Energiesparmaßnahmen sind in der Branche das Thema Nummer eins. Neben der geschickten Nutzung von Abwärme rechnet sich in der Thüringer Wäscherei Schildhauer mittlerweile auch eine Solarthermieanlage. In Zukunft möchten die Unternehmer in ein Blockkraftwerk investieren, um sich von den Energieversorgern unabhängig zu machen.
Neue Wege der Energieversorgung
Steffen Schildhauer fackelte nicht lange, als ihn die Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt im Herbst des vorigen Jahres zu einem Lehrgang für Energiemanagement einlud: „Der Alltag im Betrieb und mein Meisterkurs nahmen zwar mehr als genug Zeit in Anspruch. Doch diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen“, berichtet der Juniorchef der Wäscherei Schildhauer in Bad Tennstedt im thüringischen Unstrut-Hainich-Kreis. Ein halbes Jahr lang drückte er jeden Freitag und jeden Sonnabend mit anderen Kursteilnehmern aus verschiedenen Branchen die Schulbank. „Ich war der einzige Textilreiniger“, so Steffen Schildhauer.
Inzwischen hat er die Meisterprüfung mit Bravour bestanden und im Frühjahr dieses Jahres wurde ihm mit Brief und Siegel nachgewiesen, dass er auch im Energiemanagement firm ist. „Wir reagieren schon seit einigen Jahren auf die Steigerungen der Energiekosten durch die Installation moderner Technik. Mit meinem erworbenen Fachwissen kann ich nun noch besser einschätzen, welche Anlagen für unseren Betrieb wirklich sinnvoll sind“, erläutert der Textilreinigermeister. Er muss sich nun nicht mehr auf Empfehlungen der Hersteller verlassen, sondern kann mit ihnen auf gleicher Augenhöhe fachsimpeln.
Beste Voraussetzungen, irgendwann die Wäscherei in vierter Generation allein weiterzuführen. Gegenwärtig arbeitet er mit Vater Stephan zusammen, der im Außendienst die Kundschaft betreut. „Mein Großvater, der Wäscher- und Plättermeister Karl Woellner, hat den Betrieb im Jahr 1928 gegründet“, so der Seniorchef. Dessen Tochter Gerda übernahm nach der Meisterprüfung 1948 die Wäscherei. Ende der 50er Jahre heiratete sie den Gastronom Kurt Schildhauer aus Halle. Als Stephan Schildhauer 1986 die Nachfolge in dritter Generation antrat, war kurz zuvor die Betriebsfläche auf 200 m² erweitert worden. „Die Maschinen waren überaltert“, erinnert sich der Seniorchef. Kurz vor der Wende 1989 war nach zweijähriger Wartezeit endlich ein neuer Niederdruckdampfkessel geliefert worden. Stephan Schildhauer: „Es stellte sich aber bald heraus, dass er unter den heutigen technischen Bedingungen nicht mehr brauchbar war.“ Nach der Umstellung von Stadt- auf Erdgas im Jahr 1990 mussten der Textilreinigermeister und sein Team ein halbes Jahr improvisieren: „Weil wir nicht sofort für Erdgas geeignete Brenner bekamen, waren in dieser Zeit viel Handarbeit und Fingerspitzengefühl notwendig.“
Vom Ende des Jahres 1990 bis zum Frühjahr 1991 wurde die Wäscherei auf den Kopf gestellt. Stephan Schildhauer: „Wir bekamen ein nagelneues Kesselhaus. Die Maschinen waren aber größtenteils aus zweiter Hand.“ Gerade seine Besonnenheit half dem Unternehmer, seinen Betrieb über Durststrecken zu retten und neu auszurichten: „Viele Aufträge aus Haushalten und Gewerbe waren über Nacht weggebrochen. Auch die Schließung des Konsums (Tante-Emma-Laden in der DDR) und des Supermarkts HO (Handelsorganisation zu Zeiten der DDR) haben uns schwer getroffen“, erinnert sich der Textilreinigermeister.
Mit einem Mattenservice gelang es ihm aber, im wahrsten Sinn des Wortes, wieder Boden unter die Füße zu bekommen: „Damals wurden in unserer Region viele neue Unternehmen gegründet, die wir von unseren ,textilen Visitenkarten‘ schnell überzeugen konnten“, so Stephan Schildhauer. Heute noch werden durch den Mattenservice 40 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet. Nach der Eröffnung einer Rehaklinik im Jahr 1993 wurde die Wäscherei mit der Pflege der Raumtextilien beauftragt. Auch viele Rehabilitanden und mittlerweile auch wieder Privatkunden vertrauen ihre Wäsche gern der Wäscherei Schildhauer an. Ferner wird Arbeitsbekleidung - überwiegend aus den „weißen“ Berufen - gewaschen.
Ein neues Standbein, das sich inzwischen gut etabliert hat, ist der Verleih von Tischwäsche. Auch ein Oberhemdenservice, die Nassreinigung sowie die Lamellenreinigung gehören heute zum Betriebsprofil. Stephan Schildhauer: „Mit dem Oberhemdenservice haben wir ganz klein angefangen. Das professionelle Finishing im Laden war aber unsere beste Werbung für diese Dienstleistung, sodass das Auftragsvolumen schnell von zehn auf bis zu 120 Hemden pro Woche wuchs.“
Vier Mitarbeiterinnen stehen in Lohn und Brot, bei Arbeitsspitzen sind zwei Teilzeitbeschäftigte zur Stelle. Aufgrund der breiten Palette an Dienstleistungen sind viel Handarbeit und Flexibilität gefragt. Darauf ist die Technik ausgerichtet. „Mit einer IPSO-Waschschleudermaschine (30 kg) und zwei Waschschleudermaschinen von Miele mit jeweils 19 kg Fassungsvermögen können wir effizient arbeiten“, unterstreicht Steffen Schildhauer. Für ganz geringe Wäschemengen stehen darüber hinaus zwei Haushaltswaschmaschinen von Miele mit einer Kapazität für jeweils 5 kg zur Verfügung. Mit einer Dosieranlage von Ecolab und elektronischen Waschprogrammen ist eine effiziente Prozesssteuerung möglich.
