Als in den 90er Jahren die Diskussionen um den Umweltschutz in Textilreinigungen losgingen, schafften sich Ulrich und Peter Horn eine Nassreinigungsmaschine an. Rund 20 Jahre später sind sie von dem Verfahren jedoch noch immer nicht ganz überzeugt. Für sie geht nichts über Per.
3 Textilreiniger zu sein, das liegt ihnen im Blut. Zuerst die Oma, dann der Vater, jetzt Peter und Ulrich Horn. Gemeinsam führen sie die Textilpflege Horn in Pfaffenhofen. Peter ist eher für Organisation und Betrieb, Ulrich für das Praktische zuständig. Weil ihm das Handwerkliche einfach besser liege, sagt Ulrich Horn. „Mein Bruder ist aber ein ebenso guter Textilreiniger“, fügt er hinzu.
Gemeinsam treffen sie die Entscheidungen, gemeinsam zogen sie ihre warmen Filialen vor etwa 20 Jahren zu einer Reinigungszentrale zusammen. Gemeinsam entschieden sie in den 90er Jahren, den Schritt zur Nassreinigung zu wagen. „Wir sind damals auf den Zug mitaufgesprungen“, erzählt Peter Horn. Damals, als Per verteufelt, FCKW verboten wurde und die Nassreinigung als Alternative aufkam. „Die Kunden waren zu jener Zeit sehr daran interessiert, mit welchen Mitteln wir arbeiten“, erzählt der 66-Jährige Peter Horn.
Dass sie sich überhaupt dazu entschieden, den Betrieb auf eine Zentralreinigung umzustellen, ist ebenfalls der Entwicklung um Per und FCKW geschuldet. Denn ein Landrat aus Dachau, wo sie ebenfalls eine warme Reinigung hatten, rief die Horns an und verkündete ihnen, er wolle künftig einen Per-freien Landkreis. Kein Platz also für die Textilreinigung der Brüder. Obwohl sie auch in der neuen Zentrale in Pfaffenhofen bei der Reinigung mit Per
blieben, schafften sie sich sicherheitshalber zusätzlich eine Nassreinigungsmaschine an. „Wir dachten, die Entwicklung gehe so weiter.“
Wenige Textilien landen in der Nassreinigung
Anfangs hätten sie, wie alle anderen auch, viele Fehler gemacht, erzählen die Brüder. Teils hätten sie Textilien nassgereinigt, die das nicht vertragen haben. Die Erfahrung mussten sie erst machen. Am Eingang der Textilreinigung steht daher heute ein kleines Tischchen. Denn seither schaut sich Uli Horn jedes Teil an, das angeliefert wird, und entscheidet, in welchem Verfahren es die Mitarbeiterinnen bearbeiten sollen – Nassreinigung, Trockenreinigung oder vielleicht in die Waschmaschine? Soll es in die Nassreinigung, wird das Teil oft zunächst mit Rücklaufzettel an die Kunden zurückgegeben. Sie müssen unterschreiben, dass sie das Risiko eingehen wollen.
Denn obwohl die Brüder nun schon seit rund 20 Jahren nassreinigen, scheinen sie dennoch nicht vollkommen überzeugt von dem Verfahren zu sein. Nur ein Bruchteil der Textilien landet daher in der Nassreinigungsecke. Per hingegen ist das Mittel der Wahl für die Betriebsinhaber, obwohl es in der Zwischenzeit noch andere Alternativen gäbe. „Es gibt umweltfreundlichere Lösungsmittel, aber die Reinigungsergebnisse sind mit Per einfach am besten“, erläutert der 62-Jährige Ulrich Horn. Nassreinigung dagegen brauche mehr Erfahrung, sei zeitaufwändiger und koste mehr. Sobald man mit größeren Mengen arbeite – 800 Teile am Tag sind es bei den Horns – sei die Nassreinigung nicht mehr wirtschaftlich, fügt sein Bruder hinzu. Im Gegensatz zu den Neunzigern interessieren sich die Kunden derzeit nicht dafür, welches Verfahren die Textilreinigung anwendet. Wenn sie ihre Bekleidung in einer der 30 Annahmestellen oder der fünf Filialen abgeben, wissen sie teils nicht, dass es die Möglichkeit zur Nassreinigung gibt. Erst in der Zentrale entscheidet der Chef darüber, was mit den Textilien passiert.
Als zusätzliches Standbein zum normalen Tagesgeschäft bieten die Brüder die Bearbeitung von Brandschäden an Textilien an. „Gerade im Winter passieren oft Unfälle – nicht mit Kerzen, sondern wegen Elektrogeräten“, sagt der Ältere der beiden. Dafür arbeiten die Horns mit einer Firma zusammen, die sich bei den Kunden um alles kümmert. Der Geschäftspartner ruft also die Horns an, wenn sie die Wäsche abholen sollen. Sie entscheiden vor Ort, bei welchen Textilien es sich noch lohnt, sie zu reinigen. Einen Kostenvoranschlag und dem Okay der Versicherung später, wird die Wäsche bei den Horns bearbeitet – zwei Drittel davon in der Nassreinigung. Denn das ist aus Sicht der Brüder einer der wenigen, aber wichtigen Vorteile der Nassreinigung: Sie entfernt den Geruch aus den Textilien besser als andere Verfahren.
Die Qual der Wahl an Alternativen
Trotzdem: Oft landet auch die Wäsche aus Brandschäden zuerst in der Reinigungsmaschine – zuerst Per, dann nassreinigen. Denn das ist die Nassreinigung für die Brüder: nur ein ergänzendes Verfahren. Trotz der hohen Auflagen, die sie auch in Pfaffenhofen mit ihren zwei Per-Maschinen erfüllen müssen, können sie sich derzeit nicht vorstellen umzusteigen, auch was andere Lösungsmittel angeht. K4 kommt für beide nicht in Frage. Vielleicht, nur falls eine Per-Maschine ausfalle, überlege man sich eine KWL-Maschine anzuschaffen, sagt Peter Horn. Noch scheint er davon jedoch eher überzeugt zu sein als sein Bruder. Die Nassreinigung soll zwar bleiben – nach wie vor aber nur als Ergänzung.
Bei all den Alternativen, die die Horns abzuwägen haben, bleibt dennoch festzuhalten: Dass es überhaupt einmal so viele Wahlmöglichkeiten beim Reinigen von Textilien geben würde, das hätte ihre Oma, als sie im Jahr 1900 den ersten Waschsalon in Stuttgart eröffnete, wohl nicht gedacht.