßte die Teilnehmer und betonte dabei, dass der offene Austausch innerhalb der Veranstaltung gewünscht ist: „Stellen Sie jederzeit gerne Fragen.“ Nach einer Abfrage der gewünschten Seminarthemen und einer Vorstellungsrunde ging es gleich in die Materie.

Die Grundlagen erläuterte Gehlhaus anhand der vier Bügelparameter und der sieben Einflussfaktoren auf das Bügelergebnis (siehe Kasten „Darauf kommt es an“). Die optimale Abstimmung der Bügelparameter auf das Bügelgut ist das „A und O“.

Die drei grundlegenden Phasen des Bügelns bestehen aus dem Weichmachen des Textils (durch Feuchtigkeit und Temperatur), dem Formen (durch Druck) und dem Stabilisieren (Feuchtigkeit und Temperatur müssen raus aus Bekleidung). Mit letzterem Schritt wird das Arbeitsergebnis erst dauerhaft fixiert. Am professionellen Bügeltisch lassen sich das Erweichen und Stabilisieren der Textilien mittels verschiedener Methoden erreichen. Gehlhaus teilt die Bearbeitung mit dem Handbügeleisen in acht Bügelmethoden ein (siehe Kasten „Die acht Bügelmethoden“). Das hat seinen Grund: Wichtig ist laut Referent nämlich, z.B. bei Problemfällen unter Kollegen über die angewandten Methoden reden zu können. „Vorsichtig bügeln“ ist als Aussage nicht konkret genug. In Verbindung mit der Abstimmung der Bügelparameter auf das jeweilige Bügelgut lassen sich somit exakte Einstellungen und Bearbeitungsmethoden entwickeln und vermitteln. Die Bügelmethoden konnten die Teilnehmer gleich in der Praxis umsetzen.

Richtig „Dampf geben“

Für den praktischen Teil ging es in die Praxis- und Ausstellungsräume von Veit, wo neben moderner Bügeltechnik auch historische Handbügeltechnik zum Anfassen steht. Auch hier zeigte sich: Bügeln ist ein komplexer Prozess. Man braucht Hände, Füße, Köpfchen - und alles in der korrekten Reihenfolge. Sobald man richtig am Bügeltisch steht, heißt es „Dampf geben“. Gehlhaus empfiehlt: Bevor man das Eisen auf das Bügelgut setzt, erst einmal Stauhitze entfernen, also immer einmal kurz Dampf geben und die Stauhitze auf dem Bügelbezug abstreifen - sonst können Glanzstellen auf dem Textil entstehen. Außerdem ein praktischer Tipp des Referenten: Man sollte beim Bügeln kontinuierlich auf dem Dampfknopf bleiben und nicht immer wieder in kurzen Abständen betätigen. Sonst kann das Bügeleisen keine Temperatur aufbauen.

Temperatur ist ein wichtiges Stichwort beim Bügeln. Denn während Naturfasern wie Baumwolle oder Leinen viel Feuchtigkeit aufnehmen und mit hohen Temperaturen zu bearbeiten sind, ist das Feuchtigkeitsaufnahmevermögen bei Synthetikfasern eingeschränkt bzw. gering. Einige weitere Faserarten können schon bei geringer Hitze Schaden nehmen. Die Kontakttemperatur und Feuchte sind somit auf das jeweilige Bügelgut einzustellen.

Einfluss auf die Temperatur hat aber auch die Bügelsohle. Dabei zeigte Gehlhaus den Seminarteilnehmern drei Varianten: Edelstahl-, Teflon- oder in Ausnahmefällen ohne zusätzliche Bügelsohle. Beim Bügeln ohne Sohle wirkt die Dampfmenge ungebremst auf das Bügelgut. Bei empfindlicher Warenoberfläche führt dies zu Schäden bis hin zur Zerstörung des Textils. Beim Bügeln mit Sohle bilden Bügeleisen und Sohle eine Art Kammersystem. Innerhalb dieser Kammer werden Wärme und Dampf gleichmäßig verteilt. Die Teflonsohle reduziert die Kontakttemperatur zum Bügelgut und eignet sich somit zur Bearbeitung glanzempfindlicher Materialien. Die Edelstahlsohle überträgt nahezu die eingestellte Temperatur auf das Bügelgut. Mit Hilfe verschiedener Sohleneinlagen lässt sich zusätzlich die Dampfqualität regulieren. „Eine Tef-

lonsohle sorgt für trockenen Dampf, eine Edelstahlsohle mit Hilfe einer Einlage erzeugt erhöhte Dampffeuchte“, erläuterte der Referent. Grundsätzlich sollte laut Gehlhaus mit möglichst geringer Dampfmenge gearbeitet werden.

Bügelbezug weich oder hart?

Und dann wäre da noch das Bezugssystem des Bügelplatzes als Einflussfaktor auf das Bügelergebnis. Beim Thema Bügelbezüge ist wichtig, dass deren Zustand einwandfrei ist. Mit verschmutzten oder falsch aufgebauten Bezügen lässt sich kein gutes Bügelergebnis erzielen.

Ebenfalls eine Rolle spielt es, ob der Bezugsaufbau hart oder weich ist. Gehlhausen sagte: „Für Bügelarbeiten von der linken Warenseite eignet sich ein hartes Bezugsystem, für die rechte Warenseite ein möglichst weiches.“ So hat man den Abdruck von z.B. Nähten nicht auf der Ware, sondern auf dem Bezug, wie der Referent veranschaulichte. Um von hart auf weich zu wechseln, muss man nicht unbedingt den kompletten Bezug wechseln; es reichen auch Muster geeigneter Materialien zum Auflegen.sel