DTV-Seminar in der Wäscherei Reichel, Dippoldiswalde In die Mangel genommen

Probleme an der Mangel können den Produktionsprozess enorm stören. Im Seminar des Deutschen Textilreinigungs-Verbands im Juni 2012 in der Wäscherei Reichel in Dippoldiswalde gab es Informationen über den Aufbau von Mangeln sowie über Ursachen und Vermeidung von Funktionsstörungen.

Christian Meinke und Klemens Markert, Konstrukteur bei Kannegiesser Schlema, und Frank Tautz, stellvertretender Konstruktionsleiter bei Kannegiesser Vlotho, vermittelten Wissenswertes über den Umgang mit Mangeln (v.li. hi.). Heike Fritsche, Leiterin der Informationsstelle für Unternehmensführung im DTV, und Gastgeber Hartmut Reichel, Geschäftsführer der Wäscherei Reichel GmbH & Co. KG (v.li. vo.)Foto: Wylegalla - © Reinhard Wylegalla

In die Mangel genommen

Ein praxisorientiertes Mangelseminar organisierte der Deutsche Textilreinigungs-Verband (DTV) in Dippoldiswalde für seine Teilnehmer. Mit einem interessanten Vortrag von Frank Tautz, stellvertretender Konstruktionsleiter bei der Herbert Kannegiesser GmbH, Vlotho, und Klemens Markert, Konstrukteur im Hause Kannegiesser Schlema, startete das Seminar. Inhalt waren die mit Gas, Dampf oder Öl beheizbaren selbsttragenden Mangeln der Modellbaureihe „SHM“ (Strömungsmuldenmangel) sowie die „High Power HPM“ und die „High Power HPM Grand“ mit Edelstahl-Heizband. Mit der Messeneuheit „HPM II“ stellten die Referenten ein komplett überarbeitetes Modell der „HPM-Reihe“ vor.

In ihrem Vortrag hoben die Referenten die Besonderheit dieser neuartigen Mangel hervor: Das Gestell ist 200 mm tiefer als das der Vorgänger und die Walze kann senkrecht ausgehoben werden. Darüber hinaus ist diese Maschine mit einer elektropolierten Plättfläche sowie der innovativen Federtechnik „KannPress Plus“ ausgestattet, die eine optimale Anpassung bei Druckveränderungen gewährleisten soll. Weitere Pluspunkte sind laut Unternehmen Mangelleistung, niedrigste Energieverbräuche, Betriebssicherheit und eine hohe Finishqualität. Sogar nach einem 4.000-stündigen Feldtest bleibt die Edelstahlfeder nach achttägiger Einlagerung im Wasser einer Entwässerungspresse korrosionsfrei, so die Referenten.

Schlechte Mangelergebnisse vermeiden

Unter dem Motto „An der Mangel entscheidet sich, ob die Wäscherei Geld verdient!“ folgte ein Erfahrungsaustausch zwischen den Seminarbesuchern und Christian Meinke von Mangel-Meinke, Bremen. Das Überladen einer Waschmaschine kann sich später an der Mangel rächen: „Nach dem Waschgang ist die Ware zwar frei von Flecken, aber während des Spülgangs bilden sich mit herkömmlichen Enthärtungsverfahren nicht vermeidbare Karbonatablagerungen“, erläuterte der Referent. Das Karbonat schlägt in der Mangel in Bikarbonat (Soda) um, das wiederum auf der Wäsche einen Gelbschleier hinterlässt. „Ein zu hoher Karbonatwert kann nur durch eine Umkehrosmose gesenkt werden“, sagte Christian Meinke.

