Der Industrieverband Textil Service (intex) beschäftigt sich seit einigen Jahren mit dem Gedanken der Corporate Social Responsibility (CSR). Im Jahr 2008 hat der Verband sein Leitbild für die Branche veröffentlicht. Weitere Schritte sollen folgen. RWTextilservice sprach mit Vizepräsident Martin Swierzy und intex-Geschäftsführer Klaus Jahn über die Aspekte einer verantwortungsvollen Unternehmesführung.

Werte respektieren und vermitteln
Im Gegensatz zum angloamerikanischen Raum hat sich der Gedanke der Corporate Social Responsibility (CSR), der unternehmerischen Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt, in Deutschland und Europa relativ spät entwickelt. In den 90er Jahren erst rückte das Thema verstärkt ins Bewusstsein der Gesellschaft. „Natürlich haben die Unternehmen auch vorher schon Verantwortung übernommen“, sagt Martin Swierzy, Vizepräsident des Industrieverbandes Textil Service (intex) und im Verband zuständig für die Initiative Workwear sowie das Themengebiet CSR. Die Unternehmen der Branche sieht er sehr gut aufgestellt, was eine verantwortungsvolle und nachhaltige Geschäftsführung angeht: „Das Gros der Unternehmen hat schon immer mit gesundem kaufmännischen Sachverstand agiert und die Grundsätze der CSR selbstverständlich erfüllt.“ Den Grund für die frühere Beschäftigung mit dem Thema im angelsächsischen Raum sieht Swierzy in einer weniger umfangreichen Reglementierung seitens der Gesetzgeber. „Wo der rechtsfreie Raum größer ist, dort ist auch die Forderung nach freiwilligen Beiträgen für eine nachhaltige Entwicklung stärker“, so der Geschäftsführer von Alsco Deutschland. Die Aufgabe, ein gesellschafts- bzw. umweltverträgliches Verhalten von der Wirtschaft zu fordern, übernehmen dort verschiedene Nichtregierungsorganisationen (engl. NGO, „non-governmental organisation“).
Auch intex-Geschäftsführer Klaus Jahn sieht hierzulande einige entscheidende Sachverhalte bereits vom Gesetzgeber geregelt. So geben Gesetze und Verordnungen eine Richtung für den Umgang mit Umwelt und Ressourcen vor. „Bereits im Jahr 1972 wurde das bundesdeutsche Abfallgesetz erlassen“, nennt er ein Beispiel. Damals wurden Deponien der Gemeinden sukzessive stillgelegt und rekultiviert. „Ein frühes Bekenntnis zum Umweltschutz, als andere Länder noch nicht an diese Thematik dachten“, findet Jahn. Der Gedanke der CSR geht über diese gesetzlichen Regelungen jedoch noch weit hinaus. „Durch die freiwillige Übernahme von Verantwortung kann ein Verband aktiv gestalten, statt nur reaktiv Gesetze und Verordnungen umzusetzen“, ist Martin Swierzy überzeugt. Ein gutes Beispiel für eine genutzte Gestaltungsmöglichkeit ist der im vergangenen Jahr in Kraft getretene Mindestlohn. Die Bedingungen und Inhalte hat die Branche selbst beschlossen, nicht der Gesetzgeber. „Im Hinblick auf eine faire Entlohnung ist mit dem Mindestlohn ein bedeutender Schritt gemacht“, sagt Klaus Jahn. „Das nächste Etappenziel ist nun die flächendeckende Durchsetzung.“ Davon, dass der CSR-Gedanke und das ureigenste Unternehmensziel, die Gewinnerzielung, nicht in Konkurrenz zueinander stehen, sind Martin Swierzy und Klaus Jahn überzeugt. „Im Idealfall hilft das, was dem Kunden hilft, auch dem Unternehmen bei der Erfüllung seines Geschäfts“, sagt Swierzy. Zukunft habe seiner Ansicht nach ein Zusammenspiel aus Wirtschaftlichkeit und unternehmerischer Verantwortung: „Das Geschäftsfeld des Textilservices kann langfristig nur entwickelt werden, wenn es profitabel ist und deren Akteure die ökologischen, ökonomischen und sozialen Werte der Gesellschaft respektieren und mitgestalten.“
Greift man ein Beispiel aus dem Angebot eines Textilserviceunternehmes heraus, wird das Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren deutlich: Ein Dienstleister, der Mehrwegtextilien für den OP-Bereich anbietet, eröffnet seinen Kunden eine nachhaltige und umweltverträgliche Lösung. „Schließlich ist das Waschen auch eine Form des Recyclings“, erklärt Klaus Jahn. Zudem können Krankenhäuser durch den Einsatz von textilen Medizinprodukten das Gesundheitsrisiko für Anwender und Patienten minimieren und die Zahl der Infektionen reduzieren, da die Textilien höhere Sicherheitsreserven besitzen als Einwegprodukte. Überdies hinaus ist der Einsatz von Mehrwegtextilien auf lange Sicht auch wirtschaftlicher. Gerade der Textilservice kann, so sind Martin Swierzy und Klaus Jahn überzeugt, die Argumente einer verantwortungsvollen Unternehmensführung gut für sich nutzen, schließlich stehe bei der Dienstleistung nicht das Wegwerfen, sondern das wirtschaftliche Wiederaufbereiten im Fokus.
