Zwischen glänzenden Oldtimern in einem der größten Automobilmuseen der Welt trafen sich die EFIT-Mitglieder am 26. und 27. Juni 2014. Themen der Jahrestagung waren u.a. das neue FashionCare-Logbuch, Hygiene in der Textilreinigung, Zusammenarbeit mit der Textilindustrie und werteorientierte Führung.
3 Die Europäische Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege (EFIT) machte ihrem Namen bei der Jahrestagung im Juni 2014 alle Ehre. Die Mitglieder trafen sich diesmal in Frankreich, im elsässischen Mülhausen. Der „Grand Prix der Textilreinigung“ fand in der Cité de l‘Automobile, mitten in der Sammlung Schlumpf (siehe Kasten) statt. Passend zur automobilen Umgebung begrüßte Friedrich Eberhard, erster Vorsitzender der EFIT, die Teilnehmer: „Als FashionCare-Mitglied fahren Sie in der Formel 1 der Branche – willkommen in der Königsklasse der Textilpflege. Lassen Sie uns Gas geben!“
EFIT-Geschäftsführer Dr. Volker Schmid blickte im offiziellen Teil der Jahrestagung auf ein erfolgreiches Jahr des Verbands zurück. Er sagte: „Wir müssen Qualität nicht nur produzieren, sondern auch kommunizieren. Und zwar nicht nur den Verbrauchern, sondern auch der Bekleidungsindustrie. Letzterer müssen wir einen Nutzen stiften, um sie auf uns aufmerksam zu machen.“ Nicht nur dafür habe die EFIT im vergangenen Jahr einiges angestoßen.
Im Tätigkeitsbericht erläuterten die einzelnen projektverantwortlichen EFIT-Mitarbeiter mehr zu den Aktivitäten des Verbands im vergangenen Jahr. So wurde das FashionCare-Qualitätssicherungssystem inklusive Logbuch komplett überarbeitet. Als Vorbereitung für die FashionCare-Zertifizierung gibt es nun sogenannte „Warm-ups“, bei denen ein EFIT-Mitarbeiter vor Ort im Betrieb allen Mitarbeitern erläutert, worum es bei FashionCare geht, und grundlegende Tipps gibt. Wer die Zertifizierung erfolgreich geschafft hat, sollte dies kundtun. Hierfür bietet die EFIT vorgefertigte PR-Briefe, die an Boutiquen, Bekleidungshäuser und -hersteller sowie die Presse im Umkreis der betreffenden Reinigung geschickt werden können.
Neben dem fast abgeschlossenen Projekt zu „neuen Lösungsmitteln“ hat die EFIT außerdem das Projekt „fluorcarbonfreie Imprägnierung in der Textilindustrie bzw. Reinigung“ initiiert. In Kooperation mit dem wfk in Krefeld wurden zwei weitere Projekte angestoßen: ein Vergrauungs- bzw. Weißgradtest sowie ein Lösungsmittelschnelltest (Geruchstest). Zur Intensivierung der Zusammenarbeit mit der Bekleidungsindustrie stellte die EFIT u.a. die Idee eines Pflegekennzeichnungsservices vor. Es ist zudem ein Seminar mit GermanFashion angedacht, bei dem die EFIT Bekleidungsherstellern Tipps in Sachen Pflegekennzeichnung gibt und Schadensfälle vorstellt. Als weiterer Service ist im Mitgliederbereich der EFIT-Website ein Verzeichnis abrufbar mit direktem Kontakt zu Ansprechpartnern aus dem Reklamationsmanagement der Bekleidungshersteller.
Nach der offiziellen Mitgliederversammlung folgten fünf Fachvorträge zu aktuellen Themen.
