Am 28. und 29. September trafen sich die Mitglieder des Industrieverbands Textilservice e.V. in Kitzbühel in Tirol. Übergreifendes Thema waren „künftige Herausforderungen für die Branche“, denen man vor allem gemeinsam begegnen will. Erste Pläne für einen „Gesamtverband Textilservice“ wurden vorgestellt.
Gemeinsam Zukunft gestalten
Hoch hinaus in die Alpen nach Kitzbühel in Österreich ging es zum Herbsttreffen des intex in diesem Jahr. Und das soll auch die Richtung für die Zukunft sein. Aufwärts soll es gehen, und zwar gemeinsam. Dazu soll es voraussichtlich 2013 zu einer Fusion des Deutschen Textilreinigungs-Verbands (DTV) und intex kommen. Im „Gesamtverband Textilservice“ (GVTS) will man zukünftig gemeinsam die öffentliche Wahrnehmung der Branche verbessern und die Gestaltungsmehrheit im politischen Raum sicherstellen. Bereits einige Tage zuvor beim DTV-Verbandstag in Berlin (siehe Berichte ab Seite 12) war die Zusammenarbeit der Branchenverbände ein Thema. Nach Kitzbühel waren auch DTV-Präsident Friedrich Eberhard und Friedrich Habermeyer vom DTV angereist, um die Pläne eines Gesamtverbandes vorzustellen. Zusammen mit intex-Präsident Peter Böge und Präsidiumsbeisitzer Andreas Stichnoth diskutierte die Runde bei einer Podiumsdiskussion über „künftige Herausforderungen der Branche“ - das übergreifende Thema des Herbsttreffens. Dazu gehörte auch die Verbandszusammenarbeit. Seit 2009 gibt es die Arbeitsgemeinschaft von DTV und intex. Hier habe man bisher vertrauensvoll zusammengearbeitet, sagte Böge. In Sondierungsgesprächen zur Fusion mit Eberhard und Habermeyer vom DTV, Stichnoth und Claus Dietrich vom intex habe man festgestellt: „Das Fundament der Zusammenarbeit existiert bereits, wir müssen nur noch das Haus darauf bauen - und zwar zusammen.“ Stichnoth betonte, es sei wichtig, sich dabei auf gleicher Augenhöhe und mit Respekt zu begegnen. „Beide Organisationen stehen für die gleichen Werte und Ziele“, sagte er in Kitzbühel. Eberhard bestätigte: „Wir haben enorm viele Übereinstimmungen als Branche und deckungsgleiche Interessen.“ Als Beispiel führte er die Gestaltung der Tariflandschaft an. Bei alledem sei aber eine Bewahrung der eigenen Identität wichtig. Hier fanden die Verbandsvertreter einen Konsens zu einem Säulenmodell. Stichnoth forderte eine Organisationsstruktur, in der sich alle Gruppen wiederfinden, und plädierte für ein föderalistisches System, das auch offen für Drittorganisationen ist. Böge rief alle Verbandsmitglieder auf, aktiv in die Verhandlungs- und Gestaltungsphase zu gehen. Ein Zeitplan sieht vor, die Vorschläge bis Ende 2012 umzusetzen.
Gemeinsam will man viel erreichen und Problemen begegnen, so z.B. einem gesetzlichen Mindestlohn, mit dem laut Eberhard gerechnet werden muss. Dabei sei man man dann stark, wenn man einig handelt. Das könne man am bereits vorhandenen Mindestlohn für Wäschereien sehen. Stichnoth sagte: „Der Gesetzgeber soll uns nicht zuvorkommen“, man wolle eine eigene Gestaltung
(mehr zum Thema Mindestlohn siehe Berichterstattung zum DTV-Verbandstag ab Seite 14).