Um derartigen schlechten Mangelergebnissen vorzubeugen, ist eine regelmäßige Muldenpflege vor Produktionsbeginn ein absolutes Muss. Dazu gehört, die Mulde auf Chemierückstände zu überprüfen, indem auf dem Muldenreinigungstuch alte, tropfnasse Wäsche als Indikator mit in die Mulde eingeführt wird. Die Mulde sollte erst gewachst werden, wenn auf der Wäsche keine Spuren mehr sichtbar sind. Überflüssiges Wachs kann durch auf das Wachstuch gelegte alte nasse Wäsche aufgefangen werden.

Ist die Mangel gut ausgelastet, wiederholt man die Reinigung und das Wachsen nach einer halben Schicht. Wird hingegen in kürzeren Intervallen eine Muldenpflege notwendig, gelangen möglicherweise durch die Wäsche Restsubstanzen hinein. Der Referent empfiehlt daher, gegebenenfalls den Waschprozess zu optimieren. Treten sehr häufig Verunreinigungen auf, empfiehlt es sich, einmal pro Woche einen Reinigungsstreifen oder eine Reinigungsmatte zusammen mit einem alten Laken durch die Mangel laufen zu lassen. Insbesondere in den Randbereichen ist auf größtmögliche Sauberkeit zu achten, damit sich auf dem Mangelgut keine Streifen bilden. In der Praxis hat es sich bewährt, große Flachwäsche in der Mitte und kleine Teile wie Küchenwäsche außen zu mangeln.

Auf die richtige Pflege achten

Für die Reinigung von Edelstahlmulden hat das Unternehmen Kannegiesser ein spezielles Reinigungstuch ohne Stahlwolle sowie ein spezielles Einwachstuch entwickelt. Für die Wahl des Wachses und die Dosierung kann der Referent indessen keine allgemeingültige Empfehlung geben: „Es gibt kein Produkt, das für alle Mangeln gleich gut geeignet ist. Deshalb muss jeder Unternehmer selbst ausprobieren, welches Wachs sich am besten unter seinen betrieblichen Bedingungen bewährt.“

Ist der Einlauftisch richtig eingestellt, muss man kaum befürchten, dass die Vorderkanten der Ware umklappen. Die Tischkante soll an der Stelle, an der die Wäschekante in die Mulde geführt wird, zusammen mit der Muldenkante eine schräge Ebene bilden. Mischgewebe mit geringem Baumwollanteil und Ware aus reinem Polyester sollten im leicht sauren Bereich gewaschen werden, damit sich beim Mangeln keine Umschlagkanten fixieren. Beim Mangeln von Baumwolltextilien ist die Bildung hochstehender Kanten vermeidbar, wenn sie zuvor stark alkalisch gewaschen wurden.

„Erste Hilfe“, wenn das Mangeltuch reißt

Mitunter sind aber auch Konstruktionsfehler in der Ware Ursachen für Mangelfalten. Zum Beispiel, wenn die Spannung der Fäden im Saum nicht in einem ausgewogenen Verhältnis zur Spannung im übrigen Gewebe steht. Auch durch übertrocknete Wäsche kann das Mangelergebnis beeinträchtigt werden. Denn diese lädt sich unter erhöhter Reibung statisch auf. Durch rückfettende Waschverfahren mit hohen Seifenanteilen kann die Spannung aber verringert werden. Eine weitere Gefahrenquelle ensteht während des Transports der Textilien über die „Brücke“. Hier können leicht Ecken umklappen. Der Einsatz zusätzlicher Mangelbänder kann hier Abhilfe schaffen.

Reißt so ein Mangeltuch, gerät die gesamte Produktion ins Stocken. Nicht immer ist gleich ein Ersatztuch greifbar und oft fehlt es an erfahrenen Mitarbeitern, die ein Mangeltuch fachmännisch auflegen können. Der Schaden kann jedoch begrenzt werden, indem man um die offene Fläche der Walze ein Mangelband wickelt.

