Zu Besuch bei deister electronic in Barsinghausen UHF-RFID kann mehr als Logistik

Wenn es um Radiofrequenzidentifizierung (RFID = Radio Frequency Identification) geht, ist man bei deister electronic richtig. Das inhabergeführte Unternehmen hat langjährige Erfahrung mit der Technologie und bietet auch ausgeklügelte Lösungen für Textilpflegebetriebe an. RWTextilservice hat die Zentrale in Barsinghausen besucht.

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    Reinhard Knörnschild von deister electronic führt die Pulklesung mittels UHF-Technik vor.
    © Schönhaar
    Reinhard Knörnschild von deister electronic führt die Pulklesung mittels UHF-Technik vor.
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    So begann der Weg des textilen Transponders: Eine Webmaschine.
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    So begann der Weg des textilen Transponders: Eine Webmaschine.
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    R+WTextilservice besuchte deister electronic in Barsinghausen.
    © deister electronic
    R+WTextilservice besuchte deister electronic in Barsinghausen.
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    Der Reader UDL 250 soll die Pulkerfassung in großen Gebinden ermöglichen.
    © deister electronic
    Der Reader UDL 250 soll die Pulkerfassung in großen Gebinden ermöglichen.
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    Der Softtag UST 2080 ist ein textiler Tag für Flachwäsche und Berufsbekleidung.
    © deister electronic
    Der Softtag UST 2080 ist ein textiler Tag für Flachwäsche und Berufsbekleidung.
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    Die Stickmaschine bringt die erforderlichen Drähte in die RFID-Transponder ein.
    © Schönhaar
    Die Stickmaschine bringt die erforderlichen Drähte in die RFID-Transponder ein.

Auf dem Parkplatz empfängt den Besucher bereits der erste RFID-Leser. Die Mitarbeiter von deister electronic in Barsinghausen in der Nähe von Hannover haben in ihren Autos entsprechende Transponder in Form von Chipkarten, die ihnen automatisch Einfahrt durch die Schranke auf das Betriebsgelände gewähren.

Das ist nur ein Beispiel für die vielfältigen Anwendungsbereiche der RFID-Technik, die deister electronic produziert. R+WTextilservice hat das Unternehmen besucht und sich über Neuigkeiten für den Wäschereibereich, aber auch über das allgemeine Portfolio von deister electronic informiert.

Das Know-how reicht von Sicherheitstechnik mit Zutrittskontrollen oder Schlüsselmanagement bis zu Identifikations- und Automationslösungen in unterschiedlichsten Bereichen. So wird z.B. das System "Unikon" im Taubensport eingesetzt oder "BiTech" in der Abfallentsorgung. Wo ausgeklügelte Logistik eine Rolle spielt, ist auch RFID ein Thema. Die Kompetenzen aus den einzelnen Bereichen und Branchen ergänzen sich und so profitiert jede Entwicklung aus dem Hause deister electronic vom breiten Produktspektrum und der entsprechenden Erfahrung.

Dabei entwickelt und produziert das Unternehmen das meiste selbst – von der Chipentwicklung über Hard- und Software bis zu kompletten mechatronischen Konstruktionen. Produktionsgesellschaft und 100-prozentige Tochter von deister electronic ist delpro, ebenfalls mit Sitz in Barsinghausen.

deister electronic: Eingehende Qualitätskontrolle

Rund 140 Mitarbeiter sind an diesem Standort tätig, aufgeteilt auf die Bereiche Entwicklung, Produktion sowie Vertrieb und Marketing. Weltweit beschäftigt deister electronic etwa 200 Mitarbeiter. Sie entwickeln und produzieren allerdings nicht nur, sie testen auch ausführlich. Eine wichtige Rolle spielt bei deister nämlich auch die Qualitätssicherung und -kontrolle. So durchläuft z.B. jeder textile Laundry-Transponder einen "burn-in"-Prozess, bevor er zum Kunden geht. Dabei werden Geräte und Transponder 24 Stunden lang hohen Temperaturschwankungen ausgesetzt, die sich in wenigen Sekunden vollziehen.

Die Transponder sind mit einer Art Harz umschlossen. Mit Vakuumtechnik wird sichergestellt, dass keine Luft oder Wasser darin verbleiben. Einschlüsse würde man aber spätestens beim „burn-in“ merken, denn durch die Temperaturschwankungen ginge der Transponder mit Luft- oder Wassereinschlüssen kaputt. Ist dieser Test überstanden, werden die Chipmodule programmiert. Dies stellt automatisch sicher, dass sie lesbar bzw. beschreibbar sind. Schließlich wird jeder Transponder auf seine Reichweite hin vermessen. "Der Kunde ist nicht unser Testmarkt", sagt Martin Hartwigsen. Er leitet seit 2008 den Vertrieb und das Marketing im Bereich „Ident & Automation“ bei deister electronic. Was von deister electronic kommt, hat Qualität "made in Germany"

Produkte für Wäschereien: textag.

