Frühjahrstagung des Arbeitskreises Junioren in Coburg Austausch unter Freunden

Auf der Frühjahrstagung im oberfränkischen Coburg diskutierten die Mitglieder des Arbeitskreises Junioren (AKJ) über Energieeffizienz, Umweltschutz und die erfolgversprechende technische Umsetzung. Vorträge, Gesprächsrunden und die Betriebsbesichtigung des Coburger Handtuch- und Mattenservice (CHMS) Rödental boten viele neue Denkanstöße.

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    Die Teilnehmer der AKJ-Frühjahrstagung 2010 vor dem Coburger Handtuch- und Mattenservice in Rödental.Fotos: Sandra Rauch
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    Die Referenten Henrik Bier, 1. Vorsitzende des AKJ, Alexander Kesselring von Treysse und Marco Fuchs von Spirax Sarco zusammen mit dem Gastgeber Joachim Krause von CHMS (v.li.n.re.).

Austausch unter Freunden

Hinter den Rücken der Redner drehen sich Waschtrommeln, die Leinwand für die Vorträge steht nur wenige Schritte vor dem Regenwassertank des Coburger Handtuch- und Mattenservices (CHMS): Der Versorgungsschlauch des Wäschereigebäudes improvisiert den Konferenzraum für das Frühjahrstreffen der jungen Unternehmer des Arbeitskreises Junioren (AKJ) im Deutschen Textilreinigungs-Verband e.V. (DTV). Die Umgebung ist Absicht, denn die AKJ-Mitglieder wollen „bei Freunden einen Blick hinter die Kulissen werfen“, über den Alltagstellerrand hinausblicken, Möglichkeiten zur Optimierung diskutieren und diese später vielleicht selbst im eigenen Betrieb umsetzen. Getreu dem AKJ-Motto „Von Freunden, für Freunde“ haben sich Ende April 35 Nachwuchsunternehmer im oberfränkischen Coburg getroffen. Im Mittelpunkt der Tagung stand der Ideenaustausch zum Thema Energieeffizienz und Umweltschutz sowie deren Umsetzung im Betrieb.

Einer der Höhepunkte des Programms erwartete die AKJler gleich zu Beginn des „offiziellen Teils“: Während der Besichtigung des CHMS Rödental zeigte Firmeninhaber Joachim Krause, mit welchen Technologien und Prozessoptimierungen er den Ressourcenverbrauch seiner Wäscherei Schritt für Schritt verringert hat. Besonderes Interesse galt dabei dem Mangelabluft-Wärmetauscher, mit dem Krause der ca. 100 °C warmen Mangelabluft in drei Stufen Energie entzieht und gleichzeitig Kondenswasser gewinnt, das nach einer Filterstufe sofort wieder in den Waschprozess zurückgeführt wird. „Diese Maschine muss man gesehen haben“, begeisterte sich Henrik Bier, 1. Vorsitzender des AKJ, für den Brüden-Wärmetauscher. „Uns alle bewegt die Frage, wie man Energie so lange wie möglich nutzen kann. Joachim Krause ist dabei den Königsweg gegangen.“

In einem Referat erläuterte Krause die verschiedenen Wege, um Energie und Wasser zu sparen. Vor der Optimierung stehe die Bestimmung des Ist-Zustandes im gesamten Betrieb. „Kontrollieren Sie Mengen und Zeiten im Waschverfahren und im Finishbereich“, riet Krause. Scheinbare „Kleinigkeiten“ könnten bereits spürbar zum Stromsparen beitragen, etwa das Beheben von Leckagen aller luftführenden Teile in den Anlagen oder das Erkennen von Lagerschäden in den Maschinen und Wellen. Viele Arbeitsabläufe ließen sich zudem so organisieren, dass Maschinen optimal belegt seien und Leerlaufzeiten vermieden würden. Beim effizienten Umgang mit Wasser sei die Nutzung „alternativer Quellen“ wie Brunnenwasser oder Regenwasser aus der Dachentwässerung sinnvoll. Waschwasser könne mehrfach verwendet werden, z.B. sei das beim Klarwaschen und fürs erste Spülbad benutzte Wasser zum Einwaschen oder Zwischenspülen wieder verwendbar.

Wie moderne Elektronik beim Energiesparen helfen kann, zeigte die Präsentation der Firma Treysse, Anbieter von Wäscherei- und Reinigungstechnik aus dem thüringischen Wangenheim. Die Juniorchefs Erik Treyße und Alexander Kesselring hatten per Spedition einige Waschmaschinen und Trockner mitgebracht und führten deren Betrieb „live“ vor. „In moderner Wäschereitechnik stecken intelligente Steuerungen, die den Ressourceneinsatz deutlich verringern können“, beschrieb Erik Treyße das Potenzial der vorgestellten Geräte.

