Verleihung des „Hohenstein Award for Entrepreneurial Excellence in Global Textile Services“ Der Pionier in Sachen Mietwäsche

Die Auszeichnung von Robert C. Steiner und des Unternehmens Alsco mit dem Hohenstein Award war für die Veranstalter auch ein Grund, auf die vergangenen 120 Jahre und damit auf die Geschichte des Textilleasings zurückzublicken. Da die aktuelle wirtschaftliche Situation viel Anlass zu Diskussionenbietet, war auch sie Thema der Veranstaltung.

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    2Festakt zur Verleihung des Hohenstein Awards: Carl-F. Bardusch (v.li.), Prof. Dr. h.c. Josef Kurz, Robert C. Steiner, Martin Kannegiesser und Jürgen Gerdum freuten sich über die Auszeichnung.
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    1Carl-F. Bardusch hielt die Laudatio für seinen langjährigen Freund.
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    4Prof. Dr. h.c. Josef Kurz überreichte Robert C. Steiner den Award.
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    3Martin Kannegiesser sprach über die zukünfigen Herausforderungen der Branche.

Der Pionier in Sachen Mietwäsche

Mit einem Handtuchservice und dem Startkapital von 50,80 US-Dollar fing im Jahr 1889 alles an, als nächstes kamen Schürzen hinzu. Heute hat das Unternehmen über 17.000 Mitarbeiter in 145 Produktionsstätten weltweit und erwirtschaftet dabei einen Umsatz von über einer Milliarde US-Dollar jährlich. Das Unternehmen heißt American Linen Supply Company und wurde unter seinem Kürzel „Alsco“ schnell international bekannt. Alsco gilt als der Erfinder der Mietwäsche sowie des Baumwollhandtuch-Automaten. Am 22. April wurde Robert C. Steiner, CEO des Textildienstleisters in den USA, für die Pionierleistung der Unternehmensgründer mit dem „Hohenstein Award for Entrepreneurial Excellence in Global Textile Services“ ausgezeichnet. Die Verleihung des Awards bildete den Auftakt zum diesjährigen Hohensteiner Zukunftsforum.

Mit dem Award werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die durch ihre unternehmerischen Leistungen im Bereich der Textildienstleistungen nachhaltige, internationale Erfolge erzielt haben. Im Zusammenhang mit dem Unternehmen Alsco spielt dabei die Firmengeschichte, die bereits 120 Jahre andauert, und der Aufstieg des Unternehmens sowie seine weltweite Expansion eine große Rolle.

Im Jahr 1889 gründete der 15-jährige George A. Steiner das Ursprungsunternehmen in Lincoln in Nebraska (USA). Der Standort wechselte nach Salt Lake City und das schnell wachsende Unternehmen bekam den Namen Alsco. Seit den 1950er Jahren ist der Leasinganbieter auf dem deutschen Markt präsent. Erster Auftraggeber waren die Bayer-Werke in Leverkusen, die ihre 40.000 Mitarbeiter mit Berufsbekleidung von Alsco ausstatten ließen. Heute hat Alsco in Deutschland 13 Niederlassungen und fünf Servicecenter. Bekannt ist der Textildienstleister für sein Angebot im Berufsbekleidungsleasing und Leasing für Hotel- und Gastronomietextilien. Zusätzlich bietet das Unternehmen einen Matten- und Moppservice sowie Hygiene-Komfort-Lösungen an. Alsco hat nach eigenen Angaben über 40.000 Kunden in allen Branchen und Größenordnungen. Bis zu 100.000 Berufsbekleidungsteile, ca. 60.000 Glattwäscheteile sowie bis zu 5.000 Stoffhandtuchrollen und über 6.000 Schmutzfangmatten durchlaufen täglich die Alsco-Großwäschereien.

Die Hohenstein Institute wollten mit der Auszeichung besonders die Leistungen des Unternehmens und seine Rolle als Pionier im Textilleasingbereich hervorheben. Robert C. Steiner nahm den Award „aber nur in Bescheidenheit“, wie er selbst sagte, entgegen, da die ausgezeichneten Leistungen seine Familie und nicht nur er selbst erbracht hätten. Er und sein Bruder würden von den „Erfolgen und Visionen unserer Vorgänger profitieren, die das Unternehmen aufgebaut haben“, sagte er, als er sich für den Award bedankte.

