Interview mit Fachlehrerin Stefanie Seibel-Neu Textilreiniger: Eine saubere Sache

Der Beruf des Textilreinigers beinhaltet mehr, als nur die schmutzige Wäsche fremder Leute zu waschen. Neben chemischem und technischem Basiswissen ist auch das nötige Fingerspitzengefühl gefragt - eben echtes Handwerk. Stefanie Seibel-Neu erklärte uns in einem Interview, warum die Ausbildung zum Textilreiniger nicht nur spannend ist, sondern auch sichere Berufsaussichten verspricht.

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    Stefanie Seibel-Neu. Foto: Zimmermann
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    Die Brettspiele sollen komplizierte Lerninhalte spielerisch vermitteln.
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    Das richtige Fingerspitzengefühl ist beim Detachieren enorm wichtig.Fotos: Ebert
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    In der Modeschule wird gebügelt, gefaltet, gemangelt und nicht zuletzt gelernt Handwerk in Aktion.

Eine saubere Sache

Stefanie Seibel-Neu ist Textilreinigermeisterin und Fachlehrerin an der Modeschule Frankfurt. Die Schule bildet verschiedene Berufsgruppen aus. Vom Frisör bis zu Kosmetikern und Änderungsschneidern wird eine bunte Palette an Möglichkeiten angeboten. Die Textilreiniger sind als Landesfachklasse vertreten.

RWT: Frau Seibel-Neu, wer lässt sich bei Ihnen zum Textilreiniger ausbilden?

Stefanie Seibel-Neu: Unsere Auszubildenden sind überwiegend 16 Jahre alt und haben den Hauptschulabschluss gemacht. Es gibt zwar auch ein paar, die ihren Realschulabschluss oder ihr Abitur gemacht haben, aber das sind deutlich weniger. Abiturienten oder Realschüler haben dabei meistens schon durch einen Familienbetrieb oder persönliche Kontakte unseren Beruf kennengelernt. Die meisten kommen aber zu uns, weil sie schon ein Praktikum in einem Betrieb absolviert haben und so in Kontakt mit der Branche gekommen sind.

RWT: Wie lange dauert bei Ihnen die Ausbildung?

Stefanie Seibel-Neu: Das duale Berufsausbildungssystem geht über drei Jahre und beinhaltet die parallele Ausbildung in Betrieb und Berufsschule. Die Berufsschüler sind jeweils zwei bis vier Wochen bei uns und dann wieder sechs Wochen im Betrieb. Schüler, die von außerhalb zu uns kommen, quartieren sich für die Dauer des Unterrichts meist in Wohnheimen oder Jugendherbergen ein.

RWT: Geht das problemlos vonstatten?

Stefanie Seibel-Neu: Leider nicht immer. Es gibt wirklich Betriebe, die ihren Azubis weder die Reise- noch die Unterkunftskosten erstatten wollen. Das ist natürlich ein großes Problem. Wir überprüfen im Moment, ob Auszubildende rechtlich einen Anspruch auf solche Zahlungen haben. Leider sieht es da jedoch schlecht aus. Die Betriebe müssen den Auszubildenden nur für die Unterrichtszeit freistellen.

RWT: Wie gestalten Sie den Unterricht?

Stefanie Seibel-Neu: Am Praxistag üben wir alle praktischen Tätigkeiten. Also vom Detachieren bis zum Bügeln. Wir sind zwar immer noch ein Handwerksberuf, aber in vielen Betrieben wird inzwischen industriell gearbeitet. Bei uns sollen die Azubis die Möglichkeit erhalten, Theorie und Praxis zu verbinden und auch den Grundstock unseres Handwerks zu erlernen. Wir legen auch viel Wert auf eigenverantwortliches Lernen. Bei Präsentationen, Rollen- und Lernspielen sollen die Jugendlichen individuell gefördert werden.

RWT: Lernspiele?

Stefanie Seibel-Neu: Ja, z.B. Memories oder Brettspiele, die chemische Lerninhalte vermitteln. Die sind bei uns wirklich sehr beliebt und die Schüler entwickeln sie auch selbst.

RWT: Was macht den Beruf aus Ihrer Sicht attraktiv?

Stefanie Seibel-Neu: Allen voran die Tatsache, dass unser Beruf sehr viele Möglichkeiten bietet, sich später selbstständig zu machen und sein eigener Chef zu sein. Wer sich engagiert, hat als Textilreiniger auch einen ziemlich sicheren Beruf gewählt. Für junge Mädchen ist insbesondere interessant, dass sie den Job gut in ihre Familienplanung einbinden können. Da gibt es in der Regel keine Probleme, auch mal auf Teilzeit umzustellen und somit mehr Zeit für Kinder zu haben. Besonders in größeren Wäschereien ist der Beruf vielseitiger, als einige denken. Von der Kundenberatung bis zum Qualitätsmanagement gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich einzubringen und schnell aufzusteigen.

RWT: Was für Möglichkeiten der Fortbildung gibt es?

Stefanie Seibel-Neu: Empfehlenswert ist es grundsätzlich, seinen Meister zu machen. Das nützt insbesondere innerbetrieblich viel und lässt auch junge Leute schneller auf der Karriereleiter vorankommen. Dabei muss jedoch auch bedacht werden, dass es nicht notwendig ist, den Meister zu haben, wenn man sich selbstständig machen will. Auch der Beruf des Textilingenieurs kann eine attraktive Alternative für Realschulabsolventen und Abiturienten sein.

RWT: Wie stehen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt?

Stefanie Seibel-Neu: Meiner Meinung nach sehr gut. Die Auszubildenden werden oft übernommen und es gibt gute Aufstiegschancen. Die meisten unserer Auszubildenden verlassen unsere Schule mit abgeschlossener Gesellenprüfung. Im letzten Jahr hat kein Einziger seine Ausbildung abgebrochen. Die meisten, die abbrechen, tun dies nach den ersten sechs Wochen und das häufig, weil es betriebsintern nicht stimmt. Mittendrin hört kaum einer auf.

RWT: Waschen Sie Ihre Wäsche eigentlich noch selbst?

Stefanie Seibel-Neu: (lacht) Ja, ich muss meine Wäsche schon noch selber machen. Aber das stört mich nicht. Eine Ausnahme mache ich nur bei den Hemden von meinem Mann. Die nehme ich mit in die Schule und glätte sie auf unseren Hemdenfinishern. Da bin ich dann auch mit dem Ergebnis zufrieden.

RWT: Frau Seibel-Neu, vielen Dank für dieses Gespräch.

Jennifer Zimmermann