Sachverständigentreffen in Baden-Baden Diskussion rund um Schadensfälle

Fest verankert im Branchenkalender des Deutschen Textilreinigungs-Verband (DTV) ist das jährliche Sachverständigentreffen. "Schäden und ihre Ursachen im Bereich der professionellen Wäschepflege" war das Thema.

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    Die Sachverständigen durften sich in der Buchholz Textilpflege in Baden-Baden genau umsehen. Fotos: Himmelsbach
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    Marc Buchholz beim Produzieren eines Schadensfalls.
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    Alexandra Nestler ist Hygienebeauftragte der Wäscherei Buchholz.
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    Barbara Hardt kam als Referentin vom Waschmittelhersteller Christeyns, Offenburg.
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    Dr. Jörg Schwerdtfeger von BÜFA ging auf den Sinner’schen Kreis ein.
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    Prof. Dr. Hans-Günter Hloch übernahm den Themenbereich „Trocknung“.
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    Heike Fritsche vom DTV stellte eine Überarbeitung der RAL 990 A2 zur Diskussion.
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    Hans-Christian Meinke von Mangel-Meinke kam mit vielen Schadensfallbeispielen.

Diskussion rund um Schadensfälle

Marc Buchholz, Geschäftsführer der Buchholz Textilpflege in Baden-Baden und öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Textilreinigerhandwerk, hatte eingeladen, das diesjährige Sachverständigentreffen in den firmeneigenen Schulungsräumen und in seinem Betrieb durchzuführen.

Nach der Begrüßung der Sachverständigen und der interessierten Gäste ging es zu einem Betriebsrundgang der besonderen Art. „Sie können ruhig fotografieren, wir haben keine Geheimnisse.“ Diese Aufforderung gleich zu Beginn unterstrich die kollegiale Offenheit, die die Familie Buchholz bei dieser Tagung einbrachte. Die große Leistungsfähigkeit und Qualität des Betriebes, der 30 Tonnen Wäsche am Tag bearbeitet, wurde nur am Rande gestreift. Im Fokus standen die möglichen Schädigungen, die an den jeweiligen Stationen der Wäschebearbeitung entstehen können. Die fachkundigen Ausführungen von Marc Buchholz, der nicht nur Textilreinigermeister, sondern zudem als gelernter Elektriker für die Technik im Betrieb zuständig ist, trafen auf großes Interesse der Zuhörer.

Offen wurden Schadensfälle aus der betrieblichen Praxis erläutert und Maßnahmen dargestellt, die ergriffen wurden, um diese für die Zukunft auszuschließen. Ein besonders teurer Fall, so berichtete Buchholz, war vor Jahren eingetreten. In der Kammer einer Waschstraße hatte sich ein Schlitz gebildet. Die in diesen Schlitz geratende Wäsche wurde mechanisch geschädigt und musste aussortiert werden. Untersuchungen an der ausgeschalteten Waschstraße zeigten jedoch keine Unregelmäßigkeiten an den Trommelwänden. Das gesamte Technikteam mit externen Monteuren forschte stundenlang nach der Ursache der Wäscheschäden. Die Ursache fand sich doch noch in der Waschstraße. Schuld war der bereits erwähnte Schlitz, der sich immer wieder von alleine schloss, sodass er bei den Begehungen zunächst nicht gefunden werden konnte. Die Erleichterung war groß, als der Defekt beseitigt war.

Eine weitere Station des Betriebsrundgangs war die Membranepresse. Anhand vorbereiteter aussortierter Wäsche demonstrierte Marc Buchholz eine Schädigung durch die Membranepresse vor den Augen der Sachverständigen. So konnte das typische Schadensbild unmittelbar erzeugt werden.

Mangelschäden, Schäden durch falsches Trocknen oder fehlerhafter Temperatursteuerung, Fehler in der Einstellung automatischer Eingabemaschinen, fehlerhafte Zuführung in den Tunnelfinisher - die ganze Bandbreite der Möglichkeiten, die zu einer Schädigung von Wäscheteilen führen kann, wurde besprochen.

Dass das wöchentliche Reinigen von Schaltschränken sowie deren Belüftung mit Ventilatoren als wichtige Brandschutzmaßnahme im Qualitätsmanagement der Buchholz Textilpflege verankert ist, war für manche Teilnehmer aus dem Bereich der Kleinbetriebe völlig neu. Die Flusen, die bei der Bearbeitung der Wäsche entstehen, können unter Umständen wie Zunder wirken. Ein Funken genügt, um unter ungünstigen Bedingungen eine Verpuffung auszulösen, die den ganzen Elektroschrank zum Brennen bringen kann.

Katharina Meyersrenken, Mitglied des Vorstandes von Versteegen Assekuranz, Bonn, brachte Erkenntnisse aus der Bearbeitung aktueller Großschäden in das Gespräch ein und berichtete von einem neuen, für Wäschereien interessantem Löschmittel, das sich in der Erprobungsphase befindet.

Mit Barbara Hardt vom Waschmittelhersteller Christeyns, Offenburg, wurde das Vortragsprogramm eröffnet. Sie beschäftigte sich mit der Frage ob das Titrieren der Waschflotte als Notwendigkeit oder als lästiges Übel zu betrachten sei. Ausgehend von unterschiedlichen Schadensfallmöglichkeiten wurde der Einfluss auf die Wäsche und das Waschergebnis von Belademenge, Prozesswasserqualität und Temperaturverlauf in Zusammenhang mit der Waschchemie beleuchtet. Besonderes Augenmerk legte Hardt auf die Parameter, die in einem Titrationsprotokoll erfasst werden, und schilderte Beispiele, welche Auswirkungen durch Veränderung einzelner Messwerte zu erwarten sind. Besonders deutlich wurde, dass der Waschprozess im Rahmen der „Hochleistungswäscherei“ komplex und auch störungsanfällig ist. Auf diese Rahmenbedingungen haben sich die Großwäschereien und die Hilfsmittelindustrie jedoch eingestellt.