Im letzten Jahr bekam Carl-F. Bardusch den Hohenstein Award. In diesem Jahr war er als Laudator gekommen, um auf die beispielhafte Entwicklung von Alsco hinzuweisen, um den Einsatz von Robert C. Steiner zu ehren und auch um einen Freund zu treffen. Wie Carl-F. Bardusch in seiner Ansprache verlauten ließ, haben er und Robert C. Steiner schon einige Skiausflüge gemeinsam unternommen und verstehen sich auch privat sehr gut, obwohl sie beruflich Wettbewerber sind. „Wenn wir ein internationales Unternehmen in der Branche haben, dann ist das Alsco“, begann Bardusch seine Laudatio. „Für mich war Alsco aber immer genauso ein deutsches Unternehmen wie ein amerikanisches“, betonte er und nahm dabei Bezug zu der frühen Gründung der ersten Alsco-Filiale in Deutschland sowie zu seiner eigenen beruflichen Laufbahn. Nach dem Studium hat Carl-F. Bardusch einige Jahre in Amerika gearbeitet, dabei auch in mehreren Alsco-Betrieben. „Wenn man so will, bin ich selbst ein Steiner-Schüler und hatte das Privileg, mit dem Großvater von Robert C. Steiner viele interessante Gespräche führen zu dürfen, aus denen ich viel Erfahrung sammeln konnte.“ Wichtig war es Bardusch zu betonen, dass zwischen den beiden Unternehmen Alsco und Bardusch stets ein harter, aber immer fairer Wettbewerb bestand. Robert C. Steiner habe den Erfolg des Unternehmens weitergeführt und ausgebaut und dies immer „im Sinne der Ideale seiner Vorgänger“.

Seit 1978 ist Robert C. Steiner als erster Vertreter der vierten Generation im Familienunternehmen Alsco tätig. Im Jahr 1980 übernahm er die Führung der deutschen Steiner-Gruppe in Köln und verbrachte einige Jahre in Deutschland. Daraus erklärt sich auch, warum er den Teilnehmern der Veranstaltung seinen Dank für den Award in beinahe fließendem Deutsch aussprechen konnte. Bereits im Jahr 1983 wurde ihm dann die Zuständigkeit für die gesamten, ausländischen Alsco-Gesellschaften übertragen. Seit dem Jahr 2001 ist er nach dem Rücktritt seines Vaters gemeinsam mit seinem Bruder Kevin K. Steiner, Co-Präsident und CEO der gesamten Alsco-Gruppe.

Prof. Dr. h.c. Josef Kurz von den Hohenstein Instituten überreichte Robert C. Steiner die Auszeichnung und verlas den Text der Urkunde: „In Anerkennung der außergewöhnlichen Verdienste seiner Familie für die Entstehung des Textilleasinggeschäfts und seinem persönlichen Beitrag zur nachhaltigen Positionierung der textilen Dienstleistungen im Gesundheitswesen, in Gastronomie, Hotellerie, Industrie, im Handwerk und Gewerbe. Durch Unternehmergeist und innovative Ideen hat die American Linen Supply Company die Voraussetzungen geschaffen, dass textile Sauberkeit in hoher Qualität heute weltweit verfügbar ist.“

Um die Entwicklung des Textildienstleistungsbereichs der letzten 120 Jahre noch einmal genauer zu beleuchten und mit Zahlen zu belegen, hatte Jürgen Gerdum, der Präsident der European Textile Services Association ETSA, eine Präsentation vorbereitet. Als erstes ging er auf die verschiedenen Begrifflichkeiten ein, die den Service rund um das Bereitstellen von Leasingtextilien beschreiben.

Ab 1890 hätten Wäschereien begonnen Wäsche zu vermieten, zu dieser Zeit sprach man von „Wäschevermietanstalten“. Ab 1920 wurde dieser Begriff durch den „Wäscheverleih“ ersetzt. Schon ab den 50er Jahren sprach man in der Branche vom „Textilleasing“ und etwas später von der „Textildienstleistung“. Heute gäbe es dazu jedoch keinen einzelnen Begriff mehr, diverse Bezeichnungen sind stattdessen möglich. Um die Veränderungen zu verdeutlichen hatte er einige Bilder von Maschinen aus den unterschiedlichen Zeiten mitgebracht. „In den letzten Jahrzehnten hat sich viel geändert. Wir sind in einem wirklich dynamischen Markt tätig“, erläuterte Jürgen Gerdum die Entwicklungen. „Verändert haben sich die Technik, die Kunden, das Dienstleistungsangebot, die Größe sowie die Umsätze der Unternehmen.“

Dann nannte er die aktuellen Zahlen der Branche. Das Jahr 2008 war mit einem europaweiten Umsatz von 9,5 Milliarden Euro, was einen Zuwachs von 6,7 Prozent bedeutet, sehr erfolgreich für die textilen Servicebetriebe. In Deutschland sind aktuell 21.000 Personen in dieser Branche beschäftigt und versorgen 712.000 Kunden, in Europa sind es 101.000 Personen, die sich um die Wäsche von 3.500.000 Kunden kümmern. Europaweit waren insgesamt 95.750.000 Bekleidungsteile und 3.400.000.000 Textilien im textilen Kreislauf unterwegs. „Die Herausforderung war und ist immer dieselbe, denn alle diese Träger müssen mit den Bekleidungsteilen versorgt werden“, meinte Gerdum. Er fügte jedoch hinzu, dass sich in Zukunft einiges ändern wird und neue Herausforderungen auf die Branche zukommen werden.

