Bereits zum vierten Mal fand die Innovationsbörse an den Hohenstein Instituten in Bönnigheim statt. Dem Fachpublikum aus Wirtschaft und Forschung wurden zwölf unterschiedliche Forschungsprojekte u.a. aus der Welt der Viren und Textilien vorgestellt, die das Institut in Zusammenarbeit mit Unternehmen durchgeführt hat.
Projekte mit Potenzial
Rund 80 Interessierte aus Wirtschaft und Forschung begrüßte Prof. Dr. Stefan Mecheels an den Hohenstein Instituten zur 4. Innovationsbörse. Vorgestellt wurden zwölf thematisch unterschiedliche Forschungsprojekte, die in Zusammenarbeit mit Unternehmen umgesetzt wurden. Prof. Dr. Dirk Höfer vom Institut für Hygiene und Biotechnologie an den Hohenstein Instituten führte durch die zweitägige Veranstaltung im Juni. Den Zuhörern blieb zwischen den Vorträgen ausreichend Zeit für Diskussionen, um im Gespräch Antworten auf spezielle Fragen zu bekommen.
Im ersten Vortrag erfuhren die Teilnehmer mehr über die antivirale Wirkung von Textilien und deren Anwendung. Dietmar Zeller, Sanitized AG, führte zusammen mit Dr. Anja Gerhardts, Biologin an den Hohenstein Instituten, in die Welt der Viren ein. Hohensteins Wissenschaftler prüften in Zusammenarbeit mit dem Industriepartner Sanitized AG verschiedene Ausrüstungen auf ihre antivirale Wirksamkeit. Dabei stellte sich heraus, dass sowohl Textilien als auch Kunststoffe so ausgerüstet werden können, dass Viren verlässlich abgetötet werden. Als Einsatzgebiete für die Produkte ergeben sich Hygieneartikel, wie Filtersysteme oder Mundschutz, Bekleidung und Heimtextilien. Die in Hohenstein entwickelten Prüfmethoden können künftig für weitere Gebiete angewendet werden.
Danach stellten Claudia Bernet, Flawa AG, und Gregor Hohn, Biologe an den Hohenstein Instituten, eine funktionelle Schuheinlage zur Geruchsreduzierung bei Fußschweiß vor. Ziel dieser Zusammenarbeit war, ein bestehendes Produkt weiter zu verbessern und innovativer zu gestalten. In der Weiterentwicklung binden Cyclodextrine (körbchenförmige Zuckermoleküle) den Fußschweiß und geben gleichzeitig über den Tag hinweg Duftstoffe ab.
Bernhard Gatzka von CWS-boco International GmbH und der Biologe Dr. Helmut Mucha von den Hohenstein Instituten beschäftigten sich mit einem zukünftigen Problem unserer Gesellschaft: dem Demografiewandel. So müssen in einer alternden Gesellschaft auch die Entwicklung und Forschung angepasst werden. In einer Zusammenarbeit der CWS-boco mit den Hohenstein Instituten sowie dem Alten- und Pflegeheim Weinsberg wurde in einer Feldstudie die Wirkung von optimierter antimikrobieller Bettwäsche zur Infektionsprävention getestet. Wie die Forscher erklären, zeigte die antimikrobielle Ausrüstung der Bettwäsche im Labor sehr gute Ergebnisse. Bei den Praxisbedingungen ergab sich eine heterogene Keimverteilung und die Lagerfähigkeit der Bettwäsche stieg an. Die antimikrobielle Ausrüstung stellt, nach Meinung der Projektpartner, eine sinnvolle Ergänzung zur Reinigung und Desinfektion in der gewerblichen Wäscherei dar.
Auch der Vortrag über textilen Insektenschutz für Tiere und Menschen war als Tandemvortrag zweier Fachleute geplant. Da Klaus Egbers von der HKM Sports Equipment GmbH verhindert war, übernahm Dr. Timo Hammer von den Hohenstein Instituten die Aufgabe und führte die Zuhörer in die Welt des Insektenschutzes ein. Bisher sind der mechanische Schutz vor Stichen und das Auftragen von Repellents (Substanzen mit einem abschreckenden Geruch für Insekten) auf die Haut zur Abwehr bekannt. Das Projektziel war die Entwicklung eines textilen Materials, das einerseits eine hohe Durchstichfestigkeit besitzt und durch einen eingearbeiteten repellenten Wirkstoff zusätzlichen Schutz für den Menschen bietet. An den Hohenstein Instituten wurde in diesem Zusammenhang eine Prüfmethode zur Durchstichfestigkeit von Textilien entwickelt, die eine große Bandbreite verschiedener Insektenarten repräsentiert. Das Unternehmen HKM entwickelte die Materialien und testet momentan noch verschiedene Designs. Das Produkt soll im Jahr 2011 auf den Markt kommen.