Weniger Aufwand, mehr Ertrag
Einen inspirierenden Vortrag rund um Führung hielt Ernst „Aschi“ Wyrsch, der an der Business School St. Gallen mit CEOs und Unternehmern arbeitet und u.a. Fünfsternehäuser als diplomierter Hotelier führte. Unter dem Titel „Neue Antriebe des Denkens – Trends und Wandel in der Dienstleistungsindustrie“ gab er Anregungen für Chefs. Eine Fragestellung war z.B., wie mit weniger Aufwand mehr Ertrag zu erzielen ist. Es kristallisiere sich heraus, dass ohne eine Werteerfassung der Erfolg schnell flüchtig werden kann, so Wyrsch. Wie also können Arbeitsumfelder gestaltet werden, so dass Mitarbeiter zur freiwilligen Leistungssteigerung angeregt werden? Zur werteorientierten Führung gehört u.a., zu spüren, was die Mitarbeiter sich wünschen. So kann beispielsweise die Art und Weise, wie Anerkennung angebracht wird, vom Einzelnen ganz verschieden aufgenommen werden. „Als Chef sollte ich ein Gespür dafür entwickeln, ob mein Mitarbeiter vor der Gruppe gelobt werden will oder lieber unter vier Augen“, sagte Wyrsch. Menschen arbeiten für Anerkennung. Monetäre Anerkennung habe dabei nur beschränkte Wirkung. Sein Tipp: „Hören Sie Ihren Mitarbeitern einfach mal zu.“
Aber auch die Werte seiner Kunden sollte ein Unternehmer kennen. „So kann man sie passgenau ansprechen und der Kunde fühlt sich wohl.“ Wyrsch betonte in diesem Zusammenhang u.a., wie wichtig die Y-Generation (nach 1980 Geborene) für Unternehmen werden wird: „In zehn Jahren machen diese 70 Prozent der Mitarbeiter und der Kunden von Ihnen aus.“ Die „Y-ler“ sind mit dem Internet aufgewachsen und gut vernetzt. Für sie gilt: „Mehr ist nicht unbedingt besser.“ Die Y-Generation und ihre Eigenheiten zu kennen, kann außerdem bei der Nachwuchsgewinnung helfen.
Praxisgerechtes Dokumentationstool
Im folgenden Vortrag ging Maria Bischoff nochmals detaillierter auf das FashionCare-Logbuch ein. „Der Besuch in Betrieben hat gezeigt, dass neue Tools für die Praxis benötigt werden“, erzählte die Schweizer EFIT-Mitarbeiterin von ihrer Tätigkeit der FashionCare-Zertifizierung. Der bisherige, recht umständlich zu handhabende Ordner mit Maßstäben und Schablonen verstaubte oft im Regal. Mit dem neuen Logbuch entwickelte die EFIT eine praxisgerechtere Lösung. Seit Ende 2013 gibt es das Logbuch, das mit Magneten an der Reinigungsmaschine befestigt und direkt ausgefüllt werden kann. „Sie erfüllen so nicht nur Ihre Aufzeichnungspflicht, sondern haben auch ein praktisches Bewertungssystem für die Leistung der Mitarbeiter“, erläuterte Bischoff. Das Logbuch soll ständig weiterentwickelt werden. Die Referentin sagte: „Wenn Sie Feedback oder Verbesserungsvorschläge aus Ihrer täglichen Arbeit mit dem Logbuch und dem gesamten System haben, freuen wir uns darüber. Wir sind offen für alle Ideen.“ Ab 2015 soll auch das EFIT-Hygienemodul im Logbuch integriert sein.
Hygiene fest im Griff
Auf das Thema Hygiene in der Textilreinigung gingen im Folgenden Dr. Alexander Rohde von BÜFA und EFIT-Mitarbeiterin Birgit Jussen genauer ein. Schon bei der letzten EFIT-Jahrestagung sorgte das Hygienethema für Diskussionen. Also widmete man diesem eine Arbeitsgruppe und führte Praxisversuche bei Reinigern durch. Fünf Textilreiniger nahmen teil, es wurden 22 Textilien untersucht. Jedes Textil wurde an zwei Stellen abgeklatscht; Abklatsche wurden vor und nach der Reinigung, nach einer Lagerung des Textils über Nacht sowie nach dem Finishprozess durchgeführt. Und so konnten einige neue Erkenntnisse gewonnen werden, u.a. folgende:
- Prinzipiell ist eine Keimreduktion durch Reinigungs- und
Finishprozess gegeben.
- Die Lagerung der Ware erhöht die Keimbelastung der Ware. Ungeklärt ist, wie und ob sich dieser Effekt auch nach dem
Finish zeigt.