Ein wichtiger Aspekt bei allen Diskussionen war das Branchenimage. Ob zu politischen Zwecken, zur Nachwuchs- oder Kundengewinnung - hier ist einiges zu tun, sind sich die Branchenvertreter einig. Peter Böge stellte fest: „Unsere Kunden haben einen guten Eindruck von unseren Dienstleistungen. Die, die uns nicht kennen, haben kaum eine Vorstellung von dem, was wir tun.“ Die gemeinsame Aufgabe sei es deshalb, die Dienstleistung Textilservice bekannter zu machen. Auch Habermeyer denkt, dass die Branche „ein viel besseres Image haben könnte“. Beim Tag der offenen Tür seien die Leute oft erstaunt über Technik und Know-how der Betriebe. „Wir haben eine tolle Branche und sollten mehr auf die Leute zugehen, mehr ,outgoing‘ sein“, forderte er.
Wie also tut man etwas für sein Image? Zum Thema PR, Social Media und CSR (Corporate Social Responsibility) hatte der intex Kirsten Rahmann vom Gesamtverband textil + mode eingeladen. Sie ist dort verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und stellte die Gesamtstrategie des Verbandes als Best-Practice-Beispiel vor. Um die Position zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) öffentlich klarzumachen, gab es z.B. neben Pressemitteilungen an die Fach- und Wirtschaftspresse auch Hintergrundgespräche für die Presse in Zusammenarbeit mit anderen Verbänden.
Zur Tarifrunde machte der Verband in diesem Jahr seine Pressearbeit zum ersten Mal selbst - vorher war eine Agentur damit beauftragt. Dazu gehörten Layout und Redaktion von Infopaketen für Arbeitgeber, Online-Informationen u.a. auf Facebook und zahlreiche Veröffentlichungen in überregionalen und regionalen Tageszeitungen. Einen großen Verteilerkreis gibt es auch für eine Broschüre, die zum Thema Nanotextilien entwickelt wurde. Neben der Presse interessieren sich auch Schulen und die Politik für Fragen wie „Was ist Nano überhaupt? Wo wird es eingesetzt?“ usw.
Mit dem Innovationspreis will der Verband neben Presse, Politik und Entscheidern auch den Nachwuchs erreichen. In Sachen CSR hat textil + mode einen eigenen „code of conduct“ entwickelt, der u.a. mit einem Logo präsent ist. Auch auf Facebook ist der Verband vertreten. Die Bilanz: In zehn Monaten verzeichnete man 123.000 Beitragsaufrufe. Dabei habe man „relativ wenig Engagement hineingesteckt“, so Rahmann.
Facebook ist auch eine wichtige Plattform zur Lösung des Nachwuchsproblems der Textilservicebranche. Es wird immer schwieriger, passende Lehrlinge zu finden. Die Zahlen, die Habermeyer hierzu anführte, sprechen für sich: Im Jahr 2005 waren es in Deutschland noch 1.000 Textilreinigerazubis, aktuell sind es 500. Wie ein Projekt zur Nachwuchsförderung aussehen kann, zeigte Oliver Woye von der Agentur „die wegmeister“ aus Stuttgart. Für den Gesamtverband textil + mode startete die Agentur im September 2009 die Kampagne „Go textile!“ (mehr dazu siehe Kasten unten). In einem Film stellte Woye das Projekt vor. Die Zielgruppe sind 13- bis 19-Jährige und ihr Umfeld, sprich Eltern, Unternehmen, Arbeitsagenturen etc. „Unsere Zielgruppe ist zu 100 Prozent im Internet“, zitierte er eine ZDF-Online-Studie. Eine entsprechende webbasierte Kampagne muss lebendig sein, Dialoge herstellen, aktiv vernetzen. Dazu gehört ein breiter Kommunkationsmix. Werbung auf Facebook, Gewinnspiele, Präsentation auf Messen oder Guerilla-Aktionen sollen Aufmerksamkeit erregen. Ein einheitliches Corporate Design sorgt für den Wiedererkennungswert. Für eine starke Kampagne sei außerdem wichtig, dass alle Beteiligten involviert sind und eine Stoßrichtung haben. Für die Kommunikation hat Woyer folgenden Tipp: „Sachverhalte einfach rüberbringen“ - das gilt nicht nur zur Gewinnung von Lehrlingen.Neben der Nachwuchsförderung war auch das damit verbundene Thema Demografie beim