Der Systemanbieter Kreussler stellte auf der Messe EXPOdetergo in Mailand ein neues Lösungsmittel vor. Laut Anbieter soll dieses ungiftige, biologisch abbaubare, organische Lösungsmittel die gleiche, zum Teil sogar eine noch bessere Reinigungsleistung als Per erzielen.
Alternative zu Per vorgestellt
Im Vorfeld der Messe hielt sich der Systemanbieter Kreussler noch recht bedeckt. Angekündigt wurde vage „eine Entwicklung, die es verdient, als Innovation bezeichnet zu werden“. Was genau hinter dieser Beschreibung steckte, blieb vorerst noch offen. Am ersten Messetag in Mailand wurde das Geheimnis gelüftet: Mit einem neuen ungiftigen, biologisch abbaubaren, organischen Lösungsmittel präsentierte das Unternehmen eine Alternative zu den klassischen Lösungsmitteln, die bisher auf dem Markt erhältlich sind.
Das neuartige Lösungsmittel SolvonK4 soll die gleiche, zum Teil sogar eine noch bessere Reinigungsleistung im Vergleich zu Perchlorethylen erreichen - jedoch ohne dessen Nachteile. „Es handelt sich hier um ein halogenfreies Lösungsmittel, das so beschaffen ist, dass bei sachgemäßem Gebrauch keine Gefahr für Mensch, Luft, Wasser und Boden besteht“, erklärte Dr. Manfred Seiter, technischer Leiter des Bereichs Textilchemie, am Messestand von Kreussler. Zusammen mit Anbürstmittel, Reinigungsverstärker und Sprühimprägnierung bietet der Hersteller ein Reinigungsverfahren mit Namen SystemK4 an, das vom Hersteller bereits weltweit zum Patent angemeldet wurde. Im Bereich der Textilreinigung ist SolvonK4 völlig neu. Bekannt ist es dagegen schon in anderen Branchen, wie z.B. in der Kosmetikindustrie.
Seit Herbst 2009 wurde die Neuheit im Rahmen von verschiedenen Praxistests und Feldversuchen in Europa und den USA geprüft. „Die Resonanz der Testbetriebe war unabhängig voneinander ausnahmslos positiv“, versicherte Dr. Seiter in Mailand. Reiniger, die langjährige Erfahrung mit Perchlorethylen haben, waren laut Kreussler besonders von der Reinigungsleistung bei wasserlöslichen Verschmutzungen und sehr wenig Rückläufern von gereinigter Ware überrascht. Positiv bewerteten die Tester die ökologisch günstige Einstufung des Lösungsmittels. Betriebe, die KWL-Technik oder andere Per-freie Alternativen einsetzen, lobten, wie Kreussler erklärt, den Griff der Textilien und die ökologischen Vorteile. „Während unserer ausführlichen Testphase haben wir ganz bewusst nach möglichen Problemen und Schwachstellen gesucht, doch die blieben aus“, so Dr. Seiter.
Wie der technische Leiter des Bereichs Textilchemie auch im Rahmen einer Vortragsreihe des internationalen Dachverbandes CINET erklärte, unterliegt SolvonK4 in Europa ähnlich wie KWL bzw. Cyclosiloxan D5 der VOC-Richtlinie, in Deutschland umgesetzt durch die 31. BImSchV. Nach aktuellem Stand der Gesetzgebung ist das Lösungsmittel in Europa kein Gefahrgut und kein Gefahrstoff. Laut Hersteller soll es auch nach der ab Dezember 2010 für Stoffe gültigen CLP-Einstufung auf dem europäischen Markt kennzeichnungsfrei bleiben.
Das vorgestellte Lösungsmittel ist laut Anbieter nicht selbstentzündlich und nicht explosionsgefährlich. Das bedeutet, dass besondere Schutzmaßnahmen an Gebäuden, wie z.B. Boden- und Wandversiegelungen, nicht erforderlich sind. In den Betrieben selbst könne auf Auffangwannen, Abluftfilterung und Kontaktwasseraufbereitung verzichtet werden. Auch Schutzmaßnahmen bei der Anwendung wie z.B. das Monitoring der maximalen Arbeitsplatz-Konzentration (MAK-Wert) sind demnach für das neue Lösungsmittel nicht notwendig. Der Standort der Reinigung könne so uneingeschränkt aus Marketinggesichtspunkten heraus ausgewählt werden.
Als Indikator für die Leistungsfähigkeit eines Lösungsmittels wird gemeinhin der Kauri-Botanol-Wert (KB-Wert) verwendet. Solvon K4 besitzt mit einem KB-Wert von 75 eine Lösekraft ähnlich von Per (90). KWL weist einen KB-Wert von 25 auf, Cyclosiloxan einen Wert von 13. Wie das Team von Kreussler auf dem Messestand aufzeigte, ist das neue Lösungsmittel nicht nur gegenüber Fetten, Ölen, Harzen und Wachsen wirksam, sondern auch gegenüber wasserlöslichen Substanzen. Gleichzeitig soll es Textilien und Bekleidungsleder schonen. Textilien würden ihren natürlichen Feuchtegehalt behalten und Leder müsse nicht nachgefettet werden. Der Anbieter verspricht auch gegenüber nassgebundenen Verfleckungen und Pigmentschmutz eine hohe Reinigungskraft. „Zusammen mit dem Reinigungsverstärker CLIPK4 ist die Reinigungsleistung höher, als es mit Per möglich ist“, erklärt der Anbieter. SolvonK4 hat einen Siedepunkt von ca. 180 °C, es verdunstet deutlich schneller als KWL und benötigt laut Kreussler zur Destillation nur halb so viel Energie wie Per und nur ein Viertel im Vergleich zu KWL. Zur Destillation bei 121 °C und 100 mbar ist 3 bis 3,5 bar Dampfdruck ausreichend. Obwohl die Trocknung bei schonenden 65 °C abläuft, werden nach Angaben des Herstellers Chargenzeiten von unter 60 Minuten erreicht.
Als Maschinenvoraussetzung benötigt SystemK4 eine Technik wie sie sich bei KWL- und Cyclosiloxan-Maschinen bewährt hat. Jedoch müssen die Destillationsbedingungen, der Trocknungsprozess der Textilien und einige weitere Maschinenparameter an die spezifischen Einsatzbedingungen von SolvonK4 angepasst werden.
Kreussler hat gemeinsam mit dem Maschinenhersteller FMB aus Bologna/Italien (Union, Realstar, Firbimatic) an der Optimierung der Maschinentechnik gearbeitet. Auf die Anforderungen des neuen Lösungsmittels ausgerichtete Maschinen hat die FMB-Group auf der Messe vorgestellt.ve