Finanzverbindungen regeln Struktur im „Bankenordner“

Durch die höhere Eigenkapitalausstattung der Bankinstitute (Basel III) stehen auch für unternehmerische Kreditnehmer Veränderungen an. Denn die finanzielle Mehrbelastung für die Banken könnte an die Kunden weitergeleitet werden. Betriebe sollten daher ihre Finanzlage überwachen und kontrollieren.

Auf Betriebe mit Krediten kann mit der neuen Regelung durch Basel III eine finanzielle Mehrbelastung zukommen. Daher sollten Unternehmen ihre „Bankenordner“ durchsehen und nach Konditionen über-prüfen. Foto: DOC RABE Media, Fotolia.com - © xxx

Struktur im „Bankenordner“

Das Jahr 2013 wird für mittelständische Betriebe im
Zeichen der neuen Eigenkapitalanforderungen der Kreditinstitute
(Basel III) und deren Auswirkungen auf die Finanzierungen stehen. Zusätzlich gibt es Geschäftsfelder im Umgang mit Hausbanken, bei denen eine Neuordnung dringend erforderlich ist. Zu einer solchen Neuordnung gehört zunächst einmal eine aktuelle Übersicht bezüglich der bestehenden Bankverbindungen, die grundsätzlich mit den entsprechenden Angaben auf den Geschäftsbriefen des Betriebes übereinstimmen sollte.

So wird immer wieder festgestellt, dass an der einen oder anderen Geschäftsverbindung festgehalten wird, obwohl dort längst kaum mehr Umsätze verbucht werden und in der Vergangenheit abgewickelte Anlage- oder Kreditgeschäfte längst erledigt sind. Was meist bleibt, ist ein im Einzelfall überdurchschnittlich hoher Kostenfaktor, der in der Summe sämtlicher überflüssiger Bankverbindungen durchaus erheblich sein kann.

Häufig resultieren diese Kontakte auf Darlehensverpflichtungen, bei denen der Kreditgeber darauf bestand, Geschäftsumsätze auch und vor allem über ihn verbuchen zu lassen. Da diese Darlehen häufig aber längst zurückgezahlt sind, sollte geprüft werden, ob es noch sinnvoll ist, diese oder jene Bankverbindung auch tatsächlich weiterhin aufrechtzuerhalten.

Als diesbezügliche Entscheidungsgrundlage sollte auch eine Kostenermittlung sämtlicher Bankverbindungen stattfinden, die dem möglichen Nutzen gegenüberzustellen ist.

Erst bei sorgfältiger Prüfung jedes Einzelfalls kann entschieden werden, welches Kreditinstitut tatsächlich entbehrlich ist. Dabei muss nach den Erfahrungen des Autors keineswegs mehr - wie oftmals in der Vergangenheit - auf angebliche Vorteile einer Geschäftsbank, einer Sparkasse oder einer Volksbank geachtet werden.

In heutiger Zeit sind nahezu sämtliche Bankinstitute in der Lage, gegebenenfalls mit in- und ausländischen Partnern, die komplexer werdenden Finanzwünsche des Mittelstandes zu erfüllen. Auch bei der Geldanlage des Betriebes lohnt sich eine kritische Prüfung der bisher getätigten Geschäfte, der damit verbundenen Kosten und des jeweiligen persönlichen Kundennutzens.

Anlagestrategien checken

Gerade in Zeiten niedriger Zinsen ist es wichtig, die wesentlichen Anlageprodukte der Banken zu kennen und diese vor allem richtig einzuschätzen. Je nach Anlagehorizont des jeweiligen Betriebes kann es sich zinsseitig lohnen, über den sprichwörtlichen Tellerrand der meist angebotenen Tages- und Termingelder hinauszu-
sehen. Festverzinsliche Wertpapiere mit seriösen Schuldnern und kurzen Restlaufzeiten können sich als ergänzende Anlagealternative ebenso eignen wie beispielsweise variabel verzinste Anlagekonten.