Bei Waschschleudermaschinen von Treysse seien z.B. Waschzeit, Temperatur oder die Drehzahl beim Waschen und Schleudern frei wählbar und könnten auf Art und Menge der Wäsche angepasst werden - was gleichzeitig auch die, heute moderne, qualitätsschonende Nassreinigung sensibler Textilien unterstütze. Durch Messung der Absorptionsfähigkeit der Wäsche lasse sich zudem der Wasserverbrauch senken.

Ein beim Energiesparen oft vernachlässigtes Thema rückten Gerhart Hobusch und Volker Reißenweber von Kaeser Kompressoren in den Mittelpunkt: Druckluftkompressoren stehen zwar in nahezu jedem Betrieb, doch kaum ein Unternehmer weiß, dass sich bei durchschnittlichen europäischen Kompressorstationen bis zu 33 Prozent Energie einsparen lassen soll.

Dieses Potenzial ergibt sich durch die Minimierung von Leckagen, die mögliche Druckabsenkung und bessere Auslastung durch moderne übergeordnete Steuerungen bei der Drucklufterzeugung sowie das Verwenden moderner Kompressorblöcke.

Zusätzliche Einsparmöglichkeiten entstehen durch Wärmerückgewinnung, dabei soll die rückgewinnbare Wärme mehr als 90 Prozent der elektrisch aufgenommenen Leistung entsprechen. Dass sich Energie nicht nur beim Verwenden von Druckluft, sondern auch im Dampfbereich sparen lässt, zeigte Marco Fuchs von Spirax Sarco, Hersteller von Dampf- und Kondensattechnologie. Die konsequente Nutzung des Nachdampfes zum Aufheizen anderer Medien könne die Energiebilanz deutlich optimieren, so Fuchs. Der Einsatz von Wärmetauschern müsse dabei genau auf die betrieblichen Abläufe abgestimmt werden, bei der Planung sei es hilfreich, die eigenen Prozesse auch einmal durch eine „fremde Brille“ betrachten zu lassen, beispielsweise durch Außendienstmitarbeiter von Herstellerfirmen. Ein ganz anderes Thema, betriebswirtschaftlich jedoch nicht weniger interessant, stellte Christopher Ehrenböck vor. Am Beispiel der Einkaufsgemeinschaft Aktex verdeutlichte er, wie Betriebe mit gemeinsamem Einkauf ihre Kalkulation verbessern können. Die Aktex-Partner sprechen über eine gemeinsame Bedarfsermittlung Lieferanten an und bestellen Verbrauchsmaterial zu günstigeren Konditionen. Bei dieser Einkaufsgemeinschaft besonders interessant sei, dass jedes Mitglied sofort nach dem Beitritt Vorschläge für den gemeinsamen Produktkatalog einbringen könne. Dieser werde dadurch ständig erweitert und sei somit für verschiedenste Ansprüche interessant.

Zum Stichwort „Aktuelles im AKJ“ stellte Henrik Bier, 1. Vorsitzender des AKJ, das mögliche Szenario einer externen Überprüfung des für Wäschereien geltenden Mindestlohns vor. „Die Situation ist für beide Seiten neu“, ermunterte Bier die Teilnehmer zur Kooperation mit den dafür verantwortlichen Hauptzollämtern. Bislang habe der Zoll vorwiegend auf Großbaustellen das Einhalten des Entsendegesetzes geprüft. Natürlich sei die Prüfung der eigenen Wäscherei keine besondere Freude, so Bier, „doch letztlich ist es unser Vorteil, wenn schwarze Schafe auffliegen“.

Neben den Fachvorträgen boten sich dem Branchennachwuchs viele Gelegenheiten zum gemeinsamen Austausch und Netzwerken, etwa beim thüringisch-fränkischen Grillabend, der Stadtführung durch Coburg oder dem Brauereibesuch bei Grosch in Rödental. Fortsetzung folgt! Und zwar im Herbst, wenn die nächste AKJ-Tagung - vermutlich in Thüringen - stattfindet.Die künftigen Hauptakteure der Branche wollen durch intensive Kommunikation und Erfahrungsaustausch die Tradition des Handwerks pflegen und weiterenwickeln. Die Tagungen, die der Arbeitskreis regelmäßig auf die Beine stellt, dienen dem Erfahrungs- und Ideenaustausch, der Weiterbildung und der kollegialen Vernetzung. Sandra Rauch

Infos: www.akj-dtv.de