Die Altenpflege gilt als Leitmesse der Pflegewirtschaft und findet im jährlichen Wechsel in Hannover und Nürnberg statt. Vom 25. bis 27. März 2014 war die niedersächsische Landeshauptstadt an der Reihe. Zu den Ausstellern zählten auch wieder einige aus dem Bereich Textilien und deren Aufbereitung.
Hilfe beim Textilmanagement
Die diesjährige Altenpflege in Hannover musste einen leichten Besucherrückgang hinnehmen. Mit insgesamt 28.500 Besuchern an den drei Messetagen kamen rund 2.500 weniger auf das Messegelände nach Hannover als 2012. Streiks im öffentlichen Dienst, von denen der öffentliche Nahverkehr sowie viele Pflegeeinrichtungen betroffen waren, sieht der Veranstalter als Ursache.
Das Angebot der Aussteller in den Messehallen reichte von Produkten und Dienstleistungen für Pflege, Therapie und Raumeinrichtung über Küche, Hauswirtschaft und Ernährung bis hin zu Verwaltung, Informations- und Kommunikationstechnik. Auch Unternehmen aus den Bereichen Textilien, Bekleidung und deren Aufbereitung und Management gehörten zu den ausstellenden Firmen. RWTextilservice war vor Ort und hat beim Messerundgang die Aussteller nach Neuheiten und Trends gefragt.
Textilien
Clinic Dress zeigte mit „Clinic Wash“ eine neue Produktlinie, bei der alle Kasacks und Hosen nach EN ISO 15797 für die Industriewäsche geeignet sind. Passform und Funktionalität wurden an die Bedürfnisse des Pflegepersonals angepasst. Jeder Artikel wird aus Relax-Material hergestellt, welches durch Gewebe mit elastischem Garn ein Maximum an Bewegungsfreiheit bietet. Neben bequemen Schnitten und tollen Farben gibt es funktionelle Highlights, wie zum Beispiel eine Bewegungsfalte im Rücken, verstärkte Taschen, einen Leasing Collar oder eine Schlüsselschlaufe.
„Nicht immer nur Streifen“ müssen es im Pflegebereich sein, wie Giovanna Castiglia, Bereichsleitung bei Brügelmann, auf der Altenpflege berichtete. Es dürfe auch mal etwas Frisches sein wie florale Bettwäsche in Blau- oder Terrakottatönen. Generell seien warme Farben gefragt, z.B. auch bei Esslätzchen.
Bei Dieckhoff gab es neben Lagerungshilfen und weiteren textilen Spezialartikeln für den Pflegebereich auch einige Berufsbekleidungsprodukte zu sehen. „Hier kommt verstärkt Tencel-Ware zum Einsatz“, erläuterte Kilian Dieckhoff. Nachhaltige Textilien und Konzepte wie „Cradle to Cradle“ stellen einen zukünftigen Fokus des Unternehmens dar. Aber auch individuelle Farbkonzepte, passend zur Corporate Identity der Einrichtung, werden im Pflegebereich gut nachgefragt.
Mit neuem Katalog kamen die Gebrüder Heinemann nach Hannover. Auch hier spielt Tencel eine Rolle, aber vor allem Farbe. Unter dem Motto „Colour your life“ soll es eine nahezu unbegrenzte Möglichkeit an Farb- und Modellkombinationen geben. Gerade für Häuser mit vielen Etagen und Stationen soll hier jeder seine eigene Farbkombination auswählen können.
Mehr Farbe und neue Schnitte waren auch die Themen bei Güldi Moden. Auch die Stickmotive, die das Unternehmen anbietet, werden gerade bei häuslichen Pflegediensten gut angenommen. Carola Terpe berichtet: „Bei den Bewohnern kommen solche Stickmotive auch sehr gut an.“ Auch bei Güldi Moden sieht man Tencel als Trend im Pflegebereich.
Am Stand von Nybo Workwear aus Dänemark war Tencel eines der Schwerpunktthemen. Zwei neue Kollektionen („Rainbow“ und „Lotus“) bestehen aus dem „essential“-Gewebe, das mit 65 Prozent Polyester und 35 Prozent Tencel u.a. für Hosen geeignet sein soll. Aber auch bei Kochjacken von Nybo können Tencelgewebe mit gutem Feuchtigkeitsmanagement punkten. Harald Reisinger, Verkaufsleiter für Deutschland, und Christian Wurm aus seinem Vertriebsteam stellen außerdem fest, dass Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser in Deutschland mutiger werden in Sachen Farbe. „Unser Arctic Green z.B. ist stark gefragt“, sagt Reisinger. In jedem Fall geht der Trend zu individuellen Kombinationen. „Flexibilität ist für uns als Konfektionär hier immer wichtiger“, so Reisinger.
