Hunderte von Wäschereien in Deutschland hantieren täglich mit Textilien aus Krankenhäusern oder Pflegeheimen. Damit sie das überhaupt dürfen, müssen sie bestimmte Hygieneanforderungen erfüllen. Doch die Krankenhäuser machen ihnen die Arbeit nicht immer leicht.

Die Krux mit der Spritze
Scharfe Skalpelle, abgebrochene Kanülen, dreckige Windeln: Das sind Dinge, die Wäschereimitarbeiter Tag für Tag aus der Wäsche von Krankenhäusern und Heimen ziehen. Die Fremdkörper in Laken, Kitteln und Co. sind ein Problem.
Hunderte Wäschereien gibt es in der Bundesrepublik, die mit diesen Textilien umgehen. So auch die neun Unternehmen des Sitex-Verbundes, die täglich 250 bis 300 t Wäsche für Einrichtungen des Gesundheitswesens waschen. Sie beliefern 450 Krankenhäuser in ganz Deutschland.
Personalschleusen, eine klare räumliche Trennung zwischen reinem und unreinem Bereich, überall die Möglichkeit zur Händedesinfektion, einige Mitarbeiter tragen eine Schutzausrüstung: Dass die Wäschereien keine „normalen“ Betriebe sind, ist auf den ersten Blick ersichtlich. All das hat einen Grund: Die sauberen Teile dürfen auf keinen Fall mit verunreinigter Wäsche in Berührung kommen. Hinzu kommen weitere Anforderungen, die das Robert Koch-Institut im Auftrag des Gesetzgebers an die Krankenhauswäschereien stellt. So dürfen die Mitarbeiter die Krankenhaustextilien nicht sortieren. Sie kommen vorsortiert in Wäschesäcken in die Wäscherei. Denn Krankenhaustextilien gelten als infektionsverdächtig oder infektiös. Das bedeutet aber auch: Sind die Krankenhausmitarbeiter beim Sortieren nachlässig und vergessen z.B. Spritzen, gefährden sie die Angestellten in den Wäschereien.
Wenn die Maschinen stillstehen
„Das ist bei uns ein ganz großes Problem“, berichtet eine Schichtleiterin einer Thüringer Wäscherei. Die Mitarbeiter des Betriebes stehen unter Zeitdruck, einige große Krankenhäuser müssen sie zwei Mal am Tag mit sauberen Teilen beliefern. „Wenn bei uns die Maschinen stehen, bestellen wir die Krankenhausverantwortlichen ein.“ Dieses Problem bestätigt Dr. Andreas Schmidt von den Hohenstein Instituten. „In Krankenhauswäschereien sind Fremdkörper in der Wäsche eine große Gefahr.“ Und wenn Spritzen, Skalpelle oder Windeln mitgewaschen werden, zerstöre man nicht nur die Textilien und die Maschine. Alles, vom Bettlaken bis zu Inkontinenzunterlagen, müsse den Waschprozess noch einmal durchlaufen. Denn die Wäsche muss bakterienfrei sein.
„Eine besondere Herausforderung ist es auch, die Hygiene täglich zu leben, wie sie für Krankenhauswäschereien vorgeschrieben ist“, sagt Uwe Wiedermann, Geschäftsführer am Sitex-Standort Lemgo. Das Tragen von Schmuck ist verboten, die Hände müssen regelmäßig desinfiziert werden. Die Mitarbeiter werden regelmäßig im Umgang mit den Textilien und zum Thema Hygiene geschult. In jeder Wäscherei, die mit infektionsverdächtigen Textilien arbeitet, gibt es einen eigenen Hygieneplan. Als Zeichen, dass alle Vorgaben eingehalten werden, gibt es in Deutschland verschiedene Zertifikate, wie das des wfk (siehe Seite 36) oder das RAL-992/2-Siegel der Gütegemeinschaft sachgemäße Wäschepflege der Hohenstein Institute: Rund 300 Betriebe tragen deutschlandweit das RAL-Siegel für Krankenhauswäsche. Ob sie die Anforderungen einhalten, überprüft das Institut jährlich bei unangemeldeten Kontrollen. Dabei werden die Räumlichkeiten und Maschinen untersucht, die Angestellten müssen ihre Hände auf Bakterien überprüfen lassen. Denn einmal mit kontaminierter Hand ein desinfiziertes Teil angefasst, war der gesamte Prozess umsonst. „Unsere Mitarbeiter sind sich ständig der besonderen Verantwortung bewusst, die sie tragen“, sagt Wiedermann. Schließlich geht es im Zweifel um das Leben der Patienten.Mirabell Schmidt