- Ein Erreichen einer geringen Keimbelastung (<50 KBE/dm2) ist unabhängig vom Reinigungsverfahren durch den Finishprozess gegeben.
- Nach dem Finish liegt grundsätzlich eine geringere Keimbelastung als vor der Reinigung vor.
Auch technische Einrichtungen (Transportwagen, Bügeltische etc.) sowie die Hände der Mitarbeiter wurden untersucht; auch hier wurden teilweise hohe Keimbelastungen festgestellt. Um hierfür Bewusstsein zu schaffen und beim Sauberhalten keinen kritischen Punkt zu vergessen, möchte die EFIT ihren Mitgliedern ein Tool anbieten. Birgit Jussen stellte den Zuhörern die Hygiene-To-dos vor und erläuterte, welche Kontrollpunkte und Bewertungskriterien wichtig sind (ausführliche Erläuterungen zu diesem Thema gibt es auch in der Artikelreihe „Die Hygienefrage“, erschienen in RWTextilservice 4/2014 bis 7/2014). Ziel der EFIT sei es, den Mitgliedsbetrieben ein Hygienezertifikat auszustellen, damit diese auch nach außen zeigen können: „Unser Antrieb ist saubere Arbeit.“
Was ein gutes Hemd ausmacht
Der Antrieb für Michael Kauf sind Oberhemden für Herren. In seinem Vortrag mit dem Titel „Hemden, Hemden, Hemden – wie man damit 110 Jahre erfolgreich sein kann“ gab der Inhaber der Schweizer Kauf AG Einblicke in das Hemdengeschäft. „Die Hemdenmode ist im Laufe der Zeit wesentlich umfangreicher geworden: Je nach Zielgruppe wird z.B. unterschieden in regular, modern oder body fit“, erläuterte Kauf. Auch Jersey werde mittlerweile für Hemden eingesetzt und das Maßhemd genieße ein Revival. Anhand eines Unternehmensvideos präsentierte Kauf die vielen Schritte bei der Fertigung. Anschließend legte er dar, was entscheidend für ein qualitativ hochwertiges Oberhemd ist. Dabei spielen viele Komponenten eine Rolle, vom Stoff über den Schnitt und die Zutaten bis zur Verarbeitung und der Stichdichte beim Nähen. Wichtig für die Pflegeeigenschaften eines Hemds ist beispielsweise der Produktionsschritt des Verklebens von Manschetten, Kragen und Vorderteilleiste. Auch die Nähtechnik muss akkurat sein, da es sonst Probleme bei der Pflege geben kann. Für einen optimalen Tragekomfort rüstet Kauf seine Hemden außerdem mit Aloe vera aus.
Pflegekennzeichnung managen
Beim Bekleidungshersteller Hugo Boss sind nicht nur Hemden ein Thema. Das Metzinger Unternehmen beschäftigt sich auch besonders mit der Pflegekennzeichnung seiner Produkte. Nikolina Cvijic erläuterte in Mülhausen, wie Hugo Boss die Pflegekennzeichnung managt. Sie gab zu: „Das ist ein für uns nicht immer einfaches Thema.“ Häufig werden vom Stofflieferanten Vorgaben gemacht, wie diese zu pflegen sind. Auch Accessoires und sonstige Bestandteile, die mit im Bekleidungsstück verarbeitet werden, müssen gemäß der Kennzeichnung pflegbar sein. Die richtige Pflegekennzeichnung für das „Gesamtwerk“ zu ermitteln, setzt also ein gewisses Vorgehen voraus. Bei Hugo Boss habe man strenge Regeln für die Pflegekennzeichnung festgelegt und sei jederzeit offen für Anregungen von Textilreinigern betreffend die Pflegekennzeichnung, betonte Cvijic. So testet beispielsweise die Textilreinigung Koch in Metzingen immer wieder Textilteile und Produkte für Hugo Boss. In den Pausen zwischen den Vorträgen konnten sich die Teilnehmer der EFIT-Jahrestagung austauschen und die Atmosphäre im spektakulären Automobilmuseum genießen.