Auf der Mitgliederversammlung von intex stand die gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen im Fokus: Die Mitglieder verabschiedeten ein gemeinsames Regelwerk, welches die Verhaltensgrundsätze der Betriebe in diesem Bereich definiert. Außerdem gab ein Vorzeigeunternehmer den Teilnehmern Anregungen, wie verantwortliches Handeln aussehen kann.
Grundsätze mit Leben erfüllen
Corporate Social Responsibility (CSR), das Konzept einer sozialen Verantwortung von Unternehmerseite, bildete den Schwerpunkt der diesjährigen intex-Mitgliederversammlung im Vorfeld des Texcare Forums in Frankfurt am Main. So wurde mit den „Grundsätzen des Textil Service“ eine verbandseigene Position bezogen und Verhaltensgrundsätze zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung verabschiedet. Ebenso war der Vorzeigeunternehmer Franz-Josef Fischer von Jäger Direkt, einem Hersteller für elektrotechnische Produkte, Systeme und Dienstleistungen, als Gastreferent geladen, um mit seiner sozial ausgerichteten Unternehmensführung als Best-Practice-Beispiel für die Mitglieder zu dienen. Dr. Johanna Höhl, Geschäftsführerin der Landkelterei Höhl Hochstadt, referierte über ein Produkt der Region, den hessischen Apfelwein, und nutzte appetitanregende Kostproben, um die Teilnehmer für das Traditionsgetränk zu begeistern.
In seiner Präsentation des CSR-Konzepts von Jäger Direkt erläuterte Franz-Josef Fischer den Teilnehmern, wie man als Unternehmer gesellschaftliche Verantwortung und betriebwirtschaftliche Räson unter einen Hut bekommt. Der Elektrotechnikhersteller ist für sein unternehmerisches Engagement bereits mit diversen Auszeichnungen bedacht worden. So legt das Unternehmen z.B. großen Wert auf die Nachwuchsförderung und hat in diesem Zusammenhang bereits zweimal den Unternehmenspreis „Ausbildungs-Ass“ für sein besonderes Ausbildungsengagement gewonnen. „Wir investieren im Schnitt 75.000 Euro für eine dreijährige Ausbildung“, erklärte Fischer. Weiterbildungen, Nachhilfe bei Schulproblemen, ein einwöchiger Einsatz der Auszubildenden in einem sozialen Projekt sowie eine Abschlussreise seien dabei Teil des Ausbildungsprogramms. Auch der Nachwuchs der Mitarbeiter, so machte der Gesellschafter deutlich, komme auf seine Kosten: Hat das Kind eines Arbeitnehmers Geburtstag, hat dieser automatisch den ganzen Tag frei. „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie viel Dankbarkeit diese Geste hervorruft.“
Mit einer Ausbildungsquote von über 20 Prozent versucht der Betrieb, seiner gesellschaftlichen Verantwortung mehr als gerecht zu werden. Dabei wird versucht, jeweils ein Viertel sozial benachteiligte Jugendliche in den Betrieb zu integrieren. „Wir geben denjenigen eine Chance, die keiner will“, erläuterte Fischer sein Konzept. Ein Praktikum gilt dabei als Auswahlkriterium für diejenigen, die nicht mit ihren Noten punkten können. Auf diese Weise wirke das Unternehmen dem demografischen Wandel entgegen und gebe vielen jungen Leuten eine Chance, die diese Vorschusslorbeeren oft mit viel Fleiß und Treue zurückzahlen: „Diese Leute bleiben im Unternehmen“, unterstrich Fischer die Bedeutung des Konzepts für den Betrieb. „Das sind nicht diejenigen, die nach ihrer Ausbildung zum Studieren weggehen.“
Das Unternehmen ist darüber hinaus in weitere übergreifende soziale Projekte engagiert. So ist Fischer Gründungsvater der „Strahlemann Initiative“, die sich u.a. die Förderung von Jugendlichen zur Arbeitsreife sowie den Aufbau von Kinderheimen und Schulen in Entwicklungsländern zum Ziel gesetzt hat. Für die Stiftung sucht Fischer noch weitere sozial engagierte Unternehmen. Gleichzeitig versuchte der Initiator aber ein klares Bild davon zu vermitteln, was es für einen Unternehmer bedeutet, Gutes zu tun: „Es kostet Geld und es kostet Manpower“, erklärte Fischer ohne Umschweife. „Wir investieren in Menschen und begnügen uns dafür mit fünf Prozent Gewinn. Wem es wichtig ist, unbedingt sieben Prozent zu machen, der sollte es lieber lassen.“
Auch die Mitgliedsunternehmen des Verbands bezogen mit der Verabschiedung der „Grundsätze des Textil Service“ eine klare Position zum Thema soziale Verantwortung. Bereits vor gut zwei Jahren hatte intex ein Verbandsleitbild und ein Selbstverständnis der Textilservicebranche entwickelt. Eine interne Arbeitsgruppe führte diese schließlich mit den zehn Prinzipien des „UN Global Compact“ zusammen - der Initiative der Vereinten Nationen für verantwortliche Unternehmensführung. In diesem Zusammenhang wurden Leitlinien zur Einhaltung von Menschenrechten, zu Arbeitsbedingungen und Umweltschutz sowie zur Bekämpfung von Korruption in die „Grundsätze des Textil Service“ integriert. Ein weiteres Element bildet ein Verhaltenskodex für die Mitgliedsunternehmen, mit dem sich die Unternehmen laut Verbandsangaben beispielsweise aktiv zum Standort Deutschland bekennen und ihr Engagement für die Arbeitsbedingungen und Chancen ihrer Mitarbeiter darlegen. Außerdem richtet die Branche den Fokus im Umweltschutz u.a. auf das Einsparen von Ressourcen oder effiziente Kreislaufsysteme. In der Beschaffung, insbesondere der Textilien, wollen die Unternehmen ferner noch stärker auf anerkannte Standards Wert legen und ihre Lieferanten in die Pflicht nehmen, auf die Einhaltung der Kernarbeitsnormen der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zu achten.
Diese Positionierung von intex kommt nicht ganz unerwartet. Bereits seit Jahren wurde das Thema CSR im Verband diskutiert, Mitte November letzten Jahres war intex dann der freiwilligen Wirtschaftsinitiative des Global Compact beigetreten. Der Verband macht mit diesem Schritt deutlich, dass die Richtungsentscheidung nicht nur als Bekenntnis einiger führender Textildienstleistungsunternehmen zu verstehen ist, sondern das Gesamtbild der Branche in der Gesellschaft verbessern soll. So seien die Grundsätze nicht nur eine interne, freiwillige Selbstverpflichtung, sondern „sollen auch für die Öffentlichkeit transparent machen, für welche Werte und unternehmerischen Grundsätze die Branche einsteht“, erklärte Martin Swierzy, Leiter der Arbeitsgruppe CSR und intex-Vizepräsident, den Schritt.. Die Grundsätze hätten die Aufgabe, so lässt der Verband verlauten, „den Textilservice und seine Dienstleistungen innerhalb einer breiten Öffentlichkeit noch stärker als bisher zu verankern“. Der Beitritt zur UN-Initiative und die Verabschiedung des Regelwerks sollen daher aktiv verbreitet werden: für die Öffentlichkeit sind dieses Jahr Beiträge und Vorträge auf branchenspezifischen Veranstaltungen sowie CSR-Konferenzen geplant.Markus Schulze Wehninck
Infos: www.intex-verband.de, www.strahlemann-initiative.de