Bei der Betriebsbesichtigung der Rosa Toifl & Co. GmbH führte Geschäftsleiter Georg Toifl die Besucher durch seinen Betrieb. KommR Walter Imp und Gertrude Marek von der Berufsschule Schrems waren beeindruckt von der Produktion auf mehreren Etagen.
Gut gerüstet für die Zukunft
Unter dem Motto "Gemeinsam in die Zukunft" startete am 19. Oktober 2012 das Bundestreffen der österreichischen Textilreiniger, Wäscher und Färber in Wien. An zwei Tagen erhielten die zahlreich angereisten Teilnehmer Einblicke in den Textilpflegebetrieb Toifl und die Berufsschule für Textilreiniger in Wien. Außerdem erfuhren sie in verschiedenen Fachvorträgen, wie man die Nachfolgefrage im Betrieb klärt, wie richtig mit Garantie, Gewährleistung und Schadenersatz umgegangen wird, welche Neuregelungen es bei den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) gibt, welche Vor- und Nachteile niedrig und hoch temperierte Waschverfahren haben und welche Erfahrungen mit den Lösungsmitteln PER, KWL und K4 gemacht wurden.
Im Betrieb von Georg Toifl
Eine Betriebsbesichtigung der besonderen Art wartete am ersten Tag des Bundestreffens auf die Teilnehmer. Mit einem Reisebus wurden die Gäste vom Tagungsort abgeholt. Quer durch die Stadt vorbei an den imposanten Wiener Sehenswürdigkeiten wie dem Parlament und dem Rathaus ging es in Richtung der Rosa Toifl & Co. GmbH. Aufgeteilt in zwei Gruppen besichtigten die Teilnehmer den Betrieb. Vor allem die Architektur des Textilpflegebetriebs Toifl beeindruckte die Gäste. Hier wird auf mehreren Etagen in traditionsreichen Gemäuern gereinigt, gewaschen, gebügelt und organisiert. Seit 1954 befindet sich der Familienbetrieb am selben Standort. Die Firmenphilosophie: "Höchste Qualität und Zuverlässigkeit in Leistung und Service für den Kunden" erklärte Georg Toifl bei der Führung durch seinen Betrieb. Zusammen mit seiner Schwester Eva-Maria Toifl leitet er diesen. Er selbst ist 1974 in den elterlichen Betrieb eingestiegen und bis heute vor allem für die Technik und Leitung zuständig.
Erfolgskonzept von Toifl: Attraktiver Arbeitgeber sein
Trotz mehrerer Expansionen und diverser Umbauten hat Toifl es nie ernsthaft erwogen, an einen anderen Standort zu wechseln. Er und vor allem seine Mitarbeiter sind zufrieden mit der Lage im 16. Bezirk, dem sogenannten "Arbeiterbezirk", in Wien. Die meisten der Angestellten erreichen ihre Arbeit schnell und günstig zu Fuß. Genau das zeichnet den Textilpflegebetrieb als Arbeitgeber aus. So gehört die Toifl GmbH & Co. KG laut dem Geschäftsführer zu den zwei größten Arbeitgebern in der Umgebung.
"Wir scheuen uns nicht davor, auch Mitarbeiter mit Migrationshintergrund bei uns einzustellen", berichtete Toifl. Viele davon sind Facharbeiter und leben schon seit mehr als 30 Jahren in Deutschland. Ihre Arbeit würden sie hervorragend erledigen. Und so laufen hier täglich rund 20 t Wäsche durch die Anlagen, 90 Prozent davon sind Mietwäsche. In den letzten 15 Jahren hat sich der Schwerpunkt der Wäscherei von Lohn- zu Mietwäsche verschoben. 50 Prozent der Mietwäsche stammen aus dem Gesundheitsbereich, 25 Prozent aus der Hotellerie und weitere 25 Prozent sind anderweitige Arbeitsbekleidung. Rund 5.000 Container mit Schmutzwäsche befinden sich stets im Umlauf. Mit dem eigenen Fuhrpark werden schmutzige Textilien abgeholt und gepflegte wieder ausgeliefert.