In der Praxis erschwert jedoch der allzu bekannte Preisdruck das Geschäft. Klaus Jahn sieht eine Gegenstrategie in der Aufklärung: „Statt sich gegenseitig zu unterbieten, muss die Branche kommunizieren, argumentieren und den Kunden den Wert der Dienstleistung vermitteln.“ Martin Swierzy sieht in CSR-Aktivitäten eine gute Möglichkeit für den Textilservice, sich bei seinen Kunden zu profilieren und ihnen wiederum eine verantwortungsvolle Beschaffungsstrategie zu ermöglichen.
Nicht von heute auf morgen, jedoch langfristig wird das Ziel und damit das Ideal immer mehr erreicht. „Die Unternehmen der Branche sowie die Zuliefererindustrie und die Konfektionäre beschäftigen sich mit dem Thema und arbeiten gemeinsam mit uns an CSR-konformen Lösungen“, verrät Klaus Jahn das nächste Etappenziel des Verbands. Der CSR-Gedanke ist jedoch nicht nur für große Unternehmen realisierbar, ist Martin Swierzy überzeugt. „In erster Linie ist CSR eine unternehmerische Grundhaltung, die gelebt werden muss.“ Wer diese Haltung konsequent verfolgt und willens ist, jeden einzelnen Prozess zu beleuchten und gegebenenfalls zum Besseren zu verändern, könne viel erreichen.
Wer die Schlagworte Umwelt- und Ressourcenschutz im Textilservice hört, denkt zuerst an die eigentliche Produktion und den Maschinenpark. Durch den Einsatz von energieeffizienter Technik und Abwasserbehandlungsanlagen hat Alsco den Energie- und Ressourceneinsatz in den vergangenen Jahren bereits enorm gesenkt. Derzeit wird am Standort Dreieich die Produktionsfläche verdoppelt und um neue, energieeffiziente Anlagen ergänzt. Doch auch Prozesse außerhalb der Produktionshalle lässt das Unternehmen nicht außer Acht.
Wenn Martin Swierzy einige weitere aktuelle Beispiele des Maßnahmenkatalogs anspricht, wird deutlich, was er meint, wenn er von der konsequenten Verfolgung des CSR-Gedankens spricht: Die Textilbeschaffung erfolgt bei Alsco im Bereich der Stoffhandtücher nach ökologischen Kriterien. Beschaffungsrichtlinien für den Fuhrpark zielen auf eine Minimierung des Co2-Verbrauchs. Durch die Schulung der Fahrer konnte 15 Prozent weniger Sprit verbraucht werden. Und auch die Anpassung der Software in der Fakturierungsabteilung zeigt Wirkung: Rechnungen wurden bei Alsco so umformatiert, dass 50 Prozent Papier eingespart werden können.
Wichtig ist, so Swierzy, dass auch die Kommunikation mit den Mitarbeitern stimmt und diese überzeugt und eingebunden werden. Alle Vorhaben im Bereich CSR werden bei Alsco genau festgehalten und dokumentiert. Die 13 Niederlassungsleiter von Alsco Deutschland erarbeiten z.B. gemeinsam ein Jahresziel, das dann auch konsequent umgesetzt wird. CSR ist außerdem ein wichtiger Bestandteil der internen Führungskräfteseminare. Die unternehmenseigene Mitarbeiterzeitschrift „Alsco News“ spricht die breite Mitarbeiterzahl an und informiert über realisierte Projekte und Vorhaben in diesem Bereich.
Dass der Gedanke der CSR am besten gemeinsam verfolgt wird, gilt nicht nur auf Unternehmensebene. Auch auf im Verband setzt man auf Kommunikation und arbeitet eng mit deutschen und internationalen Verbänden zusammen.Vanessa Ebert