Das nächste vorgestellte Projekt wurde gemeinschaftlich von der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU), dem Konfektionär Tempex GmbH und von den Hohenstein Instituten bearbeitet. Außerdem wurde das Projektteam von der Eschler AG, Klopmann und Bierbaum-Proenen GmbH & Co. KG unterstützt. Ziel war es, eine Arbeitsbekleidung zu entwickeln, die neben hohem UV-Schutz und guter Leasingeignung ebenso einen hohen Tragekomfort aufweisen kann. Als Ergebnis präsentierten die Referenten Dr. Claudia Waldinger (BG Bau) und Sabrina Köhler (Hohenstein Institute) drei UV-Schutzshirts, die auf unterschiedliche Belastungen, wie Sonne oder Arbeitsbereich, und Anforderungen (z.B. Warnfarbe) ausgelegt sind. Durch den Einsatz unterschiedlicher Materialien bieten diese T-Shirts einen UV-Schutz bei gleichzeitig gutem Tragekomfort.
Im letzten Vortrag des ersten Veranstaltungstags behandelten Thomas Müller, Centa-Star GmbH, und Martin Harnisch, Hohenstein Institute, die altersgerechte Auslegung des Wärmemanagements für Kinderbettwaren. Aufgrund physiologischer Unterschiede wie z.B. Wärmebildung und Körperproportionen war eine Übertragung des etablierten Bettdeckenbeurteilungssystems für Erwachsene auf Kinder nicht möglich. Um der Körpergröße, dem größten Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen, Rechnung zu tragen, wurde die thermische Kindergliederpuppe „Charlene“ mit den Maßen eines dreijährigen Kindes entwickelt. In Laboruntersuchungen konnte somit das optimale Wärmemanagement für Kinder erforscht werden. Des Weiteren wurden die entwickelten Decken in einem Feldtest durch Kinder und ihre Eltern bewertet. Am Ende des Projekts konnte mit Hilfe der Ergebnisse ein Beurteilungssystem für Kinderbettdecken erarbeitet werden, das Herstellern die Neuentwicklung erleichtern soll sowie gute physiologische Eigenschaften einfach darstellt.
Den zweiten Tag der Innovationsbörse leiteten Michael Walz von der Eschler AG und Julia Gündel von den Hohenstein Instituten ein. In ihrem Projekt befassten sie sich mit der Entwicklung funktionell gewirkter und gestrickter Flächen für industriell waschbare Pflegepersonal- und Ärztebekleidung. Ziel war es, die Arbeitsbekleidung vom Pflegepersonal und den Ärzten mit guten tragephysiologischen Eigenschaften auszustatten, die auch durch industrielle Reinigung nicht gemindert werden. Diese Bekleidung stellt zukünftig eine Alternative zu den bislang hauptsächlich in diesem Bereich verwendeten Polyester-Baumwolle-Geweben, dar.
Helmut Peterseim (Helmut Peterseim Strickwaren GmbH) und Martin Harnisch (Hohenstein Institute) zeigten dem Fachpublikum zunächst, wie unterschiedlich die Anforderungen an Funktionsbekleidung bei verschiedenen Belastungen und Sportarten sind. Ziel des von ihnen vorgestellten Forschungsprojekts ist die Entwicklung eines Garns, das die Vorteile von synthetischen Fasern und Naturfasern verbindet. So musste zuerst die Zwickauer Kammgarnspinnerei die vorgegebenen Konstruktionsparameter umsetzen, bevor durch die Helmut Peterseim Strickwaren GmbH die Flächenbildung erfolgte. Zum Schluss prüften die Hohenstein Institute die thermophysiologischen Eigenschaften, den hautsensorischen Komfort und die textilmechanischen Anforderungen. Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen. So werden auch demnächst noch weitere Garnmodifikationen und Strickungen erforscht, kontrollierte Trageversuche an den Hohenstein Instituten durchgeführt und potenzielle Kunden akquiriert, um eine erste Kollektion sportlicher Freizeit-Strickmode am Markt zu positionieren.