In vielen Produktionsabläufen benötigt Toifl keine Arbeitskräfte mehr. Die Arbeit übernehmen Computer und technische Anlagen, die einem ausgeklügelten System folgen. Er selbst hat zusammen mit den anderen drei Technikern im Haus die Prozesse geplant. Eine besondere Herausforderung soll es dabei gewesen sein, eine geeignete IT-Lösung für die Organisation der Pflege von Altenheimwäsche zu finden. Aber auch das ist Toifl gelungen. Viele Arbeitsplätze seiner Mitarbeiter sind mit Computern ausgestattet. So kann die Pflege der Textilien stets genau überwacht werden. Vor allem bei Produkten aus dem Gesundheitssektor ist dies laut Toifl die Grundlage für den Unternehmenserfolg.
Toifl nutzt Wärmerückgewinnung
Auch Umweltschutz ist ein Thema. Durch eine Wärmerückgewinnungsanlage spart Toifl Gas ein. Zusätzlich kommt er mit einer Taktwaschanlage, die über Pumpen arbeitet, diesem Ziel nach. "Trotz Umweltschutz darf die Qualität und vor allem die Desinfektion der Textilien nicht leiden. Ich bin kein Freund von Chemiekeulen und setze daher auf Wärme", erklärte Toifl. Die 55 °C Wassertemperatur erreicht er über ein Rückgewinnungssystem.
Toifls Vater war bis zu seinem 93. Lebensjahr im Betrieb tätig, seine Mutter bis zum 84. Das möchte er nicht. Aber für die Nachfolge ist in seinem Betrieb gesorgt. Seine Nichte ist bereits mit dieser Aufgabe betraut.
Von der Betriebsbesichtigung ging es in einem Fußmarsch zur Berufsschule (BS) Chemie Grafik. Dort berichteten LIM-Stv. Franz Josef Lang, der dort als Lehrer tätig ist, und sein Kollege Direktor Willy Schubert über ihre Arbeit mit den Lehrlingen des Textilpflegehandwerks. Seit 2000 ist Franz Josef Lang als Berufsschullehrer an der BS Chemie Grafik tätig und seit 2009 auch an der Landesberufsschule Schrems. Dort bildet er junge Menschen zum Textilreiniger aus. "Unser Lehrplan ist unterteilt in die Bereiche Fachkunde, Praxis und technische Arbeit", erläuterte Lang. Dafür habe man vor Kurzem auch eine neue Textilreinigungsmaschine erhalten.
Bewerbermangel auch an Wiener Berufsschule
"Zum Leidwesen der Branche bewerben sich nur wenige Jugendliche für eine Ausbildung in dieser Branche. Daher sind unsere Klassen auch sehr klein", meinte Lang. In der ersten Klasse befinden sich nur fünf Lehrlinge. Aber der Nachwuchsmangel ist nicht die einzige Herausforderung, der sich die Berufsschule gegenübersieht. "Die Vorbildung unserer Schüler ist teilweise sehr schlecht, vor allem in Mathematik", kritisierte der Berufsschullehrer. Deshalb übe er regelmäßig mit seinen Schülern an einer Kasse mit Spielgeld.
Insgesamt hat die Schule 850 Schüler und 45 Lehrer, die in 27 verschiedenen Lehrberufen ausbilden. Erst seit vier Jahren wird die Ausbildung zum Textilreiniger angeboten. Auch wenn sich die Expertengruppe rund um Bundesinnungsmeister Walter Imp einig ist, dass in Wien einige Stellen für Textilreiniger frei sind, gibt es Lehrlinge, die mit einem überbetrieblichen Lehrvertrag des WIFI (Wirtschaftsförderungsinstitut) kommen. Die Ausbildung dauert hier vier Jahre; das erste Seminar findet im Betrieb statt, das zweite in Betrieb und Schule. Auch Integrationslehrlinge finden an der Schule einen Platz. Der Schulbeginn ist so geregelt, dass der Eintritt jeweils im September, im Oktober und im Februar möglich ist. Schubert und Lang sind darum bemüht, weiterhin Lehrlinge für den noch jungen Ausbildungszweig an der Berufsschule Wien zu gewinnen.
