Texcare Forum: Themenschwerpunkt Textilien und Pflegekennzeichnung Rund um die Textilien

Ein weiterer Themenblock des Texcare Forums beschäftigte sich mit Textilien und Geweben. Stephan Prinz von Klopman und Klaus Berthold von HB Schutzbekleidung stellten neue Entwicklungen im Bereich der Berufsbekleidung vor. Dr. Wolfgang Schiller von der BAM - Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung verriet den Teilnehmern Wissenswertes über Pflegekennzeichen.

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    Dr. Wolfgang Schiller erkennt in der Praxis einen Trend zum „Underlabeling“, d.h. zu einer zu vorsichtigen Pflegekennzeichnung.
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    Stephan Prinz von Klopman führte die Zuhörer in die Strategien, Fasertechnologien und Normen für Schutzbekleidung ein.Foto: RWT
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Rund um die Textilien

Der Markt für Berufsbekleidung ist in Bewegung. Aktuelle Schnitte, neue Ausrüstungsmöglichkeiten und besserer Tragekomfort - immer wieder gibt es neue Entwicklungen. Stephan Prinz von Klopman verriet, was sich aktuell auf dem Flammschutzmarkt tut. Der Account-Manager führte die Zuhörer dabei in die Strategien, Fasertechnologien und Normen für Brandschutzbekleidung ein. So zielten z.B. chemische Funktionen der Schutzausrüstung darauf ab, nicht brennbare Schutzschichten bei der Verkohlung des Materials zu produzieren. Physikalische Funktionen kühlen, wie der Referent erklärte, das Material durch gebundenes Wasser, nutzen isolierende Luftschichten und entziehen dem Brandherd durch endotherme Prozesse Energie. Insgesamt, so resümierte der Unternehmensvertreter, ließen die heutigen Lösungen aber noch Wünsche offen - nicht nur Kostenfaktor und Haltbarkeit der Schutzfunktionen seien verbesserungswürdig, auch die Befriedigung steigender Ansprüche stelle die Branche zunehmend vor Probleme: Die Schutzbekleidung müsse heutzutage nicht mehr nur Schutz und Mobilität gewährleisten, sondern außerdem einen gewissen Tragekomfort bieten.

Klaus Berthold von HB Schutzbekleidung, Thalhausen, skizzierte aktuelle Trends bei den Gewebeeigenschaften und -kosten für die PSA. Wesentlich für den Komfort sind das Gewicht, die Dehnbarkeit des Materials sowie Detaillösungen, wie z.B. Lüftungsschlitze oder Kniepolster. Schwierig sei allerdings die Umsetzung der Dehnbarkeit aufgrund des Flammschutzes, da Standardelasthane keine hohen Temperaturen vertragen, wie sie bei industrieller Wäsche und Trocknung entstehen. Im Hinblick auf die Kostenentwicklung erklärte Berthold, dass wahre Innovationen nur über das Material möglich sind, da die Differenzierung über die Konfektionierung häufig durch Normvorgaben eingeschränkt sei. Innovationen würden teure und langwierige Entwicklungsphasen benötigen, die sich in einem höheren Endpreis widerspiegeln. Um die Entwicklungskosten aufteilen zu können, böten sich Zweckpartnerschaften zwischen Faser-, Gewebehersteller und Konfektionären an.

Berthold gab den Zuhörern außerdem einen Überblick über die Innovationen des Marktes. „Der Bedarf an Multinorm-PSA wird in den kommenden Jahren steigen“, erklärte er. Aber auch Smart Textiles, mitdenkende Textilien, spielen künftig eine Rolle. Ebenso wie Silberionen, mit denen Materialien ausgerüstet werden. Positiv geladene Teilchen lassen Bakterien und Krankheitskeime auf natürlichem Wege „verhungern“. Weitere Trends stellt z.B. adaptive Bekleidung dar. Dahinter verbergen sich Membrane mit an die Umgebung angepasster Atmungsaktivität. Bekleidung kann künftig auch vor Elektrosmog schützen, erste Versuche wurden bereits gemacht.

Dr. Wolfgang Schiller von der BAM - Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung referierte über Pflegekennzeichnungen von Textilien und die Praxis der Auszeichnung. Hier gehe der Trend zum „Underlabeling“, d.h. zu einem zu vorsichtigen Auszeichnen. GINETEX Germany (ehemals Arbeitsgemeinschaft Pflegekennzeichen für Textilien in der Bundesrepublik Deutschland) ist seit 1977 zuständig für die Pflegekennzeichnung in Deutschland. Die Arbeitsgemeinschaft informiert Industrie, Handel und Endverbraucher über die angemessene Pflege von Textilien. Hier gibt es immer wieder Anpassungen. Neu sind z.B. der Doppelbalken für die besonders schonende Reinigung oder die Symbole für natürliches Trocknen. Rund 80 Prozent der Verbraucher achten, wie der Referent ausführte, auf die Pflegekennzeichnung. Einige Symbole, wie z.B. den Waschbottich, erkennen die meisten Verbraucher, andere Symbole, wie z.B. das Bleichen, können jedoch viele nicht einordnen.

Markus Schulze Wehninck/Vanessa Ebert