Marktstudie des Cotton Council International Einblicke in den Baumwollmarkt

Für die Bekleidungsindustrie war Baumwolle jahrhundertelang der wichtigste Faserrohstoff. Mit der Entdeckung der synthetischen Fasern verlor sie an Bedeutung, die Ende 2009 einsetzende Preisexplosion hat den Trend verstärkt. Dabei hat Baumwolle bei Verbrauchern einen guten Ruf, so der Tenor einer aktuellen Marktstudie des Cotton Council International, die am 31. Mai 2012 vorgestellt wurde.

  • Bild 1 von 3
    © Cotton Council International
    Bei Frottierwaren achten 93 Prozent der Verbraucher auf Produkte aus Baumwolle.Foto: Cotton Council International
  • Bild 2 von 3
    Baumwolle
    © Cotton Council International
    Für die Absatzförderung der stark exportabhängigen US-Baumwolle wurde 1956 die Übersee-Marketingorganisation Cotton Council International gegründet.Foto: Cotton Council International
  • Bild 3 von 3
    © Nybo Jensen
    Jeans sind der Deutschen liebstes Kind. In Skandinavien sind sie bereits seit Jahren fester Bestandteil der Berufsbekleidungskollektionen.Foto: Nybo Jensen

Einblicke in den Baumwollmarkt

Ein Textil ohne Baumwolle war lange Zeit wie eine Wäscherei ohne Wasser - einfach unvorstellbar. Noch vor einem Jahrhundert war Baumwolle weltweit die wichtigste Textilfaser. Ihr Anteil an der Weltfaserproduktion machte im Jahr 1900 über 80 Prozent aus. Auch sieben Jahrzehnte später ging noch mehr als die Hälfte der weltweit hergestellten und angebauten Textilfasern auf das Konto des „weißen Goldes“ (Quelle: CIRFS, 43. Jahrgang 2006). Doch dann verlor die Naturfaser in Relation zum gesamten Weltfaserbedarf langsam an Bedeutung. Dafür waren verschiedene Faktoren verantwortlich. Einerseits hatte die Entdeckung synthetischer Fasern wie Polyamid, Polyacryl und Polyester die Textilindustrie von den Erträgen der Baumwollfelder unabhängiger gemacht. Sie ermöglichten außerdem die Herstellung von Bekleidung und Heimtextilien mit bis dahin unbekannten Eigenschaften, weshalb sie sich schnell zunehmender Beliebtheit erfreuten. Gleichzeitig konnten die künstlich synthetisierten Fasern den rasch ansteigenden Weltfaserbedarf problemlos decken. Dieser hatte sich in den Jahren 1970 bis 2010 verfünffacht, während die Baumwollerträge im selben Zeitraum nur knapp um den dreifachen Wert stiegen (Quelle: Rohstoff:Monitor Baumwolle 2011).

Weltweit rückläufige Nachfrage

Dann kam die Preisexplosion für Baumwollfasern. Sie erreichte im Frühjahr 2011 ihren Höhepunkt und wirkte sich mit leichter zeitlicher Verzögerung auf die Garn-, Textil- und Bekleidungspreise aus. Die Entwicklung an den Handelsplätzen blieb für die Naturfaser nicht folgenlos - seit Januar 2011 nahm die Nachfrage nach Baumwollgarnen und Baumwollbekleidung laut einer Erhebung in den USA deutlich ab. Und auch für dieses Geschäftsjahr zeichnet sich rund um den Globus keine Erholung ab. Die weltweite Anbaufläche für Baumwolle wird im Jahr 2012 um etwa 1,5 Prozent zurückgehen. Die Verknappung wird sich allerdings nicht mehr in dem Maße auf den Baumwollpreis auswirken, wie dies zwischen Ende November 2009 und Mitte 2011 der Fall war. Es ist mit einer Preisstagnation auf dem aktuellen Niveau zu rechnen, denn die Lager sind wieder gefüllt. Außerdem erhält die chinesische Regierung durch große Zukäufe von Baumwolle den aktuellen Preisstand. Durch den Nachfragerückgang wird die preisliche Situation weiter beruhigt. Diese Erkenntnisse gehen auf die jüngste Marktuntersuchung des Cotton Council International (CCI) zurück.

Das Ohr am Markt

Die Marketingorganisation des National Cotton Council of America analysiert seit 1956 die internationale Entwicklung an den Baumwollhandelsplätzen, um die Nachfrage der stark vom Export abhängigen US-amerikanischen Baumwolle und Baumwollprodukte in Übersee gezielt zu fördern. Am 31. Mai 2012 stellte Geschäftsführer Kevin Lattner die neuesten Erkenntnisse der Organisation im Rahmen einer Pressekonferenz in Düsseldorf vor. Laut dem Tenor der Studie weisen das globale Bevölkerungswachstum und eine weltweit rasche Zunahme der Mittelschicht auf eine mittelfristige Trendumkehr in Sachen Baumwolle hin.