Erster Tag des Bundestreffens klingt im Schweizerhaus aus
Einen traditionell wienerischen Ausklang fand der erste Abend des Bundestreffens im Schweizerhaus auf dem Prater. Bei original österreichischem Eisbein mit Krautsalat genossen die Teilnehmer und ihre Begleiter den Abend. Für Unterhaltung sorgte eine Tombola der Firma Kaiser. Wolfgang Kaiser verloste Rabatte in einer Höhe von zehn bis 20 Prozent auf den nächsten Einkauf. Die Gewinner ziehen durfte Simon Wisgott, den Hauptpreis in Höhe von 20 Prozent Rabatt gewann die Vienna Wäscherei, Putzerei und Färberei A. Nagel & Co. GmbH.
Bundestreffen: "Familie der Textilreiniger kommt zusammen"
Auf dem Programm des zweiten Veranstaltungstages standen vier Vorträge von Experten zu aktuellen Branchenthemen. Die Eröffnung übernahm die Präsidentin der Wiener Wirtschaftskammer und Obfrau des Wiener Wirtschaftsbundes, Brigitte Jank. Sie sah in der Stadt Wien einen idealen Veranstaltungsort für das Bundestreffen. "Unsere Hauptstadt befindet sich derzeit im schnellen Wachstum", sagte Jank, "ebenso wie die Branche der Textilreiniger, die sich durch eine lange Tradition, innovative Dienstleistungen und ökologische Angebote auszeichnet." Auch Bundesinnungsmeister KommR Walter Imp freut sich, dass die Wahl des Veranstaltungsortes 2012 auf Wien gefallen ist, und sagte: "Unsere große Familie der Textilreiniger ist wieder zusammengekommen, um gemeinsam die Veränderungen in der Branche zu diskutieren."
In einem Rückblick auf das vergangene Jahr erinnerte der Bundesinnungsmeister an die Ereignisse in Branche und Innung. Die Reise der Innungsmitglieder ging dieses Jahr nach Rom in den Vatikan zum Papst. "Bei der Fahrt des Papstes durch die Menge waren wir ihm so nahe, dass er sogar unser Bundeslogo berührt hat", erinnert sich Imp. Neben der Fahrt nach Italien haben die Innungsmitglieder im vergangenen Jahr auch der Wollwelt Steiner einen Besuch abgestattet und eine Zusammenarbeit mit "klima:aktiv" gestartet.
"Wir müssen darauf achten, dass wir in Anbetracht des Ziels der Wirtschaftlichkeit unserer Betriebe den Umweltaspekt nicht aus den Augen lassen", mahnte Imp. Deshalb wurde mit den Tagungsmappen auch eine Informationsbroschüre von "klima:aktiv" an die Teilnehmer verteilt. Diese dient als Leitfaden für Textilreiniger, Wäscher und Färber zum Energiesparen.
Neben diversen Schulungen und Expertenstammtischen will die Bundesinnung im kommenden Jahr auch wieder eine Reise organisieren. Die beiden deutschen Firmen Veit und Böwe haben die Innung zu einem Besuch nach Deutschland eingeladen. In einer rund dreitägigen Reise sollen die beiden Unternehmen besichtigt werden.
Für seine besonderen Leistungen und sein Engagement für die Innung überreichte Bundesinnungsmeister Walter Imp LIM-Stv. Franz Alexander Thür aus Niederösterreich die Ehrennadel der Bundesinnung. Die Freude über die Nadel war groß. "Es ist mir eine Ehre, diese Nadel tragen zu dürfen", bekundete Thür in seiner Dankesrede.
Ausblick: Zukunft der Textilreiniger in Österreich
Imp wagte einen Ausblick in die Zukunft der Textilreiniger in Österreich und ist sich sicher, dass die Branche trotz einer rückläufigen Wirtschaftslage für die Zukunft bereit ist.
Damit die Zukunft von österreichischen Textilpflegebetrieben auch im Falle von Betriebsübergaben gesichert ist, informierten Mag. Johannes Adensamer und Mag. Franz Trimmel das Auditorium darüber, wie Unternehmer und Geschäftsinhaber ihren Betrieb auf sicherem Weg an einen Nachfolger weitergeben können und wie der passende Nachfolger gefunden werden kann. Adensamer wies darauf hin, dass Betriebe bei der Nachfolgesuche Hilfe von der Nachfolgebörse der Wirtschaftskammer erhalten können. Diese unterstützt Unternehmen in jedem Bundesland und liefert Leitfäden inklusive einer Checkliste für eine gesicherte Nachfolge.
