Sie war Wegbegleiterin für viele Textilreiniger und brachte sie mit Kompetenz und Menschlichkeit durch die Ausbildung: Die Berufsschullehrerin Ursula Schaber-Rupp, vormals Reimann, wurde in den Ruhestand verabschiedet. Allerdings nicht ohne eine letzte Gesellenprüfung.

Super Auftrag super ausgeführt
Die letzte Gesellenprüfung am 22. und 23. Juli 2011 in Freiburg und Emmendingen hat Ursula Schaber-Rupp - vielen Gesellen und Meistern noch unter dem Namen Frau Reimann bekannt - nochmals sichtlich Spaß gemacht. Mehr als 30 Jahre lang war sie für die Textilreiniger aus Baden-Württemberg nicht nur eine Berufsschullehrerin, sondern auch menschlicher Ansprechpartner für Sorgen, Nöte und Ängste. Dabei war ihr weder die Pädagogik noch die Textilpflege in die Wiege gelegt worden.
Die gebürtige Stuttgarterin absolvierte nach dem Realschulabschluss zunächst eine Lehre zur Werkstoffprüferin. Ihre damalige Berufsschule war die Kerschensteinerschule in Stuttgart, an die sie Jahre später als Berufsschullehrerin für Deutsch, Chemie und Physik zurückkehrte. Zwischenzeitlich besuchte sie als damals erstes Mädchen unter 600 Studenten die Ingenieurschule (heute Fachhochschule) Aalen. Zwei Jahre Arbeit in einem Industrielabor zeigten ihr, dass sie beruflich unter Menschen sein muss, um glücklich zu sein.
Nach drei Semestern berufspädagogischem Hochschulstudium übernahm sie die Werkstoffprüferklasse an der Kerschensteinerschule. 1974 wurden an der Schule die Abteilungen neu gegliedert. Der Beruf Textilreiniger, damals aus den Berufen Wäscher und Plättner sowie Chemischreiniger und Färber zusammengeführt, hatte diese Neustrukturierung nötig gemacht. Nach reiflicher Überlegung sagte der damalige Schulleiter zu seiner jungen Kollegin: „Ich habe einen super Auftrag für dich.“ Die Leitung der neuen „Textilabteilung“ mit fünf verschiedenen Berufsbildern aus dem Textilbereich.
Die Leitung der Textilabteilung war anfangs nicht leicht. „Aber es begann für mich die Zeit der Praktika unter anderem bei der Reinigung Grühn in Ludwigsburg“, erzählt Schaber-Rupp. Die in der Branche bekannten Familien Merkle und Kober standen mit Rat und Tat zur Seite. Die Kollegen und Vorgesetzten unterstützten die neue Fachlehrerin ebenfalls und ab 1976 war ein überaus erfolgreiches Team geschmiedet, denn Dr. Albrecht Eberle stieß als Kollege dazu. Eine gute Zusammenarbeit, von der viele der Auszubildenden in den kommenden Jahren menschlich und fachlich profitierten. Für den Fachverband Textilpflege Südwest (Fatex) bedankte sich Christian Himmelsbach, Obermeister der Landesinnung Baden-Württemberg, in einer Feierstunde am Rande der diesjährigen Gesellenprüfung. Er konnte ein Buch überreichen, in dem einige ihrer ehemaligen Schüler einen Abschiedsgruß individuell gestaltet haben. Ein Buch, das zu einem sehr persönlichen Who’s who der baden-württembergischen Textilpflegebranche geworden ist. Obwohl die Prüflinge bei der Feierstunde am Abend nicht dabei waren, musste Ursula Schaber-Rupp auf „ihre Schüler“ nicht ganz verzichten: Die meisten der anwesenden 15 Prüfer hatten bei ihr bereits die Schulbank gedrückt. Einer der Gäste fasste es zusammen: Das war damals ein super Auftrag und er wurde auch super ausgeführt.Meinrad Himmelsbach