Herbsttreffen ein Programmpunkt. Hans-Joachim Blömeke, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes textil + mode, ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und referierte über die „Balance der Kräfte“. Er machte klar: Das Arbeitskräfteangebot hat sich massiv geändert und wird sich noch weiter ändern. Es gibt immer weniger jüngere potenzielle Arbeitskräfte. In der Gruppe der 19- bis 24-Jährigen wird im Zeit-raum von 2006 bis 2025 ein Rückgang von 1,2 Millionen Personen erwartet. Dagegen nimmt die Personengruppe der 45- bis 64-Jährigen um 1,4 Millionen zu. Deshalb besteht laut Blömeke Handlungsbedarf in den vier Bereichen Nachwuchsgewinnung, Fachkräftegewinnung, Wissenstransfer und Gesundheitsmanagement. Um im Wettlauf der Branchen Azubis gewinnen zu können, muss man versuchen, mit den „Großen“ wie der Metall- oder Chemiebranche mithalten zu können. Auch hier gilt es, am Image der Textilbranche zu arbeiten. Eine Imageverbesserung sollte laut Blömeke bereits in der Schule beginnen. In der achten und neunten Klasse sollte man versuchen, den Berufswunsch mitzubestimmen. Der Verband hatte die Idee, Musterunterrichtseinheiten und einen didaktischen Musterkoffer zu entwickeln, um das Interesse der Schüler für die Textilbranche zu wecken. „Außerdem müssen wir ins Internet“, forderte Blömeke, „und dort interessant auftreten.“
Um dem Fachkräftemangel vorzubeugen, empfiehlt er, eine Altersstrukturanalyse zu machen, also „rechtzeitig zu schauen, wann welcher Stuhl frei wird“. Eine Bildungsbedarfsanalyse soll zeigen, wer wen ersetzen kann und welche Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen dafür notwendig sind. Unterstützend kann ein Betrieb Talentmanagement betreiben. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Personal binden. Das geht zum einen durch Bezahlung, aber auch durch die Änderung des Führungsverhaltens. „Das Betriebsklima muss stimmen“, erläuterte Blömeke, „man muss Wertschätzung und Perspektiven bieten.“ Weitere Maßnahmen zur Personalbindung sind familiengerechte Arbeitszeiten oder soziale Leistungen wie Kindergarten oder Hort, die man auch im Verbund mit anderen Unternehmen anbieten kann. Um einem schlagartigen Know-how-Verlust vorzubeugen, ist eine Steuerung des Wissenstransfers notwendig. Altersgemischte Teams oder ältere Mitarbeiter als Referenten für Schulungen können Lösungen sein.Schließlich ist Gesundheitsschutz ein wichtiges Thema für die künftige Personalsicherung. Da die Zahl der 45- bis 64-Jährigen immer größer wird, wird diese Gruppe immer wichtiger für Betriebe. „Wir müssen versuchen, sie lange fit und leistungsfähig zu halten“, sagte der Referent. Betriebseigene Fitnessräume, ein Firmenmarathon oder einfach eine Umstellung des Kantinenessens sind Beispiele für entsprechendes Gesundheitsmanagement. Weitere Maßnahmen zeigte Thomas Wetzel von der Bardusch AG Schweiz in Basel. Im Unternehmen werden jährlich 30.000 Schweizer Franken in gesunde Mitarbeiter investiert. Das sind praktische Dinge wie Stehhilfen oder andere ergonomische Hilfsmittel, gesunde Gratispausensnacks oder ein betriebseigener Physiotherapeut. Aber auch Aktionen gehören dazu wie „Bike to work“ oder die „Aktion Winterspeck“. Das Konzept beinhaltet auch Kommunikationsmaßnahmen wie Gesundheitszirkel, Präsenzgespräche etc. Durch das Gesundheitsmanagement konnte neben der Senkung der Absenzquote im Unternehmen auch eine entsprechende Sensibilisierung für das Thema erreicht werden.
Bei der Abendveranstaltung in Rosi’s Sonnbergstuben wurde intex-Referent Ruben Höpfer verabschiedet, der sich neue Herausforderungen in der Chemieindustrie sucht. Mit Susanne Gross wurde gleichzeitig eine neue Mitarbeiterin als Assistentin für Kommunikation und Marketing vorgestellt.Elena Schönhaar