Auf einer kostenlosen Internetplattform unter www.nachfolgebörse.at können Nachfolger über einen Sucheintrag online gefunden werden. „Die Grundregel bei der Suche nach einem Nachfolger lautet: Beginnen Sie rechtzeitig mit der Suche, mindestens jedoch fünf Jahre vor dem Übergabetermin“, schärfte Adensamer seinen Zuhörern ein. Soll ein Unternehmen an einen Nachfolger übergeben werden, sollten laut Trimmel und Adensamer folgende Aspekte geklärt werden:
- Übergabegrund: Pension, private oder gesundheitliche Gründe.
- Übergabeform: Schenkung, Pacht, Leibrente, Erbschaft.
- Unternehmenswert: Wert und Ablösesumme.
- Zu übergebende Anlagen: Werte, Gegenstände (z.B. Mitarbeiter, Haftungen, Verbindlichkeiten, Mietverträge).
Einen erfolgreichen Textilpflegebetrieb macht aber nicht nur eine geregelte Nachfolge aus, ebenso der richtige Umgang mit den Kunden. Vor allem im Fall einer Leistungsstörung will dieser gut durchdacht sein. Damit Textilpfleger auch beim Kontakt mit kritischen Kunden einen kühlen Kopf bewahren können, informierte der Wiener Rechtsanwalt Dr. Stephan Trautmann über die richtige Handhabung von Garantie, Gewährleistung, Schadensersatz und AGBs.
Reklamationen ernst nehmen
Generell riet er Textilpflegebetrieben, Reklamationen stets ernst zu nehmen und nicht in eine generelle Abwehrhaltung zu verfallen. "Denn das oberste Gebot ist es, den Kunden zufrieden zu stellen. Das funktioniert am besten, wenn man zunächst ein Schuldeingeständnis macht", erklärte Trautmann. Denn nach einer Reklamation hat der Textilpfleger sechs Monate Zeit, um die Schuldfrage zu klären.
Trautmann wies darauf hin, dass dabei unterschieden werden muss, ob die Reklamation über Garantie oder die Gewährleistungspflicht des Betriebs geregelt werden soll. Die Gewährleistungspflicht ist gesetzlich geregelt. Damit diese in Kraft treten kann, muss der Mangel bereits zum Zeitpunkt der Übergabe vorhanden gewesen sein; versteckte Mängel zählen nicht. Bietet der Betrieb den Kunden eine Garantie, so basiert dies auf Freiwilligkeit. Hier kann der Mangel auch noch in der Garantiezeit eintreten. "Betrieben rate ich vom Angebot von Garantien ab. Wenn Sie dies dennoch möchten, sollten Sie Ihre Regelungen vorher rechtlich prüfen lassen", empfahl Trautmann.
Bei beweglichen Gegenständen dauert die Gewährleistungsperiode insgesamt zwei Jahre. In dieser Zeit wechselt die Beweiserbringungspflicht zwischen Betrieb und Kunden. In den ersten sechs Monaten nach Einreichung der mangelhaften Ware sei es laut Trautmann die Aufgabe des Textilpflegebetriebs zu beweisen, wer Schuld an dem Mangel hat. Danach trifft die Beweispflicht den Kunden. "In jedem Fall muss der Mangel ein Schaden sein, der in keinem Fall bei der korrekten Ausführung der Arbeit mit Ausnahme von leichter Fahrlässigkeit passieren darf", erklärte Trautmann.