Über das Projekt zur Verbesserung der Reinigungs- und Desinfektionsleistung von Breitwischbezügen referierte Dr. Andreas Schmidt von den Hohenstein Instituten. Forschungsziel war die Entwicklung von Breitwischbezügen, die mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln vorbehandelt sind. Durch eine optimierte Faser- und Bezugskonstruktion konnte die Flächenleistung erhöht werden. Des Weiteren erwiesen sich Mikrofaserbezüge als deutlich leistungsfähiger als herkömmliche Materialien. Darüber hinaus konnte die antimikrobielle Wirksamkeit der mit Nanosilberfasern ausgestatteten Bezüge nachgewiesen werden. An diesem Projekt waren für den Posten der Materialbereitstellung und Mitarbeit unter anderem die absorb-med GmbH, Ecolab GmbH, Eschler Textil GmbH, meiko Textil GmbH und die Spandauer Velours GmbH beteiligt. Im Bereich der gewerblichen Wiederaufbereitung unterstützte der Coburger Handtuch + Matten Service (CHMS) das Projekt, während das Forschungs- und Prüfinstitut für Facility Management GmbH (FIGR) beim Prüfauftrag und der Beratung mitwirkte.
Der Biologe Dr. Helmut Mucha und Florian Girmond - beide vom Hohenstein Institut - zeigten in ihrem Vortrag potenzielle Infektionsrisiken bei Haushaltswäsche auf. Heutzutage wird mit weniger Wasser, niedrigeren Temperaturen und ökologisch abbaubaren Waschmitteln gewaschen. Bei der In-vitro-Prüfung im Labor konnten unter korrekten technischen Voraussetzungen hygienisch einwandfreie Ergebnisse erzielt werden. Unter den unkontrollierten Bedingungen im Haushalt besteht aber durchaus das Risiko, dass Krankheitserreger nicht deaktiviert und mitgewaschene Textilien kontaminiert werden. Bei Vorliegen ansteckender Krankheiten in der Familie sollte die Waschtemperatur deshalb unbedingt bei mindestens 60 °C liegen. Zudem sollte die Wäsche der Erkrankten getrennt gelagert, die Waschmaschine regelmäßig gereinigt und zusätzlich ein Hygienespüler verwendet werden.
Im nächsten Vortrag wurden die Teilnehmer durch die Referenten Dr. Gero von Wagner, Metrax GmbH, und Martin Rupp, Hohenstein Institute, über ein gemeinschaftlich zu entwickelndes mobiles Monitoringsystem informiert. Dieses soll bei chronisch herzkranken Patienten zum einen die Vitalwerte rund um die Uhr erfassen und bei Verschlechterung Ärzte oder Krankenhäuser alarmieren. In einer weiteren Ausbaustufe soll bei plötzlichem Herzversagen durch einen eingebauten Defibrillator die Überlebenschance erhöht werden.
Zum Abschluss der Innovationsbörse sprachen Christof Breckenfelder (Universität Bremen) und Martin Rupp (Hohenstein Institute) zum Thema sensorische Schutzausrüstung für die Forstarbeit mit Motorsägen. Das Ziel des Projektes ist die Entwicklung einer intelligenten, sensoraktiven Schutzeinrichtung, um die Arbeit mit gefährlichen Maschinen sicherer zu machen. Durch den Einsatz einer sensorisch aktiven Schnittschutzhose soll die Motorsäge bei einer Auslösedistanz von 5 cm automatisch abgeschaltet werden. Dies geschieht durch eine magnetische Führungsschiene der Motorsäge. Die Schnittschutzbekleidung soll entstehende Wirbelströme detektieren und bei zu geringem Abstand zum Bein die Abschaltefunktion der Motorsäge auslösen.
Nachdem die letzten Fragen geklärt waren, bedankte sich Prof. Dr. Dirk Höfer bei den Referenten und Teilnehmern der diesjährigen Innovationsbörse. Eine weitere Auflage der Veranstaltung stellte er für das Frühjahr 2011 in Aussicht.
Quelle: Hohenstein Institute