Nach diesem „Erste-Hilfe-Einsatz“ kann die Mangel noch längere Zeit weiterbetrieben werden, bis ein erfahrener Monteur das schadhafte Mangeltuch durch ein neues ersetzt. Christian Meinke empfiehlt für solche Fälle, stets ein Mangeltuch in Reserve zu haben. Grundsätzlich sollte beachtet weden, dass ein gleichzeitiger Wechsel der Tücher nicht an allen Walzen der Mangel vorgenommen werden muss. Moderne Mangeln reagieren hinsichtlich der Tuchstärke weniger sensibel als ältere Typen.

Eine weitere Gefahr für das Mangelergebnis können auch falsch eingestellte Absaugvorrichtungen an den Walzen sein. „Verbleibt Dampf im Walzeninneren, wird das Mangeltuch feucht. An den Rändern bildet sich Kondensat, das sich auf die Oberfläche des Mangeltuchs niederschlägt und hässliche braune Wasserflecke verursacht“, erläuterte Meinke.

Achtung Restfeuchtigkeit

Um die Absauganlage richtig einzustellen, sollte ein Mitarbeiter des Mangelkundendienstes oder der Bewickler die Temperaturen an der Anlage sowie an der Walzenoberfläche mit einem Unterdruckgerät messen. Wichtig: Gebrauchte Mangeltücher haben einen höheren Luftdurchsatz als neue. Folglich ist es ratsam, beim Neubewickeln der Walze die Anlage auf den Minimalwert einzustellen.

Die Seminarteilnehmer erfuhren im Anschluss, wie die Restfeuchtigkeit mangeltrockener Wäsche festgestellt werden kann. Der Sachverhalt wurde an folgendem Beispiel geklärt: Zehn Bettbezüge wiegen vor dem Mangeln 15 kg, danach nur noch 10,3 kg. Werden sie abermals gemangelt, sinkt ihr Gewicht auf 10 kg. Das Gewebe ist nun trocken, es befinden sich noch tolerierbare drei Prozent Restfeuchtigkeit in den Nähten und Verschlüssen. Die Restfeuchtigkeit kann also am Gewicht der Wäsche festgestellt werden. Immer zu beachten ist aber, dass die Restfeuchtigkeit den Wert von zwei Prozent nie überschreiten darf, wenn die Wäschestücke eingeschweißt werden sollen.

Brandschutzmaßnahmen ernst nehmen

Ein im wahrsten Sinne brandaktuelles und im Seminar behandeltes Thema ist der Brandschutz. Die zahlreichen Wäschereibrände in den vergangenen Jahren unterstreichen die Relevanz. Es gibt einige Arbeitsutensilien, bei denen verstärkt Entzündungsgefahr besteht. Muldenreinigungs- und Wachstücher sind beispielsweise stark brandgefährdet. Diese sollten daher grundsätzlich hängend gelagert werden. Ein Risikofaktor ist auch übertrocknete Wäsche, die sich durch statische Aufladung selbst entzünden kann. Auch Flusen unter oder über der Mangel können Brände auslösen. Deswegen müssen insbesondere die Seitenblöcke regelmäßig mit dem Staubsauger gereinigt werden. Um einem Brand vorzubeugen, ist es ratsam, die Walzenlager regelmäßig unter strikter Einhaltung der Wartungsanleitungen zu schmieren. Darüber hinaus legt der Referent den Unternehmen ans Herz, das Handbuch für Betrieb und Wartung der Mangel stets zur Hand zu haben und insbesondere über dessen Inhalt gründlich Bescheid zu wissen. Selbstverständlich müssen auch die Mitarbeiter und die Betriebshandwerker regelmäßig über den Inhalt und Brandvorkehrungen belehrt werden.

Abschließend warnte Christian Meinke die Seminarteilnehmer davor, den Brandschutz auf die leichte Schulter zu nehmen, denn „die Versicherer achten stets sehr genau auf die Einhaltung“.

Reinhard Wylegalla

Christian Meinke bietet kostenlose und herstellerneutrale Beratung bei unternehmerischen Entscheidungen rund um die Mangel an.
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