Interview mit Dr. Volker Schmid Verband als „Bürokratieentsorger“

Auf dem DTV-Verbandstag in Straßburg wurde Dr. Volker Schmid als DTV-Geschäftsführer verabschiedet. Der Textilpflegebranche bleibt er aber erhalten. RWTextilservice hat mit Dr. Schmid über die Zukunft der Branche, des Verbands, aber auch über seine eigene gesprochen.

Dr. Volker Schmid wird der Branche weiterhin erhalten bleiben, auch wenn er nicht mehr als DTV-Geschäftsführer tätig ist.Foto: RWT

Verband als „Bürokratieentsorger“

Schmeicheleien mag er nicht. Und so war Dr. Volker Schmid begeistert von dem Grußwort, das der ehemalige DTV-Präsident Friedrich Habermeyer in Straßburg ausrichten ließ. „Nicht zu schlimm lobhudelnd“, fand Schmid die Worte, die nach seiner Meinung einen „schönen Schlusspunkt“ unter seine Tätigkeit gesetzt haben - kleine Anspielungen und Sticheleien inklusive. Mehr als sieben Jahre leitete Schmid die Geschäfte des DTV. Mit dem Jahresende 2012 endete auch die Tätigkeit von Schmid als DTV-Geschäftsführer. Ein Abschied ist es für ihn nicht. Er wird weiterhin für die Branche tätig sein und dem DTV sowie dessen Präsidium beratend zur Seite stehen.

RWTextilservice: Herr Dr. Schmid, haben Sie so etwas wie Abschiedsgefühle, weil Sie als DTV-Geschäftsführer ausscheiden?

Dr. Volker Schmid: Nein, denn ich bleibe ja Geschäftsführer des Baden-Württembergischen Fachverbands Textilpflege FATEX und Geschäftsführer der Europäischen Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege (EFIT). Und ich höre zwar als DTV-Hauptgeschäftsführer auf, aber die Projekte, die angeleiert sind, möchte ich zum Abschluss bringen.

RWTextilservice: Sie kennen ja auch andere Branchen aus Ihrer Tätigkeit für Verbände - was ist für Sie das Besondere an der Textilpflegebranche?

Dr. Volker Schmid: Es gibt besonders viele aufgeschlossene, positive und engagierte Menschen. Wenn man z.B. an das FATEX-Seminar in Baden-Baden denkt: Wie die Leute hier mitgehen, das kenne ich sonst von keiner Veranstaltung. Die Textilpflege ist auch eine sehr innovative Branche. Wenn Sie zurückschauen, sind im Wäschereibereich die Preise über zig Jahre gefallen. In gleichem Maße ist die Technologie immer ausgefuchster geworden.

RWTextilservice: Würde Ihnen etwas fehlen, wenn Sie die Branche komplett verlassen würden?

Dr. Volker Schmid: Auf jeden Fall. Die Geschäftsführung des Landesverbands Textilpflege Baden-Württemberg habe ich 1974 übernommen, kenne viele in der Branche also über zig Jahre hinweg. Nicht selten sind Verbindungen entstanden, die man als Freundschaft bezeichnen kann. Das erlebt man nicht in jedem Beruf.

RWTextilservice: Wie geht es denn an Ihrer Position beim DTV weiter? Einen Nachfolger gibt es noch nicht?

Dr. Volker Schmid: Es ist angedacht, dass der DTV eine Lobbyspitze beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) etablieren darf. Wenn dieser Plan realisiert wird, suchen wir nicht nur schnellstmöglich einen Geschäftsführer in Berlin, der in den Räumen des ZDH arbeitet; es soll interimsweise verstärkt eine Beratungsleistung vom ZDH erfolgen - und das bereits ab Januar 2013.

RWTextilservice: Wo sehen Sie Zukunftsthemen für die Branche?

Dr. Volker Schmid: Zum einen glaube ich, dass wir Chancen haben, den Qualitätsreiniger als unersetzlichen Partner für die Bekleidungsindustrie zu etablieren. Insgesamt ist die Dienstleistung Wäscherei stabil in einer wachsenden Wirtschaft in Deutschland verankert - da geht nichts schief. Es gibt aber ein nicht ganz kleines Problem. Das besteht darin, dass es dem Kundenbereich Gesundheitswesen nicht gut geht, er finanziell schlecht ausgestattet ist und dass diese Kunden nicht vorsteuerabzugsberechtigt sind. So wird der Bereich Gesundheitswesen, wenn sich da nicht strukturell etwas verändert, in den nächsten fünf bis zehn Jahren noch mehr unter Druck geraten als jetzt schon. Helfen könnte eine Strukturreform im Gesundheitswesen.

Im Bereich Altenpflege werden die Kunden immer größer und die Branche ist mit Konzernfirmen und schlagkräftigen Unternehmensverbünden den Kunden gefolgt. Deshalb denke ich, dass die isolierte Wäscherei, die ganz alleine arbeitet, in der Zukunft wohl kaum mehr anzutreffen sein wird.

RWTextilservice: Wie sehen Sie die Zukunft für den DTV?

Dr. Volker Schmid: Ich bin stolz darauf, dass die Perspektive des DTVbesser ist denn je. Die Welt wird immer komplizierter; es gibt immer mehr Vorschriften, Bürokratie. Da macht es überhaupt keinen Sinn, dass diese Kompliziertheit von jedem isoliert durchstiegen wird. Der Job eines serviceorientierten Verbandes ist es, die Mitglieder nicht nur über Schwierigkeiten zu informieren, sondern ihnen diese abzunehmen. Zum Beispiel wurde beim DTV der Arbeitsschutz in die Verbandszertifizierung integriert. Nicht jedes Unternehmen muss sich hier die Mühe machen, das komplexe Themengebiet selbst zu verstehen. Ziel eines Verbands muss es bleiben, ein Bürokratieentsorger für Unternehmen zu sein.

RWTextilservice: Und ganz persönlich, wie geht es mit Ihnen weiter?

Dr. Volker Schmid: Ich versuche, ein bisschen kürzerzutreten. Und ich will mehr Zeit haben, meine körperliche Fitness zu genießen.

RWTextilservice: Herr Dr. Schmid, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft. Elena Schönhaar