Wichtig ist, dass Betriebsverantwortliche weitgehend sicher sein können, dass sie von ihren Hausbanken klar und deutlich über die Vor- und Nachteile der jeweiligen Anlagealternativen in Kenntnis gesetzt werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die eigene Altersvorsorge des Unternehmers, deren Wertentwicklung mindestens zweimal im Jahr überprüft werden sollte. Niedrigzinsen sind selbstverständlich auch ein Problem der Anbieter beispielsweise von Renten- und Lebensversicherungen, so dass mancher Anleger von den ursprünglichen Ertragszielen Abschied nehmen muss, weil die Geld- und Kapitalmärkte diese Wert- und Ertragsentwicklung seit Jahren einfach nicht mehr hergeben. Hier muss seitens des Unternehmers je nach Situation reagiert werden, um gegebenenfalls gegenzusteuern. Ob dies durch eine erhöhte Rücklage, durch spekulativere Anlageformen oder durch weitere Maßnahmen geschieht, ist im Einzelfall zu entscheiden. Wichtig ist zunächst einmal, das Thema überhaupt zu problematisieren und sich detailliert damit auseinanderzusetzen.

Basel III und die Folgen

Spätestens ab 2013 führt kein Weg mehr an der mit Basel III bezeichneten höheren Eigenkapitalausstattung der Bankinstitute vorbei. Es wäre illusorisch, würden Betriebsverantwortliche glauben, dass sich für sie bei zukünftigen Kreditvergaben nichts oder kaum etwas ändern wird. Im Gegenteil, realistisch ist vielmehr, dass die durch Basel III verursachten und sich für die Kreditinstitute abzeichnenden höheren Kosten an Kreditkunden unmittelbar „durchgereicht“ werden. Vor allem höhere Kreditzinsen wären die Folge. Die Frage ist aus Sicht des Autors eigentlich nur noch, in welchem Umfang auf Grund der jeweiligen Konkurrenzsituation der Banken vor Ort dies zukünftig der Fall sein wird. Umso wichtiger ist es für Unternehmer, dieses Szenario zu akzeptieren und den „Bankenordner“ auch hier zu überarbeiten. Die dazu erforderliche Bestandsaufnahme sollte einhergehen mit einem Sicherheitenregister, in dem sämtliche Kreditsicherheiten nicht nur aufgeführt, sondern nach konkreten Kriterien wie Höhe, Laufzeit und Sicherungszweck strukturiert werden.

Dazu gehört eine fortlaufende Entwicklung sowohl der jeweiligen Kreditverbindlichkeiten und der damit verbundenen Sicherheitenwerte. Anzustreben ist ein Verhältnis von etwa eins zu eins. Übersteigt das Sicherheitenvolumen die Kreditbeträge nachhaltig, ist ein Gespräch mit der kreditgebenden Bank auf Rückübertragung eines Teils der jeweiligen Sicherheiten zu empfehlen. Hinzu kommt eine regelmäßige Abstimmung mit den wichtigsten kreditgebenden Banken über die Weiterentwicklung des Ratings oder Scorings, also der Bewertungsmethoden im Hinblick auf die Kreditwürdigkeit oder Bonität des Kunden bzw. des Unternehmens. Das ist äußerst wichtig, da sowohl von Höhe und Qualität der Kreditsicherheiten als auch von Rating- und Scoringnote in hohem Maße die jeweiligen Kreditkonditionen abhängen.

Alternative Kreditgeber

Die veränderten Kreditregeln bieten Unternehmern darüber hinaus die Möglichkeit, bei Kreditwünschen ebenfalls vielleicht flexibler als bisher vorzugehen. Zusätzliche oder ergänzende Kreditgeber wie öffentliche Banken (KfW-Mittelstandsbank etc.) oder Bürgschaftsbanken sollten stärker in den Mittelpunkt rücken. Hinzu kommen Förderbanken der Bundesländer, die ihrerseits für
eine Vielzahl von Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung
stehen. Michael Vetter