Unternehmen für ordentliche Hygienewäsche zu sensibilisieren, gehört zum Auftrag von Dr. Manuel Heintz. Der Experte erklärt in RWTextilservice, warum ein Hygienemanagement nach DIN EN 14065 (RABC) die Erfolgschancen von Textilpflegebetrieben eindeutig verbessert.
Es geht um mehr als das Image
Für Dr. Manuel Heintz ist Hygienebewusstsein nicht nur ein spannendes, sondern vor allem ein gesellschaftlich und wirtschaftlich relevantes Thema. Als verantwortlicher und erfahrener Mitarbeiter der wfk arbeitet er daran, das Bewusstsein für Textilhygiene zu stärken und es in sachgerechten Anforderungen für die unternehmerische Praxis umzusetzen. Ein Team aus Biologen und Fachkräften unterstützt ihn dabei. Der Leiter der Abteilung „Angewandte Mikrobiologie und Hygiene“ beim wfk-Institut in Krefeld ist als Referent und Fachberater in Arbeitsgruppen international gefragt. In der Dienstleistungsbranche Textilpflege gilt er als kompetenter Ansprechpartner für alle inhaltlichen und organisatorischen Aspekte des betrieblichen Hygienemanagements.
Basis wirtschaftlichen Erfolgs
„Nichts auf der Welt ist so unmöglich aufzuhalten wie das Vordringen einer Idee.“ Dieses Zitat ist einer seiner Leitsätze. Eigene Visionen umzusetzen, motiviert ihn: nicht euphorisch, sondern besonnen, zukunftsgerichtet und flexibel. Es ist ihm wichtig, Entwicklungen, wie beispielsweise die EN 14065, sinnvoll mitzugestalten. Die Zertifizierung eines Betriebes gemäß dieser Norm schaffe mehr als ein gutes Image. Ein Qualitätsmanagementsystem sichere die Leistungen und schaffe die Basis für wirtschaftlichen Erfolg, speziell im Bereich Alten- und Gesundheitspflege. Nur so könnten sich Textilpflegebetriebe in diesem Wachstumsmarkt positionieren.
Seine Prognose: „Der demografische Wandel führt zu einem vermehrten Wäscheaufkommen in Alten- und Pflegeheimen. Gleichzeitig steigt das Hygienebewusstsein der Verantwortlichen und somit die Bereitschaft, die Aufbereitung der Textilien erfahrenen Dienstleistern zu überlassen. Die Institutionen müssen sich dann nicht selbst mit den Anforderungen an die Textilhygiene auseinandersetzen.“ Außerdem kann sich Heintz sehr gut vorstellen, dass langfristig auch die Pflege der Bewohnerwäsche ausgelagert wird. Zu weiteren potenziellen Zielgruppen zählt er Arztpraxen und andere Einrichtungen im Gesundheitswesen.
Bereits während seines Studiums in Münster und Tübingen hatte sich Manuel Heintz auf die Mikrobiologie spezialisiert. Im Rahmen seiner Promotion in Kaiserslautern baute er seine Fachkenntnisse am Modellorganismus Streptococcus pneumoniae (Verursacher von Lungen- und Mittelohrentzündung) aus und entwickelte
eine Analysemethode als Dienstleistungsplattform für das
NanoBioZentrum in Kaiserslautern. So war es für ihn nur konsequent, im Dienstleistungsbereich zu bleiben. Sein Fachgebiet umfasst allerdings weit mehr als Textilhygiene. Gemeinsam mit seinem Team beschäftigt er sich darüber hinaus mit der Reinigung von Geschirr, Medizinprodukten und hygienischer Gebäudereinigung. In der Regel gehe es um konkrete Frage- und Aufgabestellungen der Kunden und Auftraggeber, erklärt er.
Textilhygiene beugt vor
Im Gesundheitswesen sei Textilhygiene generell eine Präventivmaßnahme für den Gesundheitsschutz. Schmutzige Wäsche könne diverse Krankheitserreger und Lebewesen enthalten. Diese stellen laut Heintz nicht nur eine Gesundheitsgefahr für die Mitarbeiter dar, sie seien auch ein Hygiene-risiko für alle anderen Textilien in den Betrieben. Hygiene diene zur Vermeidung von Krankheiten. In seinen Seminaren erfahren die Teilnehmer daher immer auch Grundlagen über „Hygiene im Alltag“. Wann und für welche Betriebe eine adäquate Textilhygiene grundsätzlich relevant ist, beantwortet der Hygieniker in den folgenden Fragen:
1. Für welche Textilarten sind eine adäquate Hygiene und ein Nachweis darüber erforderlich?
Manuel Heintz: Textilhygiene ist für alle Wäschearten im Gesundheitswesen und Lebensmittelbereich wichtig. Weiterhin achten die Pharmabranche und die Kosmetikindustrie darauf. Leider messen viele Hygieniker der Textilhygiene im Vergleich zu Händehygiene und Medizinprodukten wenig Bedeutung zu. Es ist allerdings wissenschaftlich belegt, dass Infektionen von Textilien verursacht werden können. Das zeigt ein aktuelles Beispiel aus einem Londoner Krankenhaus. Leider gibt es nicht nur im Gesundheitsbereich diverse Regelungen und Empfehlungen für die Textilhygiene, die unzureichend und mit wenig Sachkenntnis verfasst sind. So ist beispielsweise eine Aufbereitung bei 95 °C für mindestens 30 min keine praxistaugliche Lösung.
