Der Hol- und Bringdienst gehört zum Service eines modernen Textilserviceunternehmens. Dabei ist in den vergangenen Jahren, wie überall im Transportgewerbe, ein Anstieg des Durchschnittsalters dieser Mitarbeiter sichtbar geworden. Doch welche Konsequenzen hat diese Entwicklung und was ist zubeachten, damit der Arbeitsplatz im Lkw nicht zum Gesundheitsrisiko wird?
Arbeitsplatz Lkw
Langes Sitzen, Arbeitszeiten auch in der Nacht oder zu unregelmäßigen Zeiten, ständig hoch konzentriert zu sein und mitunter ein anstrengendes Be- und Entladen der Transportfahrzeuge beeinträchtigen die Gesundheit vieler Lkw-Fahrer. Da die meisten Wäschereien einen eigenen Fuhrpark betreiben und damit einen Hol- und Bringservice anbieten, gehört die Transportarbeit auch dort zum Berufsalltag eines Teils der Mitarbeiter. Neben möglichen Verkehrs- und Arbeitsunfällen stellt diese zwar schleichende, aber möglicherweise dauerhafte Beeinträchtigung der Gesundheit ein großes Problem dar, das sich verstärkt auch bei älteren Fahrern zeigt.
Nach Angaben von Verdi ist durch die demografische Entwicklung eine Zunahme bei den Fahrern über 50 Jahre zu verzeichnen. Aber auch die Zunahme des Güterkraftverkehrs insgesamt und der Mangel an jungen Nachwuchsfahrern tragen dazu bei, dass auch das Unfallrisiko ansteigt. Dr. Wolfgang Fastenmeier von Mensch-Verkehr-Umwelt Institut für Angewandte Psychologie hat die Risiken in Bezug auf die Altersstruktur analysiert. Sein Fazit lautet: „Das Unfallrisiko der älteren Fahrer erhöht sich, wobei der Anstieg allerdings erst ab dem 65. Lebensjahr markant ist.“ Vor allem in komplexen Anforderungssituationen, wie bei Fahrten in der Dunkelheit, bei hohem Verkehrsaufkommen oder an Knotenpunkten, steige dann die Unfallgefahr. Als Belastungsschwerpunkte, die zwar alle Fahrer betreffen, sich jedoch verstärkt bei den älteren zeigen, nennt Fastenmeier:
-die Be- und Entladetätigkeiten und dabei auch die Zunahme von Zusatz- und Nebentätigkeiten,
-die Belastungen am Arbeitsplatz Lkw selbst wie lange Lenkzeiten, häufige Nachtfahrten und die Belastungsfolgen der Ermüdung sowie
-die zunehmenden Gesundheitsprobleme durch langes Sitzen und viel Stress.
Dr. Wolfgang Fastenmeier rät dazu, dass sich die Unternehmen, die die Fahrer einsetzen, mit Weiterbildungsangeboten für sich selbst und die Lkw-Fahrer um eine bessere Sicherheits- und Gesundheitsorganisation kümmern sollten.
Um die Unternehmen dabei zu unterstützen, haben die Berufsgenossenschaften, in diesem Fall die Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen (BGF), besondere Richtlinien für Sicherheit und Gesundheitsschutz formuliert und bieten spezielle Beratungen und Seminare an. Damit der Arbeitsplatz Lkw nicht zur Gesundheitsgefährdung wird, gibt es Lösungsstrategien unter anderem zur Stressbewältigung, konkrete „Rezepte“ für ein rückenschonendes Be- und Entladen und auch, um Ermüdung vorzubeugen. Doch was heißt dies in der Praxis? Jeder Unternehmer ist verpflichtet, für seine Mitarbeiter sichere und nicht gesundheitsgefährdende Arbeitsplätze zu schaffen. Die arbeitsmedizinische und sicherheitstechnische Betreuung und Beratung der Mitarbeiter eines Unternehmens sind im „Gesetz über Betriebsärzte, Sicherheitsingenieure und andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit” (Arbeitssicherheitsgesetz ASiG) gesetzlich geregelt. Es trat am 1. Dezember 1974 in Kraft. Nach diesem Gesetz sind die Berufsgenossenschaften dazu verpflichtet, die sich daraus ergebenden gesetzlichen Anforderungen durch Unfallverhütungsvorschriften näher zu bestimmen. „Sie führt die Regelungen der bisherigen Unfallverhütungsvorschriften ,Fachkräfte für Arbeitssicherheit‘ (BGV A6) und ,Betriebsärzte‘ (BGV A7) zusammen und legt die Anforderungen an die betriebsärztliche und sicherheitstechnische Betreuung fest“, wie die Berufsgenossenschaft selbst erklärt.
Im Jahr 2004 hat die BGF die Broschüre „Sicherheits-Check für Unternehmen des Güterkraftverkehrs“ veröffentlicht, die eine konkrete Handlungshilfe bei der Einschätzung der eigenen Gefährdungen am Arbeitsplatz bieten soll. Auf der Internetseite der BGF ist sie erhältlich. Zusätzlich bietet die Berufsgenossenschaft ein Moderatorenprogramm an, über das sie Mitarbeiter von Unternehmen ausbildet. Die Moderatoren berichten dann am Arbeitsplatz selbst darüber, wie die Fahrer im Lkw dauerhaft gesund und sicher bleiben können.Jana Tashina Wörrle
Infos: www.bgf.de