Essschürzen für Bewohner sind Sven Janssen, Leiter des Vitanas Senioren Centrums, ein Graus. Wird ein Pullover oder ein Rock mehr schmutzig, ist das für die Bewohner in seiner Betreuungseinrichtung kein Problem. Sie bekommen ihre Bekleidung über einen Flatrate-Tarif gewaschen. Es steigert ihr Wohlbefinden, immer ordentlich gekleidet zu sein.
Wir wollen keine Lätzchen-Kultur
Sven Janssen erklärt, worauf er beim Wäscheservice achtet. Für die Bewohnerbekleidung, Bett-, Frottee- und Tischwäsche arbeitet das Vitanas Senioren Centrum in München mit einem externen Dienstleister zusammen. Für die Berufsbekleidung der 70 Pflegekräfte und der Wischmopps läuft die eigene Maschine täglich.
RWTextilservice: Wie ist die anfallende Wäsche verschmutzt?
Sven Janssen: Die Wäsche ist stärker verschmutzt als Daheim. Vor allem auf der Oberbekleidung sind oft Flecken von Getränken und Essen. Aber wir wollen keine Lätzchen-Kultur, um die Lebensqualität für die Bewohner zu erhalten.
RWTextilservice: Wie wird Ihre Bewohnerwäsche gepflegt?
Sven Janssen: Die Bewohnerwäsche wird bei 60 °C gewaschen und im Trockner getrocknet. Die Wäscherei gibt keine Garantie für Produkte, die diese Kriterien nicht erfüllen. Für alle anderen Schäden haben wir eine Regressliste. Die Wäscherei ersetzt dem Bewohner dann entweder den Geldwert oder das Produkt.
RWTextilservice: Unterweisen Sie die Bewohner im Aussuchen ihrer Bekleidung?
Sven Janssen: Viele bringen Bekleidung mit, die nicht geeignet für die Großwäscherei ist. Ein Großteil der Bekleidung muss daher neu besorgt werden. Wir geben beim Einzug eine Liste aus, was für Pflegeheime sinnvoll ist. Zweimal im Jahr kommt ein mobiler Textilverkauf zu uns ins Haus. Im Café können sich die Bewohner dann im Frühjahr und Herbst mit Bekleidung eindecken, die großwäschereitauglich ist. Das ist besonders für Sozialhilfeempfänger, die ein pauschales Bekleidungsgeld bekommen, hilfreich.
RWTextilservice: Wie berechnen Sie den Wäscheservice?
Sven Janssen: In unserem Vertrag ist die Flachwäsche von der Bewohnerwäsche getrennt. Über die Flachwäsche bekommen wir eine pauschale Abrechnung. Die Personenwäsche wird nach Bewohner aufgeschlüsselt. Dem Bewohner berechnen wir jedoch einen Pauschalpreis, der im Heimentgelt enthalten ist.
RWTextilservice: Eine pauschale Abrechnung macht wenig sensibel für den Verbrauch. Wie unterweisen Sie Ihre Mitarbeiter?
Sven Janssen: Jeder neu eingestellte Mitarbeiter wird im Umgang mit der Wäsche geschult. Es gibt einen Wäschebeauftragten pro Station. Die Bestellung für die einzelnen Abteilungen macht der Haustechniker. Das Controlling läuft über meinen Tisch. An den Zahlen sehe ich genau, wie viele Handtücher welche Station verbraucht.
RWTextilservice: Bekleidung im Altenheim wird nur zusammengelegt. Stört es Ihre Bewohner, nicht gebügelte Textilien zu tragen?
Sven Janssen: Das stört viele. Die Generationen vor uns legen sehr viel Wert darauf, dass die Wäsche gebügelt ist. Wir versuchen, bei Angehörigenabenden aufzuklären. Die Wäscherei ist dann auch da und beantwortet Fragen. Mit dem Heimbeirat besuchen wir regelmäßig die Wäscherei, damit das Verständnis wächst, was die Wäscherei leisten kann und was nicht. Bügeln geht nur mit Aufpreis. Ansonsten wird die Wäsche gemangelt und vollautomatisch zusammengelegt. Wir achten auf die umweltverträgliche Verpackung in Papiertüten. Darin wird die Wäsche separiert nach Bewohner verpackt und kommt zu uns zurück.
RWTextilservice: Welchen Service bieten Sie Senioren, die Wert auf ein elegantes Finish legen?
Sven Janssen: Es gibt auch Bewohner, die bereit sind, mehr für ihre Wäsche zu zahlen. Sie können ihre Wäsche 50 m die Straße runter zur Reinigung bringen oder sie zahlen einen Aufpreis, damit die Wäscherei ihre empfindlicheren Textilien separat aufbereitet. Dieses Angebot nutzen weniger als zehn Prozent der Bewohner. Die meisten sind am Gesamtpaket interessiert. In dem Heimkosten sind die Unterkunft, Verpflegung und Aufbereitung der Wäsche unabhängig vom individuellen Verbrauch enthalten.
RWTextilservice: Bei an Demenz Erkrankten ist ein rationaler Wäscheverbrauch zum Teil nicht möglich. Wie gehen Sie damit um?
Sven Janssen: Wir haben sehr viele Bewohner, die sich mehrmals am Tag umziehen. Wenn zwei Pullis oder drei Hosen am Tag schmutzig werden, dann ist das eben so. Uns ist wichtig, dass die Bewohner sauber und gut gekleidet rumlaufen.
RWTextilservice: Stört das Einnähen des Bewohnernamens in die Wäschestücke die Senioren?
Sven Janssen: Die an Demenz Erkrankten irritiert das. Wir versuchen aufzuklären, dass wir in einer Hausgemeinschaft leben. Unter Umständen müssen wir jeden Tag neu aufklären. Aber viele Bewohner kennen die Kennzeichnung von früher. Meine Großmutter hat auch noch in alle ihre Wäsche ihren Namen eingenäht.
RWTextilservice: Befremdet die Bewohner, dass die Textilien aus der Großwäscherei einen neutralen Geruch haben?
Sven Janssen: Wir verwenden nur Waschmittel, welches nach RKI-Kriterien geprüft ist. Der Geruch unserer Wäsche ist nicht neutral, denn wir haben Duftsäckchen in den Bewohnerschränken. Daher riecht die Bekleidung leicht nach Lavendel oder Zitrone.
RWTextilservice: Auf welchen Service legen die Bewohner wert?
Sven Janssen: Die Bewohner schauen ganz genau zu, wenn die Mitarbeiter die Bekleidung wieder in den Schrank räumen. Ist die Wäsche gestärkt? Kratz der Pulli? Einige Bewohner fühlen, ob die frische Wäsche weich ist.
RWTextilservice: Welche Schwierigkeiten haben Sie bei der Bewohnerwäsche?
Sven Janssen: Das größte Problem ist, wenn die Angehörigen einen Teil der Bewohnerwäsche selber waschen. Jedes Bekleidungsstück für die Wäscherei kennzeichnet eine Mitarbeiterin unseres Senioren Centrums beim Einzug mit dem Bewohnernamen und einem Barcode. Wir versuchen auf die Angehörigen zuzugehen, aber die Pflegekräfte achten nicht bei jedem Bekleidungswechsel darauf, ob alle Wäschestücke gekennzeichnet sein. So kommt ein Teil in den Wäschesack und geht mit in die Wäscherei. Das gibt Chaos.
RWTextilservice: Vielen Dank für das Gespräch.Christina Geimer