Das gilt auch für die Produkte, die in Wäschereien und im Textilservice zum Einsatz kommen. Hierzu gehört der textag, ein UHF-Transponder (UHF = Ultra High Frequency) eingebettet in Webetiketten. Insgesamt hat deister rund fünf Millionen Euro in die Entwicklung der textilen Transponder investiert, schätzt Hartwigsen. Er weiß: "Gestern, heute und zukünftig liegen die Herausforderungen an den Textilservice speziell im Bereich der Logistik." Dabei ist die Identifikation der Textilien von großer Bedeutung. Eine zuverlässige Datenerfassung stellt sicher, dass die Prozesse im Unternehmen nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten ablaufen. Dies ermöglicht, den Textileinsatz so zu steuern, dass der Kunde auftragsgerecht beliefert und die sachgerechte Bearbeitung des Teils dokumentiert wird.

Moderne Datenverarbeitung soll den Aufenthaltsort innerhalb des Bearbeitungskreislaufes permanent signalisieren – man weiß also z.B. immer, wo ein bestimmtes Wäschestück sich befindet: in der Waschmaschine, beim Kunden oder gerade beim Transport. Dies ermöglicht es, Betriebsabläufe zu optimieren und zu steuern. Detaillierte Aussagen über Textillebensdauer, Waschzyklen und vereinfachte Abrechnungen sind weitere Vorteile der genauen Identifikation.

deister electronic konzentriert sich auf UHF-Technologie

Konzentriert hat sich deister electronic im Bereich textag auf die UHF-Technologie. Im Unterschied zum LF- und HF-Bereich (LF = Low Frequency, HF = High Frequency) sind die textag-UHF-Transponder nicht nur hochflexibel, sondern auch mit mehreren Metern Reichweite im logistischen Bereich einsetzbar. Nur mit der schnellen UHF-Technologie ist laut deister electronic eine echte Pulkerfassung möglich. Basierend auf der HF- und UHF-Technologie gibt es bereits Transponderlösungen, welche auf industriell hergestellten Inlays beruhen. Diese werden in Plastik oder Papier einlaminiert und als "Hangtags" am Bekleidungsstück angebracht oder in Stofftaschen vernäht.

Eine andere Bauform existiert in LF und HF, wo Transponder mit Kunststoff ummantelt, als sogenannte "Hardtags", in der industriellen Wäscherei bei Mietwäsche ihren Einsatz finden. Ihre starre Bauform beeinträchtigt dabei allerdings den Tragekomfort und ist generell im Mangelbereich kaum einsetzbar, so Hartwigsen. Mit dem textag wird ein anderer Ansatz im UHF-Bereich von 868/ 915 MHz gewählt. Ziel ist es, die Antenne als leitenden Faden auszuführen und bereits im Herstellungsprozess in das Gewebe zu integrieren.

Das speziell für diesen Einsatz entwickelte Chipmodul wird an der entsprechenden Stelle kontaktlos mit dem Antennenfaden gekoppelt. Auf diese Weise wird ein funktionsfähiger Transponder hergestellt, der nur ein kleines, starres Modul enthält; alle anderen Bauteile sind und bleiben äußerst flexibel. "Vor vier Jahren auf der Texcare waren wir mit UHF noch Exoten", erzählt Reinhard Knörnschild, Key Account Manager für textag. 2012 waren schon mehrere Anbieter auf der Frankfurter Messe zu sehen. deister sieht das positiv. Wettbewerb bereitet den Markt. Noch sei man in der Anfangsphase der "early adopter", d.h. nur Innovatoren, also Unternehmen, die zu den Ersten gehören, die neue Ideen übernehmen, haben die Technologie in Anwendung. Das Interesse gerade bei Textilserviceunternehmen steige aber stetig.

Amortisation individuell berechnen

Für kritische Unternehmer hat Hartwigsen eine Tabelle mit einer ROI-Betrachtung (Return on Investment) vorbereitet. Hiermit kann für unterschiedlich große Wäschereien errechnet werden, ob sich ein RFID-Einsatz lohnt. Es lassen sich individuell für jeden Einzelfall die Kosten und der Nutzen und somit die Amortisation errechnen. Mit beispielhaften Zahlen, die der Realität nach Erfahrungswerten von deister-Kunden weitestgehend entsprechen, amortisiert sich die Investition in RFID-Technik nach acht Monaten. Hartwigsen gibt zu bedenken: "Es lohnt sich nicht in jedem Fall, deshalb können wir es für jeden Betrieb individuell errechnen."