Welche Herausforderungen für die Branche aktuell zu bewältigen sind und wie es in Zukunft weitergehen wird, darauf nahm Martin Kannegiesser, der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Bezug. Zuerst gratulierte er jedoch Robert C. Steiner zu der Auszeichnung und betonte die Tatsache, dass Alsco trotz seiner internationalen Präsenz im Grunde ein Familienunternehmen geblieben sei. Gerade diese Unternehmen ständen für Kontinuität, Stabilität und soziale Verantwortung, also alle Werte, die in der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise auch in Deutschland wieder verstärkt an Bedeutung gewinnen müssten. „Es gibt kein Land, wo der industrielle Mittelstand und das sind die Familienunternehmen so einen großen Anteil hat wie in Deutschland“, so Kannegiesser. Die mittelständischen Unternehmen müssten wieder verstärkt in den Mittelpunkt des Interesses rücken, betonte er. Zugleich warnte er jedoch davor „nicht in Extreme zu verfallen“, denn auch die großen Konzerne sowie die internationalen Finanzmärkte gehörten zu unserer Wirtschaft hinzu, und nur wenn beide gemeinsam existieren, wäre überhaupt ein wirtschaftlicher Fortschritt möglich.

„Aus der Krise lernen die Chancen und Risiken für industrielle Textildienstleister“ hieß sein Vortrag, mit dem er die Teilnehmer zwar auf die schwierige Wirtschaftslage aufmerksam machen, zugleich aber auch aufzeigen wollte, dass es in dieser Situation auch Chancen gibt. „Neue Technologien bringen die Wirtschaft voran“, sagte er und betonte die Entwicklung in Hinsicht auf die Ressourceneinsparung. Er meinte dies jedoch nicht nur in Bezug auf die Einsparungen, die damit zu erzielen seien, sondern vor allem mit Blick auf das Know-how, das nun vorangetrieben bzw. entwickelt werden muss, um Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen.

Die Finanzkrise selbst nannte er „eine Katastrophe, von der über kurz oder lang jedes Unternehmen betroffen sein wird“. Jetzt sieht man auf der Straße noch nicht viel, aber es wird kommen, prognostizierte der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall. In seiner Firma seien die Arbeitsaufträge im ersten Quartal um 20 Prozent zurückgegangen, bei anderen Unternehmen seien es aber auch schon mal zwischen 50 und 80 Prozent. „Jedes Unternehmen muss sich auch fragen, ob die Krise in seinem Segment konjunkturelle oder strukturelle Gründe hat“, so Kannegiesser. Seiner Meinung nach sind die meisten Gründe konjunkturell, aber trotzdem müsse vieles auch strukturell geändert werden. Grundsätzlicht war er der Meinung, nach der schwierigen wirtschaftlichen Zeit, von der zwar noch keiner weiß, wie lang sie dauern wird, komme auch wieder ein Aufschwung. Deshalb setze er auf Maßnahmen wie Kurzarbeit statt auf Entlassungen. Es sei keine Frage, dass der Markt für Dienstleistungen weiter wächst, aber es sei eine Frage der Ressourcen, die investiert werden müssen, damit dies in entsprechendem Tempo geschehen kann. Im Moment sei das Tempo eben eher langsamer.

Wichtig sei es nun auf Kooperation zu setzen und dass der Staat wieder Ordnung auf den Finanzmärkten schaffe. Politik und Wirtschaft dürften sich jetzt nicht gegenseitig Inkompetenz vorwerfen. „Das bringt nichts.“ Er warnte davor, aus Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung alle zukünfigen Investitionen zurückzuhalten, denn genau dies würde die Krise zusätzlich verstärken. Daraufhin bekräftigte er noch einmal, dass es eine Chance aus der Krise gäbe, und nahm abschließend noch einmal Bezug zu Robert C. Steiner. „In diesen Zeiten ist es gut, wenn man Ehrungen an solch vorbildliche Unternehmen wie heute überreichen kann, die schon einige Krisen hinter sich und überlebt haben.“

Jana Tashina Wörrle