2. Und welchen Stellenwert hat Textilhygiene im Hinblick auf die
Bewohnerwäsche?
Manuel Heintz: Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt im Dokument „Infektionsprävention in Heimen“ für Bettwäsche generell und für Leibwäsche, Handtücher und Waschlappen bei Infektionsausbrüchen desinfizierende Waschverfahren. Bewohnereigene Wäsche kann in der Regel wie Wäsche im Privathaushalt behandelt werden. Die Arbeitsbekleidung der Arbeitnehmer im Pflegebereich sollte entsprechend einer Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) nachweislich desinfizierend gewaschen werden. Es ist davon auszugehen, dass mit „desinfizierend waschen“ auch eine adäquate Hygienequalität der aufbereiteten Produkte gemeint ist, selbst wenn das nicht explizit genannt ist. Die desinfizierte Wäsche sollte das gleiche Hygieneniveau wie Krankenhauswäsche erreichen. Wenn Bewohnerwäsche massiv mit Ausscheidungen verunreinigt ist, geht auch davon eine Infektionsgefahr aus und es braucht die entsprechende Sorgfalt bei der Aufbereitung.
3. Für welche Betriebe ist ein hygienischer Betriebsablauf wirtschaftlich interessant? Welche Voraussetzungen müssen sie erfüllen?
Manuel Heintz: Grundsätzlich könnten viele Betriebe die Textilien so aufbereiten, dass die Endqualität geltenden Hygieneanforderungen gerecht wird. Bauliche Voraussetzungen sind nur dann erforderlich, wenn die Wäsche wie „Krankenhauswäsche“ gehandhabt werden muss. Dann ist eine bauliche Trennung zwischen dem Waschbereich (unreine Seite) und der weiterfolgenden Produktion (reine Seite) notwendig. Alle anderen Voraussetzungen können mit geringen baulichen Veränderungen umgesetzt werden oder beziehen sich auf die Organisation und das Management der Hygiene. Das sind zum Beispiel Schulungen der Produktionsmitarbeiter und die Weiterbildung von Hygienebeauftragten. Voraussetzungen sind unter anderem die Überprüfung der Waschverfahren und eine sachgerechte Flächendesinfektion. Diese lassen sich in den Betrieben in der Regel problemlos umsetzen. Allerdings können auch in Pflegeheimen multiresistente Erreger vorkommen. Dann kann es sich um infektiöse Wäsche handeln. Für die Bearbeitung von infektionsverdächtiger Wäsche aus dem Gesundheitsbereich ist bereits eine bauliche Trennung erforderlich.
Eine gute Aufbereitungsqualität halte ich nicht nur unter dem Hygieneaspekt für entscheidend, sondern auch für den Werterhalt der Bewohnerwäsche und der heimeigenen Textilien. Mit dem wfk-Siegel für Textilschonung können textile Dienstleister einen entsprechenden Nachweis erbringen und ihre Kunden überzeugen.
4. Was empfehlen Sie Betrieben, die in dem Segment Gesundheitspflege tätig sind, um sich auf die Anforderungen des Marktes einzustellen?
Manuel Heintz: Eine Zertifizierung mit dem wfk-Siegel für Textilhygiene. Dies belegt, dass die Textilien gemäß dem jeweiligen Stand der Technik aufbereitet werden und in hygienisch sensiblen Bereichen wie dem Krankenhaus- und Gesundheitssektor sowie der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden können. Damit stärken Unternehmen nicht zuletzt das Vertrauen in ihre Dienstleistung. Das wfk-Siegel gibt es seit zwei Jahren. Insbesondere das integrierte Fremdkörpermanagementsystem, die Validierung der Waschverfahren und die Punktebewertung des gesamten Hygienemanagementsystems helfen, sich gegenüber dem Wettbewerb abzusetzen und Kunden zu gewinnen. Im Bereich Hygienemanagementsysteme kooperiert die wfk auch mit dem Deutschen Textilreinigungs-Verband. Aktuell läuft das Pilotprojekt „Hygienemanagement gemäß EN 14065 RABC im Rahmen der DTV-Verbandszertifizierung“ mit rund zehn Betrieben. Die Anforderungen dafür wurden im Jahr 2013 festgelegt. Da das Bewusstsein für Textilhygiene bei den Kunden stetig wächst, sind sichere Betriebsabläufe zur dauerhaften Gewährleistung der Textilhygiene notwendig. Dies wird nur über ein gutes Hygienemanagementsystem erreicht.
Gabriele Rejschek-Wehmeyer