Dr. Jörg Schwerdtfeger von BÜFA, Oldenburg, sprach über die Optimierung von Waschprozessen. Als Einstieg verwies Schwerdtfeger auf die Arbeit von Herbert Sinner, den „Erfinder“ des Sinnerschen Kreises, der die Einflussgrößen beim Waschprozess schematisch darstellt. Schwerdtfeger führte mit interessanten Details tiefer in diese Materie ein.

Prof. Dr. Hans-Günter Hloch vom Cleaning Technology Institute, Krefeld, übernahm den Themenbereich „Trocknung“. Insbesondere lenkte er das Augenmerk auf die verschiedenen Probleme während der Trocknungsphasen. Die besonders kritische Trocknungsphase im Hinblick auf die Wäscheschäden sei die Phase drei „Verdampfung der Feuchte aus dem Inneren“. Während der Restwasserentfernung steigt die Temperatur im Textilteil an. Wird der Trocknungsprozess zu lange durchgeführt, können in dieser Phase umfangreiche Schäden entstehen. Um hier vorzubeugen und die Temperatur im Sollbereich zu halten, gibt es drei Möglichkeiten: Steuerung über Zeitschaltuhr, über Infrarottemperaturmessung und die Steuerung über Restfeuchtemessung. Allen Messungen gemeinsam ist, dass sie am zuverlässigsten funktionieren, wenn die jeweilige Charge aus gleichen oder sehr ähnlichen Teilen besteht. Insbesondere die Infrarotsteuerung eignet sich für die industrielle Wäschetrocknung, da man hier auf große Mengen gleichartiger Wäscheposten zurückgreifen kann. Die Restfeuchtemessung hat sich im Bereich der Nassreinigung etabliert.

Zur Sprache kam auch die Kennzeichnung von Textilien mit dem Trocknungssymbol. Die internationalen Pflegesymbole beziehen sich dabei auf den Haushaltstrockner. Ein Punkt im Trockner entspricht einer Trocknungsablufttemperatur von 60 °C, ein Verfahren für empfindliche Ware. Für normale Ware sind zwei Punkte im Trocknersymbol vorgesehen. Hier kann die Ausgangstemperatur bis zu 80 °C betragen. Nun könnte man vermuten, niedrige Temperaturen seien für alle Textilien schonender. Ein verbreiteter Irrglaube, wie Hloch meint. Für temperaturempfindliche Textilien trifft dies zu. Ansonsten wird die Ware jedoch durch die längere Trocknungsdauer einem beanspruchenden mechanischen Prozess ausgesetzt. Für den industriellen Trocknungsprozess gibt es durch die Verabschiedung der Norm ISO 30023 „Industrielles Trocknen“ ein neues, zusätzliches Symbol, das aller Voraussicht nach nicht in die Reihe der internationalen Pflegesymbole aufgenommen werden wird. Außerdem existiert ein eigenes Symbol für die Behandlung im Tunnelfinisher. Im Bereich der Tunnelfinisher berichtete Hloch von den aktuellen Forschungen und den daraus resultierenden Ergebnissen für die Praxis. Die Problematik bestehe beim Tunnelfinisher darin, gleichmäßige Temperaturen auf den Textilien zu erzeugen, so dass am Ende des Durchlaufs nicht einzelne Partien übertrocknet, andere jedoch noch feucht sind.

Hans-Christian Meinke von Mangel-Meinke, Bremen, brachte einen Teil seiner Sammlung von Schadensfällen aus dem Bereich der professionellen Wäschereimangeln mit nach Baden-Baden. Die Gesetzmäßigkeiten von Hochleistungsmangeln aus dem Blickwinkel von Schadensfällen erläutert zu bekommen, war für die Sachverständigen hochinteressant. Viele Schadensbilder konnten so in kurzer Zeit durch die Reihen gereicht werden und über die Ursache und ihre Vermeidung diskutiert werden.

Über die RAL-Gütezeichen 992/1-3 aus Sicht der Praxis sprach Alexandra Nestler, Hygienebeauftragte der Wäscherei Buchholz. Schulung der Mitarbeiter, Organisation und Auswertung der Eigenkontrollen und sonstige Aspekte der Umsetzung der Vorgaben der RAL-Gütezeichen standen dabei im Fokus.

Im allgemeinen Teil des Treffens stellte Heike Fritsche vom DTV aufgrund einer entsprechenden Anfrage der RAL eine Überarbeitung der RAL 990 A2 zur Diskussion, die von den Sachverständigen einstimmig beschlossen wurde. Schnell war eine Arbeitsgruppe gebildet, die entsprechende Vorarbeit leisten soll.

Peter Schwarz referierte über das Erkennen von Vorschädigungen an Textilien. Meinrad Himmelsbach stellte Normen und Definitionen des Verfahrens Nassreinigung vor und verwies insbesondere darauf, dass es zwischen der Normalbehandlung (W), der Behandlung W mit einem Strich und der Behandlung W mit zwei Strichen erhebliche, bei Eintreten eines Schadensfalles entscheidende Unterschiede gibt.

Eine Tradition bei den Sachverständigentreffen hat die gemeinsame Erörterung von Schadensfällen. In kollegialer, interessierter Weise wurden die von den Sachverständigen mitgebrachten Fälle unter Moderation von Rudolf Krekel diskutiert.

Das nächste Treffen ist für Ende Juni 2012, eventuell in Bochum, geplant.Meinrad Himmelsbach