Aber es geht nicht nur um Finanzen und Zahlen. Der Nutzen von UHF-Technologie kann vielfältig sein. Knörnschild sieht z.B. im PSA-Bereich großes Potenzial für Wäschereien, um Mehrwert zu generieren und damit Kunden zu akquirieren. "Es ist z.B. denkbar, anhand der RFID-Technik eine Zutrittskontrolle bzw. Schleuse einzurichten", erläutert er. Man nehme beispielsweise einen Fleischereibetrieb, in dem HACCP-Bekleidung vorgeschrieben ist. In einer mit einem RFID-Leser ausgestatteten Hygieneschleuse erkennt eine Software, dass der Mitarbeiter saubere, frische Bekleidung trägt.

Nach einer Pause, in der der Mitarbeiter den Betrieb verlassen hat, erkennt das System: Dieses Bekleidungsstück war schon hier, kann also nicht mehr frisch sein. Ein Signal weist den Mitarbeiter darauf hin und er darf erst die Schleuse passieren, wenn er sich entsprechend umgezogen hat. "So kann der Fleischereibetrieb auch bei Kontrollen durch das Gesundheitsamt nachweisen, dass alles korrekt abläuft", bemerkt Knörnschild. Solch einen Service könnten Textildienstleister zusätzlich zum Leasing, der Aufbereitung und Instandhaltung etc. anbieten.

Vorteil von RFID im Textilservice

Ein großer Vorteil der RFID-Technologie im Bereich Textilservice ist auch die Möglichkeit für ein effektives Lifecycle-Management auf Einzelstückebene. Angefangen von der Produktion über die Logistik, Datenerfassung zur kundenspezifischen Abrechnung bis hin zur Inventarisierung und Rückverfolgbarkeit ist hier vieles möglich. So kann man z.B. Umlaufreserven erschließen und bedarfsgerecht waschen. "Wenn ich weiß, was im Hotel an Wäscheteilen liegt, liefere ich nur, was das Hotel auch wirklich braucht – und das ist in der Regel wesentlich weniger als ohne Erfassung der Bestände per RFID", sagt Hartwigsen. So lässt sich das Lager reduzieren – beim Textildienstleister genauso wie beim Kunden – und "zielgerichteter" waschen. Im Hotelbereich eignet sich die Technologie, um Schwund zu reduzieren. Das gilt auch für Gebäudereiniger, denn der textag ist laut deister electronic auch für die Anwendung in Wischmopps geeignet. Und auch die "bekommen gerne mal Füße", wie Kunden von deister electronic berichten. Mit RFID-Kennzeichnung lässt sich dies verhindern.

Prototyp: Alarm bei roter Socke

Für die Zukunft hat deister electronic bereits einige Ideen in petto. Eine davon ist als Prototyp in Barsinghausen aufgebaut. Eine Waschmaschine von Miele mit integriertem RFID-Reader soll den schlimmsten Textilpflegefall verhindern: eine rote Socke mitten unter weißen Blusen in der Wäsche. Dazu werden alle Wäscheteile mit Transpondern versehen, auf denen dann Informationen wie die Eigenschaften des Textils (Farbe, Größe, Gewebe, Pflegekennzeichnung etc.) gespeichert werden. Die Waschmaschine kann mittels eines Readers auf diese Informationen zugreifen und merkt schon beim Einladen der Wäscheteile, dass der rote Socken nicht in die Weißwäsche gehört. Ein Alarmsignal ertönt.

Hartwigsen spinnt die Idee weiter: "Die Maschine kann nach Einladen der Wäsche selbst das entsprechende Waschprogramm auswählen." Dies wiederum würde bedeuten, das Bedienpersonal müsste nicht mehr so hoch qualifiziert sein wie bisher – die "intelligente Waschmaschine" hilft, Fehler zu vermeiden. Auch Einsparungen bei Wasser und Waschmitteln sollen möglich sein.

Ein weiteres aktuelles Projekt von deister electronic: In einem Krankenhaus sollen RFID-Transponder an den Wäschestücken Informationen darüber enthalten, ob die Wäsche kontaminiert ist oder nicht. "Die Wäsche von einem Patienten mit Beinbruch kann ich anders behandeln als die eines MRSA-Patienten", erläutert Hartwigsen. So könnte man wiederum Ressourcen sparen, aber auch höhere Hygienesicherheit bieten.

In Zukunft soll die UHF-Technologie also nicht nur die Logistik erleichtern, sondern in vielen Bereichen Mehrwert für Textildienstleister und deren Kunden schaffen. "Die textile Dienstleistung der Zukunft hört nicht mit dem Waschen und der Logistik auf", ist sich Knörnschild sicher. Wer als Textilserviceunternehmen seinen Kunden einen Mehrwert bieten kann, werde zukünftig die Nase vorne haben. Deshalb sollten Betriebe UHF-Technik als Chance begreifen. Denn wer seinen Kunden Mehrwert bietet, kann sich dies letztendlich auch vergüten lassen.

www.deister.com

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