Einen Schadenersatz erhält der Kunde erst dann, wenn er dem Dienstleister rechtswidriges Verhalten vorwerfen konnte. Bestehen in einem solchen Vorwurfsfall Zweifel, riet Trautmann, einen Fachkundigen um Rat zu fragen. Was der Rechtsanwalt allen Textilpflegebetrieben ans Herzen legte, ist die "schriftliche Aufzeichnung aller geschäftlichen Vorgänge im Betrieb". Bei Schadensfällen rief er sogar dazu auf, Bildmaterial zu sammeln. Auf eine Frage aus dem Publikum, ob man Kundengespräche auch mit einer Kamera über der Theke aufzeichnen könne, erwiderte er: "Für die Aufzeichnung von Kunden braucht man generell immer eine Genehmigung vom Kunden persönlich. Andernfalls droht Ärger mit dem Datenschutz." Sollte es trotz korrekten Verhaltens im Schadensfall zu einer Klage kommen, riet Trautmann zur genauen Einhaltung von Fristen.
AGBs richtig handhaben
Zum aktuellen Thema der allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) kam er zum Ende seines Vortrags. Ausführlich klärte er die Tagungsteilnehmer darüber auf, wie mit AGBs korrekt zu verfahren sei. Betriebe sollten laut Trautmann immer folgende Regeln einhalten:
- Vordrucke der Innung verwenden, nicht abändern! Falls Änderungen notwendig sein sollten, rechtlich abklären.
- Auf unverständliche Formulierungen verzichten, Text sachlich und verständlich halten.
- Gut sichtbar aufhängen.
Greifen die AGBs nicht, weil Vorgaben nicht eingehalten wurden, gilt das Gesetz.
Toifl und Co. stellen Niedrigwaschverfahren vor
Ein weniger juristisches Thema behandelten die Vorträge und die anschließende Diskussionsrunde, geleitet von KommR Mag. Georg Toifl. Dr. Helmut Eigen von Kreussler, Mathias Österle von CHT/BEZEMA und Claudia Thallauer von Ecolab referierten über die Vorteile von niedrig- und hochtemperierten Waschverfahren. Den Anfang machte Claudia Thallauer mit ihrer Präsentation von effizienten Niedrigwaschverfahren mit Unterstützung von patentierten Waschmitteln. Ozonit 40 und Dermasil heißen die beiden Waschmittel, die auch das Waschen bei niedrigen Temperaturen ohne Verlust von Desinfektionskraft, Weißgrad oder Faserschutz ermöglichen sollen. Für den Einsatz von Niedrigwaschverfahren mit Hilfe der genannten Bleich- und Desinfektionsprodukte wird laut Thallauer keine neue Technik benötigt. "Krankenhauswäsche kann bei 60 °C und Hotelwäsche bei 50 °C gewaschen werden, ohne dass Farbe oder Faser darunter leiden", sagte Thallauer. Sogar einen besseren Farberhalt versprechen die Mittel.
In der Wäscherei Landon in Wien von Renate Straka startete ein Pilotprojekt mit den Niedrigtemperaturen und den Waschmitteln von Ecolab. "Mit dem Einsatz von nur einer Waschstraße konnten wir den Energieverbrauch erheblich senken", berichtete Thallauer. Insgesamt könnten Textilpflegebetriebe mit dem Einsatz von Niedrigtemperaturen bis zu 20.000 Euro netto jährlich einsparen. Dr. Helmut Eigen von der Firma Kreussler hob in seinem Vortrag ebenfalls die Vorteile von niedrig temperierten Waschverfahren vor. "Wer mit niedrigen Temperaturen wäscht, spart Energie, hat kürzere Waschzeiten und schont seine Ware", meinte Eigen. Ein Nachteil dagegen sei, dass im Falle eines Desinfektionsausfalls keine Hygienesicherheit durch hohe Temperaturen besteht, eine schlechtere Fleckenentfernung und ein geringerer Weißgrad erreicht werden.
Daher konstatierte Eigen in seinem Vortrag, dass Niedertemperaturen nicht immer ressourcenschonend sind. Mathias Österle stellte die Vorteile von Hochtemperaturen vor und präsentierte das Konzept "smart protection" von CHT/BEZEMA. Mit dem getesteten hochtemperierten Waschverfahren soll der Weißgrad erhalten bleiben, eine gute Fleckenentfernung und ein einfaches Produkthandling sollen gewährleistet sein. Um die Wirksamkeit des Konzepts zu testen, hat CHT/BEZEMA 65-°C- und 85-°C-Verfahren im Vergleich getestet. "Die ersten Ergebnisse haben uns nicht zufrieden gestellt, daher haben wir weiter geforscht und das Konzept optimiert", berichtete Österle.