Kennzeichnungslösungen
Günther & Windrath hatte als Exklusiventwicklung aus eigenem Hause die „TexPatch“-Etiketten dabei. Sie sollen die Vorteile von textilen Etiketten und Patchetiketten kombinieren. Haltbarkeit und Beständigkeit wurden laut Unternehmen unter Industriewäschebedingungen getestet. Das Etikett hat eine textile Haptik und Optik und lasse sich dabei so einfach einbringen wie ein Patchetikett. Auch eine kompakte handbediente Patchmaschine zeigte Astrid Puschendorf, Geschäftsführerin von Günther & Windrath, am Messestand.
Am Messestand von RS-Etiketten & Embleme zog eine Karikaturistin die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Walter Steigerwald und sein Team präsentierten außerdem einen weiterentwickelten Prototyp eines Geräts, das sowohl die dauerhafte als auch die Einmalkennzeichnung von Wäscheteilen ermöglichen soll. Ein weiterer Vorteil ist laut Steigerwald, dass die Patchzeit bei maximal fünf Sekunden liegt - das spart nicht nur Zeit, sondern verhindert auch eine Beschädigung empfindlicher Bekleidung. Das System mit Software wird noch optimiert und soll dann in Serie gehen.
Konzepte rund um die Textilkennzeichnung zeigte Thermopatch auf der diesjährigen Altenpflege. Gut angekommen bei den Besuchern sind u.a. die dehnbaren Etiketten für die Bewohnerwäsche oder auch die einfach handhabbaren Patchmaschinen.
Maschinentechnik
Seit 1924 entwickelt und produziert Miele professionelle Maschinen für Wäschereien. In diesem Jahr feiert das Unternehmen mit seinen Kunden 90 Jahre gewerbliche Wäschepflege - z.B. mit verschiedenen Sondermodellen, die auch auf der Altenpflege präsentiert wurden. Vorgestellt hat Miele auch eine neue Generation von Waschmaschinen unter dem Namen „Mopstar“. Die vier Maschinen bieten je nach Größe Platz für 6,5 bis 13 kg Mopps oder Wischtücher. Mithilfe eines patentierten Verfahrens rüsten sie diese gebrauchsfertig mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln aus. Auch Mangeln sind bei Pflegeeinrichtungen laut Miele ein Thema. Bei Vorführungen konnten sich die Messebesucher ein Bild von der Bedienung machen. Am Messestand von Miele präsentierte sich außerdem die Informationsplattform Klasse Wäsche, die sich mit den Vorteilen hauseigener Wäschereien beschäftigt.
Am Stand von Primus berieten Area Sales Manager Jiri Ertelt und Jürgen Holzfuß, Geschäftsführer Holzfuß Wäschereitechnik, rund um Maschinentechnik im Wäschereibereich. Sie präsentierten ein breites Portfolio bestehend aus Trennwandmaschinen sowie Trocknern verschiedener Größen und auch Mangeltechnik. Ein wichtiges Thema in den Pflegeeinrichtungen ist nach Erfahrung von Primus die Energieeinsparung. Zum Konzept der Primus-Waschmaschinen gehört deshalb u.a. die patentierte „Cascade“-Trommel mit einem spezifischen Muster von Perforationen für eine bessere Wasserextraktion. Durch kleine Löcher und Erhebungen soll durch den Kaskadeneffekt das Wasser schneller abfließen und so auch schneller aus der Wäsche extrahiert werden. Das Ergebnis ist laut Unternehmen ein verbesserter Restfeuchtegrad.
Schneidereit Professional zeigte neue Wärmepumpentrockner der Reihe „EcoDry“ mit einem Fassungsvermögen von bis zu 19,7 kg. Sie sollen eine Einsparung von bis zu 80 Prozent des bisherigen Stromverbrauchs ermöglichen. Zudem sind die Maschinen laut Unternehmen so konstruiert, dass keine Zu- und Abluftinstallation mehr nötig ist, was zusätzlich Kosten spart. Als Neuheit präsentierte Schneidereit auf der Altenpflege 2014 das Waschkonzept „EasyWash“. Bei diesem Angebot fungiert Schneidereit als Betreiber der Waschräume. Mit einem Raumkonzept, abgestimmt auf die Bedürfnisse der Anwender, will das Unternehmen es den Senioren besonders einfach machen, ihre eigene Wäsche vor Ort zu pflegen. Als Technik kommt die Gerätereihe „EasyCare“ zum Einsatz, die speziell für Senioren mit großen Tasten und einfacher Bedienung entwickelt wurde.