Je nach Menge erfolgt die Trocknung entweder in einem Passat-Wäschetrockner (30 kg) oder in zwei Trocknern von Miele mit jeweils 6 kg Fassungsvermögen. Sämtliche Geräte sind gasbeheizt. Das Finishing erfolgt je nach Ware entweder auf einer Mangel von Lavatec mit 1.200 mm Durchmesser bzw. auf einem Hemden- oder Hosentopper oder Kittelfinisher von Malavasi. Für die Waschbär GmbH in Mühlhausen nimmt die Wäscherei Schildhauer Aufträge für die Textilreinigung entgegen. Der industriell ausgerichtete Kollegenbetrieb wiederum gibt kleinere Wäscheposten nach Bad Tennstedt weiter.
Überhaupt haben Stephan und Steffen Schildhauer zu ihren Kollegen einen guten Draht: „Auf Innungsversammlungen tauschen wir regelmäßig mit den Thüringer Unternehmern Erfahrungen aus“, unterstreicht der Junior. Gerade das Thema Energieeffizienz wird dabei großgeschrieben. In der Wäscherei Schildhauer wurden gleich nach der Umstellung auf Erdgas im Jahr 1991 zu allererst zwei Trockner ausgetauscht. Stephan Schildhauer: „Durch die Umstellung von dampf- auf gasbeheizte Geräte konnten wir die Trockenprozesse verkürzen und gleichzeitig Energiekosten einsparen.“
Ende 2003 wurde ein Kondensatwärmetauscher von der WIMA Spezialvertrieb elektronischer Bauelemente GmbH & Co. KG installiert. Dadurch konnten die Energiekosten um 15 bis 20 Prozent gesenkt werden. Zusätzlich ist seit dem Jahr 2007 ein Abgaswärmetauscher von der WÄTAS Wärmetauscher Sachsen GmbH in Betrieb. „Mit diesem Gerät hatte schon unser Kollege Günter Maurer in Zschopau gute Erfahrungen gemacht“, so Steffen Schildhauer ( RWTextilservice berichtete). In Kombination mit einer Solarthermieanlage auf dem Dach der Wäscherei können - je nach Wetterlage - bis zu 40 Prozent Energiekosten eingespart werden. „Das Jahr über sind 30 Prozent eine feste Größe“, versichert der Junior. Weil mittlerweile der Kessel in die Jahre gekommen war, investierten die Unternehmer vor zwei Jahren in einen neuen Jumag-Dampferzeuger D 260 mit integriertem Wärmetauscher. Stephan Schildhauer: „Wir spüren, wie weit sich die Technologie innerhalb von 18 Jahren weiterentwickelt hat.“
Die neue Anlage braucht weniger Stellfläche, die Leistungskapazität ist aber trotz geringeren Dampfbedarfs höher. „Früher waren 350 kg Dampf notwendig, heute sind es nur noch 260 kg“, unterstreicht der Textilreinigermeister. Damit ist die Anlage nur zu 50 Prozent ausgelastet. Dank der günstigen Konstellation verschiedener Energiesparmaßnahmen hat das Wasser, mit dem die Maschinen gespeist werden, eine Mindesttemperatur von 30°C bis 35°C. „An heißen Tagen erreicht die Wassertemperatur sogar 50°C bis 55°C“, berichtet Steffen Schildhauer. Im Mai des vergangenen Jahres investierten die Unternehmer in einen Phasenwärmetauscher. Durch die Injektion von Demkor 41K plus von der Korn Wassertechnik GmbH, Hamburg, wird nun ein optimaler Kondensatwasserwert erreicht. Die Basis der Demkor-Produktreihe ist eine speziell ausgewählte Tannin-Lignin-Verbindung, die weder dampfflüchtig noch salzanreichernd ist. Durch Aufbau eines Eisentannat-Films, der sich nicht negativ auf den Wärmeübergang auswirkt, wird ein Korrosionsschutz aufgebaut. Das Abwasser darf unter Berücksichtigung der vorgeschriebenen Grenzwerte für pH in die Kanalisation abgelassen werden.
In absehbarer Zeit soll eine neue Mangel installiert werden. Steffen Schildhauer: „Wir haben uns noch nicht definitiv festgelegt. Natürlich vergleiche ich die verschiedenen Produkte auch immer aus dem Blickwinkel des Energiemanagers.“ Das besonders hohe Abwärmepotenzial von Mangeln ist ihm bewusst: „Eine Investition in Nutzungstechnik für weitere Abwärmequellen lohnt sich allerdings nur, wenn auch der entsprechende Bedarf vorhanden ist“, räumt der Textilreinigermeister ein.
Darüber hinaus schmiedet er eifrig Pläne für die Installation eines Blockkraftwerks: „Weil Blockkraftwerke gleichzeitig Strom und Wärme produzieren, könnten wir dann auf die Gasheizung verzichten.“ Außer der Wäscherei könnten dann sogar noch benachbarte Wohnobjekte mit Energie versorgt werden. Steffen Schildhauer: „Der Einsatz eines Blockkraftwerks ist aber nur effizient, wenn seine Kapazitäten exakt am individuellen Bedarf ausgerichtet sind.“ Es nütze indessen niemandem, wenn im Sommer überschüssige Wärme ungenutzt in die Atmosphäre abgeleitet wird, wie es in großen Kraftwerken zu beobachten sei. Reinhard Wylegalla