Die richtige Waschtemperatur individuell finden
Das neue Hochtemperaturverfahren wirkt laut Unternehmen ohne optische Aufheller, verursacht einen erhöhten Weißgrad und stellt eine geringere Wassergefährdung dar. "Dieses Waschverfahren eignet sich besonders für die Pflege von Textilien aus dem Gesundheitsbereich, da es hygienisch einwandfrei ist, besser Flecken entfernt und verkürzte Taktzeiten aufweist", erläuterte er die weiteren Vorteile. Zusätzlich sollen Wasserverbrauch und Kosten gesenkt werden können und so kein Mehrverbrauch an Energie notwendig sein. Anschließend an die Vorträge entstand eine lebhafte Diskussion zwischen den Referenten und dem Auditorium über die Verwendung der vorgestellten Waschverfahren. KommR Ing. Mag. Georg Toifl resümierte abschließend, dass sich nicht jedes Waschverfahren für jeden Betrieb eignet: "Wichtig ist, dass die Wäscheart darauf Einfluss hat, für welche Waschtemperatur sich der Betrieb entscheidet. Ebenso relevant sind technische Voraussetzungen"
Bundesinnungsmeister Walter Imp nutzte die Gelegenheit, seine Branchenkollegen darauf aufmerksam zu machen, sich mit der Thematik Waschtemperatur und somit mit Ressourcenschonung und Energieeffizienz auseinanderzusetzen. "Wir müssen am richtigen Fleck sparen", meint Imp. "Sagen Sie 'ja' zur Energie- und Ressourceneinsparung, aber im Gegenzug auch 'ja' zu Zukunftsinvestitionen wie Branchenwerbung", forderte Imp auf. Denn: "Wir wollen und müssen junge Menschen für die Branche begeistern." Erfolgversprechend dafür ist nach Ansicht von Walter Imp ein Branchenfilm, der in den kommenden Monaten gedreht werden soll. Dieser soll den Beruf und die Branche präsentieren und Interessenten anlocken.
K4 als persönlicher Favorit
In einem abschließenden Vortrag berichtete LIM-Stv. Franz Josef Lang über seine Erfahrungen mit Lösungsmitteln. In seiner langjährigen Berufspraxis, aber auch in seiner Tätigkeit als Lehrer hat er die Lösungsmittel PER, KWL und K4, aber auch Wasser testen, untersuchen und vergleichen können.
Lang fasste seine Ergebnisse im Umgang mit den Lösungsmitteln so zusammen: "Alle Lösungsmittel haben ihre Vor- und Nachteile. Je nachdem, für welche Verunreinigungen man eine Reinigungsmöglichkeit sucht, muss individuell entschieden werden, welches Mittel angewendet wird. Dennoch sollten auch von Lösungsmitteln keine Wunder erwartet werden."
Als ehemaliger PER-Verwender lobte er daran vor allem dessen niedrige Geruchsschwelle und die bessere Trocknung. Heute verwendet er in seinem Betrieb K4. "Ich bin bisher sehr zufrieden damit, auch wenn es bei der Anwendung auf Leder lange für Geruch sorgt", betonte Lang. Interessierte lud er ein, sich in seinem Betrieb von der Wirkungsweise dieses Lösungsmittels zu überzeugen.
In der Zeit zwischen den Vorträgen hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, sich an verschiedenen Informationsständen vor dem Tagungsraum über neue Maschinen, Reinigungsmittel und aktuelle Entwicklungen der Branche zu informieren. Mit einer Präsentation vertreten waren beispielsweise Miele, Veit, Electrolux und Clinotest. Auch R+WTextilservice war mit einem Stand dabei.
Für den feierlichen Ausklang der Tagung sorgte ein Festabend mit Galabüfett und Tanzmusik. Zwei professionelle Tanzpaare zeigten den Gästen ihre beeindruckende Show bestehend aus klassischen Tänzen. Die nächsten Bundestreffen der Textilreiniger, Wäscher und Färber werden 2013 in Tirol und 2014 in Klagenfurt stattfinden.