Seit vielen Jahren ist auch Seibt + Kapp auf der Messe Altenpflege vertreten. Rüdiger Schultz informierte am Stand unter dem Motto „effizient - innovativ - bewährt“ über die Waschschleudermaschinen des Unternehmens.
„Wir hatten gute Gespräche und konnten interessante neue Kontakte knüpfen“, berichtet Geschäftsführer Uwe Stahl von Stahl Wäschereimaschinen. Von großem Interesse für das Fachpublikum sei die Hygienetrennwandwaschmaschine Divimat gewesen. Sie entspricht den BGR-500-Richtlinien und ist in unterschiedlichen Aufstellungsvarianten und Größen zu haben. Die Crew am Stand hatte alle Hände voll zu tun, die Raffinessen der Wäschereimaschinen vorzustellen, die durch die Bank äußerst wasser- und energiesparend arbeiten. Die Anforderungen an Flexibilität, Performance und Sparsamkeit sind in der Altenpflege so hoch wie in kaum einer anderen Branche. Ein Highlight am Messestand war daher die neue Trocknergeneration, die Stahl mit einer ausgeklügelten Energiespartechnik ausgerüstet hat. Allein die serienmäßige Umluftrückgewinnung recycelt nach Unternehmensangaben etwa 60 Prozent der warmen Abluft. Extra Plattenwärmetauscher sollen die Effizienz nochmals erhöhen. Mit am Stand von Stahl war traditionell auch wieder Pallas und präsentierte ausgewählte Bügeltechnik.
Bügel- und Finishtechnik hatte auch Veit in Hannover dabei. Bei Vorführungen konnten sich die Besucher von den Geräten überzeugen. Eine wachsende Nachfrage verzeichnet der Hersteller bei der professionellen Unterstützung in Bezug auf effizientes und fachgerechtes Bügeln und Finishen. Seit September 2013 verstärkt deshalb Caroline Drechsler das Sales-Team der Veit-Gruppe. Die gelernte Textilreinigermeisterin ist für Training und Anwendungstechnik zuständig und erläuterte auch auf der Altenpflege die richtige Anwendung der Geräte.
Die Firma Wendt aus Hemmingen informierte über den Tunnelfinisher „CFS 90 Electric“ von Colmac (USA). Die Maschine führt die Teile Schulter an Schulter durch den Finisher. Dies ist laut Wendt gerade für die Anwendung bei Altenheimwäsche von Interesse, da hier besondere Anforderungen an die Qualität des Finishs und auch durch unterschiedliche Warenarten gestellt werden.
Logistik und Management
KEMAS stellte erstmalig auf der Altenpflege aus und zeigte, wie Einrichtungen des Gesundheitswesens die Versorgung ihrer Mitarbeiter mit hygienisch sauberer Berufskleidung verbessern können. Die Systemlösung umfasst zentrale Ausgaberäume mit RFID-Schleusen, gekoppelt mit dezentralen RFID-gestützten Schranksystemen für Aus- und Rückgabe, die UHF-Kennzeichnung der Textilien sowie die Anbindung an relevante Anwendungssysteme. Die eingesetzten RFID-Transponder ermöglichen die Identifikation eines oder mehrerer Artikel (Pulkerfassung) an den Versorgungspunkten und verknüpfen Artikel- und Trägerinformationen zur kontinuierlichen Verwaltung der Mitarbeiterentnahmekontingente. Außerdem dokumentieren die Transponder auf RFID-Basis den Lebenszyklus des Bekleidungsteils und machen es so wirtschaftlich nachverfolgbar.
Schürmann präsentierte neben bewährten Transportlösungen für Wäsche neue Moppsackständer. Speziell auch für kleine Einrichtungen im Pflegebereich wurde das Gestell entwickelt, das die Breite eines Wischmopps hat und zum Sammeln der Reinigungstextilien geeignet ist.
Die nächste Altenpflege findet turnusmäßig in Nürnberg statt. Termin ist der 24. bis 26. März 2015. Elena Schönhaar