Im Gepäck hatte Lattner außerdem eine brandaktuelle Verbraucherstudie mit dem Titel „Global Lifestyle Monitor VII“. Sie wird seit 1998 im Auftrag des CCI erstellt und liefert detaillierte Einblicke in die Verbrauchergewohnheiten. Alle zwei Jahre werden relevante Vorlieben von Männern und Frauen in puncto Textilien und beim Bekleidungskauf ausgewertet. Auf diese Weise kann die Organisation maßgebliche Faktoren für die Nachfrage nach Baumwolle und Verbrauchervorlieben erkennen. Außerdem lassen sich für die jeweiligen Länder zielgenaue Marketingaktionen ableiten, denn die Konsumentenbefragungen finden in allen wichtigen Nachfragemärkten statt. Rückschlüsse sind auch auf die Berufsbekleidung möglich.

Baumwolle findet sich in jedem Kleiderschrank

Der Global Lifestyle Monitor beginnt mit einem Blick in den Kleiderschrank des Verbrauchers und listet die aus Baumwolle bestehenden Artikel auf. Um es gleich vorwegzunehmen: Bekleidung für den Beruf wird dabei nicht erfasst. Dafür förderte die Untersuchung zu Tage, dass Jeans und Denimqualitäten in deutschen Kleiderschränken eine ungebrochene Vorreiterstellung haben: Sie machen 58 Prozent des Inhalts aus - und zwar unabhängig von der Altersgruppe. Jeder deutsche Verbraucher besitzt durchschnittlich acht Jeans mit langen und zwei mit kurzen Beinen, ein Shirt aus Denim, eine Jeans-Jacke und zwei Stücke aus der Damenoberbekleidung. Auch bei den Heimtextilien legen die Deutschen großen Wert auf Produkte aus Baumwolle. 94 Prozent der befragten Verbraucher bestehen auf Frottierqualitäten aus der Naturfaser, bei Bettlaken liegt der Anteil bei 84 Prozent und beim Kauf von Bettwäsche achten 78 Prozent auf Produkte aus Baumwolle.

Im nächsten Schritt geht die Analyse der Frage nach, welche Faktoren Verbrauchern für den Kauf von Bekleidung besonders wichtig sind. Wie die Studie darlegt, wird der Bekleidungskauf in erster Linie von Qualität und Haltbarkeit, Fasermaterial, Farbe, Preis und dem Finish der Artikel beeinflusst. Insbesondere Bekleidung, die dem Träger einen echten Mehrwert bietet, genießt hohes Ansehen. Pflegeleichtigkeit, wind- und wasserabweisende Eigenschaften sowie knitterfreie Teile stehen bei den Verbrauchern hoch im Kurs. Etwas weniger wichtig werden Aspekte wie Pflegeanforderung, Leistungsmerkmale, Style und Umweltfreundlichkeit eingestuft. Trotzdem legen 21 Prozent der befragten Frauen und 14 Prozent der Männer Wert auf umweltgerechte Bekleidung. Ihre Wünsche nach einer für die Umwelt sicheren Faser sehen sie insbesondere durch die Baumwolle verwirklicht. Drei von vier Teilnehmern stellen ihr ein entsprechendes Zeugnis aus, während Polyester nur von jedem Fünften als sicher eingestuft wird.

Und auch sonst genießt die Naturfaser ein gutes Image. Von den Studienteilnehmern wird sie mit Attributen wie natürlich, komfortabel, wärmend, traditionell, weich, hochwertig, vielseitig und atmungsaktiv belegt.

Onlineshopping begünstigt Preisvergleiche

Ein weiterer Teil des Global Lifestyle Monitors widmet sich dem Einkaufsverhalten der Deutschen. Die lange praktizierte Schnäppchenjagd zeigt eine leichte Rückwärtstendenz und scheint dem Engagement der Textil- und Bekleidungsindustrie zu mehr ethisch-sozialem Konsum langsam Tribut zu zollen. Drei Viertel der deutschen Verbraucher sind bereit, mehr Geld für Bekleidung höherer Qualität auszugeben. Allerdings soll nicht unerwähnt bleiben, dass vor allem junge Menschen zunehmend bereit sind, Qualitätseinbußen zugunsten eines besseren Preises in Kauf zu nehmen. Diese Tendenz wird zusätzlich durch die sich ausweitende Nutzung von Onlineshops als Kaufquelle für Bekleidung begünstigt. Bereits acht Prozent der Verbraucher kaufen ihre Bekleidung im Internet und Suchmaschinen helfen inzwischen jedem dritten Onlineshopper bei der Wahl des geeigneten Anbieters. Ein Ende ist noch lange nicht absehbar. Der CCI rechnet mit einem intensiven Ausbau des deutschen Onlinegeschäfts für Bekleidung.

Dipl.-Ing. Sabine Anton-Katzenbach

www.cottonusa.de